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Diözese Sankt Pölten
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Gedanken zur Woche 328; Dr. Matthias Martin

14. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)

Eine der Seligpreisungen aus der matthäischen Bergpredigt lautet nach der neuen deutschen Einheitsübersetzung „(Mt 5,9) Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder genannt werden.“ Mancher und manchem mag auch eine Wiedergabe geläufig sein wie „(Mt 5,9) Selig die Friedensstifter; denn wie werden Söhne Gottes heißen.“
Kurz vor dieser Stelle finden wir, wenn wir wiederum der neuen deutschen Einheitsübersetzung folgen, die beiden einzelnen Seligpreisungen „(Mt 5,5) Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben“ und „(Mt 5,7) Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“

Diese Seligpreisungen weisen ja in die Richtung, dass man Verständigungsbereitschaft und Gewaltverzicht pflegen soll. Friedfertigkeit ist angesagt. Dies gilt egal, ob man die Seligpreisungen der Bergpredigt mehr bis ausschließlich im Sinne einer Individualethik interpretiert. Demnach sollte sich der einzelne Mensch, insbesondere die einzelne bekennende Christin, der einzelne bekennende Christ in diesem Sinne bemühen, ihre bzw. seine Persönlichkeit, den eigenen Charakter und das damit verbundene Verhalten zu entwickeln. Friede im eigenen Herzen, in den eigenen Worten und im individuellen Tun wäre damit angesagt. Es ginge hier zuerst einmal nicht oder zumindest weit weniger um eine Ausrichtung der das Individuum übersteigenden Einheiten an diesen Worten aus dem Matthäusevangelium. Die Prägung solcher den einzelnen Menschen übersteigender Strukturen, Gemeinschaften oder wie auch immer wäre höchstens dadurch im Guten gegeben, dass sich möglichst viele einzelne Menschen in diesem Sinne orientierten und mehr oder minder aktiv benähmen. So gibt es ja die Interpretation, dass das je eigene Glaubenszeugnis, die persönliche Ausstrahlung und das individuelle Tun guter Werke in der frühen Zeit ganz erheblich die Anziehungs- und Überzeugungskraft des Christentums ausgemacht habe. Später habe sich dies immer wieder in Gegenden erwiesen, in denen das Christentum noch nicht so in der Öffentlichkeit präsent gewesen sei und insbesondere nicht die Unterstützung des offiziellen Staatswesens und führender Kreise besessen habe. In westlichen Ländern gälte jetzt wieder stärker, dass die einzelne Christin, der einzelne Christ solchermaßen glaubwürdiges Zeugnis im Alltag abzulegen habe. Die offiziellen kirchlichen Strukturen haben ja tatsächlich sehr viel an gesellschaftlicher Ausstrahlung oder auch Einschüchterungspotential verloren. In der Bundesrepublik Deutschland gilt die Verurteilung durch Bischöfe nicht wenigen Menschen längst als eigene Wahlempfehlung zugunsten der angegriffenen betreffenden Politikerin, des jeweiligen Politikers oder überhaupt einer ganzen Partei. Die Verbandelung von Politikern mit so umstrittenen Einrichtungen wie der bundesdeutschen Bischofskonferenz und dem sog. Zentralkomitee der deutschen Katholiken gilt dementsprechend längst in weiten Teilen der Gesellschaft als bedenklich bis regelrecht abschreckend.

Dann gibt es aber auch die Interpretation in Hinblick auf diese bestimmten Seligpreisungen und generell bezüglich der Seligpreisungen der Bergpredigt in ihrer Gesamtheit, dass es sich hierbei ganz erheblich oder gar überhaupt in erster Linie um ein politisch-gesellschaftlich Programm handle. Demnach sollte daraufhin gearbeitet werden, dass sich staatliche Politik und Formationen in der Gesellschaft wie Parteien einschließlich Wählergemeinschaften und Interessensverbände an diesen Worten orientierten. Demnach wären solche biblischen Worte ganz erheblich die Grundlage für ein politisches Programm und nicht so sehr eine individuelle Herzensangelegenheit.
Wie man immer diese und andere Bibelstellen auslegen mag, so sollte es doch nicht zu Feindseligkeiten oder gar Gewalt Anlass geben. Auch bei theologischen Meinungsverschiedenheiten sollte sich die Einzelne, der Einzelne ebenso um Gewaltlosigkeit in Gedanken, Worten und Werken bemühen wie eine Gruppe von Menschen bis hin zu großen konfessionellen Gemeinschaften und dergleichen.

Christinnen und Christen, die politischer Ämter und dergleichen innehaben, sollen sich natürlich im Besonderen für den Frieden einzusetzen. Dies fängt auf Gemeinde- und Betriebsebene an und geht hin bis zur internationalen, ja Weltebene.
Ganz in diesem Sinne hat ja sich auch der amtierende Papst Leo XIV. geäußert. Wenn man weiß, wie sehr unterschiedliche Bibelauslegungen Anlass zu Streit bis hin zu gewalttätigen Konflikten gaben und geben, so war es nicht verwunderlich, dass er dabei gerade von „christlicher“ Seite auf Widerspruch, ja auf regelrechten Hass stieß.
Dabei folgte er nicht zuletzt seinem Vorgänger und gewissermaßen Namenspatron Leo XIII. Dieser hatte doch in seinem langen Pontifikat von 1878 bis 1903 nicht zuletzt die Ideologie des Amerikanismus verurteilt (siehe Gedanken zur Woche 319 – 5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)). Mit dem deutschen Reichskanzler und langjährigen preußischen Ministerpräsidenten, Otto von Bismarck, arbeitete er nicht nur sporadisch, sondern über Jahre hinweg in einer umfassenden Friedenspolitik zusammen (siehe Gedanken zur Woche 137-b – 32. WOCHE IM JAHRESKREIS (2022); Gedanken zur Woche 140 – 1. ADVENTSONNTAG (2022); Gedanken zur Woche 271-b – 7. OSTERWOCHE (2025) und Gedanken zur Woche 272 – HOCHFEST von PFINGSTEN (2025)).

Die Warnungen von Papst Leo XIV. wegen der Angriffe in diesem Falle der USA und Israels auf den Iran stießen zunächst auf hasserfüllte Reaktionen gerade von Vertretern der gegenwärtigen US-Regierungen und ihren theologischen oder kirchenpolitisch-konfessionellen Unterstützern. Damit wiederholte sich dasselbe Grundmuster wie beim Überfall auf Irak und der anschließenden Aufteilung dieses Nachbarlandes des größeren Iran in je eine britische, eine polnische und eine US-amerikanische Besatzungszone. Damals hat sich Papst Johannes Paul II. nicht von seiner Kritik an dieser Aggression abbringen lassen, auch wenn sich daran eine ganze Reihe weiterer Staaten wie Australien, Portugal, Spanien, Italien, Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Tschechien, Südkorea, Neuseeland und noch mehrere andere beteiligten. Großbritannien kam bis hin zur Fälschung angeblicher Beweismittel eine besondere Scharfmacherfunktion zu. Längst möchten alle möglichen damaligen Täter und Mittäter nicht mehr auf ihre damalige Rolle angesprochen werden. Dabei hatte die Kriegspropaganda damals nicht davor zurückgeschreckt, Papst Johannes Paul II. als Nazifreund zu verunglimpfen. Einer der prominentesten US-Fernsehprediger meinte passend dazu, dass überhaupt alle, die sich gegen diesen Überfall auf den Irak aussprächen, Nationalsozialisten, kurz Nazis, wären. Das war offensichtlich bei den damaligen Kriegsbefürwortern keine isolierte Einzelposition.
Es war schon bezeichnend, dass die Anhänger der britischen Herrschaft in Nordirland, die sog. Unionisten von der traditionell militant antikatholischen DUP meinten, der Krieg gegen den Irak unter Federführung durch US-Präsident George W. Bush sei ein guter Anfang. Man dürfe dabei aber nicht aufhören. Es solle noch mehr militärische Gewalt geben. Selbst solche Extremisten wollen scheinbar nicht mehr so gerne auf ihre damalige Hasskampagne angesprochen werden. Man ist inzwischen auch vorsichtiger geworden, gegen den Heiligen Stuhl wegen seiner vollen Anerkennung des Staates Palästina zu polemisieren. Dabei sind es auch hierbei wieder bezeichnenderweise Katholiken Irlands und Schottlands, die engagiert an der Seite des Papstes stehen.

Der jüngste Feldzug gegen den militärisch und auch sonst schlagkräftigeren Iran ist ja dann besonders rasch völlig gescheitert. Eine der Folgen ist offensichtlich, dass sich schon vorhandene Spaltungen unter protestantischen Denominationen insbesondere innerhalb der USA vertieft und weitere Spaltungen entwickelt haben.

 

1. Lesung: Sach 9,9-10
2. Lesung: Röm 8,9.11-13
Evangelium: Mt 11,25-30

 

 

 

Gedanken zur Woche 328-b, Dr. Matthias Martin

14. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)
Wenn man die Heiligen in den Blick nimmt, die nach dem derzeit meist verwendeten liturgischen Kalender während der 14. Woche im liturgischen Jahreskreis besonders im Blickpunkt stehen, dann wird deutlich, dass diese Welt nicht so friedlich ist, wie man sich dies wünscht oder wie offensichtlich gerade Menschen aus dem deutschen Sprach- und Kulturraum das in ihrem von ihnen selber regierten Reich der Träume so meinen.
Ganz grundsätzlich muss man doch realistischerweise zugeben, dass die Menschenrechtssituation in vielen bis sehr vielen Ländern angespannt bis katastrophal ist.
Hoffnungen, die immer wieder genährt wurden, dass wenn dieser oder jener Krieg oder Umsturz erfolgreich geführt werde, nun in der Welt Frieden und Demokratie herrschten, wurden wiederholt bitter enttäuscht.

Im Sinne der Totalitarismustheorie gerade der jüdischen Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt ist es gerade typisch für totalitäre Regime, die schönsten Dinge zu versprechen, um sich dann in der eigens geschaffenen brutalen Wirklichkeit ganz anders zu benehmen. Es ist gerade typisch für totalitäre Regime, etwa semantische Verfassungen in Kraft zu setzen bzw. ganz allgemein ihre politischen Manöver in diesem Sinne zu gestalten. Eine semantische Verfassung zeichnet sich durch ein Bekenntnis zu den Grundrechten, freien Wahlen und freie Selbstbestimmung aus bis hin etwa zur Zusicherung, dass Einzelgebiete wie die jeweiligen Teilrepubliken den Staatsverband jederzeit verlassen könnten. Die Wirklichkeit sieht dann ganz anders aus. Eine semantische Verfassung wirkt sich keineswegs machtbegrenzend und die tatsächliche Staatsspitze kontrollierend aus. Sie ist in erster Linie rhetorische Fassade.
Die menschenfreundlich klingenden Formulierungen in sowjetischen Verfassungen verhinderten weder den so gerne verdrängten Völkermord in Kasachstan zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts mit bis zur Hälfte der dortigen Bevölkerung als Todesopfern noch den Holodomor in der Ukraine einschließlich historischen ukrainischen Siedlungsgebieten mit sieben bis vierzehn Millionen Todesopfern. Genauso verhinderte die sowjetische Verfassung von 1936 weder die blutige Unterdrückung der polnischen Minderheit in der damaligen Sowjetunion, noch das millionenfache Töten von Menschen aus den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften und Volksgruppen in den ab September 1939 im Rahmen der dann laufenden sowjetischen Westexpansion unterworfenen Gebieten. Der US-Historiker Timothy Snyder hat dies eindrücklich angesprochen. Der jüdische Historiker Henry Abramson fand dann nicht zuletzt in youtube-Beiträgen klare Worte zu diesen furchtbaren Vorgängen.

Die weiterhin geltende sowjetische Verfassung verhinderte nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht die Vernichtungsversuche gegen die ukrainisch-katholische Kirche wie gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche. Auch Juden konnten allen wohlklingenden Worten in so einem nominellen Dokument zum Trotze rasch wieder Opfer des Regimes werden. Gleichermaßen hatten Muslime unter sowjetischer Herrschaft nichts von den nach außen hin schönen Worten der sowjetischen Verfassung und der betreffenden Rhetorik sowjetischer Vertreter. Nicht zuletzt verstand es ein Regime wie das der Sowjetunion immer wieder, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. So meint man in nach eigener Aussage „christlichen“ Kreisen immer wieder, das millionenfache Vernichten muslimischer Menschen sei doch nicht schlimm gewesen, es habe wohl nicht die Falschen erwischt. Auch die sowjetischen Brutalitäten gegen Juden und Anhänger christlicher Freikirchen stößt dann immer wieder auf Verständnis bis hin zu zumindest so etwas wie Schadenfreude. Gerne werden betreffende Grausamkeiten überhaupt verdrängt bzw. verleugnet. Erschütternd ist eigens die Haltung, die mitunter selbst bei westlichen Katholiken insbesondere in Hinblick auf die sowjetische Vernichtungspolitik gegenüber der ukrainisch-katholischen Kirche zutage tritt. Aus derselben Richtung wird dann auch die gegenwärtige russische Aggression gegen die Ukraine damit „gerechtfertigt“, dass die ukrainisch-katholische Kirche doch so anders sei als die eigenen nachkonziliaren Gegebenheiten im westlichen Kirchenbereich. Auch den ukrainischen Katholiken geschähe eigentlich ganz recht und Putin habe heutzutage doch im Wesentlichen gute Absichten.

Dabei gab es Gewalt etwa gegen Christen auch schon in früheren Jahrhunderten. Das Schicksal der heiligen Kilian und seiner Gefährten in Mitteleuropa weist darauf hin.

Natürlich gab es Verfolgungen nicht zuletzt in früheren Monarchien, wie gerade in so manchem Kaiserreich. Verfolgungen waren eben nicht erst die Erfindung irgendwelcher Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Das Martyrium des heiligen Augustinus Zhao Rong und Gefährten in China verdeutlicht dies. Dabei erreichte das dortige Vorgehen bei weitem nicht jene Systematik, wie jene gezielt gegen Katholikinnen und Katholiken gerichteten Dauerverfolgungen im Kaiserreich Japan (siehe Gedanken zur Woche 235-b – 25. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024) und Gedanken zur Woche 254-b – 4. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).
Es war aber eben schon in kaiserlichen Zeiten auch in China nicht alles so nett, wie es vielleicht mancher sich nostalgisch-verklärend denken mag.
Die zahlreichen Widerstandsbemühungen etwa in Form von Geheimgesellschaften und natürlich die offenen Aufstände gegen die Kaiser in der chinesischen Geschichte unterstreichen dies. Diese gingen hin bis zu dem gewaltigen Taiping-Aufstand von 1850 bis 1864. Dieser Aufstand führte sogar zur vorübergehenden Bildung eines eigenen Staatswesens. Dieses verfügte auch über eine eigene Marine. Als Hauptstadt diente jahrelang Nanking. Allein dieser Konflikt kostete mehrere Millionen Menschenleben. Die divergierenden Schätzungen gehen bis zu 100 Millionen Todesopfern.

Solche Auseinandersetzungen stellen eine deutliche Warnung vor einer im schlechten Sinne eurozentristischen Sichtweise dar. In Hinblick auf die Zahl der Opfer war der Taiping-Aufstand doch einer der ganz großen und eben gerade sehr blutigen Auseinandersetzungen der Menschheitsgeschichte. Ideologische und ethnische Elemente spielten hier in sehr brutalisierender Weise zusammen. Mit der Niederschlagung dieses gewaltigen Aufstandes endete die Opposition gegen die Mandschu-Dynastie in China keineswegs. Wiederholt kam es zu eigenen Aufständen von Muslimen. Hier gewann Ostturkestan besondere Bedeutung. 1944 kam es dann mit entscheidender sowjetischer Unterstützung zur Bildung einer wenige Jahre existierenden Volksrepublik Ostturkestan. Die sowjetische Unterstützung dieses Staatsprojektes stellte eine grobe Illoyalität gegenüber den eigenen offiziellen chinesischen Verbündeten dar. Ihrerseits ließ die sowjetische Führung, als es ihr opportun erschien, auch diese ostturkestantische Volksrepublik rasch wieder fallen. Das hatte dann tödliche Folgen für einige der dortigen kommunistischen Genossen.

Nanking war bereits etwas vorher Sitz einer mit Japan verbündeten gewissermaßen chinesischen Gegenregierung geworden. Von daher können Begriffe wie Nanking-China und Nanking-Regime begegnen. Die Alliierten und die chinesischen Kommunisten erkannten weiterhin die Regierung von Chiang Kai-Shek an. Während das Nanking-Regime wie auch das Kaiserreich Manchukuo/Mandschukuo mit der japanischen Niederlage am Ende des Zweiten Weltkrieges vernichtet wurden und zusammenbrachen, ließ sich Chiang Kai-Shek erst einmal als einer der Hauptsieger des Zweiten Weltkrieges feiern. Dabei brachte das Ende des Zweiten Weltkrieges gerade in Ostasien alles andere als Frieden und Harmonie.
Den wiederausbrechenden chinesischen Bürgerkrieg verlor Chiang Kai-Shek alsbald und floh mit zahlreichen Getreuen nach Taiwan. Dort hatten seine nationalchinesischen Truppen bei der Niederwerfung des taiwanesischen Volksaufstandes von 1947 selber noch ein ziemliches Gemetzel angerichtet. Auch Chiang Kai-Shek war eben alles andere als eine demokratische Lichtgestalt. Solange er und seine Freunde über zumindest Teile von so etwas wie Festlandchina herrschten, herrschte dort hemmungslose Korruption. Der im Laufe der weltpolitischen Entwicklungen dann vor allem von den USA so heftig unterstützte Chiang Kai-Shek hatte sich beizeiten als regelrechter Fan sowohl von Josef Stalin wie von Adolf Hitler geäußert.

 

 

 

Gedanken zur Woche 327, Dr. Matthias Martin

13. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)
Nicht umsonst lädt die unverfälschte katholische Tradition die Menschen und da naheliegenderweise insbesondere Katholikinnen und Katholiken ein, Bibel zu lesen. In neuerer Zeit kamen verstärkt Möglichkeiten hinzu, sich die Bibel etwa anzuhören. Das Internet und andere moderne Medien einschließlich der in diesem Sinne Sozialen Medien entwickeln sich ja ständig rapide fort. Das schlägt sich nicht zuletzt recht deutlich, ja drastisch in der Entwicklung von in diesen Bereichen tätigen Unternehmen nieder. Rapide Kursbewegungen wie spektakuläre Börsengänge in diesem Zusammenhang während der letzten Jahre sind mancher und manchem im Gedächtnis.
Dabei haben eh schon seit frühen christlichen Jahrhunderten Synoden und kirchliche Persönlichkeiten zur Beschäftigung mit der Bibel und ihren einzelnen Schriften aufgefordert. So wird dem lateinischen Kirchenvater, Bibelübersetzer und gewissermaßen Bibelherausgeber Hieronymus der mahnende Satz zugeschrieben „Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen.“
Es war gerade dieser Kirchenvater, welcher sich auch für Teile der Bibel interessierte, welche nicht wenigen Menschen als sperrig, irgendwie „überraschend“ und „nicht nett“ erscheinen mögen. So wandte er sich in Zusammenarbeit mit gelehrten Persönlichkeiten aus dem Judentum nicht zuletzt intensiv den Schriften des Alten/Ersten Testaments zu und bemühte sich diesbezüglich um eine möglichst exakte, vorurteilsfreie Übersetzung. Bezeichnenderweise stellte er eigens die Bedeutung des alttestamentlichen Buches Judit heraus (siehe Gedanken zur Woche 318-b – 4. OSTERWOCHE (2026)).
In diesem Sinne äußerte sich dann eben auch allgemeine Konzilien, Päpste und etwa der so bekannte Erzbischof Marcel Lefebvre aus dem (historischen) Westflandern.

Ihrerseits war es die lange an der US-Eliteuniversität Yale lehrende Professorin Christine Hayes, die herausstellte, dass die Bibel eben kein nettes Buch zum Vorlesen für Kinder ist.
In der Bibel bekommt man eben Aussagen und ganze größere Teile geboten, die einem solchen von Christine Hayes namhaft gemachten, aber in weiten Teilen der Bevölkerung gerne gepflegten Klischee deutlich widersprechen.

Das betrifft dann eben nicht nur Teile des Alten/Ersten Testaments. Solche „befremdlichen“, „überraschenden“, „politisch unkorrekten“ oder „anstößigen“ Stellen findet man eben auch in den Schriften des Neuen/Zweiten Testaments und da nicht zuletzt innerhalb des Corpus der vier Evangelien.

Das zeigt sich etwa im zehnten Kapitel des gerne als besonders kirchlich, als im Gemeindeleben besonders direkt einsetzbar eingestuften Matthäusevangeliums. Da finden wir eben nach der neuen deutschen Einheitsübersetzung dann so kantige Verse wie:

„(Mt 10,28) Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! … (32) Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. (33) Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (34) Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. (35) Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; (36) und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.“

Diese schon gerade für in neuerer Zeit sozialisierten Katholikinnen und Katholiken heftig klingenden Verse werden dann noch in diesem für viele herausfordernden oder irritierenden Stil direkt fortgesetzt:

„(Mt 10,37) Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. (38) Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. (39) Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Diese Verse finden wir nicht bloß in der Bibel als solcher, sondern eben wenige Kapitel nach den Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5,3-12). Diese werden doch besonders gerne angeführt im Sinne einer „netten“, politisch korrekten und stromlinienförmig angepassten Art von Christentum. Dabei wird offensichtlich gerne der Abschluss dieser matthäischen Seligpreisungen schon gerne etwas vernachlässigt, wenn es dort gar nicht „nett“ heißt:

„(Mt 5,10) Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.
(11) Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. (12) Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.“

Die konfrontative Gegenüberstellung von Sohn und Vater, Tochter und Mutter, Schwiegertochter und Schwiegermutter sowie den Hausgenossen und einem betroffenen Menschen macht deutlich, dass es Konflikte im engsten Umfeld eines Menschen, in seinem eigenen Bereich gibt.
Nicht umsonst gelten Bürgerkriege sowie (örtliche) Unabhängigkeitskriege als besonders grausam. Im Amerikanischen Bürgerkrieg, eben auch genannt der Krieg der Staaten, kamen wohl deutlich mehr US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner um, als in allen Kriegen, welche die USA seit ihren Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien focht. Während des Zweiten Weltkrieges machten auch Kommunisten Jagd auf Kommunisten. Stalinisten schreckten dabei in ihren gegen Trotzkisten gerichteten Vernichtungsbemühungen nicht vor Absprachen mit NS-Strukturen einschließlich der SS zurück. In den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in Griechenland und in serbischen Siedlungsgebieten gab es nicht nur die Kämpfe zwischen erklärten Freunden des Dreimächtepaktes samt der jeweils prodeutschen Regierung auf der einen und einem so sog. Widerstand samt Exilregierung auf der anderen Seite. Vielmehr bekämpften sich auch konkurrierende Partisanengruppen gegenseitig. Gerade moskautreue Kommunisten gingen da bei der blutigen Bekämpfung solcher Konkurrenz ziemlich zielstrebig vor.
Dies führte dann noch dazu, dass nach der Entwaffnung der meisten italienischen Truppen im September 1943 in Südosteuropa und andernorts tausende bisherige antikommunistische Partisanen zu den Deutschen bzw. auf ihrer Seite stehenden örtlichen oder nationalen Regierungen überwechselten. Diese für heutige Menschen zumeist sehr überraschenden Vorgänge zogen sich tatsächlich bis in die Zeit unmittelbar vor dem Kriegsende in Europa hin.

Dass gerade Bürgerkriege sehr blutig und erbarmungslos geführt werden, erlebt wir auch in unseren Tagen. Der Konflikt im Sudan gilt weiterhin dafür als erschütterndes Beispiel, unabhängig davon, welche Bürgerkriegsfraktion gerade von welcher ausländischen Macht unterstützt wird oder nicht. Man mag da auch an das Konfliktszenario in Syrien denken. Hier wie dort ist nicht Frieden eingekehrt. Dies gilt auch für Myanmar und so manch anderen örtlichen Konflikt. Der auseinandergebrochene Jemen und das länger schon zerfallene Staatswesen von Somalia gelten vielen als typische Beispiele für gescheiterte Staaten und mit Abspaltungen von diesen, die wesentlich lebensfähiger als diese vorübergehenden oder künstlichen Gebilde seien.

 

Für 13. Sonntag im Jahreskreis:
1. Lesung: 2 Kön 4,8-11.14-16a
2. Lesung: Röm 6,3-4.8-11
Evangelium: Mt 10,37-42

 

Für Vorabend des Hochfestes von Petrus und Paulus:
1. Lesung: Apg 3,1-10
2. Lesung: Gal 1,11-20
Evangelium: Joh 21,15-19

 

 

 

Gedanken zur Woche 327-b, Dr. Matthias Martin

13. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST PETRUS UND PAULUS (2026)
Das HOCHFEST PETRUS UND PAULUS steht dafür, dass menschliches Leben immer wieder mit Konflikten erfüllt ist.
So ist die für dieses Hochfest/Fest I. Klasse vorgesehene liturgische Farbe das Rot der Märtyrer. Das liturgische Rot ist gewissermaßen jeweils eine „sprechende Farbe“. Zu Pfingsten steht es für das Feuer des Heiligen Geistes. Folgen wir der neuen deutschen Einheitsübersetzung, so können wir in Zusammenhang mit dem Pfingstereignis lesen:

„(Apg 2,2) Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (3) Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. (4) Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt … .“

In unzähligen bildlichen Darstellungen wird eben diese Herabkunft des Heiligen Geistes in Feuerzungen dargestellt.
Häufiger kommt das Rot als Liturgiefarbe während des Kirchenjahres bei den Fest- und Gedenktagen von Märtyrerinnen und Märtyrern zum Einsatz. Da steht es symbolisch für das Blut, das eben die Märtyrerinnen und Märtyrer als Zeuginnen und Zeugen der Wahrheit für Christus vergossen haben. Dies gilt unabhängig auf die Art und Weise, wie eine Märtyrerin, ein Märtyrer bzw. eine Gruppe von Märtyrerinnen und Märtyrern starb. So wurde der heilige Florian der Überlieferung zufolge während der Christenverfolgung unter dem römischen Gewaltherrscher und obersten Machtaber in dem erheblich auf ihn zurückgehenden Herrschaftssystems der Tetrarchie Diocletian im Fluss ertränkt. In einem wortwörtlichen Sinne wurde dabei nicht sein Blut vergossen, höchstens bei vorhergehenden Folterungen. Aber auch am Gedenk- bzw. Festtag des heiligen Märtyrers Florian ist Rot die liturgische Tagesfarbe. Dies gilt auch für diejenigen Kartäusermönche von London, welche im Rahmen der unter Heinrich VIII. offen ausgebrochenen Katholikenverfolgung in einem Gefängnis angekettet wurden und dort zu Tode hungern mussten. Auch hier wurde ja nicht direkt Blut vergossen wie bei Enthauptungen etwa und zumindest etwas bei Erschießungen. Auch für die Feier der zum Tode durch Erfrieren verurteilten Vierzig Märtyrer von Sebaste ist das Rot als Liturgiefarbe vorgesehen. In dem Volksschott aus der Amtszeit von Papst Johannes XXIII. kann man zum Fest dieser heiligen Vierzig Märtyrer lesen:

„Sie dienten unter Kaiser Licinius (im 4. Jahrhundert) in Sebaste in Kleinarmenien als Soldaten. Da sie sich weigerten, den Göttern zu opfern, wurden sie zum Tode des Erfrierens auf einem vereisten Teich verurteilt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Gott gab ihnen auf ihre Bitten die Gnade des Starkmutes (Intr), so daß sie unter die Zahl der glorreichen Blutzeugen eingereiht wurden … .“

Der heilige Paulus starb als römischer Bürger durch Enthauptung unter dem bzw. durch das Schwert. Der heilige Petrus wurde gekreuzigt und das Kreuz dann im Verlauf der Hinrichtung durch die römischen Christenverfolger umgedreht. Von daher wird das Petruskreuz als ein umgedrehtes lateinisches Kreuz dargestellt. Allgemein wird angenommen, dass beide eben während der auch in außerchristlichen Quellen drastisch bezeugten Christenverfolgung unter dem besonders berüchtigten Nero das Martyrium erlitten.
Folgen wir dem liturgischen Kalender für die Feier der Heiligen Messe im nachkonziliaren Ritus, so wird am Tag nach dem HOCHFEST/FEST I. KLASSE von PETRUS UND PAULUS der ERSTEN HEILIGEN MÄRTYRER DER STADT ROM gedacht. Damit wird zum einen aller betreffenden Opfer dieses Abschnitts römischer Christenverfolgungen gedacht, unabhängig von ihrem Geschlecht, dem Alter, dem rechtlichen Stand oder Status und eben auch unabhängig von der Todesart. Zum anderen wird mit dieser liturgischen Anordnung verdeutlicht, dass die Zahl der Märtyrerinnen und Märtyrer in dieser Erdenzeit unzählbar und keineswegs auf die namentlich in einem liturgischen Kalender erwähnten Blutzeuginnen und Blutzeugen beschränkt ist. Dies gilt eben beispielsweise genauso in Zusammenhang mit den römischen Christenverfolgungen wie mit englischen Katholikenverfolgungen. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass sich englische Verfolgungen nicht auf Katholikinnen und Katholiken beschränkten. Überhaupt hatte es römische Vernichtungspolitik schon gegeben, bevor sich Christentum überhaupt zu entwickeln begann. Genauso wurden ungezählte Menschen aus ganz unterschiedlichen Religionen und Ethnien Opfer englischer und dann britischer oder großbritischer Gewalt.

Dabei gab es schon in der neutestamentlichen Zeit auch innerhalb des Christentums Konflikte. Das Neue/Zweite Testament bietet dazu zahlreiche Beispiele (siehe Gedanken zur Woche 231 – 21. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2024); Gedanken zur Woche 234 – 24. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2024) und allgemein Gedanken zur Woche 293-b – 31. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Ein besonders wichtiger Fall mit einem eigenen deutlichen Niederschlag in der Theologiegeschichte ist der sog. Antiochenische Zwischenfall, auch genannt antiochenischer Streit, genau zwischen Petrus und Paulus.
Es gibt nun dazu zwei durchaus unterschiedliche Darstellungen im Neuen/Zweiten Testament.

Im Galaterbrief bietet Paulus als der energische Vorkämpfer für eine jüdische Regelungen hinter sich lassende forsche Heidenmission seine recht scharfe Darstellung der Vorgänge:

„(Gal 2,11) Als Kephas <, also Petrus,> aber nach Antiochia gekommen war, habe ich ihm ins Angesicht widerstanden, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte. (12) Bevor nämlich einige von Jakobus eintrafen, hatte er mit den Heiden zusammen gegessen. Nach ihrer Ankunft aber zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. (13) und mit ihm heuchelten auch die anderen Juden, sodass auch Barnabas durch ihre Heuchelei mitgerissen wurde. (14) Als ich aber sah, dass sie nicht geradlinig auf die Wahrheit des Evangeliums zugingen, sagte ich zu Kephas in Gegenwart aller: Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, wie Juden zu leben? … .“

Etwas anders ist die Darstellung in der Apostelgeschichte:

„(Apg 15,1) Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden. (2) Da nun nicht geringer Zwist und Streit zwischen ihnen und Paulus und Barnabas entstand, beschloss man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen. (3) Die Gemeinde gab ihnen das Weggeleit. Dann zogen sie durch Phönizien und Samarien; dabei berichteten sie den Brüdern von der Bekehrung der Heiden und bereiteten damit allen Brüdern große Freude. (4) Bei ihrer Ankunft in Jerusalem wurden sie von der Gemeinde und von den Aposteln und den Ältesten empfangen. Sie erzählten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan hatte. … .“

Bei Paulus im Galaterbrief kracht es direkt zwischen ihm und Petrus, der ja nach katholischem Verständnis der erste Papst ist. So besitzt diese Stelle besondere Bedeutung für Menschen, die innerhalb der katholischen Kirche bleiben wollen, aber dem jeweiligen Papst oder überhaupt kirchlichen Vorgesetzten widersprechen.
Mehr im Sinne eines geordneten Prüfungsverfahrens ohne die Erwähnung einer Konfrontation zwischen Petrus und Paulus sieht es demgegenüber in der Apostelgeschichte aus. Es wird auch nicht erwähnt, dass diejenigen, welche aus Jerusalem kommend die Kontroverse auslösten, immerhin Gesandte oder Vertreter des Apostels Jakobus gewesen seien. In dieser Stelle der Apostelgeschichte sind es gerade einmal „einige Leute von Judäa“. Es ist dann im Weiteren sogar Petrus, der die entscheidende Regelung zur Sicherung der Einheit wie der Heidenmission verkündet. Die Angelegenheit läuft hier gewissermaßen in einem petrinischen Sinne ab.

 

 

 

Gedanken zur Woche 326, Dr. Matthias Martin

12. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)
Nicht zuletzt in den Versen des Matthäusevangeliums unmittelbar nach der dort erzählten Wahl und Aussendung der zwölf Apostel, wird verdeutlicht, dass Christinnen und Christen nach christlichem Verständnis hier auf Erden immer wieder Bedrängnisse zu erleiden haben. Man mag hier in Gegenüberstellung zu dieser matthäischen Zusammenstellung von Einzelaussagen etwa auch an die so spezifisch johanneischen Abschiedsreden eben im Johannesevangelium denken, konkret samt der Einleitung mit Fußwaschung in seinem dreizehnten bis siebzehnten Kapitel.
Folgen wir der neuen deutschen Einheitsübersetzung, so finden wir die häufiger zitierte oder irgendwie angeführte Aussage „(Joh 16,33,b) In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“
Zu Beginn desselben Kapitels des Johannesevangeliums ist bereits, wiederum gemäß der neuen deutschen Einheitsübersetzung, zu lesen:

„(Joh 16,1) Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. (2) Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. (3) Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. (4) Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.“

Eine ziemlich parallele Stelle zu der Ankündigung von Bedrängnissen im Matthäusevangelium finden wir beim anderen Seitenreferenten oder Großevangelium unter den Synoptikern, im Lukasevangelium (Mt 10,26-33 und Lk 12,2-9). Wir haben es hier also nicht einfach mit matthäischem oder lukanischem Sondergut zu tun. Vielmehr ist eine etwas differenzierte Traditio Duplex/Duplex Traditio vorhanden.
Die Ankündigung, die Jünger würden vor „Statthalter und Könige“ geschleppt, ist sogar als synoptische Traditio Triplex/Triplex Traditio vorhanden (Mt 10,18; Mk 13,9; Lk 21,12). Sie wird also in matthäischem, markinischem und lukanischem Kontext geboten.

Nicht nur laut neutestamentlichen Schriften ist es bereits Jesus von Nazaret in diesem Sinne ergangen. Er wurde festgenommen und letztlich durch prorömische Kollaborateure vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus geschleppt. Dort wurde er zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Es wird gerade in der neutestamentlichen Überlieferung berichtet, dass er dabei schon vor der Kreuzigung schwer misshandelt und selbst seiner Kleider beraubt wurde.
Der ihn zum Tode verurteilende Pontius Pilatus war eben Statthalter des römischen Kaisers. Dessen Soldaten waren es, welche die Misshandlungen und die Kreuzigung Jesu durchführten.
Später sind Jüngerinnen und Jünger Jesu auf dem Weg des Leidens nachgefolgt. In diese Richtung weisen bereits noch zum Neuen/Zweiten Testament gehörende Schriften.
Dass Verkünder und Bekenner des Glaubens an Jesus von Nazaret mit Unterdrückung und Gewalt rechnen mussten, wird in der Apostelgeschichte wiederholt deutlich.
Ein aussagekräftiger Vorgang sind die Verfolgungsmaßnahmen des örtlichen Herrschers von Roms Gnaden Herodes Agrippa. Dass es sich dabei um einen ziemlich opportunistischen Akteur und nicht etwa um einen religiösen Überzeugungstäter handelte, wird inmitten der Apostelgeschichte angesprochen:

„(Apg 12,1) Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. (2) Jakobus, den Bruder Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. (3) Als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen. Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote. (4) Er nahm ihn also fest und warf ihn ins Gefängnis. Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten. Er beabsichtigte, ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen.“

Gerade mit jeweiligen Kollaborateuren Roms war also auch für Jüngerinnen und Jünger nicht einfach gut auskommen, um es noch bewusst zurückhaltend auszudrücken.
Eine solche Erfahrung machte man in der Geschichte immer wieder.
Innerjüdische Anhänger der Herrschaft der Seleukiden werden inzwischen ziemlich verantwortlich gemacht für die in den beiden Makkabäerbüchern des Alten/Ersten Testaments erzählten Auseinandersetzungen und Verfolgungen. Während des Dreißigjährigen Krieges waren es gerade deutsche Söldner auf der Seite Schwedens, welche durch besondere Brutalität auffielen. Ein gerade in der islamischen Welt unvergessenes Beispiel sind die sprichwörtlich gewordenen Harkis als die Söldner im Dienste Frankreichs gegen ihre eigenen algerischen Landsleute. Dabei musste und muss man nicht Muslim oder Muslima sein, um die wirklichen Harkis zu verabscheuen. Heftig wurden diese sogar von den katholischen Bischöfen im damaligen französischen Staatsgebiet abgewiesen, wenn sie versuchten, sich in der katholischen Kirche einnisten zu können.
Dass gerade Nachkommen solcher Harkis über deren Verhalten empört sind und sich davon möglichst abgrenzen wollen, ist auch in realpolitischer bis sicherheitspolitischer Hinsicht relevant. Immerhin berichtete inzwischen sogar schon mit dem OSSERVATORE ROMANO die offizielle Zeitung des Vatikans, dass es Gegenden im Raum Paris gibt, die längst als islamisches Siedlungsgebiet zu betrachten seien. Dass es dort eine funktionierende Niederlassung katholischer Ordensschwestern gibt, wird eigens als beachtlich eingestuft.

Dies macht ganz aktuell deutlich, dass im Sinne der Treue zu christlichen Glaubens- und Moralvorstellungen weltlicher Macht immer wieder mit Distanz bis hin mit Ablehnung zu begegnen ist. Es verdeutlicht auch, dass es für eine betreffende politisch-militärische Macht keine Ewigkeitsgarantie gibt. Dass der französische Staat längst den Großteil seines Kolonialreiches verloren hat, ist doch als bekannt vorauszusetzen. Der Rückgang eher diskreter Formen französischer Vorherrschaft und damit verbundener Ausbeutungsstrukturen wurde im Rahmen dieser Reihe bereits angeschnitten. Dieser einschneidende Vorgang wurde dadurch verdeutlicht und gefördert, dass betreffende Staaten vor allem in Afrika nun in der Lage waren, Konkordate und andere Verträge und Abkommen mit dem Heiligen Stuhl abzuschließen (siehe Gedanken zur Woche 231-b - 21. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024) und generell Gedanken zur Woche 202 - 5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2024)).
Auf dieser Linie liegt nicht zuletzt auch die Besuchspolitik von Papst Leo XIV.

Dass politisch-militärische Systeme kritisch zu betrachten und nicht unangreifbar sind, wird dabei schon von Schriften des Alten/Ersten Testaments her angesprochen.
Gerade vom Buch Exodus her mag da spontan in den Sinn kommen, dass die Herrschaft ägyptischer Pharaonen schon längst vergangen ist. Das im Buch Amos so kritisch in den Blick genommene Nordreich Israel wurde das Opfer der so aggressiven Großmacht Assyriens. Dass dieser Schrecken von ungezählten Menschen dann selber vernichtet wurde, wird bereits im Buch Tobit oder Tobias angesprochen. Eine ganz eigene Auseinandersetzung mit Großmächten des Alten Orients wird in dem ebenfalls alttestamentlichen Buch Judit geboten. Und da sind natürlich noch die beiden Makkabäerbücher, wie sie sich nicht nur im Alten/Ersten Testament der katholischen Kirche zu finden sind. Die damals verfolgte religiöse Überlieferung überstand die Bedrängnisse durch das Großreich der Seleukiden. Dieses aber stürzte und verschwand selber von der Landkarte.

Genauso ist das Römische Reich mit all seinen Christenverfolgungen und dem massenweisen bis genozidalen Töten auch von Nichtchristen längst vergangen. Da ändert sich nichts an dieser grundsätzlichen Feststellung, auch wenn man darüber diskutieren kann, ob sich im letzten Buch des Neuen/Zweiten Testaments, der (Geheimen) Offenbarung des Johannes oder dem Buch Apokalypse, bezüglich antichristlicher Staatsmacht in erster Linie eine Anspielung auf den römischen Kaiser Nero oder auf den später herrschenden Domitian befindet.

 

1. Lesung: Jer 20,10-13
2. Lesung: Röm 5,12-15
Evangelium: Mt 10,26-33

 

 

 

Gedanken zur Woche 326-b, Dr. Matthias Martin

12. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST von der GEBURT JOHANNES DES TÄUFERS (2026)

Die Bedrängnisse für die Jüngerinnen und Jünger Christi beginnen eben schon in jener Epoche, welche gerne die „neutestamentliche Zeit“ oder vielleicht noch etwas populärer die „Zeit der Urkirche“ oder die „Zeit des Urchristentums“ genannt wird.
Bekanntlich ist die Auslegung von Bibelstellen gewissermaßen zu allen Tages- und Nachzeiten recht unterschiedlich. Ja, das Verständnis von dem, was als biblischer Text vorgefunden wird, kann deutlich kontroversiell sein. Hinzukommt, dass es lange Zeit dauerte, bis überhaupt einigermaßen so etwas wie ein Kanon biblischer Schriften vorhanden war.
Ein konfessionskundlich interessierter Mensch wird dabei bemerken können, dass sich dabei über die Jahrhunderte recht unterschiedliche Verzeichnisse biblischer Schriften wie Festlegungen bezüglich des Umfanges einzelner biblischer Bücher herausbildeten. Mit der sog. Reformation zerbrach gleich mehrfach der zumindest einigermaßen vorhandene Konsens im abendländischen Christentum darüber, was denn nun zur Bibel gehöre und was nicht.

Auf jeden Fall dürfte einigermaßen Konsens bestehen, dass Jesus von Nazaret durch einen Spitzenvertreter des Römischen Reiches im Rang dessen, was im Deutschen gerne Statthalter genannt wird, zum Tode verurteilt wurde und die Hinrichtung in Gestalt einer Kreuzigung eben durch römische Soldaten ausgeführt wurde. Damit beginnt so etwas römische Gewalt gegen gewissermaßen das Christentum schon zu diesem ganz frühen Zeitpunkt. Manche und mancher mag sagen oder schreiben, zum frühest möglichen Zeitpunkt.

Hinweise eben finden sich dann immer wieder in Schriften des zumindest von den meisten sich als „christlich“ bezeichnenden Gruppierungen, Konfessionen oder Denominationen anerkannten Neuen/Zweiten Testaments, dass das angesprochene Schicksal des Jesus von Nazaret kein Einzelfall gegen das sich in aller Vielfalt entwickelnde Christentum blieb. Es war kein sozusagen Ausrutscher römischer Machtausübung. Hinzukommt, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu lange im Römischen Reich und den unter seiner strategischen Vorherrschaft stehenden Klientelstaaten eine erst allmählich wachsende Minderheit waren.
Dass eine Minderheit nicht immer freundlich behandelt wird, ist in der Menschheitsgeschichte nichts Außergewöhnliches. Für eine Minderheit wird es erst recht gefährlich, wenn sie als stärker fremdartig erscheint, sich in dieser oder jener Weise von der vorhandenen Mehrheit abgrenzt.
Es kann dann zu Spannungen vielfältiger Art, zu Ausgrenzung bis hin zu offener Gewalt und sogar zu regelrechten Pogromen kommen. In neueren Zeiten konnte und kann weiterhin Stimmungsmache gegen unterschiedliche Minderheiten nicht zuletzt von sog. demokratischen Politikerinnen und Politikern in westlichen Ländern zum Erreichen politischer Zwecke eingesetzt werden. Angehörige der bundesdeutschen Bischofskonferenz haben ihrerseits ganz offen erklärt, dass man mit Ausgrenzung und Stimmungsmache gegen irgendeine Minderheit sich doch profilieren und gerade tatsächliche Machthaber hoffieren könne. Das staatliche Eintreiben von Kirchensteuer, staatliche Zuschüsse und ein weiterhin möglichst verständnisvolles Verhalten von einflussreichen Politikerinnen, Politikern und staatlichen Stellen etwa gegen (mutmaßliche) kirchliche Straftäter lässt sich damit scheinbar doch eher absichern, zumindest für eine gewisse Zeit. Da lebt man dann eben sehr handfest in der Zeit nach der sog. Konstantinischen Wende mit dem Wandel etwa des Bischofsamtes zu einer Position im Establishment hin.

Bereits in der frühen Zeit des Christentums während des Römischen Reiches entwickelten sich minderheitenfeindliche Mechanismen dabei nicht zuletzt gegen Christinnen und Christen und entluden sich seitens von so etwas wie eingesessener Durchschnittsbevölkerung immer wieder in brutaler Gewalt. Zur Misshandlung bis Tötung von Christinnen und Christen bedurfte es keiner gezielten staatlichen Verfolgung.

Auf solche Bedrängnisse bis hin zu direkter Gewalt ohne eine gezielte staatliche Verfolgungspolitik werden wir wohl schon im Ersten Petrusbrief intensiver hingewiesen. Manches klingt da wie ein Durchhalteappell an eine bedrängte Minderheit, bei allem erfahrenen oder noch drohenden Leid die Hoffnung nicht aufzugeben und sich erst recht um einen eigenen moralisch-ethisch guten Lebenswandel zu bemühen.
In diese Richtung werden wir wohl im dritten Kapitel dieses in den biblischen Kanon aufgenommenen Schreibens gewiesen:

„(1 Petr 3,13) Und wer wird euch Böses zufügen, wenn ihr euch voll Eifer um das Gute bemüht? (14) Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leidet, seid ihr seligzupreisen. Fürchtet euch nicht vor ihnen und lasst euch nicht erschrecken, (15) heiligt vielmehr in euren Herzen Christus, den Herren! Seid bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; (16) antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihren Verleumdungen beschämt werden. (17) Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.“

In diese Richtung geht es dann im vierten Kapitel des Ersten Petrusbriefes weiter:

„(1 Petr 4,12) Geliebte, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße! (13) Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. (14) Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; … .“

Eintreten für Bedrängte und Benachteiligte sollte da umso mehr gerade für offizielle Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter eine Selbstverständlichkeit sein, gerade wenn mit Gegenwind von Mächtigen wie etwa von den Inhabern von Regierungsämtern zu rechnen ist. Natürlich sollte sich ein solches Engagement im katholischen Bereich möglichst gut mit der eigenen Zugehörigkeit zur katholischen Weltkirche verbinden.

Da fragt man sich dann, wo beim zurückliegenden jüngsten sog. Katholikentag in Würzburg bei allen Ansprüchen von Bischofskonferenz und Laienfunktionären etwa aus den Reihen des sog. Zentralkomitees der deutschen Katholiken/ZdK auf politische Kompetenz ganz im Sinne der Position des Heiligen Stuhles und ganz unterschiedlicher christlicher Konfessionen der vernehmliche Appell an die anwesenden Politiker blieb, endlich den Staat Palästina anzuerkennen? Wo blieb eine ernstzunehmende Solidaritätsaktion für die vom Heiligen Stuhl voll anerkannte und in der Ökumene so wichtige Republik Taiwan?

Da hätte man doch wirklich insbesondere die in Würzburg so hofierte Politiker wie Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz etwas „festnageln“ können. Man hat es aber offensichtlich gar nicht versucht.

Inzwischen wurde übrigens Portugal, eben nachdem es den Staat Palästina diplomatisch anerkannt hatte, (siehe Gedanken zur Woche 298-b – 2. ADVENTWOCHE einschließlich HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESGEBÄRERIN MARIA (2025)) auf Zeit in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewählt. Den gleichen Sieg in der Gruppe der westeuropäischen UN-Mitglieder errang Österreich, das einst schon unter Bundeskanzler Bruno Kreiskys eine Vorreiterrolle eingenommen hatte beim Eintreten für die Anerkennung Palästinas.
Die Bundesrepublik Deutschland scheiterte dagegen blamabel. Schon vor dieser krachenden Niederlage der bundesdeutschen Führung in New York war das wiederholte Auftreten von Kanzler Merz bis hin zu dem auf dem Würzburger Katholikentag auch von bekennenden Mitgliedern der katholischen Kirche kritisiert worden. Hätte man ihn nicht seitens der kirchlichen Vertreter spätestens bei seinen abfälligen Bemerkungen über ausländische Menschen in deren Heimatland zumindest im Rahmen letzterer Veranstaltung zur Ordnung rufen können? Was da geboten wurde, war eher ein Beispiel unappetitlichen bis gefährlichen „Rudelverhaltens“. Man kann dies auch drastischer ausdrücken.

 

 

 

Gedanken zur Woche 325, Dr. Matthias Martin

11. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)
In Treue gerade zu frühen Synoden der Kirchengeschichte wie etwa in späterer Zeit den Konzilien von (Basel – Ferrara -) Florenz und Trient mit deren diesbezüglicher Bestätigung durch das Erste und auch noch durch das Zweite Vatikanische Konzil und päpstliche Enzykliken lässt sich gut katholisch festhalten, dass wir alle Teile der Bibel mit ehrlichem Interesse betrachten und in Ehren halten sollen.
Da sollen wir uns auch nicht irritieren lassen, dass es bezüglich der Auslegung von Bibelstellen stets große Meinungsverschiedenheiten bis hin zu völlig entgegengesetzten Positionen gibt.
Der berühmte Theologe und gerade für das Kirchenrecht so wichtige Georg May etwa meinte etwas kantig zu den allein unter katholischen Theologinnen und Theologen bezüglich exegetischer Fragen vorhandenen deutlichen Meinungsverschiedenheiten in seinem Werk „Der Glaube in der nachkonziliaren Kirche“ (Wien 1983. Seite 55):

„Wer sogenannte wissenschaftliche Kommentare zu den Evangelien in die Hand nimmt, kann auf fast jeder Seite feststellen, wie der Verfasser abweichende Ansichten anderer Autoren zurückweist. Von Einigkeit der Forschung ist da nichts zu spüren. Es ließen sich Hunderte, ja Tausende von Beispielen anführen, wie sich sogenannte namhafte Exegeten in den „Ergebnissen“ ihrer Forschungen widersprechen, und das nicht in nebensächlichen Einzelheiten, sondern in Fragen von grundlegender Bedeutung. Der eine macht diesen Gesichtspunkt, der andere jenen geltend, durchschlagende Argumente fehlen. Wenn jemand die Darlegung des andern abweist, heißt es gewöhnlich, sie sei nicht überzeugend.“

Es ist ja auch eine Tatsache, dass je nach Konfession eine Schrift in der jeweiligen Bibelausgabe enthalten ist oder auch nicht. Solche Unterschiede lassen sich leicht auch feststellen bezüglich einzelner Teile von solchen in mehr oder weniger vielen sich als „christlich“ bezeichnenden Denominationen oder Konfessionen verwendeten Bibelausgaben. Es gilt eben immer wieder „Meine Bibel ist nicht deine Bibel“ bzw. „Deine Bibel ist nicht meine Bibel“ (siehe Gedanken zur Woche 276 – 14. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025); Gedanken zur Woche 305 – 3. SONNTAG IM JAHRESKREIS und SONNTAG DES WORTES GOTTES (2026) und auch Gedanken zur Woche 98 – 5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022) sowie Gedanken zur Woche 121 – 16. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022)).
Präsentiert etwa jemand stolz seine bzw. ihre Familienbibel, so mag man tatsächlich ganze biblische Schriften in dieser Ausgabe vermissen, die einem selber wichtig sind.
Schon in den ersten Semestern eines Theologiestudiums kann man direkt auf die allein schon zwischen katholischen Exegetinnen und Exegeten vorhandenen mitunter deutlichen Meinungsverschiedenheiten gestoßen werden. Dazu muss man sich selber nicht einmal auf biblische Exegese oder Einleitungswissenschaften spezialisieren. Man muss auch nicht persönlich etwa wegen eines kritischen Interesses an nachkonziliaren Entwicklungen und namentlich kirchlichen Desintegrationsvorgängen ein persönliches Augenmerk auf solche Meinungsverschiedenheiten richten. Genauso kann es bei einer Priesterfortbildung spontan auffallen, dass das, was gerade im deutschen Sprach- und Kulturraum von einem Professor oder von mehreren Theologen als vermeintlich bahnbrechende exegetische oder einleitungswissenschaftliche Theorie präsentiert wurde, bei Kollegen wenig bekannt bis unbekannt sein kann. Was da die einen an Behauptungen etwa bezüglich einer angeblichen judaisierenden Beeinflussung bei der Redaktionsgeschichte der neutestamentlichen Evangelien für ganz bemerkenswert bis bahnbrechend in einem historisch-kritischen Sinne halten, ist für andere krude Verschwörungstheorie bis hin zu religiös oder mehr historisch-kritisch daherkommender Antijudaismus bzw. Antisemitismus. Was da auch kirchliche Mitarbeiter mitunter veröffentlichen oder unterstützen, halten dann wiederum manche Menschen für einen Anlass, dass der Ortsbischof oder gar eine Stelle der päpstlichen Kurie wie etwa das Dikasterium für die Glaubenslehre gerade wegen angenommener antisemitischer/antijüdischer Tendenzen und einer damit verbundenen Verletzung auch christlicher Grundlagen dagegen einschreiten sollte. Eine solche besorgte Position kann auch von Menschen vertreten werden, welche auf der anderen Seite etwa durchaus für die diplomatische Anerkennung Palästinas sind. Sich innerkirchlichem Antijudaismus oder Antisemitismus und vermuteter Nichttätigkeit kirchlicher Stellen dazu zu widersetzen und in einer diplomatischen Einzelfrage wie der nach der Anerkennung Palästinas in dieselbe Richtung wie die überwiegende Mehrheit der UN-Mitglieder zu gehen schließt sich nicht aus.

Tatsächlich sollen ja bibelbezogene Positionen oder Meinungsverschiedenheiten nicht zu Gewalt und Diskriminierung aufstacheln oder dazu missbraucht werden.
Vielmehr möge das Lesen bzw. Anhören von Heiliger Schrift die Gottes- und Nächstenliebe fördern und insbesondere zum Tun guter Werke anregen. Menschen guten Willens mögen sich hier nicht durch schlechtes Verhalten von Kirchenvertretern und offenkundig auch innerhalb der katholischen Kirche vorhandene Meinungsverschiedenheiten bis hin zu handfesten Auseinandersetzungen abschrecken lassen. Die zahlreichen, auch militärischen Konflikte in der Welt mögen konstruktiv aufgegriffen werden, nach Möglichkeit selber etwas beizutragen zu Frieden, Verständigung, für Menschenwürde und praktische Hilfe für Notleidende.
Gewissermaßen als sehr straffe Zusammenfassung von Aussagen aus der Bibel des Alten/Ersten und des Neuen/Zweiten Testaments gewonnene Formulierungen wie die Liste der sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit und der sieben Werke der geistigen Barmherzigkeit können auf eigene Weise zum Tun des Guten immer wieder Anregungen geben. Auch eine Auflistung wie die der zwölf Früchte des Heiligen Geistes mit Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit kann da nützlich sein. Dabei können die Begriffe im Einzelnen auf Deutsch unterschiedlich wiedergegeben werden. Deswegen sollte man noch lange keinen Streit anfangen. Immer wieder geht es darum, Geduld und Verständnis zu entwickeln und beharrlich in die Tat umzusetzen.

Dabei bleibt natürlich die Relevanz der Bibel in ihrer Gesamtheit angefangen mit dem Buch Genesis bis hin zum Buch der Geheimen Offenbarung, dem Buch der Apokalypse weiterhin gegeben.

Dies gilt eben auch und nicht zuletzt bezüglich der vier neutestamentlichen Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Es gilt sowohl für jedes der drei synoptischen Evangelien wie für das so ganz eigenständige Johannesevangelium.
Da hat dann eben auch die matthäische Erzählung von dem Umherziehen Jesu mit der Predigt in Städten und Dörfern einschließlich dem Spruch von den Arbeitern für die Ernte seine Bedeutung. Fortgeführt wird dies durch die differenziert in matthäischer, markinischer und lukanischer Form gebotene Aufzählung der zwölf Apostel.

Es wird da schon deutlich, dass der missionarische Auftrag eine große Herausforderung und umfassende Aufgabe darstellt. Nicht zu trennen ist er von der praktischen Nächstenliebe. Die Christinnen und Christen sollen sich engagiert der Notleidenden annehmen.
Es wird dabei schon in solch einer nicht allzu langen Stelle des Matthäusevangeliums samt mehr oder minder parallelen Formulierungen im Markus- und Lukasevangelium verdeutlicht, dass es auch so etwas wie Personalstrukturen bedarf. Dabei eröffnet eine erkennbare und in der Kirchengeschichte lange praktizierte Ausdifferenzierung zwischen Weiheamt und Jurisdiktionsvollmacht interessante Möglichkeiten für die Tätigkeit und Stellung von Frauen in der Kirche. Man blicke dazu nur geschichtlich in die deutsche Reichskirche wie iberischen Reiche und aktuell in den Vatikan.

 

1. Lesung: Ex 19,2-6a
2. Lesung: Röm 5,6-11
Evangelium: Mt 9,36-10,8

 

 


Gedanken zur Woche 325-b, Dr. Matthias Martin
11. WOCHE IM JAHRESKREIS

Die Zeit schreitet voran und zwar im gewissen Sinne immer schneller.
Durch die Fortschritte bei der Nachrichtenübermittlung haben sich die Vorgänge in allen möglichen Lebensbereichen immer weiter beschleunigt.
Dabei kann man sagen, dass sich diese Beschleunigung ihrerseits beschleunigt hat.
Von erheblicher Bedeutung war das Aufkommen von Dampfschifffahrt und Eisenbahn im 19. Jahrhundert. Dazu führte etwa das Entstehen des enormen Eisenbahnwesens mit den damit verbundenen Zuliefererindustrien dazu, dass sich internationale Kapitalvernetzungen erheblich ausweiteten. Wohl nicht zu bestreiten ist, dass die Funktion des im rapiden Ausbau befindlichen Eisenbahnwesens in den USA sehr umfangreich auswärtiges Investitionskapital ins Land zog und dies wiederum die Börse in New York zum zentralen Schnittpunkt für internationale Kapitalbewegungen machte. Mit Dampfschiffen und Eisenbahnen konnten etwa Kurieraufträge schneller und verlässlicher erledigt werden.
Zur direkten Nachrichtenübermittlung diente dann natürlich gerade das bahnbrechende Telegrafenwesen.

Enorme Bedeutung erlangte dieses wie auch Dampfschiffe und Eisenbahnen bereits im Amerikanischen Bürgerkrieg, auch genannt der Krieg der Staaten. Erstmals kamen gepanzerte Schiffe zum Einsatz und machten für sich umgehend einen sichtbaren technologischen Fortschritt. Die erste größere Schlacht des Bürgerkrieges/Krieges der Staaten, die erste Schlacht von Bull Run oder von/bei Manassas wurde nicht zuletzt dadurch entschieden, dass erstmals Truppenverstärkungen direkt zum Schlachtfeld gebracht wurden. Aus einem vermeintlich einfachen Marsch der zahlenmäßig überlegenen Unionstruppen auf die Hauptstadt der Konföderierten, Richmond, wurde nichts. Es entwickelte sich dieser jahrelange blutige Konflikt.
Auf der anderen Seite war es insgesamt ein enormer Vorteil der Union unter Abraham Lincoln, genannt auf Deutsch gerne die Nordstaaten, dass sie über ein weit größeres Eisenbahnnetz verfügte und ihre gewaltige Industrie leicht auch eine enorme Produktion von Eisenbahnausrüstung und dergleichen ermöglichte.
Vielleicht wurde der Ausgang des Bürgerkriegs/Kriegs der Staaten auch dadurch stark beeinflusst, dass es Uniontruppen gelang, die Telegrafenverbindung zwischen führenden konföderierten Generälen zu unterbrechen, ohne dass diese es zunächst realisierten. Der ahnungslose General John C. Pemberton konnte mit seinen konföderierten Truppen umso leichter in Vicksburg am Mississippi eingeschlossen werden. Die Einkesselung und Belagerung wurden zur Katastrophe für die Konföderierten Staaten Amerikas. Zum einen wurde in strategischer Hinsicht die Konföderation weitgehend in zwei Teile zerschnitten. Zum anderen konnte von den Unionstruppen unter Ulysses S. Grant eine beachtliche Armee ihrer Feinde gefangengenommen werden.

Kurz nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges/Krieges der Staaten kam es bekanntlich zum Deutschen Krieg von 1866. Die Kapitulation der auf der Seite Österreichs und Bayerns kämpfenden Armee des Königreiches Hannover in der Schlacht von Langensalza wurde durch überraschend auf dem Eisenbahnweg herbeigebrachte preußische Truppen erzwungen. Überhaupt nutzte das Königreich Preußen in seinem offiziellen Konflikt mit dem unter österreichischer Führung stehenden Deutschen Bund effizient die Eisenbahn wie auch das Telegrafenwesen.

In friedlicher Hinsicht führten die technischen Neuerungen zum rapiden Anstieg von Pilgerzahlen. Dies geschah gerade in Richtung des päpstlichen Roms. Ebenso entstand ein für damalige Verhältnisse modernes Pressewesen, nicht zuletzt mit katholisch orientierten Druckerzeugnissen (siehe Gedanken zur Woche 277 – 15. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)).

Im 20. Jahrhundert ging die Entwicklung rapide weiter. Die Alliierten nutzten die Kontrolle über Seekabel wie damit verbundene Entzifferungsmöglichkeiten gezielt aus. Neuartige Propagandafilme wurden eingesetzt, die USA in den Krieg gegen die Mittelmächte hineinzuziehen. Ebenso wurden Druckwerke intensiv für die Propaganda eingesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg gewann die Rundfunkpropaganda enorme Bedeutung. Es kam sowohl zum Einsatz sog. weißer wie schwarzer Sender seitens der Kriegsparteien. Enorm wichtig wurde das Verschlüsseln, Übermitteln und Entziffern von Meldungen, die durch Funk übermittelt wurden.

In allerjüngster Zeit hat sich die Entwicklung noch einmal beschleunigt. Zunächst kam überhaupt einmal das Fernsehen auf den Markt. Inzwischen stieg die Zahl ganz unterschiedlicher Fernsehsender an. Eigene Bedeutung gewannen mitunter kirchliche oder kirchennahe Sender. Man denke hier an Radio Vatikan. Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete mit „Inter mirifica“ ein eigenes Dekret über soziale Kommunikationsmittel.

Eine vielfältige und tiefgreifende Revolution, deren Ende noch nicht abzusehen ist, begann dann mit dem Aufkommen des Internets. Längst sind auch Ordensgemeinschaften, Bistümer/Diözesen, der Heilige/Apostolische Stuhl und der Vatikanstaat vertreten. Gerade Denominationen und Religionen ringen um eine starke Präsenz im Internet. Dies gilt auch in Hinblick auf die rapide wachsenden und sich weiter entwickelnden Sozialen Medien.

Als die Nation von Montenegro 2006 ihre Unabhängigkeit wiedererlangte, sollen erstmals andere Staaten ihre diplomatische Anerkennung offiziell per E-Mail/E-Post mitgeteilt haben.
Propagandaaktivitäten im Internet und Sozialen Medien werden ständig weiterentwickelt.
Dokumente des Heiligen/Apostolischen Stuhles werden längst umgehend ganz offiziell in das Internet gestellt. Wer sich für laufende päpstliche Aktivitäten, die Fortentwicklung des Kirchenrechts und der Verwaltung des Heiligen/Apostolischen Stuhles und des Staates der Vatikanstadt interessiert, wird dort fündig.

In der Apostolischen Konstitution „Praedicate Evangelium“ vom 19. März 2022 über die Neuordnung der Römischen Kurie widmete Papst Franziskus gleich sechs eigene Artikel dem „Dikasterium für Kommunikation“ (https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_constitutions/documents/20220319-costituzione-ap-praedicate-evangelium.html). Dass diese Behörde so wie die bisherige Glaubens-, die bisherige Ostkirchen-, die bisherige Bischofs-, die bisherige Kleruskongregation und weitere Einrichtungen der Römischen Kurie ausdrücklich zu den „Dikasterien“ gezählt wird, ist für sich schon bemerkenswert. Es zählt damit zu den manchmal umgangssprachlich „Ministerien“ genannten Einrichtungen der Römischen Kurie.
Diesem Dikasterium wurden weitreichende Kompetenzen und Aufgaben zugewiesen.
So hält Artikel 183 von „Praedicate Evangelium“ fest:

„Das Dikasterium für die Kommunikation ist für das gesamte Kommunikationssystem des Apostolischen Stuhles verantwortlich und vereint in struktureller Einheit und unter Berücksichtigung seiner operativen Merkmale alle Unternehmungen des Heiligen Stuhls im Bereich der Kommunikation, damit das gesamte System einheitlich auf die Bedürfnisse der Evangelisierungsmission der Kirche in einem Umfeld reagiert, das durch die Verbreitung und Entwicklung der digitalen Medien, die Faktoren der Konvergenz und der Interaktivität gekennzeichnet ist.“

Auch sonst wird das Bemühen verpflichtend vorgeschrieben, nicht den Anschluss an die rasanten Entwicklungen zu verlieren. So lautet der anschließende Artikel 184 der Apostolischen Konstitution:

„Das Dikasterium trägt den Erfordernissen der Evangelisierungsmission der Kirche Rechnung, indem es die derzeit verfügbaren und die sich in Zukunft entwickelnden Produktionsmodelle, technologischen Innovationen und Kommunikationsformen nutzt.“

Regelrecht als so etwas wie ein kuriales Zentralministerium wird das Dikasterium für Kommunikation in Artikel 188 vorgestellt:

„Es kommt dem Dikasterium zu, die anderen kurialen Einrichtungen und Ämter, die mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen, das Governatorat des Staates der Vatikanstadt und die anderen Organe, die ihren Sitz im Staat der Vatikanstadt haben oder vom Apostolischen Stuhl abhängen, in ihrer Kommunikationstätigkeit zu unterstützen.“

Inzwischen hat Papst Leo XIV. mit Maria Montserrat Alvarado eine Frau zur Leiterin dieses so außerordentlich wichtigen Dikasteriums berufen. Sie wurde damit zumindest in der Neuzeit die erste „Ministerin“ des Vatikans oder der Kurie, die selber nicht einer Ordens- oder ordensähnlichen Gemeinschaft angehört, nicht irgendwie eine Ordensfrau ist.

 

 

 

Gedanken zur Woche 324, Dr. Matthias Martin

10. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)
Christliches Leben ist, wenn es authentisch und glaubwürdig sein soll, nicht auf die Mauern von Kirchengebäuden, Pfarrhäusern und Klöstern beschränkt. Christliche Werte sind nicht nur zu bestimmten Zeiten, etwa während des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstbesuchs zu verwirklichen. Grundsätzlich sind sie zu jeder Zeit im Jahr und während jeder Tageszeit nach besten Kräften zu verwirklichen. Christliche Werte gelten gewissermaßen 24/7.

So gibt es ja nicht nur eine katholische Glaubenslehre oder Dogmatik samt Fundamentaltheologie oder systematischer Apologetik. Es gibt eben auch die Sittenlehre oder Moraltheologie. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die im Theologiestudium gerne als eigene Disziplin vorhandene katholische Soziallehre. Gerade im Rahmen von Sittenlehre oder Moraltheologie und eben auch (katholischer) Soziallehre hat die philosophische Disziplin der Ethik mit all ihren eigenen Auffächerungen ihren Platz. Generell ist bei christlicher Theologie, Glaubenslehre/Dogmatik und Sittenlehre/Moraltheologie einschließlich Soziallehre die philosophische Erkenntnistheorie im Blick zu behalten, ihrerseits gewissermaßen zu hegen und zu pflegen.

Die Kirche lädt die Gläubigen ein, zu den verschiedenen Tageszeiten während der Woche zu beten. Die unverfälschte katholische Tradition bietet hierzu eine enorme Fülle von Anregungen und knappen bis sehr umfangreichen Inhalten.
Dass wir aufgefordert sind, 24/7, also zu allen Tagen während der Woche nach besten Kräften das zu verwirklichen, was christliche Werte und auch anders genannt wird, macht ein Blick auf die Bibel sehr rasch deutlich. Vergegenwärtigen wir uns nur kurz die bereits in den Fünf Büchern Mose, dem Pentateuch und konkret in den Büchern Exodus und Deuteronomium, enthaltenen Zehn Gebote. Es ist wohl von sich aus einsichtig, dass die Aufforderung, keinen Mitmenschen zu töten, nicht ehezubrechen, nicht zu lügen und nicht zu verleumden, sowie Eigentum und eheliche Beziehungen anderer Menschen zu respektieren, stets eingehalten werden sollte. Solche Regelungen gelten, um Sinn zu machen, während der ganzen Woche und nicht nur zu bestimmten Zeiten. Die insbesondere in dem Ersten und dem Zweiten Gebot deutlich werdende monotheistisch-theologische Begründung ist während der ganzen Woche gültig oder sie wäre eben ihrerseits überhaupt hinfällig. Genauso ist die wohlmeinende Berücksichtigung von Vater und Mutter stets im Blick zu behalten. Dies gilt unabhängig von der oft strittigen Anwendung oder Interpretation für jeweilige Lebenssituationen. Die im dritten Gebot angesprochene Verwirklichung insbesondere eines eigenen Ruhetages während der Woche fügt sich in diesen Gesamtzusammenhang ein.
Genauso sind, um Sinn zu machen, die Regelungen zur Armenfürsorge und die Grundlegung von Arbeitnehmerrechten, wie sie im Grundsatz doch auch schon in diesen fünf ersten Büchern des Alten/Ersten Testaments zu finden sind, fortdauernd relevant, um überhaupt ernst zu nehmend zu sein. Dies gilt dann folgerichtig auch für die Schlussfolgerungen, welche aus solchen biblischen Aussagen für spätere Zeiten einschließlich unserer eigenen Gegenwart gezogen werden. Nicht umsonst gibt es generell eine Sittenlehre, wurden Moraltheologie und (katholische) Soziallehre entwickelt. Da haben dann etwa auch die Aussagen in dem manchmal Buch Tobias genannten Buch Tobit über das Tun von guten Werken für Notleidende ihre Bedeutsamkeit nicht nur etwa an einem bestimmten Tag während der Woche. Bezüglich Stellen des Neuen/Zweiten Testaments mag ungezählten Menschen insbesondere das lukanisches Sondergut darstellende Gleichnis vom barmherzigen Samariter einfallen. Auch die Seligpreisungen der matthäischen Bergpredigt und das seinerseits matthäisches Sondergut bietendes Gleichnis vom jüngsten Gericht sind eindrucksvoll und eher bekannt.

Dass christliche Ideale fortwährend und auch aus außerhalb von Kirchen- und Klostermauern zu verwirklichen sind, verdeutlichen dann immer wieder in heutigen Zeiten die monatlichen Gebetsanliegen des Papstes.

Diese päpstlichen Gebetsanliegen lauten für Juni 2026:

„Für die Werte des Sports“

und

„Wir beten, dass der Sport ein Instrument des Friedens, der Begegnung und des Dialogs unter den Kulturen und Nationen sei und die Werte wie Respekt, Solidarität und persönliches Wachstum fördere.“

So war der heilige Papst Pius X. (Pontifikat von 1903 bis 1914) ein eifriger Förderer sportlicher Aktivitäten und wirkte in diesem Sinne bereits als Patriarch von Venedig (siehe Gedanken zur Woche 230-b – 20. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024)). In seinen Ansprachen und schriftlichen Stellungnahmen thematisierte dann Pius XII. (Pontifikat von 1939 bis 1958) auch den weiten Bereich des Sports im Sinne christlicher Verantwortung.

Sportliche Aktivitäten können den Menschen helfen, sich vom Drogenkonsum fern zu halten. Schon die Überlieferungen seit dem Altertum verdeutlichen, dass Konsumverzicht und Selbstdisziplin als Grundvoraussetzung für sportlichen Erfolg gesehen wurden. Tatsächlich ist es unbestritten, dass Alkoholkonsum und das Rauchen die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. In den letzten Jahren wurde eigens verstärkt deutlich, dass auch vermeintlich gemäßigter Alkoholkonsum sich auf Dauer schädigend auf das Gehirn auswirkt und den Ausbruch bzw. das Voranschreiten von Demenz fördert. Konsequente Alkoholkontrollen im Straßenverkehr haben längst ihre Berechtigung und Nützlichkeit erwiesen.

Insgesamt geht es beim Streben um sportlichen Erfolg um (Selbst-)Disziplin und auch um Loyalität. Interne Spannungen und erst recht offene Konflikte etwa in einer Fußballmannschaft gelten als höchst schädlich. Rasch kann es da zur Entlassung einer Trainerin, eines Trainers oder zur Nichtvertragsverlängerung oder etwa zur vorzeitigen Entfernung bei einer Spielerin, einem Spieler kommen. Dem guten Verhältnis zwischen dem Verein bzw. den Spielerinnen oder Spielern und den Fans kommt ganz große Bedeutung zu. Ein gut funktionierendes „Team“ wird gerne gleichnishaft als Sinnbild für erfolgreiches Miteinander vor Augen gestellt.

Die Aufnahme in das Internationale Olympische Komitee und internationale Sportfachverbände erwies sich immer wieder als wichtiger Erfolg für nach Unabhängigkeit strebende Nationen.

Längst sind etwa auch Wales und Schottland auf internationaler Ebene feste Größen in verschiedenen Sportarten einschließlich dem Fußball. Beim Fußball sicherten sich Island und die benachbarten Färöer-Inseln eigens durch die Erfolge ihrer Männernationalmannschaften international Applaus und Sympathien. Der Fußball gewann auch eigene, sehr interessante Bedeutung für den Weg Gibraltars in Richtung von immer mehr Eigenstaatlichkeit. Hierbei spielte eben auch der dortige nationale Frauenfußball seine eigene erfolgreiche Rolle (https://inside.fifa.com/womens-football/news/gibraltar-womens-football-fifa-coca-cola-world-ranking). Diese Erfolge wurden erfochten gegen alle spanischen Ansprüche. Sie bedeuten auch eine weitere Herauslösung Gibraltars aus dem, was vom britischen Weltreich noch übriggeblieben ist. Die Erfolge des gibraltarischen Fußballs einschließlich des Frauenfußballs konnten und können gerade in politischer Hinsicht als bahnbrechend angesehen werden.
In Wales und Schottland folgte die allgemeine Politik in besonders spektakulärer Weise dem Fußball. Längst verfügen beide Länder nicht mehr nur über eigene Nationalteams etwa im Fußball, sondern auch über eigene nationale Parlamente und Regierungen. Deren Zuständigkeiten sind im Wachsen begriffen.

Bei diesen Vorgängen hat sich der Sport ganz im Sinne Papst Leos XIV. wirklich als „ein Instrument des Friedens, der Begegnung und des Dialogs unter den Kulturen und Nationen“ erwiesen und „die Werte wie Respekt, Solidarität und persönliches Wachstum“ gefördert.

Dazu passt, dass jetzt Leo XIV. seinen Besuch in der Republik San Marino angekündigte. Auch diese Nation ist aktiv im internationalen Sport vertreten.

 

1. Lesung: Hos 6,3-6
2. Lesung: Röm 4,18-25
Evangelium: Mt 9,9-13

 

 

 

Gedanken zur Woche 324-b, Dr. Matthias Martin

10. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST HEILIGSTES HERZ JESU (2026)
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Feste, die während des Kirchenjahres gefeiert werden. Die gewissermaßen ranghöchsten unter diesen sind die Hochfeste. Insbesondere in früheren Zeiten wurden diese auch Feste I./Erster Klasse genannt.
Gerade an ihnen wie an den Sonntagen sollen die Katholikinnen und Katholiken nach Möglichkeit die Heilige Messe besuchen. Ist der nach Möglichkeit dementsprechend durch den Besuch und die Feier der Heiligen Messe zu begehende Sonntag der wöchentliche Feiertag der Auferstehung Christi, so ist eben Ostern während des Kirchenjahres das höchste unter den Hochfesten.
Dabei ist in breiten Bevölkerungskreisen und in so etwas wie der Volkskultur wohl noch populärer Weihnachten. Dazu werden sowohl Ostern wie Weihnachten nicht nur an einem einzelnen Festtag gefeiert. Dem Ersten Weihnachtsfeiertag geht der Heilige Abend als besonderer Vorabend voraus. Auf den Ersten Weihnachtstag folgen der Zweite Weihnachtstag und die Weihnachtsoktav. Überhaupt gibt es als umfangreicheren Abschnitt des Kirchenjahres die eigene Weihnachtszeit. Ähnlich verhält es sich mit dem Osterfest. Es beginnt mit der Feier der Osternacht. Diese führt in den Ostersonntag hinein. Auf diesen folgt der Ostermontag und die ganze Osteroktav. Und überhaupt gibt es die Osterzeit als umfangreichen Abschnitt des liturgischen Jahres.

Gerade diese beiden Hochfeste Weihnachten und Ostern sind mit Elementen von Brauchtum und sozialen Überlieferungen verbunden, die auch von Menschen begangen werden, die entweder nicht in so etwas wie fassbares Christentum hineingewachsen sind oder sich von Christentum oder Kirche distanziert haben. Gerade diese beiden Hochfeste stellen in vielen Ländern Wirtschaftsfaktoren dar. Die mit ihnen verbundenen arbeitsfreien Tage bzw. gesetzlichen Feiertage werden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und deren Familien geschätzt. Bei ihrer Verteidigung finden Kirchen und kirchliche Gemeinschaften oder generell Denominationen, Gewerkschaften und andere Arbeitnehmervereinigungen sowie bei jeweiligem Vorhandensein Arbeits-/Arbeitnehmer-/Arbeiter- bzw. Arbeiter- und Angestelltenkammern eine gemeinsame Basis. Dies gilt unabhängig von solchen Fragen wie, ob etwa in nächster Zeit das Gewerkschaftswesen in England und Wales sich noch stärker ausdifferenziert oder es in dem in Gemeinschaften und Regionen auseinanderdriftendem Belgien zu einer damit verbundenen Aufgliederung der bisherigen landesweit organisierten Richtungsgewerkschaften kommt.
Die Wichtigkeit der Verteidigung und möglichsten Abrundung gilt auch in Hinblick auf Feiertagsregelungen, welche mit anderen Hochfesten/Festen I. Klasse verbunden sind. So sind gerade das Pfingstfest, das Hochfest von der Aufnahme Mariens in den Himmel und das von der Unbefleckten Empfängnis Mariens oft mit der Volkskultur und gerade auch musikalischem Erbe verbunden.

Dann gibt es auch Hochfeste, welche nicht so im allgemeineren Bewusstsein verankert sind. Christliche Überlieferung und dort ausgedrückte Überzeugungen und Wertvorstellungen sind auch in einst katholischer geprägten Regionen sehr oft ziemlich unter den Radar der öffentlichen Wahrnehmung geraten. Nicht selten wurde das Ende von Volkskirche schon vor Jahren bis Jahrzehnten ausgesagt.

Zu von diesem Prozess der Säkularisierung und Massenübertritte weg von der katholischen Kirche hin zu anderen Gemeinschaften und Religionen besonders betroffenen Hochfesten gehört nicht zuletzt das HOCHFEST HEILIGSTES HERZ JESU.

Dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sehr schwierig sind, wird immer wieder deutlich. Dies geht weit über den für sich allgemein festzustellenden Rückgang des kirchlichen Lebens seit den sechziger Jahren hinaus. Gewalt und Unterdrückung sind dermaßen allgemein Probleme und das auf Weltebene, dass die offizielle Zeitung des Vatikans, der OSSERVATORE ROMANO kürzlich in recht undiplomatischen Worten festhielt, dass Krieg, Unterdrückung und die Verletzung der Menschenwürde auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges drängende Probleme seien.
Über die Jahre wurde und wird etwa seitens aufmerksamer Menschen diskutiert, wie viele Kriege es jeweils auf der Welt gäbe. Sind es derzeit etwa um die 20, etwas über 30 oder über 40 Auseinandersetzungen, welche als „Kriege“ zu bezeichnen sind?
Der höchstwahrscheinlich blutigste Konflikte der letzten Jahre, der vielschichtige Bürgerkrieg in dem sich möglicherweise (weiter) aufspaltenden Sudan wird in Europa und Nordamerika sehr gerne ignoriert. Wer vernimmt etwas dort von dem ebenfalls erheblich auf die Politik der britischen Kolonialmacht und ihrer Verbündeten zurückgehenden Mehrparteienkonflikt in Myanmar, gerade früher Burma und manchmal Birma genannt?
Man nimmt in Europa am ehesten den Krieg zwischen Russland und der Ukraine, den Krieg im Libanon mit Israel und der Hisbollah und den Konflikt von den USA und Israel gegen den Iran wahr und berichtet dazu etwas in den üblichen Medien.

Sehr wenig bekannt ist das blutige Schicksal des jüngst von Papst Leo XIV. besuchten Staates Äquatorialguinea. Auf internationalen Druck hin hatte Spanien noch unter seinem Langzeitherrscher Franco diese afrikanische Kolonie im Jahre 1968 in die Unabhängigkeit entlassen. Zum ersten Präsidenten wurde der bisherige Kollaborateur Spaniens Francisco Macias Nguema. Er entwickelte sich zu einem besonders blutrünstigen Tyrannen. Es wurde errechnet, dass er zusammen mit seinem gewissermaßen Kollegen Pol Pot in Kambodscha der Gewaltherrscher in der Geschichte geworden sei, der den höchsten Anteil der betroffenen Bevölkerung umbringen ließ.

Auch das Schicksal der ebenfalls von Papst Leo XIV. mit seinem Besuch geehrten Angolas und Kamerun war nach Gewährung der offiziellen Unabhängigkeit seitens der Kolonialmacht Portugal und des beschönigend oft Mandatsmacht genannten Frankreich nichts für zartbesaitete Gemüter.
In Kamerun setzte sich der offizielle Unabhängigkeitskampf fort in dem Widerstand gegen die nun offiziell den Staat führenden örtlichen Handlanger der Kolonial- bzw. Besatzungsmacht Frankreich. Derzeit ist Kamerun vor allem betroffen von einem Bürgerkrieg der englischsprachigen Bevölkerungsgruppe und ihrer Freunde gegen die frankreichfreundliche bis französischsprachige Zentralregierung.

Stärker ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit geriet der sog. Bürgerkrieg in Angola. In diesem stießen die Machtblöcke des damaligen Kalten Krieges offen aufeinander. Auch die Rivalität zwischen China und der Sowjetunion wie die eigenständige Politik des damaligen Südafrikas spielten eine gewichtige Rolle.

In jüngster Zeit eskalierten wieder die bewaffneten Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire. Die einstige Kolonialmacht Belgien ist bekanntlich selber von Spaltung bedroht. Wird sich diese friedlich vollziehen lassen wie dies ungezählte Menschen für einen Weg etwa Schottlands in die Unabhängigkeit erhoffen?
Einst hatte das offizielle Bekenntnis zum Christentum in seiner katholischen Form das belgische Königshaus und dann den belgischen Staat nicht daran gehindert, in seiner Kongokolonie Millionen von Menschen umzubringen und gezielt etwa als Mittel von Repression und Ausbeutung Gliedmaßen abzuhacken. Die „Kongogreuel/Kongo-Greuel“ hat man gerade in der heutigen Europäischen Union zielstrebig verdrängt. Täterrechtfertigung und Opferverhöhnung weisen da eine ausgeprägte Systematik auf. Dabei gilt der seinerzeitige belgische König Leopold II. für sich als einer der großen Massenmörder der Geschichte.

Auch wenn sich gewisse Kreise bis hin zu staatlichen Strukturen als christlich oder sogar ausdrücklich als katholisch ausgeben, heißt das noch lange nicht, dass sie auch in einem guten Sinne danach handeln. Umso mehr ist die Kirche aufgefordert, gegen Machtmissbrauch und für wahre Menschenwürde mutig Stellung zu beziehen.

 

 

 

Gedanken zur Woche 323, Dr. Matthias Martin

DREIFALTIGKEITSSONNTAG (2026)

Das Hochfest vom DREIFALTIGKEITSSONNTAG wird ziemlich inmitten des Kalenderjahres gefeiert, wenn man sich an dem doch so allgemein verwendeten und akzeptierten gregorianischen/Gregorianischen Kalender orientiert. Inmitten des Jahres, auch des liturgischen Jahres oder Kirchenjahres dieses Hochfest zu feiern versinnbildlicht, dass der Glaube an die Allerheiligste Dreifaltigkeit die Mitte christlichen Glaubens ausmacht.

Dabei stellt die Vermeidung von Missverständnissen und die Übermittlung gerade von so etwas wie grundlegenden Inhalten eigener Glaubens- und Sittenlehre gerade heutzutage eine ganz starke Herausforderung dar.
In westlichen Ländern stellen diejenigen Katholikinnen und Katholiken, welche zumindest an Sonntagen einen Gottesdienst der eigenen Konfession besuchen, nur noch eine deutliche Minderheit unter sich selber irgendwie als katholisch bzw. Mitglieder der katholischen Kirche bezeichnenden Menschen dar. Es hört sich also ein immer kleinerer Teil der Bevölkerung und auch von Katholikinnen und Katholiken noch Sonntagspredigten an.
Ein eigenes ebenso zahlenmäßig deutliches Phänomen ist der rapide Rückgang der Abonnentenzahlen und generell der Auflagenstärke bei kirchlichen Zeitungen und Zeitschriften. Manches dieser Organe hat längst das Erscheinen eingestellt. In der Bundesrepublik ist das Zusammenlegen von diözesanen Wochenzeitungen schon weit vorangeschritten. Dazu hieß es etwa mit Blick auf die Vorgänge im Bereich der bundesdeutschen Bischofskonferenz: „In Deutschland vollzog sich Ostern 2024 der wohl radikalste Schritt der jüngeren Kirchenmediengeschichte. Ein Großteil der klassischen wöchentlichen Diözesanzeitungen wurde in ein gemeinsames, zweiwöchentliches Magazin-Format überführt.“ 15 von den insgesamt 27 Bistümern und Erzbistümern der bundesdeutschen Bischofskonferenz fassten wesentliche Angelegenheiten in einer Zentralredaktion zusammen. Manche und mancher war wohl überrascht, wie rapide der Absturz bei den betreffenden Auflagenzahlen zu diesem Zeitpunkt bereits vorangeschritten war.
Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie sehr etwa der heilige Papst Pius X. die unverzichtbare Bedeutung starker kirchlicher bzw. kirchenfreundlicher Medien betonte und dass das Zweite Vatikanische Konzil mit „Inter mirifica“ ein eigenes Dekret über die sozialen Kommunikationsmittel oder die Massenmedien verabschiedete (siehe Gedanken zur Woche 100 – 7. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022)), so wird deutlich, welch schwerwiegende Folgen solche Vorgänge für die kirchliche Pastoral haben. Tatsächlich wurde der Einbruch im offiziellen kirchlichen Medienbereich und da gerade bei traditionell wöchentlich erscheinenden Bistumszeitungen auch schon in der kirchenrechtlichen Fachliteratur in Zusammenhang mit dem Verkündigungsrecht angeschnitten.
Der Rückgang bei den Teilnehmerzahlen an Katholikentagen stellt ein paralleles Phänomen dar. Dies wurde jüngst wieder beim offiziellen bundesdeutschen Katholikentag in Würzburg sehr deutlich.
Ebenso ist der rapide Rückgang von Theologiestudierenden einschließlich damit verbundener Kürzungen in betreffenden universitären und Hochschulstrukturen und Veränderungen im öffentlichen Religionsrecht längst kein Geheimnis mehr (siehe Gedanken zur Woche 318 – 4. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)).
Ein eigenes Phänomen ist die schon seit Jahrzehnten zu beobachtende Einstellung des Lehrbetriebes von Hauslehranstalten und Hochschulen, welche von Orden- und ordensähnlichen Gemeinschaften betrieben wurden bzw. bisher noch werden. Auf der Linie dieses umfassenderen Trends liegt die Zusammenlegung von Priesterseminaren. Dies ist umso schwerwiegender, wenn man den kirchenrechtlichen Zusammenhang und die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht völlig verdrängt. So verabschiedete diese Kirchenversammlung immerhin mit dem Dekret „Optatam totius“ ein eigenes Dokument zur Priesterausbildung. Hinzukommt in diesem Zusammenhang das Dekret „Presbyterorum ordinis“ über den Dienst und das Leben der Priester. Verschiedene Canones/Kanones im CIC befassen sich im Allgemeinen mit der Priesterausbildung und Priesterseminaren im Besonderen. Dies gilt ebenso bezüglich Priesteramtskandidaten, die auch Alumnen und Priesterseminaristen genannt werden.
Das Schließen eines örtlichen Priesterseminars etwa im Rahmen von Zusammenlegungen ist keine einfach technische Angelegenheit. So besitzt jedes rechtmäßig errichtete Priesterseminar grundsätzlich eigene Rechtspersönlichkeit. Dementsprechend lautet Canon/Kanon 238 Paragraph 1 des gegenwärtig in Kraft befindlichen CICs: „Rechtmäßig errichtete Seminare sind von Rechts wegen juristische Personen in der Kirche.“ Anschließend wird die rechtlich sehr starke und umso mehr im Leben der Kirche gerade heutzutage umstrittene Stellung des Leiters des Priesterseminars betont. Dementsprechend ist in Paragraph 2 dieses CIC-Canons/Kanons zu lesen: „Bei allen Rechtsgeschäften wird das Seminar durch dessen Rektor vertreten, wenn nicht hinsichtlich bestimmter Rechtsgeschäfte die zuständige Autorität etwas anderes festgelegt hat.“

Selbst wenn vor solchem Hintergrund noch versucht wird, etwa die Lehre von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu vermitteln, erreichen katholische Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur einen schrumpfenden Anteil an der Gesamtbevölkerung und unter nominellen Katholikinnen und Katholiken etwa in westlichen Ländern. Dazu vertreten ja die im Verkündigungsdienst einschließlich in Religionsunterricht und Katechese sowie der kirchlichen Medienmitarbeit tätigen Personen keineswegs einheitliche Positionen. Meinungsverschiedenheiten sind auch unter Bischöfen und mitunter zwischen ganzen Bischofskonferenzen in recht unterschiedlichen Fragen zu erkennen. Um dies festzustellen, ist ein Studium der Theologie ebenso wenig notwendig wie ein Studium in Philosophie oder eine Ausbildung als Historikerin/Historiker, Politikwissenschaftlerin/Politikwissenschaftler oder Sprachwissenschaftlerin/Sprachwissenschaftler. Natürlich sind auch in Hinblick auf solche Vorgänge bis handfeste Auseinandersetzungen Fremdsprachenkenntnisse nützlich. Da kann es dann direkt amüsant sein, die im drastischen Widerspruch zu den Aussagen des Vorsitzenden der bundesdeutschen Bischofskonferenz stehenden Feststellungen des Primas von Irland und des Präsidenten der schottischen Bischofskonferenz zu vernehmen. Auch in Hinblick auf in direktem Widerspruch zueinanderstehenden jeweilige Beschlusslagen diverser Bischofskonferenzen lassen sich dann Angelegenheiten genauer betrachten.

Keine Fremdsprachenkenntnisse sind nötig, wenn man deutliche Abweichungen von der offiziellen Lehre von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auch bei praktizierenden Katholikinnen und Katholiken vernehmen möchte. Bereits während seines Theologiestudiums in Innsbruck vernahm der Verfasser dieses Beitrages, dass eine bekennende und praktizierende Katholikin deutlich meinte, am Kreuz oder Kruzifix hinge „der Himmelsvater“.
Ohne irgendjemanden verdammen zu wollen, so stellt eine solche Aussage die schon besonders früh von der Großkirche, der Hauptrichtung des Christentums zurückgewiesene Position des Patripassianismus dar. Danach gäbe es nur eine einzige göttliche Person und nicht wie im Rahmen der Glaubensbekenntnisse von Nicäa, Konstantinopel und Toledo mit der Bestätigung durch die Konzilien von Ephesus und Chalcedon und auch durch sog. Reformatoren wie Martin Luther, Ulrich/Huldrych Zwingli und Johannes Calvin gelehrt drei göttliche Personen in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Der offensichtlich wie so vieles andere in der Volksfrömmigkeit vorhandene Patripassianismus stellt so etwas wie eine besonders klare Form von Modalismus dar, welcher auch Sabellianismus genannt wird (siehe allgemein Gedanken zur Woche 322 – HOCHFEST VON PFINGSTEN (2026)).
Am einem anderen Ende des theologischen Spektrums befindet sich dann der Tritheismus. Diesem zufolge hätte man es bei dem, was gerne die Allerheiligste Dreifaltigkeit oder etwa auch die Dreieinigkeit genannt wird, mit drei voneinander klar zu unterscheidenden Göttern zu tun. Man kann nur ahnen oder darüber spekulieren, wieweit wiederum solche Vorstellungen auch bei sich zum Christentum bekennenden Menschen vorhanden sind.

Ausdrücke wie Patripassianismus, Modalismus, Sabellianismus und Tritheismus begegnen in der christlichen Geschichte immer wieder als Schimpfworte. Natürlich sollte man selber jede Polemik meiden auch in den Unsicherheiten, Auseinandersetzungen und Spaltungen unserer Tage.

 

1. Lesung: Ex 34,4b.5-6.8-9
2. Lesung: 1 Kor 13,11-13
Evangelium: Joh 3,16-18

 

 

 

Gedanken zur Woche 323-b, Dr. Matthias Martin

9. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI/FRONLEICHNAM (2026)

Immer wieder gilt es, in Hinblick auf theologische Begriffe, auf kirchliche Ereignisse wie auf Handlungen religiöser Persönlichkeiten Missverständnisse zu vermeiden und etwaigem Missbrauch nach besten Kräften entgegenzuwirken.

Dass dies leichter gesagt ist als getan, beweisen die vielschichtigen Auseinandersetzungen um die Lehre von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit mit einem Höhepunkt im vierten Jahrhundert und den sich als Schwerpunkt theologischer und mehr kirchenpolitischer Auseinandersetzungen anschließenden Konflikte um die zwei in Jesus Christus vereinten Naturen und all die dabei jeweils vorgebrachten Meinungen und Lösungsvorschläge. Dabei spielten die Auseinandersetzungen mit der römischen Staatsmacht eine zentrale bis existentielle Rolle für christliche Gemeinschaften oder eben so etwas wie die Kirche.
Über konfessionelle Grenzen hinweg wird etwa der traditionell so gerne „der Große“ genannte Konstantin längst kritisch betrachtet. Dies kann so weit gehen, die damals eingeleitete Annäherung von römischer Staatsmacht, Römischem Reich und Christentum als den großen Unglücksmoment in der Kirchengeschichte für das authentische, nichtkorrumpierte Christentum oder Christsein zu sehen. Solche gegen jede Verklärung damaliger Vorgänge gerichteten sehr kritischen Positionen können immer wieder von erklärten Anhängerinnen und Anhängern der in dem Glaubensbekenntnis von Nicäa und dann in dem mit dem Ersten Konzil von Konstantinopel und insbesondere dem 4./Vierten Reichskonzil, der 4./Vierten Reichssynode erweiterten Glaubensbekenntnissen proklamierten Glauben an drei wesensgleiche und in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geeinte göttlichen Personen geäußert werden. Eine solche betont kritisch-pessimistische Sicht der mit der sog. Konstantinische Wende verbundenen Entwicklungen kann auch durch überzeugte Anhängerinnen und Anhänger einer modalistischen Einssein- oder Oneness-Theologie (siehe Gedanken zur Woche Gedanken zur Woche 143 – 4. ADVENTSONNTAG (2022) und Gedanken zur Woche 177-b – 19. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST von der AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL (2023)) vertreten werden. Diese kritisch-ablehnende Grundposition ist bei Vertreterinnen und Vertretern eines die möglichste Eigenständigkeit von örtlichen Gemeinden oder Ortskirchen betonenden Kirchenverständnisses festzustellen wie bei ins Ultramontane gehenden Anhängerinnen und Anhängern eines starken Papstamtes. Die Herrschaftszeit dieses Konstantins samt seines blutigen Weges zur Macht als Alleinherrscher im ungeteilten Römischen Reich wird auch außerhalb wahrnehmbaren Christentums gerne sehr kritisch gesehen.

Natürlich ist hier vor dem billigen Einsatz von Schlagworten, vor einer populistischen Schwarz-Weiß-Malerei zu warnen. Ganz im Sinne eines heiligen Papstes Pius X. und von Papst Franziskus mag dies zu eingehenden historischen Studien anregen. Es mag nicht zuletzt die gesunde Vorsicht in Hinblicke auf theologische Schlagworte samt deren etwaiger Verquickung mit politischen Interessen fördern. Eine derartige gesunde Vorsicht wäre etwa beim zurückliegenden Katholikentag im bundesdeutschen Würzburg zu wünschen gewesen. Längst wurde gemeint, eine solche gesunde Vorsicht und damit verbundene Abgrenzung gegenüber politischer Vereinnahmung wäre hier ausdrücklich nötig und nicht nur wünschenswert gewesen.

So wird ja gerne immer wieder und von verschiedenen Seiten versucht, eine religiöse Führungspersönlichkeit aus Geschichte und Gegenwart wie etwa einen Papst zu instrumentalisieren.
So sollte dann auch jetzt die Ankündigung eines Besuches von Papst Leo XIV. in dem meist Frankreich genannten Gebiet nicht missverstanden werden.

Dieser päpstliche Besuch wird erst nach den inzwischen ja erfolgten päpstlichen Reisen in die Republik Libanon, das Fürstentum Monaco und dann in die Republiken von Algerien und Kamerun stattfinden. Alle diese Nationen waren einst Opfer französischer Machtpolitik. Auf je eigene Weise hatten sie ihr jetziges Maß an Selbstbestimmung zu erkämpfen. In unseren Breiten ist der von Frankreich mit den Mitteln routinemäßiger Massaker an der Zivilbevölkerung geführte Algerische Unabhängigkeitskrieg noch etwas bekannt, auch wenn sehr gerne die Untaten der französischen „Freunde“ verdrängt oder rundheraus gerechtfertigt werden. Dabei sollte man nicht vergessen, dass es auch in Kamerun einen langwierigen bewaffneten Unabhängigkeitskampf gab. Der Libanon ist ein Paradefall, wie zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen führende innerfranzösische Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen offiziell miteinander verbündeten Kolonialmächten wirkmächtig wurden. Auch das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren bei der einstweiligen Verhinderung einer völligen Annexion durch Frankreich und der anschließenden allmählichen Rückgewinnung von Eigenständigkeit im Falle Monacos ist ein eigenes Lehrbeispiel.

All diesen Staaten, die ihre Existenz in einem Kampf gegen die traditionelle Eroberungs- und Kolonialmacht Frankreich zu erkämpfen und zu sichern hatten, hat nun offenkundig Papst Leo XIV. eher einen Besuch erwiesen, bevor er überhaupt bereit war, einen Besuch in Frankreich anzukündigen!
Dazu verdient die thematische Schwerpunktsetzung dieses nun angekündigten Papstbesuches aufmerksame Beachtung. So wird der Papst dem internationalen Hauptquartier in Paris der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur, Kommunikation und Information, UNESCO seine Aufwartung machen. Dies ist vor dem Hintergrund des eigens sehr angespannten Verhältnisses zwischen dem Heiligen Stuhl und der US-Regierung von Donald Trump wirklich beachtlich. Schon während dessen erster Amtszeit als Präsident hatte die USA 2017 die UNESCO erstmals verlassen. Jetzt ist es wieder einmal so weit (https://www.unesco.de/aktuelles/audrey-azoulay-bedauert-austritt-der-usa-aus-der-unesco/). Dabei hatte es schon vor der ersten Wahl Trumps in das Präsidentenamt zwischen den USA und der UNESCO schwere Konflikte gegeben. Hauptgrund war die Anerkennung Palästinas als Vollmitglied der UNESCO. Dabei lag und liegt dieser konsequent umgesetzte Schritt der UNESCO voll auf der Linie des Heiligen Stuhles der Unterstützung für einen lebensfähigen und international anerkannten Staat Palästina (siehe Gedanken zur Woche 299-b – 3. ADVENTWOCHE (2025)).
Dass Papst Leo XIV. nun genau das Hauptquartier der UNESCO mit seinem Besuch ehrt, ist ein deutliches Zeichen. Es sollte verbliebenen Anhängerinnen und Anhängern Trumps unter Katholikinnen und Katholiken zu denken geben. Es kann zugleich als Ermutigung gesehen werden für Staaten, die ihrerseits Palästina noch nicht die volle diplomatische Anerkennung gewährt haben, diesen Schritt nun zu vollziehen. Schließlich hat ja neben anderen Staaten auch Frankreich sich endlich nach der Wahl von Leo XIV. zum Papst zumindest in diesem Punkt der Position des Vatikans angeschlossen und den Staat Palästina anerkannt (siehe eher allgemein Gedanken zur Woche 298-b - 2. ADVENTWOCHE einschließlich HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESGEBÄRERIN MARIA (2025)).

Dann bedeutet diese so bemerkenswerte Würdigung der UNESCO eine sichtbare päpstliche Unterstützung für Wissenschaft, Bildung, Kultur und damit verbundenen internationalen Austausch. Die erneute klare Zurückweisung jedes fideistischen Irrweges ist offenkundig.

Dann wird der Papst auch jenen Marienwallfahrtsort besuchen, der in Mitteleuropa meist Lourdes genannt wird. Bei ihm handelt es sich um einen internationalen Mittelpunkt katholischen Lebens mit Katholikinnen und Katholiken aktiv beteiligt aus allen möglichen Ländern. Es ist alles andere als eine französische Regierungsveranstaltung. Dazu liegt dieser Herzensort katholischen Lebens inmitten des okzitanischen Kulturraumes. Es gibt ja auch eigene okzitanische Namensformen für Lourdes etc. Das mag dann umso mehr zu Respekt und Wertschätzung für okzitanische Sprache, Kultur und Geschichte anregen (siehe Gedanken zur Woche 203 – 6. SONNTAG IM JAHRESKREIS und WELTTAG DER KRANKEN (2024) und allgemeiner Gedanken zur Woche 48-b – 5. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021)).
Einer in dieser Richtung gehenden auch wissenschaftlichen Betätigung sollte nichts im Wege stehen.

 

 

 

Gedanken zur Woche 322, Dr. Matthias Martin

HOCHFEST VON PFINGSTEN (2026)
Zehn Tage nach dem Hochfest von CHRISTI HIMMELFAHRT, dem Hochfest von der HIMMELFAHRT CHRISTI steht das Hochfest von PFINGSTEN auf dem liturgischen Kalender.
Es folgt bereits am Sonntag nach PFINGSTEN das Hochfest vom DREIFALTIGKEITSSONNTAG.

Diese Verknüpfung hat sehr viel für sich. Es macht wirklich Sinne, am Sonntag nach dem Hochfest von PFINGSTEN den DREIFALTIGKEITSSONNTAG zu feiern.
PFINGSTEN ist doch eben das Hochfest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist als die dritte göttliche Person in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit wesensgleich Gott dem Vater, der ersten göttlichen Person, und Gott Sohn, dem göttlichen Logos, der zweiten göttlichen Person. Im Deutschen wird hier auch gerne von wesenseins geschrieben und gesprochen.
Auf jeden Fall soll damit ausgedrückt werden, dass die drei göttlichen Personen sich gleich sind an Würde, Macht, Herrlichkeit und Ewigkeit. Es gibt im Sinne der Glaubensbekenntnisse von Nicäa und Konstantinopel wie im Sinne des Apostolicums und Athanasischen Glaubensbekenntnisses (siehe Gedanken zur Woche 320 – 6. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)) einschließlich aller sie hierin bestätigender Kirchenversammlungen, Erklärungen recht unterschiedlicher sich christlich nennenden Konfessionen und auch Schriften sog. Reformatoren keine Abstufungen zwischen diesen drei göttlichen Personen.

Dies wird häufig als gemeinsame Basis recht verschiedener christlicher Konfessionen/Denominationen gesehen. Dass eine Taufe mit der in ihrem Sinne richtigen Absicht auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes gespendet wird, ist seit alters her für die katholische Kirche eine grundlegende Bedingung, dass die Taufspendung als gültig anerkannt wird.

Dies heißt natürlich in keinster Weise, dass dies auch überall in der katholischen Kirche im Rahmen jeweiliger vom Kirchenrecht als juristische Personen anerkannten Einrichtungen so praktiziert und gelehrt wird. In ihren Aussagen und Handlungen weichen ja auch geweihte Geistliche wie andere kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst in grundsätzlichen Fragen der Glaubens- und Sittenlehre gerne voneinander ab. Die bundesdeutsche Bischofskonferenz vertritt besonders gerne Standpunkte, die gleich einer ganzen Reihe anderer Bischofskonferenzen direkt entgegengesetzt sind. Innerhalb ihres eigenen offiziellen Territoriums stehen den Mitgliedern dieser bundesdeutschen Bischofskonferenz sowohl Amtsträger mit einer sakramentalen Weihe wie andere Mitarbeiter und gerade Mitarbeiterinnen sehr oft betont distanziert gegenüber. Wie erst jüngst bei den noch nicht abgeschlossenen Auseinandersetzungen insbesondere um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wieder einmal deutlich wurde, ist auch diese Bischofskonferenz keine in sich homogene Größe. Schon vorher konnte es bekanntlich passieren, dass ein Teil der Bischofskonferenz, gewissermaßen eine Fraktion, sich im päpstlichen Rom, beim Apostolischen Stuhl deutlich über den anderen Teil, die andere Fraktion derselben Bischofskonferenz beschwerte. Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Bischöfen, welche nicht so den Weg in die Öffentlichkeit fanden, stellen dazu noch einmal eine eigene Größe dar. Dies gilt etwa für das Streben eines Bischofs bzw. Erzbischofs, einen für ihn interessanteren Erzbischofssitz samt vielleicht der verbesserten Aussicht auf den Kardinalspurpur zu übernehmen, wie für Reibereien zwischen einem Weihbischof und seinem eigenen Diözesanbischof, den Misshelligkeiten zwischen dem emeritierten früheren Diözesanbischof und seinem Nachfolger und so fort. Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der bundesdeutschen Bischofskonferenz in Zusammenhang mit dem sog. Synodalen Prozess fanden ihrerseits sogar das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit.

Dabei stößt der theologisch interessierte Mensch gewissermaßen allerorten etwa im bundesdeutschen und österreichischen Katholizismus auf erhebliche Meinungsverschiedenheiten, die weit tiefer gehen, als so etwas wie kirchliche Tagespolitik und kirchenrechtliche Debatten zu Bedingungen für die Zulassung zur Priesterweihe und die Fragen nach einer Neuordnung des Verfahrens zur Berufung von Bischöfen.

In seinem rasch zum Bestseller gewordenen interviewbuch „Zur Lage des Glaubens“ meinte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, dass einst kirchlicherseits als Häresien verurteilte Positionen sich längst großen Ansehens erfreuten.
Spricht man mit aktiven Theologinnen und Theologen sowie Theologiestudierenden, so bekommt man wie bei der Lektüre von eher einschlägiger Literatur wiederholt bestätigt, dass alle möglichen Positionen, welche in den frühen Jahrhunderten bis zu den vier ersten allgemeinen Konzilien hinauf verurteilt wurden, unter sich noch als Katholikinnen und Katholiken verstehenden Menschen recht lebendig sind.
Wie ein Dogmatikprofessor in seiner Vorlesung an der theologischen Fakultät in Innsbruck betonte, gibt es durchaus aktive Gottesdienstbesucher in der katholischen Kirche, die meinen, Jesus von Nazaret sei gerade einmal als ein normaler Mensch geboren worden. Das ist dann zumindest die Position des Adoptianismus, wenn überhaupt noch bei betreffenden Kirchenmitgliedern von einer Art nachträglichen Erhebung Jesu in einen mehr oder minder göttlichen Rang ausgegangen wird. Man mag hier sich an theologiegeschichtliche Bezeichnungen wie Photinianer und Bonosianer erinnert fühlen. Bis in das Spielfilmwesen hinein werden völlig im Widerspruch zu den altkirchlichen oder großkirchlichen Glaubensbekenntnissen stehende Positionen auch katholischen Geistlichen zugeschrieben.

Da ist ja so etwas wie die gleichsam klassische arianische Position schon vergleichsweise eher gemäßigt. Nicht umsonst meinte man längst, Arius mit der wesensmäßigen Unterordnung Christi unter den göttlichen Vater fiele heute sehr vielen auch praktizierenden Katholikinnen und Katholiken gar nicht mehr als Abweichler von der eigenen kirchlichen Lehre auf.

Genauso kann sicher ein Geistlicher ziemlich klare modalistische/sabellianische Positionen vertreten, wonach es sich bei Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist um ein und dieselbe göttliche Person handle, ohne damit in einer Pfarrei für Unruhe zu sorgen. So etwas wie Sabellianismus oder Modalismus dürfte bei der Minderheit von Katholikinnen und Katholiken, die in unseren Breiten noch etwas aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen, vorhanden sein. Das gilt sicher auch für die deutliche Abstufung, genannt Suborditianismus, zwischen Vater, Sohn und heiligen Geist entgegen der kirchenoffiziellen Dreifaltigkeitslehre. Hier lebt wohl eine ganze Reihe unterschiedlicher Einzelpositionen in den Herzen und Hirnen von Menschen, die bestätigen, katholisch zu sein.

Auch eine mehr oder minder markionitische/marcionitische Position ist durchaus dem Inhalt nach vorhanden. Demnach wäre das Alte/Erste Testament der Bibel mehr oder minder deutlich abzulehnen. Nicht jede und jeder in diese Richtung gehende Mensch wird die radikale Konsequenz wie einst Markion/Marcion ziehen, einen ausdrücklichen Gegensatz zwischen dem Gott des Alten/Ersten und Neuen/Zweiten Testaments zu erklären. Da geht es dann in Richtung von so etwas wie einen Semimarkionismus/Semimarcionismus, eine Art Semimarkionitentum/Semimarcionitentum, um sich hier an überliefertes theologisches Vokabular anzulehnen. Derartiges kann sich dann nach der einen Seite hin mit einer bezüglich des guten Gottes des Neuen/Zweiten Testaments modalistischen Positionen verbinden. Die mehr oder minder deutliche Verwerfung des Alten/Ersten Testaments kann sich nach der anderen Seite auch mit einer irgendwie suborditianistischen Position verbinden.
Am Markt der Meinungen und Schlagworte herrscht doch ein ausgesprochener Pluralismus.

Das gilt dann auch in Hinblick auf Fragen, wann welches Sakrament von wem gültig empfangen bzw. gespendet wird.
Ein eigenes und vielfältiges Phänomen ist das Hervortreten synkretistischer bis so etwas wie neopaganer Positionen unter Katholikinnen und Katholiken (siehe Gedanken zur Woche 318 – 4. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)). Manches da an außerchristlichen religiösen Inhalten ist in eine Art Untergrund nie untergegangen und tritt seit einigen Jahrzehnten zusehends selbstbewusst in verschiedenen Ländern in der Öffentlichkeit auf. Akademische Disziplinen von Theologie und Völkerkunde über Psychologie, Sprachwissenschaften bis hin wegen der zunehmend gesellschaftlich-politischen Relevanz auch die Rechtswissenschaften haben da eigene Betätigungsfelder.

 

1. Lesung: Apg 2,1-11
2. Lesung: 1 Kor 12,3b-7.12-13
Evangelium: Joh 20,19-23

 

 


Gedanken zur Woche 322-b, Dr. Matthias Martin

PFINGSTMONTAG und 8. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Dem PFINGSTMONTAG kommt als öffentlichen oder gesetzlichen Feiertag auch in Zukunft eine vielfältige Bedeutung zu.
Da ist natürlich zunächst einmal die religiöse Grundlegung dieses Tages. Es ist ja der gewissermaßen zweite Feiertag des Hochfestes von Pfingsten. Pfingsten selber ist insbesondere das Hochfest des Heiligen Geistes. Gerade weil im Bereich der gewissermaßen traditionell-etablierten christlichen Konfessionen die Verehrung des Heiligen Geistes als der dritten göttlichen Person oft nicht so bewusst lebendig ist oder praktiziert wird wie die Verehrung der ersten und der zweiten göttlichen Person, Gott Vater und Gott Sohn oder (der) Logos, sollte Pfingsten eigens den Menschen nahegebracht werden, mit ihm verbundene kulturelle Überlieferung und soziale Interaktionen nach Möglichkeit gefördert werden.
Dies betrifft auch den so großen Bereich der Musik. Gerade zum Weihnachts- und Osterfest, aber nicht zuletzt auch zum Karfreitag und zu Fronleichnam gibt es bekannte Musikwerke. Die starke Stellung im musikalischen Leben von der Volkskultur in breiteren Bevölkerungskreisen bis hin zur sog. Hochkultur gibt es eigens für die Marienverehrung. Das wird dann nicht nur an Hochfesten wie dem von der  AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL am 15. August und dem von der UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS MARIENS am 8. Dezember wie dem eigenen Hochfest zu Ehren Mariens am 1. Januar deutlich.
Manches von solchem musikalischen Erbe erfreut sich über die Kreise praktizierender Kirchenmitglieder hinaus beachtlicher Beliebtheit. Ein eigenes musikalische Erbe gibt es auch zum Hochfest von Pfingsten (siehe allgemein Gedanken zur Woche 115 – HOCHFEST von PFINGSTEN (2022) sowie im Besonderen z. B. Gedanken zur Woche 41-b – HOCHFEST von WEIHNACHTEN (2020) und Gedanken zur Woche 144 – HOCHFEST von WEIHNACHTEN (2022)).

In der Pfarrei zum Heiligen Nikolaus in Stein an der Donau setzt man in der Tradition des Komponisten und praktizierenden Musikers Ernst Schandl stehend auch in Hinblick auf Pfingsten Akzente. So kommt in diesem Jahr bereits in der Heiligen Messe zum PFINGSTSONNTAG die Missa Sancti Joannis de Deo von Joseph Haydn zur Aufführung. Dieses Werk wird auch die Kleine Orgelsolomesse genannt (https://www.stein.dsp.at/dl/LONKJmMJkLMoLJqx4MJK/Pfarrbrief_Mai_2026_pdf).

Da sollte die verantwortungsbewusste Feier des Pfingstfestes auch vor dem Hintergrund gepflegt werden, dass es nicht einfach ein pastoral bedauerlicher Umstand ist, das der Heilige Geist als dritter göttlicher Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit oft weniger im direkten Bewusstsein von Menschen geehrt und bedacht wird als die erste göttliche Person und die zweite göttliche Person.
insgesamt wird ja kaum bestritten, dass das, was in den großen oder klassischen Glaubensbekenntnissen offiziell bezeugt wird, im Kirchenvolk sehr oft nicht vertreten oder auch gar nicht wahrgenommen wird. Manche Gesprächspartnerin und mancher Gesprächspartner bis hin die Verfasserin und der Verfasser eines veröffentlichten Beitrages meinten längst, dass dieser grundlegende Glaube kaum im Kirchenvolk lebendig ist. Dem sehr bekannten Theologen des Zweiten Vatikanischen Konzils Karl Rahner wird die Aussage zugeschrieben, dass wenn die Lehre von der Dreifaltigkeit, die kirchenoffizielle Trinitätstheologie abgeschafft würde, dies keine wirklichen Auswirkungen auf das kirchliche Leben hätte. Dabei wurde ihm selber mitunter eine Abweichung von dieser kirchenoffiziellen Lehre von der Dreifaltigkeit vorgeworfen. Dies konnte beizeiten soweit gehen, dass er ausdrücklich als „Modalist“ attackiert wurde.
Aus ganz anderen Gründen sind dann in den letzten Jahren führende Akteure des Zweiten Vatikanischen Konzils und mehr oder minder prominente Unterstützer von solchen in die Kritik gekommen. Da ging es nicht um das Verhältnis zu altkirchlichen Glaubensbekenntnissen, nicht um die Frage nach einer Nähe zu markionitischen/marcionitischen, modalistischen bzw. sabellianischen Positionen oder zu einer mehr oder arianischen oder zumindest semiarianischen Ausrichtung. Es ging vielmehr um diese Art ekklesiales Krebsgeschwür, das sexueller Missbrauch genannt wird (siehe Gedanken zur Woche 273-b – 11. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI/FRONLEICHNAM (2025) und Gedanken zur Woche 274 – 12. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)).
Eine wirkliche Aufarbeitung kam da bisher über bestenfalls erreichte Anfänge offenkundig nicht hinaus. Die Glaubwürdigkeit von so etwas wie offizieller Kirchenhierarchie wird umso mehr von ganz unterschiedlichen Seiten als schwer angeschlagen bis nicht mehr vorhanden eingestuft.

Da spielen dann offensichtlich Standpunkte zur Trinitätstheologie und Christologie wie zum Verhältnis von Altem/Ersten und Neuem/Zweiten Testament üblicherweise eine sehr untergeordnete Rolle in der weiteren Gesellschaft.
Umso so eher dürfte die wesensmäßige Unterordnung des Heiligen Geistes unter Gott Vater und Gott Sohn gar nicht so selten in der Vorstellungswelt von Kirchenbeitrags- und Kirchensteuerzahlern vorkommen und auch und vielleicht gerade von solchen Menschen vertreten werden. Der klassische Suborditianismus mit der wesensmäßigen Abstufung von Gott Vater über den Logos als der zweiten göttlichen Person und schließlich an dritter Stelle zum Heiligen Geist ist wohl überhaupt unter offiziellen Kirchenmitgliedern anzutreffen.
Die Verurteilung der Pneumatomachen als Vertreterinnen und Vertreter einer Unterordnung des Heiligen Geistes unter den göttlichen Vater und den göttlichen Sohn schon in frühen Jahrhunderten durch die zunächst hierbei so erfolgreiche Großkirche (siehe eher allgemein Gedanken zur Woche 166 – HOCHFEST von PFINGSTEN (2023)) ändert daran in unseren Zeiten zusehends wenig.
Dann ist da noch so etwas wie der semimodalistische Standpunkt. Im Sinne eines betreffenden Semimodalismus/Semi-Modalismus käme zwar Gott Vater und Gott Sohn, dem Logos, nicht aber dem Heiligen Geist eigenes Personsein zu. Man hätte es also grundsätzlich mit zwei und nicht mit drei Personen im Bereich des Göttlichen zu tun (siehe Gedanken zur Woche 166-b – PFINGSTMONTAG und 8. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 172 – 14. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2023)).

Auch eine provokante Aussage, wie die, dass doch die Mitglieder so etwas wie etablierter kirchlicher Gemeinschaften und Kirchen sogar in den allermeisten Fällen Monophysiten wären, ficht dann kaum bis vielleicht niemanden an. Dabei sind ja Monophysiten Anhänger, der Lehre, dass in Jesus Christus nur eine Natur vorläge und es zu keiner Verbindung zweier Naturen, der göttlichen und menschlichen, bei ihm gekommen sei. Dies ist zwar gegen eine ganze Reihe von Konzilien, gerade auch schon der eher frühen Zeit der Kirche gerichtet, ficht dann aber so wenig an, dass es nicht einmal eine ernsthafte pastorale oder theologische Diskussion gibt.
Tatsächlich verlassen ja Menschen gerade wegen Missbrauchs- und Korruptionsskandalen die Kirche. Berichte und dergleichen im Internet über Bildung und Aktivitäten neomarkionitischer/neomarcionitischer Glaubensgemeinschaften oder Kirchen sind da vergleichsweise eine exotische Erscheinung. Ähnlich verhält es sich mit bisher greifbaren neokatharischen und ähnlichen Gruppierungen und Aktivitäten, also Tendenzen in Richtung eines klareren Dualismus.

Umso mehr sollte bei allem Streben nach theologischer Ernsthaftigkeit und inhaltlichen Verortung gerade die Missbrauchsproblematik offensiv angegangen werden. Da wäre es doch etwas, tatsächlich endlich einen „Sonntag der Missbrauchsopfer“ einzuführen (siehe Gedanken zur Woche 317 - 3. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)).

 



Gedanken zur Woche 321, Dr. Matthias Martin

7. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)

Der WELTTAG FÜR GROSSELTERN UND SENIOREN oder WELTTAG FÜR GROSSELTERN UND ÄLTERE MENSCHEN geht wie so manch anderer einer besonderen Gruppe von Menschen oder einem besonderen Anliegen gewidmete Tag auf eine Initiative von Papst Franziskus und generell auf einen der Päpste der jüngeren Zeit zurück (siehe Gedanken zur Woche 317 – 3. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026) und Gedanken zur Woche 318 – 4. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)).

Diese verschiedenen besondere Tage greifen je etwas auf, was Katholikinnen und Katholiken insgesamt eh selbstverständlich sein sollte. Wie jüngst noch einmal Papst Leo XIV. in deutlichen Worten, ja mit scharfer Stimme unterstrich, reicht der Glaube alleine nicht aus. Das Tun guter Werke ist eine Notwendigkeit. Wenn man zum Heil gelangen will, sollte dies demnach bewusst sein.
Wir sollen ja schon ganz im Sinne der Fünf Bücher Mose, des Pentateuchs, der Thora/Tora/Torah im engeren Sinne, Gott lieben aus ganzem Herzen, mit all unserem Sinnen und Trachten, und unseren Nächsten wie uns selbst. Jesus von Nazaret fasste diese beiden Aussagen von weit vorne im Alten/Ersten Testament dann eben in dem zusammen, was gerne das doppelte Liebesgebot genannt wird und sich in dieser Form mitten im Neuen/Zweiten Testament findet.
Bei allen drei Synoptikern findet sich dieses doppelte Liebesgebot. Dass wir es mitten im Neuen/Zweiten Testament vor uns haben beruht also somit einer synoptischen Traditio Triplex/Triplex Traditio (Mt 22,34-40; Mk 12,28-34; Lk 10,25-27/28). Es liegt nicht einfach als matthäisches, als markinisches oder vielleicht als lukanisches Sondergut vor. Wir haben zum doppelten Liebesgebot mit seiner alttestamentlichen Grundlegung eben nicht bloß eine Traditio Simplex/Simplex Traditio und nicht einfach eine Traditio Duplex/Duplex Traditio vor uns. Es liegt dieses doppelte Liebesgebot eben als Traditio Triplex/Triplex Traditio vor. Und auch in dem gegenüber den drei Synoptikern so eigenständigen Johannesevangelium mit gewissermaßen johanneischem Sondergut als Regelfall finden wir starke Aussagen, welche in dieselbe Richtung gehen.

In den bei Menschen immer wieder auf besonderes Interesse stoßenden johanneischen Abschiedsreden etwa finden wir wiederholt so etwas wie ein Liebesgebot oder eine sehr direkt darauf hinweisende Aussage. Dies beginnt bereits nach der johanneisches Sondergut darstellenden Erzählung von der Fußwaschung in der Einleitung oder Überleitung zu den eigentlichen Abschiedsreden. Wenn wir der neuen deutschen Einheitsübersetzung folgen, können wir da lesen: „(Joh 13,34) Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (35) Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“
Tatsächlich war dann die tätige Nächstenliebe so etwas wie ein Markenzeichen des jungen Christentums und legte ein besonderes Glaubwürdigkeitszeugnis für dieses ab. Dies möge gerade Christinnen und Christen in unseren Tagen zu einem in diesem Sinne guten Tun anregen. Dies gilt unabhängig davon, welcher exegetischen Einzelmeinung man im Falle des Falles selber zuneigt oder nicht. Schon gar nicht sollten theologische Meinungsverschiedenheiten zu Hass und Gewalt führen. Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen, sollen sich nach besten Kräften im guten Tun bewähren. Das Lesen bzw. Anhören der Bibel aus den verschiedenen Schriften des Alten/Ersten und des Neuen/Zweiten Testaments möge solch gutes, liebevolles Tun immer wieder anregen.
Dabei geht es erst einmal weiter in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums. Das Tun und die Beziehung zu Jesus in der Liebe gehören zusammen. Dies wird verdeutlicht, wenn wir bereits im nächsten Kapitel des Johannesevangeliums lesen können: „(Joh 14,23) Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. (24) Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.“ In treuer Verbundenheit mögen die Gläubigen gute Frucht bringen.
In gleichnishafter Rede wird dies zu Beginn des 15. Kapitels und damit nach mancher Einteilung am Anfang einer zweiten Abschiedsrede mit dem Bild von Jesus als dem wahren Weinstock, dem göttlichen Vater als dem Winzer und den Jüngern als den Reben vor Augen gestellt. Die Liebe wird dabei ganz im Sinne eines traditionellen Christentums mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in essentieller Beziehung stehend vorgestellt. Wiederum anhand der neuen deutschen Einheitsübersetzung heißt es u. a.: „(Joh 15,9) Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ Kurz danach findet sich die wohl besonders bekannte Aussage „(Joh 15,12) Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.“ Nachdem wiederum ausdrücklich vom Fruchtbringen gesprochen wird, findet sich dann der Satz „(Joh 15,17) Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.“

Die Bibel und die unverfälschte kirchliche Tradition bieten uns Anregungen und so etwas wie Veranschaulichungen, wie solche christliche Liebe verwirklicht werden kann. Das fängt eben schon ganz vorne in diesen Fünf Büchern Mose an und durchzieht dann die Bibel gleichsam wie ein roter Faden, bevor man zu der auf uns gekommenen Überlieferung der frühen Kirche kommt, deren Schriftstücke etwa als solche nicht mehr Aufnahme ins Neue/Zweite Testament fanden.

Die Liebe soll nicht zuletzt die verschiedenen Generationen miteinander verbinden. Der WELTTAG FÜR GROSSELTERN UND SENIOREN/FÜR GROSSELTERN UND ÄLTERE MENSCHEN möge dies verdeutlichen. Über den einzelnen Tag hinaus möge er das Miteinander der verschiedenen Generationen fördern. Ältere Menschen bringen doch einen tiefen Schatz an Erfahrungen mit, den es vor Verlust zu schützen gilt. Beziehungen der verschiedenen Altersgruppen, wie es heutzutage gerne genannt wird, mögen die innerliche Widerstandskraft gegenüber modernen Manipulationen fördern und geistige Immunität gegenüber so manchen Auswüchsen des Zeitgeistes stärken. Auch die verschiedenen Altersgruppen oder Generationen sollen sich nicht so einfach gegeneinander ausspielen lassen.

Dabei ist natürlich die aufmerksame Fürsorge für Menschen, die schon gebrechlicher und schwächer sind, ein Ausdruck von Nächstenliebe. Dies gilt es zu beherzigen über politische Meinungsschwankungen und auch theologische Modetrends hinweg. Der stille Dienst in ungezählten Familien an den älteren, schwächeren und zusehends gebrechlichen Menschen dort verdient Dank, Anerkennung und nachhaltige Unterstützung. Dies gilt auf seine Weise jeweils auch für all die Menschen, die etwa in Altenheimen und Krankenhäusern, in den unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen ihren so wichtigen Dienst tun. Menschen, die in solchen Einrichtungen ihrerseits inzwischen ihren Lebensmittelpunkt verbringen, zu besuchen, ist seinerseits eine wichtige gute Tat. In dem Gleichnis vom Jüngsten Gericht können wir das Wort finden „(Mt 25,36) … ich war krank und ihr habt mich besucht …“. Im negativ formulierten Teil dieses Gleichnisses heiß es kurz darauf vorwurfsvoll „(Mt 25, 43) … ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.“

 

1. Lesung: Apg 1,12-14
2. Lesung: 1 Petr 4,13-16
Evangelium: Joh 17,1-11a




Gedanken zur Woche 321-b, Dr. Matthias Martin

7. OSTERWOCHE (2026)
Das Kirchenjahr schreitet voran. Nach dem Hochfest von CHRISTI HIMMELFAHRT, von der HIMMELFAHRT CHRISTI richtet sich der Blick zusehends auf ein anderes „klassisches“ Hochfest, auf PFINGSTEN. Zugleich rückt allmählich ein neuerer Tag im Kirchenjahr ins Bewusstsein, auch wenn es bis zu seiner eigentlichen Feier noch etwas Zeit hin ist: der WELTTAG FÜR GROSSELTERN UND SENIOREN oder eben WELTTAG DER GROSSLTERN UND ÄLTEREN MENSCHEN. Längst hat sich etwa der Heilige/Apostolische Stuhl zum diesjährigen WELTTAG DER GROSSELTERN UND SENIOREN/WELTTAG DER ÄLTEREN MENSCHEN geäußert. In der eigenen Mitteilung wird ausdrücklich auf den Bezug zum kirchlichen Fest der Eltern Mariens, Anna und Joachim, hingewiesen. Es wird dabei der Beitrag unterstrichen, den Großeltern und generell ältere Menschen für das Leben der Familien und überhaupt menschlicher Gemeinschaften leisten (https://press.vatican.va/content/salastampa/en/bollettino/pubblico/2026/02/10/260210b.html).

Diese eher kurze Mitteilung weist ganz grundsätzlich auf zentrale Elemente, auf so etwas wie Wesensbestandteile christlich-kirchlichen Lebens hin. Da ist zum einen der Umstand, dass ausdrücklich das alttestamentliche Prophetenbuch Jesaja zitiert und noch im weiteren Verlauf des Textes ausdrücklich auf diesen Teil des Alten/Ersten Testamentes hingewiesen wird. Dass entgegen aller zeitgeistigen Versuchungen und politischen Manöver bis hin zu direkten Bedrängnissen, Christinnen und Christen die Heilige Schrift in Ehren halten und ernst nehmen sollen, wird also bei dieser Gelegenheit bestätigt. Dies gilt eben auch in Hinblick auf die verschiedenen Schriften des Alten/Ersten Testaments. Dazu passt mehr als manche und mancher sich denken mag, dass eben ausdrücklich auf das kirchliche Fest, den Gedenktag von Anna und Joachim hingewiesen wird (siehe allgemein Gedanken zur Woche 279 – 17. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)). Anna und Joachim werden ja nicht in dem, was wir üblicherweise die Bibel nennen, erwähnt. Wohl aber finden sie sich schon in alten Schriften, welche nicht zum biblischen Kanon im Allgemeinen und zum Kanon der neutestamentlichen Schriften im Besonderen gehören.
Dazu mag spontan eine Stelle aus dem so kurzen Judasbrief des unter christlichen Konfessionen und in der breiteren Kultur gewissermaßen allgemein anerkannten Neuen/Zweiten Testaments in den Sinn kommen. In diesem Judasbrief als einer der so kurzen biblischen Schriften mit lediglich einer Unterteilung in Verse und wohlgemerkt ohne Kapitelunterteilung findet sich, wenn wir die neue deutsche Einheitsübersetzung zur Hand nehmen, die Formulierung „(Jud 9) Als der Erzengel Michael mit dem Teufel rechtete und über den Leichnam des Mose stritt, wagte er es nicht, ein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sagte: Der Herr weise dich in die Schranken.“ Damit wird hier in einer neutestamentlichen Schrift auf ein Ereignis Bezug genommen, das so weder in den Fünf Büchern Mose, dem Pentateuch, noch sonst im Alten/Ersten Testament erwähnt oder erzählt wird. In der Fußnote in der im Auftrag der (Bundes-)Deutschen, der Österreichischen und der Schweizerischen Bischofskonferenz, der Erzbischöfe von Luxemburg, von Vaduz und von Straßburg sowie der Bischöfe von Bozen-Brixen und von Lüttich herausgegebenen neuen/neueren deutschen Einheitsübersetzung zu diesem Vers des Judasbriefs heißt es: „Der Verfasser bezieht sich hier auf eine außerbiblische jüdische Überlieferung, die er möglicherweise in der Schrift über die Himmelfahrt des Mose vorgefunden hat; von dieser Schrift sind nur noch Teile erhalten.“ Wer sich mit dem Judasbrief und besonders diesem Vers befasst, kann auch auf Formulierungen stoßen, wonach hier zurückgegriffen worden sei auf „zwischentestamentarische Überlieferungen“, „zwischentestamentarische Schriften“ oder dementsprechend „außertestamentarische“ Schriften bzw. Überlieferung/Überlieferungen.

So ist eben zwischen dem, was mehr oder weniger viele sich als christlich verstehende Denominationen als „Bibel“ anerkennen, und „außerbiblischen“ Schriften und überhaupt Überlieferungen kein klarer Trennungsstrich zu ziehen. Das eine ist immer in Zusammenhang mit dem anderen zu verstehen. So werden ja gerne historische und geografische Veröffentlichungen herangezogen, um Aussagen aus der Bibel überhaupt einigermaßen zu verstehen. Das Interesse, Bibelstellen zu verstehen führt in Richtung von Sprachwissenschaften, Archäologie, ja auch Numismatik und Rechtswissenschaft mit all den verschiedenen Aufzweigungen und Spezialgebieten solcher Wissenschaften. Oftmals finden sich gerade in neueren bis neuesten Bibelausgaben betreffende Erläuterungen und Landkarten. Solche Anfügungen können recht umfangreich sein. In diesem Sinne gibt es auch eigenständige Buchpublikationen, Fachzeitschriften und dergleichen. Ihrerseits haben biblische Schriften und etwa dort vorkommende Erwähnungen verschiedene Forschungen angeregt, motivierten mehr oder minder zu wissenschaftlichen Aktivitäten und zur Entwicklung von so mancher wissenschaftlichen Disziplin und dazugehörenden Einzelbereichen.

So können etwa Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, welche nicht dem christlichen Glauben anhangen und sich keiner bestimmten christlichen Denomination besonders verbunden fühlen, über die starke Stellung, welche die heilige Anna und der heilige Joachim im kulturellen Erbe einnehmen, zum Christentum mehr oder minder intensiv hingeführt werden. Sowohl Gemälde wie dreidimensionale Darstellungen haben die heilige Anna und den heiligen Joachim zum Thema. Interessant ist eigens, dass nicht selten sowohl Plastiken wie Gemälde die Dreiheit von heiliger Anna, ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind darstellen. Wie man es auch sonst bei ungezählten Darstellungen Marias mit dem Jesuskind wie auch Marias mit dem erwachsenen Jesus kennt, kommt auch hier dann der heilige Josef nicht vor. Parallel dazu wird bei der Dreiheit von Anna, Maria und Jesus(-kind) zwar Anna, aber wiederum nicht ihr Ehemann Joachim dargestellt.
Solche Kunstwerke, mögen sie nun mehr der Volkskultur oder aber der Hochkultur zuzurechnen sein, drücken doch so etwas wie Empfindungen, Spiritualität bis hin zu genauer reflektierten theologischen oder philosophisch-theologischen Gedanken aus. Die starke Stellung von Frauen in diesem Bereich sowohl christlicher Überlieferung wie allgemeiner des künstlerisch-kulturellen Erbes der Menschheit ist da für sich schon ganz bemerkenswert. So etwas sollte nicht geringgeachtet werden, auch wenn es innerhalb der katholischen Kirche in den Tagen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu regelrechten Bilderstürmereien und dem Verschleudern von Kunstwerken kam.

Sich des eigenen kulturellen Erbes wie auch damit verbundener theologischer bis philosophischer Inhalte wieder stärker bewusst zu machen, sollte da umso mehr angesagt sein. In Hinblick auf Buchexemplare, dreidimensionale Kunstwerke und Gemälde einschließlich Mosaiken und Architektur gilt es, zu retten, was zu retten ist und was verschüttet wurde, möglichst wieder Menschen zugänglich zu machen. Bei einem solchen in die Breite wie Tiefe gehendem kulturellen Engagement können Menschen zusammenwirken über ethnische, konfessionell-religiöse wie (partei-)politische Grenzen hinweg. Betreffende Zusammenarbeit kann dann auch helfen, Vorurteile abzubauen und einen theologischen oder auch mehr philosophischen Dialog fördern.

Es waren ja bezeichnenderweise in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil oft Vertreterinnen und Vertreter von Staatswesen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines öffentlichen Dienstes gewesen, welche die Zerstörung und Verschleuderung von Kulturgütern durch welche Art von Kirchenleuten auch immer ablehnten. Immer wieder konnten sie damals wenig bis nichts tun. Manchmal konnten sie Übles oder Schlimmeres verhindern.
Das mag erst recht als Anregung aufgegriffen werden, sich mit vereinten Kräften um die Rettung und die Pflege kulturellen Erbes zu bemühen.

 

 

 

Gedanken zur Woche 320, Dr. Matthias Martin

6. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)
Die Osterzeit schreitet voran. Von OSTERN her als dem höchsten christlichen Fest richtet sich der Blick zusehends auf weitere Hochfeste im Jahreskreis.
Am vierzigsten Tag nach Ostern feiern wir eben das Hochfest von CHRISTI HIMMELFAHRT. Dabei ist eben zu betonen, dass es sich hier im christlich-theologischen Sinne um die Himmelfahrt Christi und nicht um die Aufnahme einfach einer menschlichen Person in den Himmel handelt. Dies unterscheidet ganz grundlegend das Hochfest von CHRISTI HIMMELFAHRT von dem am 15. August gefeierten Hochfest von der AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL. Jesus Christus wird nicht nur in der katholischen Kirche als die zweite göttliche Person verehrt, wesensgleich bzw. wesenseins mit Gott dem Vater und Gott dem Heiligem Geist. Maria demgegenüber ist ein Mensch, welcher in besonderer Weise durch die Gnade Gottes erwählt wurde und in der Heilsgeschichte eine als Mensch besondere Bedeutung gewann, eben als Mensch und nicht als göttliche Person (siehe Gedanken zur Woche 177-b – 19. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST von der AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL (2023); Gedanken zur Woche 257-b – 7. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025) und allgemein Gedanken zur Woche 246 – HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESGEBÄRERIN MARIA und 2. ADVENTSONNTAG (2024)).

Das möglichste Bereinigen von Missverständnissen ist da gerade heutzutage eine dauernde Herausforderung. Durch unbedachte bis bewusst polemische Äußerungen kann rasch wieder ernstzunehmender Schaden angerichtet werden. Die gewissermaßen klassischen Massenmedien wie die neueren Sozialen Medien können alles Mögliche und Unmögliche rasch verbreiten bis um den Globus schicken.

Für die dauernden Bemühungen um betreffende Klarstellungen trifft es sich sehr gut, dass am fünfzigsten Tag nach OSTERN das Hochfest von PFINGSTEN auf dem Programm steht. Von altem Griechisch her heißt ja pentecostḕ so viel wie der Fünfzigste. PFINGSTEN wird eigens als das Hochfest des Heiligen Geistes bezeichnet und gefeiert. Nachdem mit OSTERN als dem Hochfest der Auferstehung Jesu Christi und CHRISTI HIMMELFAHRT das Augenmerk in der Liturgie und wohl eher auch in so etwas wie persönlicher Religiosität ganz stark auf die Zweite göttliche Person gerichtet ist, steht zu PFINGSTEN mit dem Heiligen Geist besonders die Dritte göttliche Person im Blickpunkt.

Am sechzigsten Tag nach Ostern findet dann das Hochfest von FRONLEICHNAM statt. Der besondere Bezug auf Jesus Christus als der Zweiten göttlichen Person wird schon dadurch deutlich, dass dieses Hochfest in eher etwas modernem Deutsch HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI genannt wird.
Dabei weist uns jedes Hochfest grundsätzlich in Richtung des Glaubens an die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Schon ein Blick in frühchristliche Bekenntnisformeln und dann Glaubensbekenntnisse wie das von Nicäa sowie das erweiterte Glaubensbekenntnis mit der Bezeichnung Nicäno-Konstantinopolitanum, das einfach auch das Große Glaubensbekenntnis genannt wird, verdeutlicht dies. Auch der sowohl Quicumque wie Athanasisches Glaubensbekenntnis genannte Text und das Apostolicum oder Apostolische Glaubensbekenntnis sind da aussagekräftig. Recht umfangreich ist dazu eigens das Glaubensbekenntnis der 4./Vierten Synode von Toledo.

Die damaligen westgotischen Reichssynoden oder Reichskonzilien verdienten es insgesamt, wieder stärker in den Blick genommen zu werden. Sie können in der heutigen Zeit in mehrfacher Hinsicht als Ermutigung dienen. Sie stehen für einen beeindruckenden Integrations- und Aufbauprozess. Zum einen war mit Schwerpunkten im südlichen Gallien und weiten Teilen der Iberischen Halbinsel verbunden mit der Ablösung (west-)römischer Herrschaft der Aufbau nachhaltiger westgotischer Strukturen und gegen verschiedene Anfechtungen eine Konsolidierung gelungen. Dazu gehörte auch das erfolgreiche Zusammenführen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Kulturen. Das Lex Visigothorum wurde als ein gemeinsames Gesetzbuch für die Menschen aus unterschiedlichen Völkern geschaffen, namentlich (West-)Goten und sog. Römern. Der Westgotische Ritus hat, bestätigt auch durch das päpstliche Rom, bis heute überlebt (siehe Gedanken zur Woche 106-b – 5. FASTENWOCHE (2022)).
Egal, welchem Papst man nun größere oder nicht so große Bedeutung zuweist, so ist eigens beachtenswert, wie sehr es dem Zentrum der katholischen Kirche gelang, auch zum Westgotischen Reich gute Beziehungen zu entwickeln und dementsprechend aufrechtzuerhalten.

Solches erlebte man gleichfalls bei anderen Gelegenheiten. Auch die Staatswesen der Franken, der Burgunder, der Sweben/Sueben, das Stammesherzogtum der Bayern und schließlich auch das Königreich der Langobarden mit den verschiedenen dazu gehörenden Herzogtümern nahmen im Sinne der genannten Bekenntnisse den trinitarischen Glauben an. Eine eigene Entwicklung boten dazu die verschiedenen Königreiche der Angeln und Sachsen sowie die ihre keltische Identität besonders stark aufrechterhaltenden Gebiete in Britannien. Beschäftigt man sich auch nur ein bisschen damit, so wird man sehr schnell umso kritischer gegenüber britischer oder großbritischer Nationalmythologie und damit verbundener Propaganda, wie sie auch heute noch nicht zuletzt für die katholische Kirche eine Herausforderung darstellen. Bezeichnenderweise hält die katholische Kirche auch in dieser Stunde weiterhin an der Eigenständigkeit der nationalen Bischofskonferenz Schottland fest. Im Rahmen der gemeinsamen Bischofskonferenz für England und Wales wird betont, dass Wales eben eine eigene Nation mit seiner eigenen Sprache, seiner eigenen Geschichte und seiner eigenen Würde ist. Untrennbar mit dem Kampf von Katholikinnen und Katholiken um das Überleben als konfessionelle Gemeinschaft gegen die offenen Verfolgungen seit Heinrich VIII. ist die mitunter natürlich in diesem Zusammenhang schließlich tragische Geschichte keltischer Sprache und Kultur auch in Cornwall verbunden. Bezeichnenderweise wurde dieses gerade in früheren Zeiten auch Kornwales und Cornwallis genannt. Die Erfolge bei der Wiederbelebung dortiger Sprache und überhaupt eigener Identität stießen auch auf dem europäischen Festland auf Interesse.
Weiterhin gibt es für die katholische Kirche nur ein Irland. Dazu passt, dass irisch-republikanische Aktivistinnen und Aktivisten das Schicksal anderer Menschen und Völker nicht aus den Augen verlieren. Das Eintreten für die volle Anerkennung des Staates Palästinas und für menschenwürdige Zustände auch im Gazagebiet/Gazastreifen ist dort ganz im Sinne des Wirkens auch der Päpste eine Selbstverständlichkeit. Ebenso hat man Wohl und Wehe etwa von Katalanen, Basken und Galiciern dort grundsätzlich nicht aus den Augen verloren.

Auch wenn die Geschichte manches Übertritts zum nicänischen/nizänischen Glauben oder Glaubensbekenntnis ziemlich politisch oder gar militärisch motiviert gewesen sein mag, so geschah doch diese Glaubensverbreitung im Westen ohne Mittel offenen Völkermordes, wie sie ziemlich typisch waren für das oströmische oder byzantinische Reich. Brutale Gewaltherrscher wie der angeblich so christliche Kaiser Justinian können heute noch als abschreckende Beispiele dienen, wie es nicht passieren soll (siehe Gedanken zur Woche 106 – 5. FASTENSONNTAG (2022); Gedanken zur Woche 133 – 28. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022); Gedanken zur Woche 269 – 5. SONNTAG DER OSTERZEIT (2025) und Gedanken zur Woche 284-b -22. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Da ist es doch immer noch besser, wenn man zu bestimmten wirklich christlichen Hochfesten friedlich Gottesdienste hält. Gerade zu FRONLEICHNAM mögen sich unterschiedliche Menschen auch in einem freundlichen und gewaltfreien Sinne zur Teilnahme an betreffenden Prozessionen eingeladen sehen.

 

1. Lesung: Apg 8,5-8.14-17
2. Lesung: 1 Petr 3,15-18
Evangelium: Joh 14,15-21

 

 

 

Gedanken zur Woche 320-b, Dr. Matthias Martin
6. OSTERWOCHE einschließlich HOCHFEST von der HIMMELFAHRT CHRISTI/CHRISTI HIMMELFAHRT (2026)

Die drei Tage zwischen dem betreffenden Sonntag der Osterzeit und dem Donnerstag zum HOCHFEST von CHRSTI HIMMELFAHRT werden im Besonderen als Bitttage begangen.
An ihnen mögen sich die Gläubigen eigens zu Besuch von Gottesdiensten und soweit möglich zur Teilnahme an Prozessionen und Wallfahrten eingeladen sehen.

In der Pfarrei zum Heiligen Nikolaus in Stein an der Donau etwa werden Heilige Messen auch zu besonderen Zeiten während dieser Tage angeboten. Traditionell ist die Pfarrgemeinde bestrebt, gerade dabei auch Heilige Messe in Kirchengebäuden und dergleichen zu feiern, wo sonst während des Jahres kaum (katholische) Gottesdienste gehalten werden.

Allein schon die Zuständigkeits- und Eigentumsverhältnisse von als Kirchen errichteten Gebäuden in Stein ist gewissermaßen eine Welt für sich. So ist die Kirche zum Heiligen Nikolaus in der Steiner Landstraße direkt gegenüber dem Pfarrhof tatsächlich die Pfarrkirche. Wem dieses Kirchengebäude aber in eigentumsrechtlicher Hinsicht tatsächlich gehört und wer dementsprechend für seine Erhaltung zu sorgen hat, ist aber eine eigene Angelegenheit. Gehört dieses Kirchengebäude der juristischen Person, welche die Pfarrei im Sinne des Kirchenrechts einschließlich der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Kirche und Staat ist? Oder gehört dieses Kirchengebäude samt der damit verbundenen Baulast einer eigenen Pfründe? Oder gehört die Pfarrkirche gewissermaßen sich selber als wiederum eigener juristischer Person?
Auf jeden Fall ist die weltliche juristische Person der Stadt Krems gewissermaßen die Hausherrin der Frauenbergkirche oberhalb der Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus und der Steiner Landstraße. Demenentsprechend liegen Hausherrenrecht und Schlüsselgewalt in Hinblick auf die Frauenbergkirche grundsätzlich bei der politischen Körperschaft der Stadt Krems mit ihrem eigenen Stadtsenat und ihrer jeweiligen Stadtverwaltung. Dies hat seine ganz handfeste Bedeutung, wenn etwa jemand in dem Gebäude der Frauenbergkirche einmal einer der auf den dortigen Gedenkplatten für Kriegsopfer erwähnten Personen eigens gedenken will. Damit etwa eine Gebetsveranstaltung mit Kranzniederlegung an betreffender Stelle stattfinden kann, bedarf es einer städtischen Erlaubnis. Die Stadt Krems ist längst die Eigentümerin der auch für Touristen so bemerkenswerten Frauenbergkirche.
Die Förthofkapelle oder Filialkirche im Förthof zum Heiligen Matthias gehört der weltlichen juristischen Person der Förthof-Agrargemeinschaft/Agrargemeinschaft Förthof. Es kann diesbezüglich auch die Bezeichnung Agrargemeinschaft Förthof-Stein begegnen. Diese ist dementsprechend auch zuständig für die Erhaltung dieses denkmalgeschützten Gebäudes.
Die vielen Menschen eigens so beeindruckend erscheinenden Gesamtgebäudekomplexe vom einstigen Minoritenkloster am Minoritenplatz von Stein und von Kloster Und/Kloster UND sind ganz praktisch gesehen völlig säkularisiert. Vermögensrechtlich befindet sich Kloster Und/Kloster UND in Privathand. Die Minoritenkirche wiederum ist Eigentum der Stadt Krems. Dort finden gar keine Gottesdienste mehr statt. Es bestünde nur die Möglichkeit, dass sich eine religiöse Gemeinschaft zu einem solchen Zwecke einmieten würde. Dafür hätte sie dann normalerweise eigens eine finanzielle Erstattung zu leisten.
Weder die Pfarrei zum Heiligen Nikolaus in Stein, noch eine Ordens- und ordensähnliche Gemeinschaft oder das Bistum/die Diözese St. Pölten haben dort das Hausherrenrecht bzw. die Schlüsselgewalt. Dies gilt auch für den Apostolischen/Heiligen Stuhl und die katholische Weltkirche als moralische Personen im Sinne von Canon/Kanon 113 Paragraph 1 des CIC von 1983 (siehe Gedanken zur Woche 286 – 24. SONNTAG IM JAHRESKREIS und FEST KREUZERHÖHUNG (2025) und allgemein Gedanken zur Woche 238-b – 28. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024)). Auch die derzeit einzige Personalprälatur im Rahmen der katholischen Kirche ist hier wie dort weder Hausherrin noch sonst wie zuständig. Dies ist in Übereinstimmung nicht zuletzt mit den Canones/Kanones 294 bis 297 des gegenwärtigen CIC festzustellen, in denen ja von Personalprälaturen gehandelt wird (siehe Gedanken zur Woche 154-b – 2. FASTENWOCHE (2023)). Die umfangreiche gesetzgeberische Tätigkeit von Papst Franziskus, welche auch direkt mit dem Opus Dei die einzige zurzeit und bisher überhaupt existierende Personalprälatur betraf, ändert bzw. änderte daran nichts.
Weder eine öffentliche juristische Person noch eine private juristische Person im Rahmen des katholischen Kirchenrechts ist Eigentümerin oder Besitzerin der betreffenden Immobilien, so sehr diese rein äußerlich noch „kirchlich“ aussehen mögen. Auch keine Personalpfarrei ist hier vorhanden. In den säkularisierten Kirchen- und Klostergebäuden hat man es auch nicht mit einer Filialkirche bzw. Filialkirchen zu tun.
Die katholische Kirche anerkennt grundsätzlich diese Besitz- und Eigentumsverhältnisse. Für sie gilt ja ganz erheblich „Pacta sunt servanda“. Dies heißt auf Deutsch so viel wie „Verträge sind einzuhalten“.

Dies wird ganz grundsätzlich in Canon/Kanon 3 des CIC (siehe Gedanken zur Woche 83-b – 30. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021) und Gedanken zur Woche 189-b – 31. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023)) und Canon/Kanon 4 des CCEO  (siehe Gedanken zur Woche 117-b – 12. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST von der GEBURT JOHANNES DES TÄUFERS und HOCHFEST HERZ JESU (2022)) bestätigt. In keinem Konkordat oder anderem Vertrag oder Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und einem Staat oder einer anderen politischen Einrichtung gibt es übrigens irgendwelche Vorbehalte oder Immunitätsregeln zugunsten krimineller Kirchenmitarbeiter und Kirchenmitarbeiterinnen. Umso weniger kann so etwas auch nur irgendwie in Anspruch genommen werden.
In diese Richtung weist auch sonst das katholische Kirchenrecht, sowohl das kodikarische im CIC und im CCEO wie das so weite außerkodikarische Kirchenrecht.

Auch Papst Leo XIV. versucht sich ja als konstruktiver Partner in der Internationalen Gemeinschaft zu beweisen.
Seine jüngsten Besuche in Afrika unterstreicht dies. Verträge und Abkommen bis hin zu Einzelheiten des diplomatischen Protokolls sind eben gleichfalls gegenüber den dortigen Partnern des Heiligen Stuhles gewissenhaft einzuhalten.

Seine ausdrückliche Freundlichkeit gegenüber Algerien als einst so blutig unterdrückter Kolonie Frankreichs und dem ebenfalls von Frankreich erbarmungslos behandelten Kamerun, sowie dem von Portugal auch im Rahmen seines Sklavenhandels ausgebeuteten Angola passen zu seinem eigenen Lebensweg. Viele Jahre wirkte der jetzige Papst in Peru. Er nahm die Staatsbürgerschaft Perus an und lernte eben auch Ketschua/Quechua. Peru konnte erst im 19. Jahrhundert das spanische Kolonialjoch abschütteln. Inzwischen ist eben mit Ketschua/Quechua die einstige Amtssprache des von Spanien zerstörten Inkareiches eine der offiziellen Sprachen Perus (siehe Gedanken zur Woche 270-b – 6. OSTERWOCHE einschließlich HOCHFEST von der HIMMELFAHRT CHRISTI/CHRISTI HIMMELFAHRT (2025)). Passend dazu besuchte Leo XIV. bei seiner Afrikareise demonstrativ freundlich auch die Republik Äquatorialguinea. Dieser Staat war erst auf internationalen Druck hin von Spanien 1968 in die Unabhängigkeit entlassen worden.

Es ist doch bemerkenswert, dass Papst Leo XIV. mit seiner Afrikareise zwei früher von Frankreich beherrschten Ländern, eben Algerien und Kamerun, wie auch je einer früheren Kolonie Portugals, Angola, und Spaniens, Äquatorialguinea, ausdrücklich Referenz erwies.
Er tat dies in betont respektvoller und freundlicher Weise. Es ist nicht bekannt, dass er bei den einstigen Kolonialmächten irgendwie anfragte, ob er denn diese nun unabhängigen Länder überhaupt besuchen und als wichtige Nationen hofieren dürfe. Er hat sich offensichtlich auch nicht um die Meinung der insbesondere französische Interessen vertretenden EU-Kommission und des EU-Ministerrates gekümmert.
Der in den letzten Jahren schon so rapide Rückgang des französischen Einflusses in Afrika könnten ihn da noch eigens ermutigt haben. Die französische Niederlage in Mali und damit in einem möglichen Schlüsselland für weitere Entwicklungen war besonders spektakulär.




Gedanken zur Woche 319, Dr. Matthias Martin

5. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)

In älterem Deutsch wird der Monat Mai bezeichnenderweise der Wonnemond genannt. Das weist schon darauf hin, dass diese Zeit im Jahr zumindest in klimatischen Bereichen wie denen Mitteleuropas als besonders angenehm empfunden wird. Wonne steht ja für so viel wie Freude oder Lust. Gerne wird etwa der Begriff Wonneproppen für ein Kleinkind verwendet. Ein kleines Kind oder gerade ein Säugling steht ja für die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Es ist über sprachliche, politische, soziale und religiös-konfessionelle Grenzen hinweg ganz natürlich, dass man beim Anblick eines Kleinkindes Freude, also Wonne empfindet. Es ist ganz natürlich, dass so ein kleiner Mensch Wonne ausstrahlt.

Eigens weist uns das sog. Schlaraffenlatein auf interessante Sprachelemente hin. Dabei ist zu bedenken, dass dieses sog. Schlaraffenlatein anders als sein Name nahelegt, nicht so sehr lateinische Begriffe beinhaltet. Es enthält vielmehr ältere deutsche Sprachelemente, steht für so etwas wie archaisierende oder archaisierte deutsche Sprache. Da gibt es eben auch das schöne Wort Burgwonne. Dieses steht für die Freundin, Geliebte oder Lebensgefährtin eines männlichen Mitgliedes des Weltbundes SCHLARAFFIA. Von einer Freundin, Geliebten bzw. Lebensgefährtin wird ja üblicherweise erwartet, dass sie Freude, also Wonne bringt. Die offizielle Ehefrau eines betreffenden Mitgliedes wird übrigens Burgfrau genannt.
Seinerseits war es gerade ein um die Förderung der Wissenschaften und der Pflege eines gehobenen Sprachniveaus bemühter Papst wie Pius XI. (Pontifikat von 1922 bis 1939), der den Weltbund (von) SCHLARRAFFIA gegen Unterstellung und Diskreditierungsversuche ausdrücklich in Schutz nahm. Ganz im Sinne seiner Vorgänger in der Nachfolge des Apostels Petrus seit der Gründung SCHLARAFFIAS durch Angehörige des deutschen Bürgertums in Prag war für ihn klar, dass nichts gegen die Mitgliedschaft und das persönliche Engagement von Katholiken bei SCHLARAFFIA spräche. Als ein Mann deutlicher Worte und Taten positionierte sich Pius XI. ganz vernehmlich in diesem Sinne. Dieses Engagement lag damit grundsätzlich auf einer Linie mit dem Wirken seiner Vorgänger seit 1859. Der damals amtierende selige Papst Pius IX. mit dem bisher längsten Pontifikat eines Petrusnachfolgers (1846 bis 1878) war generell als Mann bekannt, der bei aller Herzensgüte gegenüber Mitmenschen nicht vor Auseinandersetzungen zurückschreckte, wenn es um Inhalte ging. So hielt er an der Zurückweisung des italienischen Nationalismus fest, als längst der ganze Kirchenstaat Opfer der Aggression geworden und besetzt worden war. Nicht nur den Marxismus hat er verurteilt. Selbst mit den Resten der sog. Kleinen Kirche in Frankreich setzte er sich auseinander. In ihm hatte der französische Gallikanismus einen klaren Gegner. Immer wieder stießen seine kantigen Aussagen auf Widerspruch. Der Weltbund von Schlaraffia aber stellte für ihn offensichtlich gar kein Problem dar. Keine Mahnung oder Verurteilung in diese Richtung ist von dem sonst so kämpferischen Pius IX. bekannt. Dies lässt sich auch bezüglich Leo XIII. feststellen. Ja, jener Leo XIII., der ausdrücklich diese Ideologie des „Amerikanismus“ verurteilte und eine so kritische Haltung gegen das britische Empire einnahm. Der oft als sehr diplomatisch orientiert geltende Leo XIII. beispielsweise missachtete so gut er konnte die britische Herrschaft in Kanada und erwies sich als mutiger Freund der schottischen Nation. Auch er hatte keine Probleme mit Schlaraffia. Dies galt auch für den heiligen Papst Pius X. (Pontifikat von 1903 bis 1914) und den Friedenspapst Benedikt XV. (Pontifikat von 1914 bis 1922), bevor dann Pius XI. gewählt wurde.

Ältere Formen der jeweiligen Sprache können dabei überhaupt den Sinn gewisser kultureller einschließlich religiöser Praktiken verdeutlichen. Scheinbar veraltete oder von irgendjemandem für ausgestorben erklärte Worte zu kennen ist durchaus sinnvoll. Es kann regelrecht reizvoll sein, sich mit solchen sprachlichen Dingen zu beschäftigen. Da wird dann etwa auch klar, warum der Gründonnerstag gar nichts mit der Farbe Grün zu tun hat (siehe Gedanken zur Woche – KARWOCHE 4 (2020) und allgemein Gedanken zur Woche 55-b - KARWOCHE 2021); Gedanken zur Woche 107-b – KARWOCHE (2022) und Gedanken zur Woche 158 – PALMSONNTAG (2023)).

Nun wird der Wonnemond Mai in unseren Breiten als der Monat erlebt, in dem die Natur wieder stärker aufblüht. Es wird von ungezählten Menschen Freude empfunden, dass so vieles in der Natur blüht und gedeiht. Gerne unternehmen Menschen Ausflüge, Wanderungen und Spaziergänge in der Natur. Manche und mancher spricht hierzu gerne auch von „Gottes Schöpfung“.
Wenn man so durch die Landschaft streift, mag die unverzichtbare Bedeutung der Landwirtschaft wieder einmal bewusst werden. In einer modernen Industriegesellschaft werden die Landwirtschaft und das Wirken der in ihr tätigen Menschen wahrnehmungsmäßig ziemlich an den Rand gerückt. Der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Menschen und ihrer engeren Familienangehörigen an der Gesamtbevölkerung bzw. der Gesamtzahl der Berufstätigkeiten ist bereits rapide zurückgegangen und geht weiter zurück.
Dies schlug sich beizeiten auch im mehr parteipolitischen Bereich nieder. Bereits vor Jahrzehnten konnte man den Eindruck gewinnen, dass mit der Landwirtschaft direkt verbundene Wählergruppen von einigen Politikerinnen und Politiker bzw. parteipolitischen Formationen nicht mehr so ernst genommen wurden wie in früheren Zeiten. Ein eigenes ganzes Problemfeld kann die Vernachlässigung von Infrastruktur für die ländlichen Räume bedeuten. Wenn Eisenbahngleise abmontiert, Buslinien stillgelegt, Schulen und Krankenhäuser am Land und generell außerhalb städtischer Zentren geschlossen werden, dann sind das keine Bagatellen, sondern rein menschlich betrachtet ernste, ja sehr ernste Angelegenheiten.
Dabei sollten doch staatliche Einrichtungen, Politikerinnen und Politiker sich gerade solcher Menschen annehmen, die an den Rand gedrängt werden oder sich mit besonderen Problemen konfrontiert sehen.
Dies entspricht auch ganz der katholischen Soziallehre. Dies gilt ungeachtet der mitunter auch in Hinblick auf die Landwirtschaft und den dort tätigen Menschen zutage tretenden Herabwürdigung durch Kirchenmännern etwa im Rahmen der bundesdeutschen Bischofskonferenz (siehe Gedanken zur Woche 113-b – 6. OSTERWOCHE einschließlich HOCHFEST von der HIMMELFAHRT CHRISTI/CHRISTI HIMMELFAHRT (2022)).

Vielmehr soll das Wirken der Menschen, welche in der Nahrungsmittelproduktion tätig sind, mit Wertschätzung und Wohlwollen betrachtet werden. Nicht umsonst haben sich bei der Herausbildung des Verbands- und Vereinskatholizismus auch katholische Bauernvereine bzw. Bauernverbände entwickelt. Dass auch Landarbeiterinnen und Landarbeiter sich gewerkschaftlich organisieren konnten war ein eigenes Anliegen katholischer Aktivistinnen und Aktivisten. Dies fügte sich ein in das vielgestaltige Wirken des sog. politischen Katholizismus etwa im Deutschen Reich von Bismarcks kleindeutscher Lösung. Das dezidiert katholische Vereins- und Verbandswesen war doch über Generationen beeindruckend. Dies galt auf jeweilige Weise und mit eher örtlichen oder nationalen Akzenten auch für den Gewerkschaftsbereich in verschiedenen Ländern und eben auch bezüglich Angeboten für Menschen, die im landwirtschaftlichen Bereich tätig waren. Bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt es eben nicht nur öffentlich Bedienstete und eine Industriebarbeiterschaft. Es gibt eben auch die in der Landwirtschaft tätigen. Selbstständige Landwirte sind dort eben so tätig wie mitarbeitende Familienangehörige und angestellte Arbeitskräfte, seien es solche mit Angestelltenstatus oder im engeren Sinne Landarbeiterinnen und Landarbeiter.

Dass dabei die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen keine Selbstverständlichkeit ist, ist nicht zuletzt mit Leo XIV. dem amtierenden Papst bewusst.
Ganz in diesem Sinne sind die päpstlichen Gebetsanliegen für Mai 2026 bedenkenswert. Diese lauten immerhin:

„Für eine Ernährung für alle“

und

„Wir beten, dass sich alle, von den großen Erzeugern bis zu den kleinen Verbrauchern, dafür einsetzen, die Vergeudung von Lebensmitteln zu vermeiden, und dass jede Person Zugang zu einer qualitätsvollen Nahrung hat.“

 

1. Lesung: Apg 6,1-7
2. Lesung: 1 Petr 2,4-9
Evangelium: Joh 14,1-12

 

 

 

Gedanken zur Woche 319-b, Dr. Matthias Martin

5. OSTERWOCHE (2026)

Wenn in derselben Woche sowohl des heiligen Florian und der heiligen Märtyrer von Lorch wie auch des heiligen Godehard gedacht und dazu die Papstwahl von Leo XIV. begangen wird, so hat dies seine ganz starke Aussagekraft.

Der heilige Florian und die heiligen Märtyrer von Lorch starben ja als Opfer römischer Christenverfolgungen. Sie wurden also Opfer eines antichristlichen, zutiefst gewalttätigen Regimes. Dabei waren sie nicht die ersten und die nicht letzten Opfer römischer Christenverfolgungen. Mitunter wird Jesus von Nazaret selber als das erste Opfer der gegen das Christentum gerichteten Gewalt des Römischen Reiches angesehen. Er wurde ja von einem römischen Statthalter nach einer Art von Schauprozess zum Tode verurteilt. Römische Soldaten waren es, welche ihn nach dem Zeugnis neutestamentlicher Schriften folterten, verspotteten und ausraubten. Anschließend waren es solche römischen Soldaten, welche Jesus zwangen, buchstäblich sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihn zum Kreuzigungsort führten. Dort waren es wiederum (diese) römischen Soldaten, welche die Kreuzigung durchführten. Das Schild mit der Begründung für diese brutalen Vorgang ließ bezeichnenderweise wiederum dieser römische Statthalter Pontius Pilatus anbringen und machte damit deutlich, wer machpolitisch der Herr des Verfahrens war. Dabei hatte das Römische Reich, wie man es auch sonst in der Geschichte als ein Grundmuster kennt, in Jerusalem und Umgebung seine örtlichen Handlanger, seine Kollaborateure.
Das mag eine Redensart, eine Spruchweisheit wachrufen, die da lautet: „Jeder hat seine Harkis!“

Diese Harkis waren ja die berüchtigten Handlanger der französischen Kolonialherrschaft, welche für Bezahlung ungezählte ihrer algerischen Landsleute brutal folterten und ermordeten. Es wurde wiederholt bestätigt, dass selbst der französische General und dann amtierende Staatpräsident Charles de Gaulle diese Harkis verachtete (siehe Gedanken zur Woche 288 – 26. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)). Die katholische Kirche hat übrigens die damaligen französischen Brutalitäten klar verurteilt, wie es gerade Papst Johannes XXIII. war, der sich sowohl vor wie nach seiner Wahl zum Nachfolger des Apostels Petrus für Opfer der französischen Politik einsetzte (siehe Gedanken zur Woche 237-b – 27. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024) und allgemein Gedanken zur Woche 297-b – 1. ADVENTWOCHE (2025)). Gar nicht bestritten wird, dass alleine während des Algerienkrieges/Algerischen Unabhängigkeitskrieges französischerseits über achttausend Siedlungen vernichtet wurden (siehe Gedanken zur 185-b – 27. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023)). Wie schon im französischen Indochinakrieg war es integraler Bestandteil der französischen Kriegsführung, Zivilisten unter dem Einsatz von Flammenwerfen bei lebendigem Leib zu verbrennen (Gedanken zur Woche 73-b – 20. WOCHE IM JAHRESKEIS (2021) und allgemein Gedanken zur Woche 110 – 3. SONNTAG DER OSTERZEIT (2022)).
Das brutale Ermorden von Frauen und Kindern durch französische Akteure und die Söldner auf ihrer Seite fand bis in das Spielfilmwesen hinein seinen Niederschlag. Betreffende Brutalitäten waren eben integraler Teil der französischen Kriegsführung, sofern man da überhaupt noch von „Kriegsführung“ sprechen will. Das Ausradieren eines Dorfes in Algerien wie Massaker an der Zivilbevölkerung in Indochina waren eben nicht Folge, dass ein „kleiner Leutnant“ durchdrehte oder ein „Viertelsidiot“ sich auf enthemmte Weise hervortun wollte. Nein, jede dieser Brutalitäten mit der in Algerien üblichen Täterschaft von Harkis war eben planmäßiger Teil des größeren Ganzen.

Nach dem französischen Rückzug aus Algerien weigerten sich katholische Bischöfe Frankreichs ausdrücklich, zu ihnen kommende (bisherige) Harkis überhaupt in die katholische Kirche aufzunehmen. Das Beitrittsinteresse zur katholischen Kirche, wie es durch solche Personen bekundet wurde, wurde als völlig unglaubwürdig eingestuft.
Dass die katholische Kirche damals den Mut hatte, solche Verbrechen offen anzuprangern sieht mancher ausdrücklich darin begründet, dass man noch in den Jahren vor der mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Öffnung zur Welt und damit insbesondere zu weltlichen Machthabern lebte. Da hätten Bischöfe und andere Kirchenleute eben noch eher Rückgrat gezeigt.
Dass in nicht unbedeutenden Teilen der Welt eben „Harkis“ zu einem ausdrücklichen Schimpfwort wurde, verwundert bei einer möglichst unvoreingenommenen Betrachtung eben nicht.

Dabei bedienten sich etwa beim Sklavenhandel auch andere Regime örtlicher Handlanger. Das in Expansion befindliche portugiesische Kolonialreich wies da für kommende Jahrhunderte einen so effizienten wie brutalen Weg.
Das britische Empire bediente sich örtlicher Verbündeter und Söldner, egal ob es um die ungezählte Opfer - vielleicht hundert Millionen oder mehr - fordernde Ausbeutung des indischen Subkontinents oder etwa um Gemetzel an der indigenen Bevölkerung Nordamerikas ging. Die Verwendung korrupter schottischer Adelige gegen die dortige Freiheitsbewegung durch die englische Monarchie wurde in dem mit einer Reihe Oscars ausgezeichneten Filmdrama „Braveheart“ ausdruckstark ins Bild gesetzt.
Leider gab es immer wieder auch Katholikinnen und Katholiken, welche bei so etwas Täterinnen und Täter bzw. Handlangerinnen und Handlanger wurden.

Der heilige Florian und die heiligen Märtyrer von Lorch haben da eben den Weg in eine ganz andere Richtung gewiesen. Sie haben sich einem unmenschlichen Regime widersetzt und haben als dessen Opfer das Martyrium erlitten.

Dabei geht es eben richtig verstanden auch anders. Es geht im guten Sinne auch ganz anders.
Dafür steht der heilige Godehard. Zunächst wirkte er als Abt in den Abteien von Hersfeld und Tegernsee. Ganz im Sinne des damaligen deutschen Kaisertums wirkte er für eine Erneuerung des klösterlichen Lebens. Auf Anregung von Kaiser Heinrich II. wurde er Bischof von Hildesheim, wo er sich besonders in Bauprojekten und dem Schulwesen und für die Bildung des Klerus engagierte. Bekanntlich wurde auch Kaiser Heinrich II. wie dessen Ehefrau, Kaiserin Kunigunde heiliggesprochen.

Auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat arbeitete eben nach Möglichkeit auch Papst Leo XIII. (Pontifikat von 1878 bis 1903) hin, von dem her Papst Leo XIV. für seine Namenswahl als neugewählter Papst inspiriert wurde.

Spontan mag man an da die erste Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ denken. Dabei trat Leo XIII. auch sonst für eine konstruktive Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Konfessions- oder Religionszugehörigkeit und parteipolitischer Orientierung ein. Dazu kann auch heute noch etwa ein Blick in seine mehr staatstheoretischen Enzykliken „Diuturnum“, „Immortale Dei“ und „Libertas praestantissimum“ empfohlen werden. Solche Schriften können noch heutzutage zu Studium, Dialog und aktiver Zusammenarbeit anregen. Seine Bemühungen um die Förderung von Kultur und Bildung wie seine Offenheit gegenüber technischen Neuerungen stellen auf ihre Weise so etwas wie ein Gegenprogramm gegen Engherzigkeit und Fanatismus dar.
Umgekehrt war Papst Leo XIII. kein Kirchenmann bedenkenlosen Sich-Anbiederns. Zeit seines Lebens fand er sich nicht mit der Eroberung des Kirchenstaates ab und bemühte sich, zumindest für Teile von dessen (einstigem) Territorium die Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Italienische Ausdehnungspolitik und generell italiensicher Nationalismus fanden in ihm einen zähen Gegner.
Besonders gerne wird auf dem europäischen Kontinent offensichtlich seine konfrontative Haltung gegenüber dem britischen Weltreich übersehen. Dabei ging Leo XIII. so weit, in seiner Enzyklika „Caritatis Studium“ ausdrücklich die schottischen Freiheitskämpfer William Wallace und Robert the Bruce als vorbildliche Katholiken zu würdigen (siehe Gedanken zur Woche 38-b – 1. ADVENTWOCHE (2020)). Da sind wir dann auch wieder beim Film „Braveheart“.

 

 

 

Gedanken zur Woche 318, Dr. Matthias Martin

4. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)
Das zeitgleiche Begehen des 4./VIERTEN SONNTAGS DER OSTERZEIT und des WELTGEBETSTAGS FÜR GEISTLICHE BERUFE mag zu Nachdenken und zu damit verbundenem aktiven Tun anregen.
Es ist doch bemerkenswert, wenn in inmitten der freudig-festlich orientierten Osterzeit als der Festzeit des höchsten christlichen Festes, eben Ostern, eigens dieser besondere Weltgebetstag begangen wird. Dies sollte gerade heutzutage ernst genommen werden. Der Einbruch bei den Priesterberufungen wie bei den Berufungen zu Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften ist längst kein Geheimnis mehr. Alles sich auf irdisch-weltliche Agitation und Propaganda stützende Schönreden wie auch Paktieren mit weltlichen Machthabern ändert daran nichts. Inzwischen brechen dabei auch die Zahl der Theologiestudierenden ganz generell im deutschen Sprachraum ein mit dem dort vorhandenen System theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten und der staatlichen Anerkennung auch bezüglich der Verleihung akademischer Grade für (besondere) theologische oder philosophisch-theologische Hochschulen.

Von der Öffentlichkeit sehr wenig beachtet bis völlig ignoriert, schlug sich dies längst auch schon im öffentlichen Religionsrecht, früher sehr gerne Staatskirchenrecht genannt, einschließlich vertraglichen Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche, namentlich der katholischen Kirche, nieder.
So beinhaltet bereits das eigens in den „Acta Apostolicae Sedis“ abgedruckte Zusatzprotokoll zum bayerischen Konkordat von 2007, dass die katholisch-theologischen Fakultäten in Bamberg und Passau mindestens für 15 Jahre zu ruhen hatten. An ihrer Stelle sollte in dieser Zeit nur ein Betrieb als theologische Institute stattfinden. Die im bayerischen Konkordat ausdrücklich vorgesehenen theologischen Lehrstühle an den Universitäten von Bayreuth und Erlangen-Nürnberg sollten in dieser Zeit nicht besetzt werden (https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayKonk-ANL_2).
Der Rückgang der Zahlen von Theologiestudentinnen und Theologiestudenten ist seitdem rapide weitergegangen. Demgemäß wurde in der Zwischenzeit dieses Zusatzprotokoll einvernehmlich zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern mittels Notenwechsel verlängert. Dies geschah ausdrücklich in Hinblick auf die beiden (einstigen) theologischen Fakultäten von Bamberg und Bayreuth (https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/Internet_Dokumente/Dokumente_Taetigkeitsberichte/18_WP_TB_GESAMT_final_V02.pdf und https://www1.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Folgedrucksachen/0000022500/0000022797.pdf).
Hinzu kommt, dass gewissermaßen beschleunigt die empirische Basis wegbricht. Insbesondere seit dem Beginn der von der breiteren Öffentlichkeit nun einigermaßen ernst genommenen Enthüllungen ab dem Jahre 2010 über sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich ist die Kirchenaustrittsrate noch einmal nach oben geschnellt. Dabei war der Schrumpfungsprozess in der Bundesrepublik bei beiden sog. traditionellen Volkskirchen schon in den Jahren zuvor erkennbar gewesen.

Lange Zeit hatte die katholische Kirche eine deutlich geringere Kirchenaustrittsrate als die offiziellen protestantischen Landeskirchen etwa in der Bundesrepublik und der eidgenössischen Konföderation, also der Schweiz. Die wie andere Konfessionen auch und nicht zuletzt die katholische Kirche betreffenden Missbrauchsenthüllungen haben da kurzfristig zu einem Emporschnellen der Kirchenaustrittszahlen bei der katholischen Kirche und mittel- bis langfristig zu einer Angleichung der Raten bei beiden soziologisch gesehen so etwas wie traditionellen Volkskirchen geführt. Natürlich gab es dazu wieder Versuche, auch das noch als Fortschritt und namentlich als ökumenische Errungenschaft darzustellen.

Ein eigenes Phänomen ist natürlich der seit der zweiten Hälfte der 60er/sechziger Jahre stattfindende rapide Einbruch bei den Gottesdienstbesucherzahlen in der katholischen Kirche, wenn man generell westliche Länder in den Blick nimmt. Bereits ab diesem Zeitpunkt gingen eben auch die offiziell festgestellten Zahlen für das Priestertum und das Ordenswesen rapide zurück. Priesterseminare wurden geschlossen bzw. zusammengelegt. Die Schließung von Ordensniederlassungen erreichte ab Ende der 60er/sechziger Jahre schon ein dramatisches Tempo. Ausdrücke wie „Klostersterben“ und „Ordenssterben“ begannen die Runde zu machen. Nach und nach wurden bei eher größeren Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften Provinzen zusammengelegt.
Auch kam es allmählich zur Fusion von ganzen Kongregationen und dergleichen. Zugleich verließen zehntausende Priester und Ordensleute schon recht rasch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ihr kirchliches Amt bzw. ihre kirchliche Gemeinschaft. Die Möglichkeit, solche erwähnten Zusammenlegungen oder Fusionen durchzuführen, ist ausdrücklich im Kirchenrecht vorhanden. Kirchenrecht und zahlenmäßige, generell empirische Entwicklungen sollen nicht isoliert voneinander in einer jeweiligen Blase behandelt werden.

Die Einbrüche im Priester- und Ordensbereich wurden eh völlig zurecht früh schon von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Journalistinnen und Journalisten außerhalb des kirchenamtlichen Bereichs wahrgenommen und allmählich dargestellt. Dies galt auch für den breiteren Bereich des Wegbrechens volkskirchlicher Strukturen. Dies war auch festzustellen in Hinblick auf die Wahrnehmung und Darstellung von Massenübertritten bisheriger Katholikinnen und Katholiken etwa in Lateinamerika zu anderen Bekenntnissen einschließlich dem verstärkten Wiederhervortreten paganer und in diese Richtung weisender synkretistischer Kultpraktiken und dergleichen. Schon vor Jahrzehnten boten da sowohl öffentlich-rechtliche Medien wie etwa die in Hamburg erscheinende Wochenzeitung „Die Zeit“ interessante Hinweise.
Im offiziellen amtlichen Bereich der katholischen Kirche, gerne mit kritischem Unterton „Amtskirche“ genannt, glaubte man sehr lange, das Problem durch Verschweigen, Vertuschen und nicht zuletzt durch die Strategie „Man erschlägt den Boten für die schlechte Nachricht“ bewältigen zu können. Wer auch nur irgendwelche negativen Entwicklungen in diesem Milieu anzusprechen wagte, geriet sehr leicht in den Verdacht, Anhängerin bzw. Anhänger der traditionalistischen Opposition gegen den offiziellen Kirchenkurs zu sein. Eine solche Zuordnung konnte und kann wohl oft auch heute noch die eigene kirchliche Laufbahn nachhaltiger zerstören, als sich das manche und mancher gedacht hat. Dasselbe war unzweifelhaft gerade auch dann der Fall, wenn es jemand wagte, sich kritisch über Missbrauchstäter und Fälle wirtschaftlich-finanzieller Unregelmäßigkeiten im kirchlichen Bereich zu äußern. Je unabhängiger jemand beruflich von kirchlicher Obrigkeit war, umso eher konnte sich da die betreffende Persönlichkeit zu den angesprochenen Vorgängen freier äußern. Da war dann oft nicht so eine Furcht bedrückend bezüglich beruflicher Nachteile bis hin zu einer drohenden Zerstörung des eigenen Lebensweges. Dabei stellen natürlich die politischen und medialen Vernetzungen führender Missbrauchsermöglicher bzw. Missbrauchtstäter wie Julius Döpfner, Karl Lehmann, Joachim Meisner, Bernard Alfrink Rembert Weakland und Theodore MacCarrick eigene tiefgründige Problemfelder dar.

Mit dem möglichsten Aussitzen solcher Fehlorientierungen und damit gerade auch verbunden dem Aufbau mächtiger Seilschaften in der Kirche und bis in die allgemeine Politik und Medienwelt hinein lässt sich pastoraler Niedergang und auch so etwas wie gesellschaftlicher Relevanzverlust nicht stoppen.

Daran ändert auch kein so gut gemeinter WELTGEBETSTAG FÜR DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG/WELTGETSTAG UM DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG wenig (siehe Gedanken zur Woche 284-b – 22. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)) wenig. Dabei weist ganz im Sinne eines im guten Sinne traditionellen Kirchenverständnis ein solcher WELTGEBETSTAG UM DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG/FÜR DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG auf ganz Wesentliches hin. Religiosität sollte doch nicht an Kirchenmauern enden. Christsein hat sich stets zu bewähren im Tun des Guten und dem Meiden böser Handlungen. Dies gilt nicht nur für eine Stunde am Sonntag, wenn man die Heilige Messe besucht. Vielmehr sollen die Menschen im guten Sinne Alltagschristen sein, ihr Leben in diesem Sinne gestalten an Sonntagen wie Werktagen einschließlich an besonderen Feiertagen.
So wurde „Plastikfasten“ mit dem Ziel, insbesondere den Gebrauch und das Wegwerfen von Plastiktüten möglichst zu vermeiden, schon in katholisch-traditionellen Kreisen praktiziert und beworben, bevor es erfolgreich offizielle EU-Politik wurde. Die überlieferte katholische Soziallehre kann immer wieder Anregungen und eigene Denkanstöße vermitteln, wie auf neue Herausforderungen einzugehen ist.

 

1. Lesung: Apg 2,14a.36-41
2. Lesung: 1 Petr 2,20b-25
Evangelium: Joh 10,1-10

 

 

 

Gedanken zur Woche 318-b, Dr. Matthias Martin

4. OSTERWOCHE (2026)

Wenn man die nach der derzeit meist verwendeten Einteilung des Kirchenjahres in der 4./VIERTEN OSTERWOCHE besonders verehrten Heiligen etwas betrachtet, so wird rasch deutlich, dass es mit dem Verhältnis von Kirche und Staat, der Existenz von Christentum in der jeweiligen weltlichen Ordnung keine einfache Angelegenheit ist. Dies trifft eben auch für Fälle zu, in denen es sich um ein sich selber ausdrücklich als christlich bezeichnendes Staatswesen geht.

Ein sehr deutliches Beispiel dafür ist der betreffende Sohn des in jüngster Zeit doch allmählich auch in betont christlichen oder kirchlichen Kreisen kritischer betrachteten Kaiser Konstantins, der mitunter immer noch „der Große“ genannt wird. Sein nach einiger Zeit sich als Alleinerbe durchsetzender Sohn Konstantius/Constantius II. wurde für das, was später allgemein im Sinne des Glaubensbekenntnisses von Nicäa als wahres Christentum betrachtet wurde, zu dem vielleicht gefährlichsten Unterdrücker. Seine Verbindung aus Verschlagenheit und Gewalt mit möglichster Korrumpierung bei gleichzeitiger Betonung, er sei doch ein christlicher Herrscher, erzielte innerhalb weniger Jahre durchschlagende Wirkung. Dabei hatte sein zusehends den Arianismus begünstigender Vater, eben der angeblich so große Konstantin, schon den Weg in diese drastische Richtung gewiesen (siehe Gedanken zur Woche 44-b – 1. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021); Gedanken zur Woche 71-b – 18. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021) und Gedanken zur Woche 273 – DREIFALTIGKEITSSONNTAG (2025)).
Beide römische Herrscher hatten jeweils den Kirchenvater Athanasius, auch genannt Athanasius von Alexandrien und ebenso mit dem Beinamen „der Große“ versehen, in die Verbannung geschickt.
Einem anderen Kirchenvater, der auch manchmal „der Große“ genannt wird, Hieronymus, wird der Satz zugeschrieben, der in etwa lautet: „Der Erdkreis erwachte und wunderte sich, dass er über Nacht arianisch geworden war.“ (siehe eher allgemein Gedanken zur Woche 145-b – TAGE DER WEIHNACHTSZEIT einschließlich ERSCHEINUNG DES HERRN (2023)). Egal, von wem dieser Satz im Einzelnen wirklich stammt oder von wem er besonders prägend verbreitet wurde, so hat er doch seine deutliche Aussagekraft bezüglich der Auswirkungen der Herrschaft von Konstantius/Constantius II. mit all deren Ermöglichung durch seinen imperialen Vater.
Seinerseits unterstrich der gegen Korrumpierung im Christentum so energisch auftretende Hieronymus die Bedeutung des alttestamentlichen Buches Judit. Dieses stellt ja so etwas wie biblische Widerstandsliteratur dar, wie gerade auch das Buch Tobit/Tobias und die beiden Makkabäerbücher. Dazu lassen insbesondere sich das Buch Exodus, das Buch Amos und die ungekürzten Bücher Ester und Daniel in diesem Zusammenhang nennen.

Mit vermeintlich „christlichen“ Herrschern hatte auch der heilige Petrus Canisius, seltener Petrus Kanisius, grundsätzliche Konflikte durchzustehen. In dem schon innerlich so zerrissenen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, dem Ersten Deutschen Reich, waren protestantische Landesherrscher nicht bereit, die katholische Kirche auch nur zu tolerieren. Gegen diese wurde die jeweilige Fürsten- oder Patriziermacht mit voller Härte eingesetzt. Besonders brutal gingen dabei Lutheranhänger, wenn sie die Möglichkeit hatten, gegen so etwas wie konkurrierende reformatorische Persönlichkeiten und Bewegungen vor. In solchermaßen regierten Reichsstädten, Grafschaften und Fürstentümern wie auch in den skandinavischen Königreichen waren die Landesherren mit ihrer jeweiligen mehr oder minder Staatskirche nicht so nett, ihre eigenen theologischen Vorstellungen dem Urteil der betreffenden Menschen zu überlassen, in der Hoffnung diese ließen sich friedlich durch die Kraft von Argumenten, die Erhabenheit liturgischer Angebote oder etwa die Menschlichkeit sozialer Projekte überzeugen. Wie auch Huldrych bzw. Ulrich Zwingli und Johannes Calvin deutlich machten, hatte es für Andersdenkende keine Gnade zu geben. Völlig enthemmt zeigte sich solcher Vernichtungswille etwa bei der persönlich durch Zwingli vorangetriebenen Verfolgung der sog. Wiedertäufer in Zürich und im Vorgehen der siegreichen protestantischen Fürsten im Bauernkrieg, wobei Martin Luther eigens aufgefordert hatte, nur ja keine Gnade zu kennen.
Dieser Situation sah sich jemand wie der als Verfasser von Katechismen und anderer Schriften einschließlich einer Lateingrammatik wichtig gewordene Petrus Canisius gegenüber.

Dabei hatte in späterer Zeit dann der heiliggesprochene Ordensgründer und Kirchenlehrer Ludwig Maria Grignion von Montfort seinerseits die Bedrängnisse zu erdulden, die ihm das französische Staatswesen unter einem nominell katholischen König zumutete. Deren Brutalitäten gegen die Hugenotten wurden etwa durch einen Papst wie den seligen Innozenz XI. (Pontifikat 1676 bis 1689) verurteilt. Auch sonst widersetzte sich Innozenz XI. offen der französischen Politik mit deren König an der Spitze.
Diese hatte ja schon Jahrhunderte vorher zur „babylonischen Gefangenschaft“ des Papsttums in dem unter französischen Einfluss stehenden Avignon einschließlich Papstschisma geführt.
Damit setzte sich die heilige Katharina von Siena in einem betont frankreichkritischen Sinne auseinander. Sie soll ja die über Jahrhunderte in Frankreich meistgehasste Frau gewesen sein. Dass sie nicht nur heiliggesprochen, sondern auch als Kirchenlehrerin anerkannt wurde, ist bemerkenswert. Papst Johannes Paul II. rundete dies dann noch spektakulär ab, indem er Katharina von Siena zur Schutzpatronin oder Mitpatronin Europas erhob.

Nachgiebigkeit gegenüber französischen Machthabern hat sich wiederholt als sehr belastend für die Kirche erwiesen. So scheiterte letztlich die vorübergehende Entspannungspolitik Bonifaz VIII. gegenüber dem französischen König Philipp IV., auch genannt „der Schöne“. Daran konnte nichts ändern, dass Bonifaz VIII. sogar bereit gewesen war, den Vorvorgänger König Philipp IV., Ludwig IX., heilig zu sprechen. Genau diese, wie viele meinen, durch politischen Druck zustande gekommene Heiligsprechung, wurde alsbald genau gegen das Papsttum verwendet. Gegen den nicht zuletzt für die Entwicklung des Kirchenrechts so wichtigen Bonifaz VIII. wurde seitens der französischen Monarchie eine heftige Propagandakampagne in Bewegung gesetzt. Diese erinnert an die Aktivitäten totalitärer Regime des 20. Jahrhunderts. Es kann in diesem Zusammenhang auch ein literarisches Werk wie „Farm der Tiere“ und die große literarische Warnung vor totalitärer Machtausübung „1984“ jeweils von George Orwell in den Sinn kommen. Die insgesamt nachgiebigeren Nachfolger des sich nach einigem Hin und Her doch zu energischem Auftreten gegen die französische Monarchie verstehenden Bonifaz VIII. führten dann das Papsttum in die entwürdigende Abhängigkeit zu Avignon samt all der damit verbundenen üblen Finanzpraktiken, gemeinhin als Korrumpierung angesehen. Es kam dann eben auch zum großen Papstschisma von Avignon, gegen das gerade die heilige Katharina von Siena so energisch Stellung bezog und konsequent ankämpfte.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Stellung der katholischen Kirche auf offizieller Ebene gegenüber Ludwig IX., auch genannt „der Kreuzfahrer“ entwickeln wird. Wenn katholische Besucher der Pfarrkirche zu Stein wie Vertreter des Judentums und auch schon längst mindestens ein seinerzeitiges Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz sich so kritisch über ihn bzw. die ihn betreffende Heiligsprechung geäußert haben (siehe allgemein Gedanken zur Woche 126-b – 21. WOCHE IM JAHRESKREIS (2022)), so ist eine deutliche bis drastische kirchenamtliche Neubewertung in diesem Fall nicht auszuschließen.
Die mit der französischen Beherrschung Okzitaniens endenden Katharer- oder Albigenserkreuzzüge samt Entwicklung und dauernder Einsatz der Inquisition werden heutzutage längst schon sehr oft sehr kritisch gesehen. Dabei hatte das französische Fernsehen schon in den sechziger/60er Jahren den Zusammenhang nationalen Selbstbehauptungswillens Okzitaniens und der religiösen Richtung des Katharertums/Katharismus bestätigt. Für die Hinwendung betroffener Menschen zum Katharismus/Katharertum als Element eigener Abgrenzung gegen französische Unterwerfungspoltik wurde dabei ausdrücklich so etwas wie Sympathie bekundet!

Die jüngsten päpstlichen Besuche im Libanon, in Monaco, Kamerun und Algerien haben ja schon deutlich Nationen geehrt, die besonders intensiv ihre Eigenständigkeit gegen die französische Machtpolitik zu erkämpfen bzw. verteidigen hatten.

 

 

 

Gedanken zur Woche 317, Dr. Matthias Martin

3. SONNTAG DER OSTERZEIT (2026)
Es war gerade Papst Franziskus (Pontifikat von 2013 bis 2025), welcher eigens besondere Tage in der Weltkirche für bestimmte Menschengruppen wie für bestimmte Anliegen schuf.
So rief er schon im Jahre 2016 den WELTTAG DER ARMEN ins Leben (siehe Gedanken zur Woche 36 – 33. SONNTAG IM JAHRESKREIS und WELTTAG DER ARMEN (2020); Gedanken zur Woche Gedanken zur Woche 86 – 33. SONNTAG IM JAHRESKREIS und WELTTAG DER ARMEN (2021) und https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_letters/documents/papa-francesco-lettera-ap_20161120_misericordia-et-misera.html). Auch sein Nachfolger Leo XIV. veröffentlichte eine eigene Botschaft zum „Welttag der Armen“ (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/messages/poor/documents/20250613-messaggio-giornata-poveri.html). In ernsten Worten unterstrich er in diesem auch auf Deutsch veröffentlichten Dokument verbunden mit einem starken marianischen Akzent, dass der Glaube nicht vom Einsatz für das Gute in der Welt, von guten Werken zu trennen ist. Er verband dies ausdrücklich mit dem zu Ende gehenden Heiligen Jahr, welches aufmerksame Menschen eigens auf die authentische katholische Lehre vom Ablass und von den Sakramenten hinwies. In dieser ganz ausdrücklich auf den vorgehenden Papst Franziskus Bezug nehmenden Botschaft Leos XIV. wurde die katholischen Soziallehre verteidigt. Deutlichen Worte wählte der amtierende Papst schon damals und damit vor der jüngsten Eskalation im Verhältnis zur gegenwärtigen US-Regierung und ihren noch vorhandenen Unterstützern. So hielt der frühere Generalobere des Augustinerordens u. a. fest:

„Wenn wir das Gemeinwohl fördern, gründet unsere soziale Verantwortung auf der schöpferischen Geste Gottes, der die Güter der Erde allen schenkt: Wie diese müssen auch die Früchte der menschlichen Arbeit allen gleichermaßen zugänglich sein. Den Armen zu helfen ist in der Tat eine Frage der Gerechtigkeit, noch bevor es eine Frage der Nächstenliebe ist. Wie der heilige Augustinus sagt: > Du gibst dem Hungrigen Brot, aber es wäre besser, niemand hätte Hunger, auch wenn dann niemand mehr da wäre, dem du geben könntest. Du gibst dem Nackten Kleidung, aber wie viel besser wäre es, wenn alle Kleidung hätten und es keine Not gäbe< (Kommentar zu 1 Joh, VIII, 5).
Ich hoffe daher, dass dieses Heilige Jahr zur Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung alter und neuer Formen der Armut sowie zu neuen Initiativen zur Unterstützung und Hilfe für die Ärmsten der Armen beitragen kann. Arbeit, Bildung, Wohnung und Gesundheit sind Voraussetzungen für eine Sicherheit, die wir niemals mit Waffen erreichen können. Ich begrüße die Initiativen, die es bereits gibt, und die Anstrengungen, die tagtäglich auf internationaler Ebene von einer großen Zahl von Männern und Frauen guten Willens unternommen werden.“

Der schon seit 1914 auf Festlegung von Papst Benedikt XV. (Pontifikat von 1914 bis 1922) begangene WELTTAG DES MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGS ist normalerweise seit einer Anordnung von Papst Franziskus am letzten Sonntag im September zu halten.
Recht deutlich wurde der jetzige Papst Leo XIV. in seiner eigenen Botschaft zum 111. WELTTAG DES MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGS 2025. Wie auch zu anderen Gelegenheiten betonte der jetzige Papst Leo XIV., wie sehr der Kampf gegen Unrecht und Gewalt eine dauernde Herausforderung bleibt.
Im direkten Widerspruch zur Rechtfertigungspropaganda seitens früherer US-Regierungen etwa für den eigenen Eintritt in den Ersten und den Zweiten Weltkrieg hielt der erste US-Amerikaner, der zum Papst gewählt wurde, fest (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/messages/migration/documents/20250725-world-migrants-day-2025.html):

„Die aktuelle Weltlage ist leider von Kriegen, Gewalt und extremen Wetterereignissen geprägt, die Millionen von Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen und anderswo Zuflucht zu suchen.“

Hier wie zu anderen Gelegenheiten und gleich seinen Vorgängern auf dem Stuhle Petri lehnt auch in dieser Botschaft Leo XIV. eine Besserstellung etwa der Vetomächte im UN-Sicherheitsrat oder gar einer einzelnen von diesen im Besonderen gegenüber anderen Staaten klar ab. Dies verdeutlichen die sich anschließenden Worte in seiner Botschaft:

„Die allgemeine Neigung, ausschließlich für die Interessen begrenzter Gemeinschaften einzutreten, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die gemeinsame Verantwortung, die multilaterale Zusammenarbeit, die Verwirklichung des Gemeinwohls und die globale Solidarität zum Wohl der gesamten Menschheitsfamilie dar. Die Aussicht auf einen erneuten Rüstungswettlauf und die Entwicklung neuer Waffen, einschließlich nuklearer Waffen, die dürftige Berücksichtigung der verheerenden Auswirkungen der gegenwärtigen Klimakrise und die tiefgehenden wirtschaftlichen Ungleichheiten lassen die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft immer schwieriger werden.“

Dabei ist einsichtig, dass die mit dem WELTTAG DER ARMEN und dem WELTTAG DES MIGRANTEN UND DES FLÜCHTLINGS verdeutlichten Herausforderungen Daueraufgaben darstellen. Sie sind während des ganzen Jahres fortwährend anzugehen und nicht nur an einem bestimmten Tag im Kalender irgendwie anzusprechen.

Dies gilt genauso für den am 1. Januar zu begehenden katholischen WELTTAG DES FRIEDENS/WELTFRIEDENSTAG. Dieser geht auf eine Initiative von Papst Paul. VI. (Pontifikat von 1963 bis 1978) zurück.

Der SONNTAG DES WORTES GOTTES wurde für den 3./DRITTEN SONNTAG IM JAHRESKREIS von Papst Franziskus mit dem Motu Proprio „Aperuit illis“ vom 30. September 2019 eingeführt (https://www.vatican.va/content/francesco/de/motu_proprio/documents/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html). Dabei betonten ja schon frühe Synoden und dann allgemeine Konzilien, dass die ganze Bibel mit ihren verschiedenen Schriften des Alten/Ersten und des Neuen/Zweiten Testaments ernst zu nehmen ist (siehe Gedanken zur Woche 279-b – 17. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025) und Gedanken zur Woche 309-b – 1. FASTENWOCHE (2026)). Dies gilt es immer wieder wachzurufen. Wenn man die kirchliche Leseordnung egal in welcher Variante betrachtet, so wird deutlich, dass jeder Sonntag ein SONNTAG DES WORTES GOTTES und jeder Werktag ein WERKTAG DES WORTES GOTTES ist.

Unabhängig von den Wünschen einzelner Regierungen und gerade auch unabhängig von Königshäusern und anderen Dynastien verdeutlicht die Bibel, wie sehr man ganz im Sinne des WELTTAGES DER ARMEN sich für bedürftige Menschen engagieren soll. Zur Umsetzung dieses Grundanliegens dient dann noch einmal eigens der CARITASSONNTAG, egal wann er jeweils durchgeführt wird.

Das Grundgebot der Nächstenliebe mit dem besonderen Blick auf bestimmte Menschen in einer Notsituation verdeutlicht der WELTTAG DER KRANKEN. Dieser wurde 1993 durch Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen. Er ist am 11. Februar als dem GEDENKTAG UNSERER LIEBEN FRAU VON LOURDES zu begehen.

Auf Papst Franziskus geht wiederum der WELTTAG DER GROSSELTERN UND ÄLTEREN MENSCHEN seit dem Jahre 2921 zurück. Die Würde solcher Menschen ist unabhängig von allen wirtschaftlichen Abwägungen und dergleichen stets in Ehren zu halten. Wie wichtig es ist, einen guten Zusammenhalt über die Generationen hin zu fördern, sollte über konfessionelle und parteipolitische Grenzen hinweg klar sein.

Ebenso weisen der WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL (https://www.vatican.va/content/francesco/de/messages/communications.html) und der WELTMISSIONSSONNTAG/SONNTAG DER WELTMISSION (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/messages/mission/documents/20260125-giornata-missionaria.html) auf wesentliche Handlungsfelder hin.

Ein eigenes, wenn auch sehr unangenehmes Handlungsfeld ist die Bekämpfung und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft in den verschiedenen Ländern. Gerade die katholische Kirche ist da doch herausgefordert. Wie wäre es mit der Einführung eines SONNTAGS DER MISSBRAUCHSOPFER?

Das wäre doch für sich eine starke Initiative!

 

1. Lesung: Apg 2,14.22b-33
2. Lesung: 1 Petr 1,17-21
Evangelium: Lk 24,13-35 oder Joh 21,1-14

 

 

 

Gedanken zur Woche 317-b, Dr. Matthias Martin

3. OSTERWOCHE (2026)
Wenn das kirchliche Leben unter Druck steht, so gilt dies jeweils gerade für die geistlichen Berufe, für Ämter, Aufgaben und Funktionen in der Kirche.
Es ist doch nicht zu leugnen, dass seit den sechziger Jahren das kirchliche Leben schwere bis sehr schwere Einbrüche erlitten hat. Schon vor Jahren etwa meinte der damalige Diözesanbischof von St. Pölten, Klaus Küng, dass die Volkskirche von einst bereits aufgehört habe, zu bestehen (siehe Gedanken zur 63-b – 10. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST HEILIGSTES HERZ JESU (2021)). Der Einbruch bei den Ordens- und Priesterberufungen gerade in westlichen Ländern spricht eine deutliche Sprache. Eine ganze Reihe von Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften von Frauen etwa in den USA gehen ihrem Ende entgegen. Dass das keine Propaganda von Kreisen ist, welche dem Zweiten Vatikanischen Konzil als katholische Traditionalisten ablehnend gegenüberstehen, wird durch den Umstand verdeutlicht, dass diese harten Zukunftsaussichten schon vor ein paar Jahren durch die US-Bischofskonferenz und den Dachverband der meisten Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschafen von Frauen publik gemacht wurden. Mit besonderem Augenmerk auf das zum kanadischen Staatsverband gehörende Québec wies schon das Interviewbuch „Zur Lage des Glaubens“ von Joseph Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., und Vittorio Messori in diese Richtung (siehe Gedanken zur Woche 20-b – 17. WOCHE IM JAHRESKREIS (2020)). Nicht nur pfingstlerische und im engeren Sinne evangelikale Gemeinschaften erzielten seit den sechziger Jahren in Lateinamerika einen enormen Zulauf auf Kosten der katholischen Kirche. Die Kirchenaustrittsraten in der Bundesrepublik, der Schweiz und in Österreich sind ein eigenes drastisches Kapitel. Egal wie die Entwicklung einer bestimmten paganen oder neopaganen Kultgemeinschaft hier und da verläuft, welche evangelikale Gruppierung ihrerseits in den USA als nächstes durch Skandale erschüttert bis zerstört wird, so ist die Entwicklung für die katholische Kirche regelmäßig gar nicht erfreulich.

Der Umstand, dass es nach kirchenamtlicher Definition eigentlich keinen Kirchenaustritt gibt, sondern jeder, der einmal egal ob durch Taufe oder spätere Aufnahme in die katholische Kirche aufgenommen wurde, als für immer dort verbleibend betrachtet wird, ändert nichts an der empirisch fassbaren Entwicklung. Volkszählungen und ähnliche Nachforschungen sprechen eine sehr deutliche Sprache und das in so unterschiedlichen Ländern wie Brasilien, den USA, Chile, Argentinien, den Niederlanden, dem Verbund aus England, Wales und Schottland und so weiter. Der Satz „Semel catholicus, semper catholicus“, was auf Deutsch so viel heißt wie „Einmal katholisch, immer katholisch“ heißt, stellt eher ein dogmatisches Postulat als eine Anleitung für sozio-empirische oder pastoral-handfeste Erhebungen dar. Dabei stellt dieser Grundsatz, dass für die eigene Statistikführung niemand die katholische Kirche verlassen könne, ein Prinzip für die Erstellung Päpstliche Jahrbuch, das „Annuario Pontifico“ dar. Es ist ein Handlungsaxiom. Dabei wird danach gehandelt, dass eben niemand die katholische Kirche verlasse, ihr höchstens beiträte. Vor diesem Hintergrund ist dann eben die Verkündigung oder Behauptung zu sehen, dass derzeit gut 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken auf Erden lebten. Allein in Lateinamerika sind davon im wirklichen Leben hunderte Millionen insbesondere zu pfingstlerischen und evangelikalen Gemeinschaften übergetreten. Auch in anderen Weltgegenden und in andere religiöse oder weltanschauliche-kulturelle Richtungen erlitt die katholische Kirche im wirklichen Leben schwere Mitgliederverluste. Mitunter traten auch katholische Geistliche zu anderen Konfessionen oder gar zu einer anderen Religion über. Jeder dieser Menschen wird aber für das Päpstliche Jahrbuch/Annuario Pontifico weiterhin als Katholikin bzw. Katholik gezählt.

Ein Hinweis, dass die katholische Kirche allen Zahlenspielereien zum Trotze enorme Mitgliederverluste erlitt, bietet sich darin, dass seit Jahren bis Jahrzehnten in Lateinamerika von links bis rechts am politischen Spektrum Politikerinnen und Politiker pfingstlerische und evangelikale bis hin zu synkretistischen oder gar ausdrücklich pagane Gemeinschaften hofieren. Deren gesellschaftlicher bis allgemeiner politischer Einfluss wird deutlich. Wenn die katholische Kirche anstelle deutliche Mitgliederverluste zu erleiden auf Wachstumskurs und in einer wie einst gefestigten Mehrheitsposition wäre, so wären solche Aktivitäten nicht nachvollziehbar. Betreffende Politikerinnen und Politiker von links bis rechts bemühen sich doch nicht landauf-landab um bei Wahlen ziemlich irrelevante Kleingruppen oder Minderheiten. Sie riskierten damit nur unnötigen und kontraproduktiven Ärger mit einer katholischen Bevölkerungsmehrheit. Die Lage in einer ganzen Reihe von Ländern ist eben anders, als es der Grundsatz „Semel catholicus, semper catholicus“ vorspielt.

Wenn man für Transparenz und echte Reformbereitschaft eintreten möchte, so sollte man in kirchlichen Strukturen bei solchen Dingen auf eine größere Orientierung an den wirklichen Gegebenheiten in Teilen der Weltkirche drängen. Empirische Ernsthaftigkeit ist doch etwas Anderes als Irreführung. Hinzu ist die Zählung hunderter von Millionen Menschen, die sich selber bewusst einer anderen Konfession bis Religion oder gar keiner Religion zugehörig erklären, nicht so einfach vereinbar mit dem in den Verfassungen demokratischer Staaten und in Erklärungen zu den Menschenrechten vertretenen Vereinnahmungsverbot. Betreffende Menschen wollen offensichtlich nicht Mitglieder der katholischen Kirche sein. Solch unangenehme Wahrheiten sollten etwa beim kommenden deutschen Katholikentag in Würzburg thematisiert werden. Von dort aus könnte man auch darauf drängen, dass die römische Kurie die Statistikführung gerade für das „Annuario Pontificio“ ändert.

Die solchermaßen problematische bis sehr negative pastorale Entwicklung mag auf der anderen Seite ein Anstoß sein, für geistliche Berufe zu beten. Die 3./DRITTE OSTERWOCHE führt immerhin auf den 4./VIERTEN SONNTAG DER OSTERZEIT und den an ihm zu begehenden WELTGEBETSTAG FÜR GEISTLICHE BERUFE hin.

Eine Ermutigung für Menschen guten Willens können da die deutlichen Worte von Patrick Kelly als Oberstem Ritter der Columbusritter zu dem Konflikt zwischen Papst Leo XIV. und US-Präsident Trump sein (https://www.kofc.org/swstatic-260323015445/swstatic-260323015445/swstatic-260323015445/swstatic-260428100856/swstatic-260428100856/swstatic-260428100856/swstatic-260506044545/swstatic-260506044545/swstatic-260512094154/swstatic-260512094154/swstatic-260512094154/swstatic-260512094154/swstatic-260512094154/swstatic-260512094154/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260515014412/swstatic-260629103002/resources/news/latest-news/statement-from-supreme-knight-patrick-kelly/). Diese lauten (gemäß eigener Übersetzung):

„In den letzten Tagen wurde viele Katholiken und andere Menschen guten Willens tief enttäuscht durch die abfälligen Kommentare, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten gegen Papst Leo XIV. gerichtet wurden. Der Nachfolger des Apostels Petrus ist nicht ein Politiker – er ist der Vertreter Christi und als solcher beauftragt, das Evangelium zu verkünden und Seelen zu hüten.
Die Columbusritter standen immer in Solidarität zum Heiligen Vater, anerkennen ihn als geistlichen Vater, der die Welt aufruft nicht zu Spaltung, sondern zu Einheit, nicht zu Konflikt, sondern zu Frieden. In diesem Augenblick bekräftigen wir diese Selbstverpflichtung mit Klarheit und Überzeugung.
Gleichzeitig anerkennen wir, dass gläubige Katholiken sich im öffentlichen Leben eifrig engagieren können und es tun, und auch, dass Nationen das Recht und die Pflicht haben ihre eigene Bevölkerung zu beschützen. Letzteres hat in Übereinstimmung mit den Geboten der Gerechtigkeit und dem Streben nach Frieden zu geschehen. Die Kirche fordert die Katholiken nicht auf, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen, sondern sich dort zu engagieren und es zu verbessern. Sie sollen in den gesellschaftlichen Dialog das Licht der Wahrheit, Respekt vor der Würde jeder menschlichen Person und feste Sorge um das Gemeinwohl einbringen.
Papst Leo XIV. hat beständig zu Frieden, Dialog und Selbstbeherrschung in einer Welt voll von Krieg und Leid aufgerufen. Die Worte des Heiligen Vaters sind keine politischen Schlagworte, sie spiegeln das Evangelium selber wider. Egal ob man mit bestimmten politischen Positionen übereinstimmt oder nicht, so verdient die prophetische Stimme des Heiligen Vaters mit Respekt gehört und ernsthaft bedacht zu werden.
Als Ritter sind wir berufen, Männer der Einheit zu sein, Jünger Christi und patriotische Bürger. Ich ermutige alle Columbusritter zu beten für den Heiligen Vater, für politische Führungskräfte, für den Frieden und für die, welche dafür wirken, ihn zu erzielen. Lasst uns wieder auf Nächstenliebe in unseren öffentlichen Diskussionen besinnen. Mögen wir nicht dafür bekannt sein, die Spaltungen unserer Zeit zu vertreten, sondern dafür, sie zu heilen. In einem Moment der Spannungen ist der Weg nicht lauter Konflikt, sondern größere Treue zur Wahrheit, zur Nächstenliebe und zum Evangelium“.

In dieser grundsätzlichen Erklärung wird keinerlei Unterschied zwischen den verschiedenen Nationen gemacht. Allen wird das Recht auf Verteidigung ihrer Bevölkerung zugesprochen. Es wird eingestanden für die Würde jeder menschlichen Person, unabhängig von ethnischer und konfessioneller Zugehörigkeit, politischer Gesinnung und Staatsbürgerschaft.

 



Gedanken zur Woche 316, Dr. Matthias Martin

2. SONNTAG DER OSTERZEIT und SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT und WEISSER SONNTAG (2026)
Wenn ein und derselbe Sonntag im Kirchenjahr schon auf überregionaler Ebene so unterschiedliche Bezeichnungen trägt wie 2./ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT, SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT und WEISSER SONNTAG, so deutet dies schon etwas von dem kulturellen und gerade auch linguistischen Reichtum an, der mit der Feier von Gottesdiensten und ganz generell mit dem Kirchenjahr verbunden ist.
Es verdeutlicht etwas, dass eine möglichste Beachtung katholischer Überlieferung einschließlich neuerer päpstlicher Dokumente mit einer Breite und Tiefe des Wortschatzes bekannt machen kann. So nahmen denn nicht zuletzt kirchliche engagierte Menschen an den Diskussionen und der Umsetzung oder Umsetzungsversuchen bezüglich der Deutschen Rechtschreibreform teil.

Dabei betonte die seinerzeitige Kongregation für die Glaubenslehre, die Glaubenskongregation, ausdrücklich und öffentlich, dass man selber zum frühestmöglichen Zeitpunkt die ja auf grenzüberschreitender öffentlich-rechtlicher Ebene erarbeiteten und angenommenen Ergebnisse der Rechtschreibreform in der eigenen Tätigkeit übernommen hat. Tatsächlich entsprach dieses Grundanliegen, eine Klarheit in der Rechtschreibung und möglichste Einheitlichkeit in der Rechtschreibung unter den verschiedenen deutschsprachigen Staatswesen einschließlich Bundesländern, Kantonen, Halbkantonen, Regionen und Subregionen zu erzielen, gerade einem Grundinteresse der katholischen Kirche.
Da geht es doch grundsätzlich um die Pflege von Hochsprache. Sprache soll möglichst klar und präzise sein. An dieser Stelle ist zur Förderung eines guten Miteinanders in Kirche, Staat und Gesellschaft darauf hinzuweisen, dass in der päpstlichen Instruktion „Liturgiam authenticam“ die Verwendung von Dialekten in katholischen Gottesdiensten ausdrücklich untersagt wurde (siehe Gedanken zur Woche 295 – 33. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)).

Auf dieser Ebene liegt die generell kirchliche Tätigkeit. So wurde im 19. Jahrhundert die Vereinheitlichung der Rechtschreibung im Königreich Preußen ausdrücklich von der katholischen Kirche mitgetragen. Dialektoffensiven oder wie immer man sagen will, waren der katholischen Kirche ausdrücklich fremd. So waren die deutschsprachigen Ausgaben von Enzykliken und anderen päpstlichen Dokumenten jeweils einheitliche Dokumente. Dazu passte auf eher politische Ebene die ausdrückliche Verurteilung separatistischer Bestrebungen in Bayern durch den Heiligen oder Apostolischen Stuhl. Ein bis heute zitiertes und über konfessionelle Grenzen hinweg geschätztes kirchenrechtliches Werk wie das „Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts auf Grundlage der kirchlichen Quellen und der Staatsgesetze in Österreich und den übrigen deutschen Bundesstaaten“ von Johann Friedrich Schulte passt da sozusagen genau ins Bild.
Die Veröffentlichungen des gewissermaßen strengkatholischen Historikers Ludwig von Pastor und insbesondere sein Monumentalwerk „Geschichte der Päpste“ waren allein schon wegen der Formulierungskunst, dem Sprachstil bedeutend für den ganzen deutschen Sprachraum. In diesem Zusammenhang mag man auch an das auf seine Weise so bemerkenswerte schriftstellerisch-historische Werk von Leopold von Ranke denken.

In der „modernen“ Öffentlichkeit wurde es leider wenig zur Kenntnis genommen. Aber der auch in der veröffentlichten Meinung immer wieder gewürdigte bis gefeierte Papst Franziskus hat Ludwig von Pastor seinerseits ausdrücklich gewürdigt. Es mag überraschen, aber der angeblich so wenig an Überlieferung interessierte Papst versicherte, alle Bände der „Geschichte der Päpste“ Pastors gelesen zu haben. Er verband dies mit der Betonung, wie wichtig doch gute Kenntnisse der Kirchengeschichte sind. Ja, er wurde dann offiziellerseits sogar mit der Aussage zitiert „Wenn du einmal diese Papstgeschichte kennst, dann kann dich wenig von dem, was im Vatikan und der Kirche heute passiert, noch schockieren“ ( https://www.osservatoreromano.va/de/news/2021-01/beruehmter-geschichtsschreiber-der-papste.html und https://www.osservatoreromano.va/de/news/2021-01/auf-zu-neuen-ufern.html).
Dazu mag man, gerade es wenn es um Sprachgeschichte und die Pflege von Hochsprache geht, daran denken, dass Papst Franziskus den deutschen Dichter Friedrich Hölderlin ausdrücklich als seinen Lieblingsdichter bezeichnete und diesen direkt zitierte. Führende Politikerinnen und Politiker wagten es da nicht, ihm zu widersprechen, zumindest nicht öffentlich (siehe Gedanken zur Woche 267-b – 3. OSTERWOCHE (2025)).

Die Veröffentlichung der ersten Ausgabe des „Lexikons für Theologie und Kirche“, abgekürzt LThK, durch Michael Buchberger war seinerseits ein Ereignis für den ganzen deutschen Sprachraum, natürlich gerade bei Menschen, die sich stärker für das Leben und die Theologie der katholischen Kirche interessierten. Welch gesamtkirchliche Zustimmung er fand, zeigte sich daran, dass er im Jahre 1950 durch den Papst den persönlichen Titel eines Erzbischofs verliehen bekam, obwohl er lediglich Diözesanbischof des Suffraganbistums Regensburg war. Er wurde somit ehrenhalber zum Titularerzbischof erhoben. Noch bei Beginn des Studiums der Politikwissenschaft des Verfassers dieses vorliegenden Beitrages kam man in Rahmen einer Lehrveranstaltung ausdrücklich auf das von Bischof bzw. Erzbischof Michael Buchberger begründete LThK zu sprechen. Es ging dabei nicht zuletzt um die Unterschiede zwischen der ersten Ausgabe und der dann von Karl Rahner und Josef Höfer herausgegebenen zweiten Ausgabe dieses LThKs in Hinblick auf Sprachstil und Wortwahl. Historisch interessierte Menschen greifen offensichtlich auch heutzutage noch auf die erwähnte erste Ausgabe zurück.

Allein schon linguistisch gewann das so reichhaltige publizistische Wirken von Andreas Räß starke Bedeutung für den deutschen Sprach- und Kulturraum. Der spätere Bischof von Straßburg begründete bereits im Jahre 1821 die wichtige Zeitschrift „Der Katholik“. Diese trug den interessanten Untertitel „Zeitschrift für katholische Wissenschaft und kirchliches Leben“.

Die Betonung einer einheitlichen Hochsprache wird gerade im katholischen Kirchenrecht sehr deutlich. So wurde schon die erste lateinisch-deutsche Ausgabe des nachkonziliaren CICs/CODEX IURIS CANONICI/CODEX DES KANONISCHEN RECHTS herausgegeben u. a. auch im Auftrag der Österreichern und der Schweizer Bischofskonferenz sowie der Bischöfe bzw. Erzbischöfe von Bozen-Brixen, Luxemburg, Lüttich, Metz und Straßburg, dem einstigen Bischofssitz von Andreas Räß.
Diese katholischen Ortskirchen waren wiederum beteiligt an der Herausgabe der jüngsten Auflage der lateinisch-deutschen Ausgabe des CICs, der mitunter als die orange Ausgabe bezeichneten Ausgabe eben. Diese Ausgabe verdient besonderes Interesse wegen der dort enthaltenen Neufassung des kodikarischen Strafrechts. Immerhin wurde doch das gesamte Buch VI mit seinen „Die Strafbestimmungen in der Kirche“ erneuert und damit zumindest auf dieser Ebene Abstand genommen von der in offiziellen Kirchenkreisen über Jahre hinweg so betonten verständnisvollen Haltung für Täter. Diese schlug sich eben auch in der ursprünglichen Ausgabe des CICs von 1983 nieder. Kein geringerer als der dann zurückgetretene Papst Benedikt XVI. äußerte an dieser Orientierung deutliche Kritik. Der umfangreichere Aufsatz von Benedikt XVI. zur Missbrauchskrise bleibt nicht nur in sprachlicher Hinsicht lesenswert (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-04/papst-benedikt-xvi-wortlaut-aufsatz-missbrauch-theologie.html).

Natürlich genügen noch so bemerkenswert formulierte Neuerungen im Kirchenrecht und diverse Artikel oder Aufsätze in der Missbrauchsproblematik nicht. Die Missbrauchsbekämpfung muss eine kirchliche und generell eine gesellschaftliche Lebenswirklichkeit sein. Dahingehender Einsatz ist gefordert und das zu jeder Zeit im Kirchenjahr wie im Kalenderjahr. Solches gilt über sprachliche wie soziale Grenzen hinweg.

 

1. Lesung: Apg 2,42-47
2. Lesung: 1 Petr 1,3-9
Evangelium: Joh 20,19-31

 

 

 

Gedanken zur Woche 316-b, Dr. Matthias Martin

2. OSTERWOCHE (2026)

Die 2./ZWEITE OSTERWOCHE besitzt natürlich als Feierzeit der Auferstehung Jesu Christi und als eine dahingehende Verlängerung von OSTERSONNTAG, OSTERMONTAG und der ganzen OSTEROKTAV ihre ganz grundsätzliche Bedeutung. Das liturgische Weiß, wenn wir der üblichen Einteilung für Gottesdienste folgen, unterstreicht die Zugehörigkeit zur Osterzeit, die ja die Zeit des höchsten christlichen Festes überhaupt ist.

Die Stärkung in den drei christlichen Grundtugenden von Glauben, Hoffnung und Liebe ist eine dauernde Herausforderung. Dies gilt eben auch in Hinblick auf die Grundtugend oder theologische Tugend der Hoffnung. Bis in liturgische Texte hinein ist immer wieder die Tendenz vorhanden, diese christliche Grundtugend, die wie Glaube und Liebe auch sogar als göttliche Tugend bezeichnet wird, oft nicht direkt beim Namen zu nennen. Es ist dann jeweils nur von „Glauben“ und „Liebe“ die Rede. Umso wichtiger ist es da, immer wieder gezielt eigens auf die christliche Grundtugend, diese göttliche, diese theologische Tugend der Hoffnung hinzuweisen.

Hoffnung kann uns bestärken, gerade an der Verwirklichung der Grundtugend der Liebe festzuhalten. Wie schon in den Fünf Büchern Mose, dem Pentateuch, der eigentlichen Thora/Tora/Torah angesprochen, sollen wir Gott lieben aus ganzer Seele, mit aller Kraft und unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Jesus von Nazaret fasste diese beiden gewissermaßen Einzelgebote dann nach dem Zeugnis aller drei synoptischen Evangelien zum doppelten Liebesgebot zusammen (siehe Gedanken zur Woche 184 – 26. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 241 – 31. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2024)).

Gerade in der heutigen Weltlage mag man da resigniert zu dem Schluss kommen, es habe ja doch keinen Sinn, sich für das Gute in der Welt, sich für so etwas wie Umsetzung der Liebe zu Gott und den Menschen einzusetzen. Da kommt eben der Hoffnung ihre zentrale Bedeutung zu. Sie kann die Motivationsgrundlage sein, eben nicht zu verzweifeln, sondern sich immer wieder zu bemühen, Gutes zu tun in Gedanken, Worten und Werken. In diesem grundsätzlichen und weiten Sinne gilt es, die Liebe zu Gott und den Menschen zu verwirklichen. Entmutigung hemmt da eben, Hoffnung spornt an und verleiht innere Kraft. Dabei ist die Würdigung der Hoffnung eben keine neuzeitliche Erfindung etwa von Motivationsmanagern oder PR-Strategen. Diese Einordnung der Hoffnung zusammen mit Glauben und Liebe als eine der drei christlichen Grundtugenden ist fest verwurzelt in der kirchlichen Überlieferung. Sie ist begründet in der Bibel und das gerade im Ersten Korintherbrief, wo es nach der neuen deutschen Einheitsübersetzung immerhin heißt:

„(1 Kor 13,13) Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“

Wenn man in der Hoffnung feststeht, hält man wohl auch am Glauben fest. Man ist dann umso mehr bereit, diesen Glauben bewusst zu bezeugen und möglichst anderen Menschen zu vermitteln.
Dabei sind natürlich Glauben und Liebe untrennbar miteinander verbunden. Wenn man Liebe zu jemanden hat, möchte man ihm Gutes tun. Es geht dann ganz grundsätzlich um das Tun guter Werke. Beginnend mit den Fünf Büchern Mose und der dortigen Formulierung der Gottes- und der Nächstenliebe als Grundgebote wird deutlich, dass der Gläubige eben Gutes tun sollen. Dies zieht sich dann durch die Bibel aus Altem/Ersten und Neuem/Zweiten Testament durch wie der sprichwörtliche rote Faden. Wir finden dazu bemerkenswerte Aussagen in einem bewusst lebendige, persönliche Darstellungen bietenden sog. geschichtlichen Buch wie Tobit oder Tobias. Wir finden solches auch in einem weisheitlichen Buch mit eher ins Abstrakte gehenden Formulierungen wie dem Buch Jesus Sirach. Auf der Linie solcher weisheitlichen Literatur liegt dann im Neuen/Zweiten Testament gerade der Jakobusbrief mit der dort gleich zweimal gemachten Aussage, dass der Glaube tot ist ohne die Werke (Jak 2,17 und 26).
Der Gläubige soll sich eben bemühen, Gutes zu tun. Da mag dem einen das matthäisches Sondergut darstellende Gleichnis vom Jüngsten Gericht (Mt 25,31-46) in den Sinn gekommen. Ein anderer mag spontan an lukanisches Sondergut wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37 oder 10,30-35/36) denken. Das Beispiel liebevoller Zuwendung und damit aktiver Hilfsbereitschaft von der Heilung des Taubstummen als markinisches Sondergut (Mk 7,31-37) ist sogar in die Taufliturgie eingegangen. Gewissermaßen johanneisches Sondergut stellt die Erzählung von der Fußwaschung der Jünger durch Jesus von Nazaret (Joh 13,1-20 oder 13,3-20) zu Beginn der johanneischen Gesamterzählung vom Letzten Abendmahl dar.

Bedürftigen zu helfen und Frieden zu fördern, sind so etwas wie Daueraufgaben der Kirche in ihrer Gesamtheit hier auf Erden. Dazu gehört ganz wesentlich etwa auch der Einsatz für Bildung und Kultur.

In diesem Sinne unternahm Papst Leo XIV. auch seine Reise in die Republik Libanon gegen Ende des Jahres 2025. Dort rief er eigens zum Einsatz für den Frieden auf. Allein schon die Ansprache des Papstes im Präsidentenpalast von Beirut am 30. November 2025 war ein starkes Bekenntnis zur international zu achtenden Unabhängigkeit des Libanon (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2025/november/documents/20251130-libano-autorita.html). Darin betonte er, dass „Frieden“ im Libanon „weit mehr als nur ein Wort ist“.
„Neben den Naturschönheiten und dem kulturellen Reichtum des Libanon“ würdigte er die Überlebensfähigkeit des libanesischen Volkes. Er betonte, wie sehr Friedensarbeit Beharrlichkeit und die Bereitschaft erfordert, immer wieder neu anzufangen. Auch dem Bleiben in der angestammten Heimat kommt laut Leo XIV. dabei große Bedeutung zu. Auch wenn die „über die ganze Welt verstreuten Libanesen“ den in der Heimat verbliebenen Landsleuten viel Gutes erwiesen, so gilt laut dem Papst: „Wir dürfen dennoch nicht vergessen, dass das Bleiben in der Heimat und das tägliche Mitwirken an der Entwicklung einer Zivilisation der Liebe und des Friedens etwas sehr Wertvolles bleibt.“ Sehr bemerkenswert ist vor dem Hintergrund von Flucht und Vertreibung gerade im 20. Jahrhundert und weiter im 21. Jahrhundert die Feststellung des Papstes, dass niemand zur Auswanderung gezwungen werden dürfe und jedem ein sicheres Rückkehrrecht zustehe. Es ist nur konsequent, dass Papst Leo XIV. keinerlei erneute Unterwerfung des Libanon unter französische Interessen forderte. Bekanntlich war ja Frankreich jahrelang nach des Ersten Weltkrieges als offizielle „Mandatsmacht“ die Kolonialmacht im Libanon.

Die Bedeutung friedlicher Zusammenarbeit und der Achtung gerade kleinerer Nationen oder Staaten gegenüber verdeutlichte dann auch der Besuch des Papstes im Fürstentum Monaco am 28. März 2026. Umfangreich wurde eigens über diese Reise Leos XIV. in der offiziellen Zeitung des Vatikans, dem „OSSERVATORE ROMANO“ berichtet. Auf dem Programm stand auch ein Besuch beim Staatsoberhaupt dieses Vollmitgliedes der Vereinten Nationen/UN und des Europarates, Fürst Albert II. Der Papst würdigte sehr die Bedeutung Monacos und bekannte sich ausdrücklich zu dessen Eigenstaatlichkeit. Das Stadion, in dem der Papst die Heilige Messe zelebrierte, ist mit Louis/Ludwig II. bezeichnenderweise nach einem Vorgänger des jetzigen Staatsoberhauptes von Monaco benannt.

 

 

 

Gedanken zur Woche 315, Dr. Matthias Martin

HOCHFEST VON OSTERN - AUFERSTEHUNG DES HERRN (2026)

Ein Hochfest oder Fest I. Klasse stellt immer einerseits einen positiven Anknüpfungspunkt und andererseits eine ernste Herausforderung dar.
Dies gilt ganz besonders für OSTERN, das HOCHFEST DER AUFERSTEHUNG JESU CHRISTI. Hierbei handelt es sich doch um das höchste Fest der Christenheit. Es ist in vielen Ländern sichtbar in der Volkskultur verankert. Das Sammeln von Ostereiern erfreut sich einer Beliebtheit, die offenkundig soziale, ökonomische, parteipolitische und stammesmäßig-ethnische Grenzen überschreitet. Die modernen Medien zeigen solche kulturellen Traditionen fortwährend über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Das Hochfest von Ostern ist oft als arbeitsfreier Tag durch öffentlich-rechtliche Gesetzgebung geschützt. Die öffentliche Verwaltung und Rechtsprechung tragen derartiges dann ganz im Sinne der Ausdifferenzierung in drei Staatsgewalten (Legislative/Gesetzgebung – Exekutive/Verwaltung - Judikative/Rechtsprechung) mit. Natürlich wirkt sich dabei immer wieder aus, ob man es mit einem mehr zentralisierten oder einem eher föderalen oder etwa einem konföderal organisierten Staatswesen zu tun hat.
Dies ist auch gegeben, wenn es um die Anerkennung des auf den Ostersonntag folgenden Ostermontag als einem arbeitsfreien Tag bzw. staatlichen Feiertag geht.
Die Anerkennung des Tages arbeitsfreien Tag/staatlich-öffentlicher Feiertag kann die damit verbundene religiöse Praxis stützen. Es besteht dabei aber auch die Gefahr, dass der zugrundeliegende religiöse Inhalt nicht mehr wahrgenommen wird. Dass es in der Vermittlung solcher Substanz einen im kirchlichen Sinne verheerenden Traditionsbruch gegeben hat, ist kein Geheimnis mehr. Volkskirche als so etwas wie eine mehr oder minder empirisch wahrnehmbare Größe hat über weite Strecken aufgehört zu bestehen.
Ideologisch-theologische Versuche, solches weg zu interpretieren sind keine sachliche Lösung. Hat man erstzunehmende Veröffentlichungen nur etwas im Blick, so wird deutlich, dass der pastorale oder wie auch immer zu nennende Verfallsprozess im großen Umfang weitergeht.
Die Popularität gewisser Traditionen sollte darüber nicht hinwegtäuschen.

Dies trifft auch für den Bereich der Musik zu. So erfreuen sich ja Osterlieder, welche auch gut und gerne ohne musikalische Ausbildung gesungen werden können, eigener Beliebtheit. Eigens sind vom christlichen Osterfest her große Werke musikalischer Hochkultur entstanden. Gerade in der authentischen katholischen Tradition wurde und wird auf die Verbindung zwischen Musik und religiösem Leben starker Wert gelegt.
In Hinblick auf die musikalische Gestaltung des Osterfestes zeigt sich die legitime Vielfalt verschiedener Stile, wie sie eben etwas so sehr anderes ist, als diverse Zerrbilder und Karikaturen von Katholischsein es vermitteln.

Dies trifft auch für den seinerseits so vielfältigen Bereich der bildenden Künste zu. Wir können in ganz verschiedenen Kunststilen Darstellungen zur Auferstehung Jesu finden. Aufmerksames Interesse verdient dabei, dass die besondere Stellung Maria Magdalenas als Zeugin und Verkünderin der Auferstehung gerade in der Malerei immer wieder aufgegriffen wurde. Da war offensichtlich nicht die in der alten Kirche anerkannte Ehrenstellung Maria Magdalenas als „Apostelin der Apostel“ so einfach in Vergessenheit geraten (siehe Gedanken zur Woche 226-b – 16. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024)). Allein die altkirchliche, im guten Sinne katholisch-traditionelle Ehrenstellung Maria Magdalenas gegen das Vergessen und destruktive Verleugnen zu verteidigen und den Menschen konstruktiv nahe zu bringen stellt eine Herausforderung dar. Gerade all die, welche in der katholischen Kirche ein offizielles Amt, eine Funktion, eine Aufgabe, irgendeinen Dienst wahrnehmen, sollten sich da vorurteilsfrei engagieren.

Dies gilt natürlich auch generell in Hinblick auf die Gruppe der Frauen am Grab Jesu zu Ostermorgen und die sie betreffende Ehrenbezeichnung „Apostelinnen der Apostel“ (siehe ebd. und dort erwähnte frühere Beiträge).
Wie die auf Maria Magdalena vor dem Grab konzentrierten Bildern kann auch die Darstellung der drei Frauen vor dem Grab in sehr verschiedenen Kunststilen geschehen. Die Kirche hat sich eben nicht auf einen bestimmten Kunststil festgelegt und andere Arten der Malerei und Mosaikkunst einfach ausgegrenzt. Menschen können überrascht sein, welch künstlerischer Pluralismus bis in die Behandlung des Ostermorgens der Auferstehung hin in der katholischen Kirche über die Jahrhunderte hin lebendig war.

Auch figürliche Darstellungen verschiedener Art lassen sich dazu finden. Unterschiedliche Techniken und Materialien konnten nicht zuletzt im dreidimensionalen Arbeiten zum Einsatz kommen, wenn es um die Frau oder die Frauen am Ostermorgen vor dem Grab ging.

Hierbei können sich immer wieder bemerkenswerte Anknüpfungspunkte und Verständigungsmöglichkeiten mit der so pluralistischen Frauenbewegung bzw. unterschiedlichen Frauenbewegungen ergeben.
Auf europäischer Ebene pflegt die katholische Kirche da manche Offenheit, die gerade der bundesdeutschen Bischofskonferenz ziemlich fremd ist.

Dabei könnte man sich gerade dort und überhaupt in kirchenoffiziellen Gremien in der Bundesrepublik Deutschland selber immer wieder an der Nase fassen, anstatt andere Ortskirchen wie missliebige Menschen im eigenen Gebiet herabzuwürdigen. Dass mit Stephan Ackermann genau der langjährige Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz wegen eindeutigem Fehlverhalten gegenüber einem Missbrauchsopfer von Gerichtsseite zu einem Schmerzensgeld verurteilt wurde, ist doch irgendwie entlarvend. Auch sonst stieß die Amtsführung von Bischof Ackermann auf deutliche Kritik, gerade von Opfervertretern. Dabei ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass die bundesdeutsche Justiz gegenüber ranghohen Kirchenvertretern eh so entgegenkommend und wohlwollend ist. Da als Bischof, der dazu noch in der Bischofskonferenz eine besonders wichtige Stellung einnahm, rechtskräftig verurteilt zu werden, ist schon eine ganz besondere „Leistung“.

Die Berufung eines Priesters, der sich zuvor übergriffig gegen Frauen verhalten hatte, in das so wichtige Amt eines Regional- oder Bezirksdekans durch den Vorsitzenden der Bischofskonferenz in der Bundesrepublik war ein eigener Skandal, der ins üble Bild passt (siehe Gedanken zur Woche Gedanken zur Woche 157 – 5. FASTENSONNTAG (2023) und 206-b – 3. FASTENWOCHE (2024) und allgemein Gedanken zur Woche 279-b – 17. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Mit so etwas wird man eben nicht glaubwürdiger. Der weiterfortschreitende Rückgang des Katholikenanteils an der Bevölkerung in der Bundesrepublik wie in benachbarten Ländern verwundert da umso weniger. Dies gilt auch für das weiterhin so rapide Schrumpfen bei den Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften und bei den Priesterzahlen.

Ostern als Fest der Auferstehung steht doch für Neuaufbruch. So einen wirklichen Neuaufbruch zu unternehmen ist gerade in unserer Zeit nötig. Mancher schwere Stein muss, bildhaft gesprochen, noch weggerollt werden. Für den Weg in eine glaubwürdige Zukunft müssen die Wächter des bisherigen Systems ihre Schrecken verlieren. Auch da kann man vom Ostermorgen und von betreffenden künstlerischen Darstellungen Anregungen gewinnen.

 

Osternacht:

1. Lesung: Gen 1,2-2,2
2. Lesung: Gen 22,1-18
3. Lesung: Ex 14,15-15,1
4. Lesung: Jes 54,5-14
5. Lesung: Jes 55,1-11
6. Lesung: Bar 3,9-15.32-4,4
7. Lesung: Ez 36,16-17a.18-28
8. Lesung: Röm 6,3-11
Evangelium: Mt 28,1-10

Ostersonntag:
1. Lesung: Apg 10,34a.37-43
2. Lesung: Kol 3,1-14 oder 1 Kor 5,6b-8
Evangelium: Joh 20,1-18 oder Lk 24,1-12;
bei der Abendmesse gegebenenfalls auch Lk 24,13-35

 

 

 

Gedanken zur Woche 315-b, Dr. Matthias Martin

OSTEROKTAV einschließlich OSTERMONTAG (2026)

Die Bedeutung von OSTERN als höchstem Fest der Christenheit wird durch die Feier des OSTERMONTAGS unterstrichen und überhaupt dadurch, dass die OSTEROKTAV als solche eigens begangen wird. Eigene Bezeichnungen werden in diesem Zusammenhang verwendet (siehe Gedanken zur Woche 210-b – OSTEROKTAV einschließlich OSTERMONTAG (2024)).

In nicht wenigen Ländern und Territorien erfreut sich der OSTERMONTAG der Position eines arbeitsfreien Tages oder öffentlichen Feiertages. Dabei kann er wie überhaupt die Feier der OSTEROKTAV innerhalb des Jahres gemäß dem gregorianischen/Gregorianischen Kalender einmal früher und einmal später stattfinden. Die Fastenzeit einschließlich dem Palmsonntag, den Tagen der Karwoche/Heiligen Woche mit Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, dann der Ostersonntag und die sich daran anschließenden Tage der Osterzeit verschieben sich von Kalenderjahr zu Kalenderjahr. Dabei sollte hier wie zu anderen Gelegenheiten das Gemeinsame betont und ein gutes Miteinander gesucht werden.
Hass und Polemik sollten gemieden werden. Dies gilt heutzutage nicht zuletzt vor dem Hintergrund der empirisch so eindrücklich feststellbaren Krise im Leben der katholischen Kirche. Da können so etwas wie Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter offensichtlich aber nur schwer bis gar nicht der Versuchung widerstehen, durch Polemik gegen irgendjemanden ihren eigenen Frust loszuwerden und vielleicht auch irgendwelche Reihen hinter sich zu schließen versuchen.

Das beschädigt aber doch das christliche Zeugnis gegenüber der Welt. Man sollte doch eher versuchen, die verschiedenen Kräfte zu bündeln und damit für gute Inhalte zu arbeiten. Dazu gehört eben auch die Verteidigung arbeitsfreier Tage einschließlich der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von Feiertagen. Bei solchen Anliegen können sich eben auch Menschen treffen, welche nicht derselben Konfession, derselben parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Richtung angehören. Innerhalb der katholischen Weltkirche sind eigens die Angehörigen der verschiedenen Kirchen eigenen Rechts einschließlich besonderen liturgischen und kirchenrechtlichen Traditionen zu einem guten Zusammenwirken aufgerufen.
Dies gilt für Länder des deutschen Sprachraums unabhängig davon, ob tatsächlich schon in den nächsten Jahren die Entwicklung in Richtung starker Richtungsgewerkschaften vorangeht, was ja die Geschichte und die aktuelle Situation in so wichtigen europäischen Partnerländern nahelegt (siehe Gedanken zur Woche 265-b – OSTEROKTAV einschließlich OSTERMONTAG (2025)). Daran ändert auch die Möglichkeit nichts, dass diese Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich noch etwas länger dauert.
Die jüngsten Betriebsratswahlergebnisse in der bundesdeutschen Autoindustrie verdienen in diesem Zusammenhang eigene Beachtung.
In Hinblick auf Belgien mit Deutsch als einer der drei offiziellen Sprachen des Staatsverbandes stellt sich die Frage, ob es nicht auch im Gewerkschaftswesen zu einer stärkeren Aufgliederung nach regionalen und sprachlichen Gesichtspunkten kommt. Ansonsten ist die Dezentralisierung Belgiens schon weit vorangekommen. Der einstmals so straff geführte Einheitsstaat ist im Verlauf der bisher sechs Staatsreformen umgewandelt worden in einen ganz eigenen Verbund von zunehmend sich selber regierenden Regionen und Gemeinschaften. Derzeit schreitet die in der Zwischenzeit bei der jüngsten Regierungsbildung vereinbarte Auflösung des Senats als der zweiten Parlamentskammer eben dieses belgischen Staatsverbandes voran. Dieser hatte schon in den vorgehenden Jahrzehnten zusehends an Bedeutung verloren. Sein Umfang war deutlich reduziert worden. Längst wurden alle Direktmandate im Senat wie auch die dortigen Sitze für Mitglieder des Königshauses abgeschafft. Die Abschaffung des Senats wurde dadurch vorangetrieben, dass man selbst im Bereich von traditionell als regierungsfähig angesehener Parteien anfing, dazu überzugehen, Sitze, die der eigenen Partei im Rahmen des Kooptationssystems zuständen, gar nicht mehr zu besetzen.
Vielleicht kommt es ja analog zu dieser gesamtstaatlichen Entwicklung in Belgien zu einer Aufgliederung der bisher in verschiedenen Regionen und Gemeinschaften tätigen Bünde der Richtungsgewerkschaften in regionale Gewerkschaftsbünde bzw. in stärker an den ihrerseits so wichtig gewordenen Gemeinschaften des belgischen Staatsverbundes orientierte eigene Gewerkschafsbünde.

Im kirchlichen Bereich sollte man sich generell bemühen, egal wie die Entwicklung des Gewerkschaftswesens und anderer die Vertretung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betreffenden Einrichtungen eben etwa in Belgien weitergeht, die Zusammenarbeit zur Förderung des Gemeinwohls zu pflegen. Dies gilt dementsprechend grundsätzlich auch für die Bundesrepublik Deutschland und Österreich mit der dort eben noch vorhandenen stärkeren Orientierung am Modell von Einheitsgewerkschaften.

In Belgien stellt sich natürlich auch die Frage nach der Zukunft der für den ganzen so heterogenen Staatsverband zuständigen Bischofskonferenz. In den letzten Jahren hat die Versammlung der flämischen Bischöfe es bereits geschafft, öffentlich ein stärkeres eigenes Profil zu gewinnen. Sollte da nicht der Heilige Stuhl in Absprache mit den örtlichen Bischöfen an eine Aufwertung etwa der Versammlung der flämischen Bischöfe gehen? Natürlich ist dabei die besondere Situation des eine eigene Autonomieregion darstellenden Brüssels wie der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu berücksichtigten. Wäre die Errichtung je einer wallonischen und einer flämischen Bischofskonferenz wünschenswert? Mehr umgangssprachlich können ja inzwischen Formulierungen wie „flämische Bischofskonferenz“ begegnen.
Es stellt sich die Frage, inwieweit im Rahmen einer kirchlichen Umstrukturierung die eigentliche wallonische Sprache und die damit verbundene Kultur stärker berücksichtigt werden könnten. Dem Wallonischen ist bisher die Anerkennung als vierter Bundessprache in Belgien verweigert worden. Bisher wurde ihm nur der Status als so etwas wie eine staatlich anerkannte Regionalsprache zuerkannt. Im Bereich der Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften wurde seinerseits längst eine stärkere regionale Aufgliederung vollzogen. Das jeweilige Wirken von Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften im Gesundheits- und Bildungswesen hatte und hat sich zusehends nach der immer mehr eigenständigen Gesetzgebung und Verwaltung der verschiedenen Regionen und Gemeinschaften zu richten. Dies förderte natürlich die angesprochene Aufgliederung. Dabei kam es dann mitunter auch zum Anschluss an die Mitbrüder bzw. Mitschwestern in einem Nachbarland.
Letzteres wurde ganz handfest durch den Rückgang bei den Zahlen von Priestern und Ordensleuten gefördert. Diese Entwicklung hat längst auch in Belgien massiv durchgeschlagen.

Dass sich die Kirche großen Herausforderungen ausgesetzt sieht und dies nicht zuletzt die Priester belastet, ist nicht zu leugnen. Papst Leo XIV. ist seinerseits darauf in bemerkenswerter Weise eingegangen.
Dies verdeutlicht ein Blick auf die päpstlichen Gebetsanliegen für den Monat April 2026. Diese lauten eher allgemein

„Für Priester in Krisen“

und im Besonderen

„Wir beten für die Priester, die mit Momenten der Krise in ihrer Berufung kämpfen, dass sie die ihnen nötige Begleitung finden und dass die Gemeinschaften sie mit Verständnis und Gebet unterstützen.“

Keineswegs tut also Papst Leo XIV. so, als ob innerkirchlich alles in Ordnung wäre. Er bestätigt vielmehr, dass wir in sehr herausfordernde Zeiten leben, die gerade die Priester belasten. Ermattung, Motivationskrisen, sog. Burnout stellen für das offizielle Priestertum sehr ernste Herausforderungen dar. Probleme mit Alkohol, Medikamenten, Nikotin und generell der ganzen Bandbreite legaler, halblegaler und illegaler Drogen sind auch im Klerus vorhanden. Schon vor Jahren wurde dazu kirchenoffiziell eingeräumt, dass es sich hier nicht um Randprobleme oder Exotenfälle handelt.
So etwas gilt es ehrlich aufzugreifen, anstelle davon ablenken zu wollen.

 

 

 

Gedanken zur Woche 314, Dr. Matthias Martin

PALMSONNTAG (2026)

Der PALMSONNTAG ist einer der herausragenden Tage im Kirchenjahr. Er stellt den Beginn der KARWOCHE dar, welche auch die HEILIGE WOCHE genannt wird. Letztere Bezeichnung verdeutlicht wohl besonders verständlich für heute lebende Menschen mit deutscher Mutter- oder Umgangssprache die zentrale Stellung der mit dem PALMSONNTAG beginnenden Woche. Dabei ist hier wie in anderen Fällen natürlich auch ein aufmerksamer Blick in andere Sprachen interessant.
Wenn eine bestimmte Woche im kirchlichen Jahreskreis schon eigens „heilig/Heilig“ genannt wird, so muss sie eben im religiösen Sinne besonders wichtig sein. Dabei sind die Christinnen und Christinnen natürlich zu allen Zeiten des Jahres aufgerufen, nach Heiligkeit zu streben. Stets mögen wir uns im Rahmen unserer je eigenen Möglichkeiten für das Gute in der Welt einsetzen, uns bemühen, Gutes zu tun und Böses zu unterlassen. Fortwährend mögen wir dazu die Anregungen aus der Bibel wie aus der wohlgemerkt unverfälschten kirchlichen Überlieferung beherzigen. Man muss gerade heutzutage betonen, dass es dabei um die „unverfälschte“ katholische Überlieferung geht. Dass es bizarre und verheerende Fehlentwicklungen gerade in den letzten Jahrzehnten in so etwas wie dem katholisch-konfessionellen Bereich gab, lässt sich nicht leugnen. Dass kirchliche Spitzenleute wie Karl Lehmann, Julius Döpfner, Bernard Alfrink, Joachim Meißner und Theodore McCarrick mitunter regelrecht generalstabsmäßig Missbrauch ermöglichten bzw. selber begangen haben, ist zusehends offenbar geworden. Die Enthüllungsvorgänge haben ganze Bischofskonferenzen sowie eine ganze Reihe von Ordens- und ordensähnlichen Vereinigungen und auch von sog. neuen geistlichen Gemeinschaften gewissermaßen in Mitleidenschaft gezogen. Es entstand der Eindruck, es habe sich für solch übles Tun eine Art von Gewohnheitsrecht gebildet. Die gesellschaftliche Breiten- und Tiefenwirkung kirchlicher Missbrauchstäter und innerkirchlicher Missbrauchsförderer war und ist gewaltig. Solche Netzwerke verschwinden auch nicht so einfach. Die Verquickung allein schon von innerkirchlichem sexuellem und wirtschaftlich-finanziellem Missbrauch und der allgemeinen Politik ist gerade einmal in ersten Ansätzen aufgearbeitet worden, wenn überhaupt.

Dabei ist eben in all den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit immer wieder zu betonen, dass nichts zu Gewohnheitsrecht werden kann, was dem göttlichen Recht widerspricht. Darauf wird auch betont im CIC von 1983 in seiner ursprünglichen Fassung noch vor der Reform und der damit immerhin teilweisen Wiederverschärfung des kirchlichen Strafrechts hingewiesen. So lautet Canon/Kanon 24 Paragraph 1 dieses Codex/Kodex vom Januar 1983:

„Keine Gewohnheit kann die Kraft eines Gesetzes erlangen, die dem göttlichen Recht zuwiderläuft.“

Auch bei anderer Gelegenheit allein schon im CIC von 1983 und hier an Stellen, die zumindest bisher nicht geändert wurden, wird betont, dass etwas nicht zu Recht werden kann, das dem göttlichen Recht widerspricht.
So lautet Canon/Kanon 22 (siehe Gedanken zur Woche 282-b – 20. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)):

„Weltliche Gesetze, auf die das Recht der Kirche verweist, sind im kanonischen Recht mit denselben Wirkungen einzuhalten, soweit sie nicht dem göttlichen Recht zuwiderlaufen und wenn nicht etwas anderes im kanonischen Recht vorgesehen ist.“

Rechtssicherheit und damit verbundene Klarheit der rechtlichen Normen muss also gewährleistet sein. Sexueller Missbrauch wurde im kirchlichen Recht niemals gutgeheißen oder als moralisch bzw. rechtlich irrelevant dargestellt. Nach außen hin, gewissermaßen gegenüber der Öffentlichkeit, haben ja auch Missbrauchsermöglicher und eigentliche Missbrauchstäter die Übereinstimmung ihrer Handlungen mit den üblichen Rechtsnormen stets betont. Seine solchen staatliche wie kulturelle Grenzen überschreitende gewissermaßen offiziellen Rechtsnormen zuwiderlaufenden Verhaltensweisen haben betreffende Personenkreise ja nicht herausposaunt, sondern lieber nach Möglichkeit einen entgegengesetzten Eindruck vermittelt. Ihr Verhalten widersprach dabei direkt dem offiziell in Kraft befindlichen Recht. Missbrauch und seine Unterstützung sind stets als durch das Recht verworfen zu betrachten. Demensprechend kann umso weniger ein missbrauchsbefürwortendes Gewohnheitsrecht im kanonistischen Sinne entstehen. Dies wird durch die Lektüre von Paragraph 2 des Canons/Kanons 24 verdeutlicht:

„Eine widergesetzliche oder außergesetzliche Gewohnheit kann die Kraft eines Gesetzes nur erlangen, wenn sie vernünftig ist; eine Gewohnheit aber, die im Recht ausdrücklich verworfen wird, ist nicht vernünftig.“

Staatliches Recht wie internationale Konventionen einschließlich Erklärungen und Deklarationen zu den Menschenrechten verteidigen grundsätzlich in ihrer vorliegenden Form die Menschenwürde. Zur Menschenwürde gehört ganz grundsätzlich und umfassend das Recht auf sexuelle Unversehrtheit. Dementsprechend ist dieses Grundrecht auf sexuelle Unversehrtheit stets zu achten, unabhängig von parteipolitischen Überlegungen und den Beschlüssen irgendwelcher Kirchenversammlungen wie etwa internen Absprachen im Rahmen von Bischofskonferenzen. Auch das Recht auf sexuelle Unversehrtheit soll respektiert werden, sozusagen Döpfner und Lehmann hin und Alfrink und Höffner her. Gerade in Sinne eines gewissermaßen traditionellen Schöpfungsverständnisses ist diese Würde von Gott gegeben. Sie kommt einem Kleinkind ebenso zu wie etwa einem Jugendlichen und einer erwachsenen Frau. Die Menschenwürde ist auch hier zu achten zu jeder Zeit während des Jahres. Sie steht jedem Menschen zu über alle möglichen sozialen, ethnischen, staatsbürgerrechtlichen und anderen Unterschiede zwischen den Menschen hinweg.

Eine unverbogene und unkorrumpierte Auffassung vom göttlichen Recht bestätigt die konsequente Verurteilung jeder Art von sexueller Übergriffigkeit. Dem positiven göttlichen Recht, dem ius divinum positivum, etwa können Aussagen aus der Bibel zugewiesen werden. Das Naturrecht, das ius divinum naturale, ist in den Menschen als Menschen grundgelegt. Nach Auffassung seiner Vertreterinnen und Vertreter ist es namentlich nicht gebunden an eine bestimmte Religion oder Konfession, sondern gilt grundsätzlich für alle Menschen. In diesem Sinne weist uns Canon/Kanon 220 unabhängig von den Forderungen nach einer weitergehenden (Wieder-)Verbesserung des kirchlichen Strafrechts in Richtung des Naturrechts (siehe Gedanken zur Woche 147-b – 2. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023)):

„Niemand darf den guten Ruf, den jemand hat, rechtswidrig schädigen und das Recht einer jeden Person auf den Schutz der eigenen Intimsphäre verletzen.“

Es ist logisch, dass den betroffenen Menschen auch die Verteidigung ihrer Rechte zusteht. Für den Bereich des Kirchenrechts der Lateinischen Kirche und damit verbundene Seelsorge- und Verwaltungsstrukturen spricht dazu seinerseits Paragraph 1 des gegenwärtigen CIC-Canon/Kanon 221 eine einigermaßen deutliche Sprache:

„Den Gläubigen steht es zu, ihre Rechte, die sie in der Kirche besitzen, rechtmäßig geltend zu machen und sie nach Maßgabe des Rechts vor der zuständigen Behörde zu verteidigen.“

Dabei erkennt das Kirchenrecht ganz fundamental in seiner geschriebenen Form auch das Recht an, dass sich Opfer sexueller Übergriffe oder anderer Untaten auch an weltliche Behörden wenden, etwa indem sie Strafanzeige erstatten oder bei einer Polizeidienststelle eine Aussage machen. Konkordate und andere Vereinbarungen des Heiligen Stuhles mit Staaten und anderen politischen Einrichtungen erkennen die betreffende staatlich-weltliche Ordnung an. Die fortdauernde Geltung solcher Vereinbarungen wird fortwährend durch den Heiligen Stuhl, auch genannt der Apostolische Stuhl, bestätigt. Grundsätzlich geschieht dies in Canon/Kanon 3 des CIC und Canon/Kanon 4 des CCEO.
Relevant werdendes Strafrecht, Gerichts- und Polizeiwesen gilt also auch für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschließlich solche mit sog. höheren (kirchlichen) Weihen.

 

1. Lesung: Jes 50,4-7
2. Lesung: Phil 2,6-11
Evangelium: Mt 21,1-11 und Mt 26,14-27,66

 

 

 

Gedanken zur Woche 314-b, Dr. Matthias Martin

HEILIGE WOCHE/KARWOCHE (2026)

Die KARWOCHE besitzt in vielfältiger Hinsicht Bedeutung. Natürlich kommt ihr zunächst eine enorme innerkirchlich-konfessionelle Wichtigkeit zu. Diese umfasst mehr als eine Konfession und auch mehr als einen der Hauptzweige von Christentum in dieser Welt. Dabei kann unter einem Begriff wie „Hauptzweig des Christentums“ ganz unterschiedliches verstanden werden. Mag der eine Begriffsinhalt mehr als bedenklich sein, so kann eine andere Wortbedeutung durchaus harmlos, ja vielleicht nützlich sein.

Dass mit ein und demselben Wort durchaus verschiedene Inhalte assoziiert werden können zeigte sich schon in der frühen Christenheit. Wer sich mit Kirchengeschichte, Trinitätstheologie und Christologie beschäftigt hat, mag da spontan an den Begriff, das Wort „homoousios“ denken. Diese Vielschichtigkeit bis innere Widersprüchlichkeit dieses einen Wortes trug im 4./vierten Jahrhundert einiges zur Verschärfung der Kontroversen rund um das erste Konzil von Nicäa, Arius und Athanasius von Alexandrien, auch genannt der Große, bei.
Der Begriff „Zweig“ oder „Hauptzweig des Christentums“ kann neutral-beschreibend verwendet werden. Er kann sogar freundlich-einladend gemeint sein. Dabei wurde diese Terminologie zunächst im englischen Bereich in bewusst antikatholischer Stoßrichtung entwickelt. Die verschiedenen mehr oder minder protestantischen Zweige von Christentum einschließlich der in sich schon so inhomogene und inzwischen sich zusehends aufsplitternde Anglikanismus, das Anglikanertum sollten sich demnach in gemeinsamer Frontstellung insbesondere gegen die katholische Kirche zusammentun. Dass Päpste in Rom wie katholische Bischöfe in England, Wales, Schottland und anderen besonders betroffenen Gebieten davon keineswegs begeistert waren, ist zumindest nachvollziehbar. Ganz anders verhielt und verhält es sich, wenn die Terminologie von Zweigen und Hauptzweigen des Christentums etwa von freundlich gesinnten Freikirchenvertretern verwendet wurde bzw. wird, um die katholische Kirche in Hinblick auf Verständigung und Zusammenarbeit anzusprechen. Das kann dann immer wieder auch mit betont kritischer Spitze gegen die englische und die skandinavischen Staatskirchen gerichtet sein.

Dabei gibt es auch in Judentum und Islam seit jeher unterschiedliche Strömungen und mehr oder minder intensive Richtungskämpfe.

Möglicherweise werden sich in christlichen Konfessionen engagierte Menschen allmählich bewusster, dass dies auch und gerade schon für das Judentum in neutestamentlicher Zeit galt. So kann es in mancher Verfilmung des Wirkens Jesu von Nazarets einschließlich seines Einzugs in Jerusalem, dem Letzten Abendmahl, seiner Verhaftung, dem sog. Prozess Jesu und der Kreuzigung begegnen, dass diese innerjüdische Spaltung der damaligen Zeit deutlich ins Bild gesetzt wird.
Die Tätigkeit der Sadduzäer als den prorömischen Kollaborateuren mit ihrem anschließenden Verschwinden im Wesentlichen mit Ausgang des Ersten Jüdischen Krieges oder Ersten Jüdischen Aufstandes hat wohl inzwischen mancher und manchem zu denken gegeben. Das Verhalten der Sadduzäer als ihre eigenen Geschäfte verfolgenden Handlangern des römischen Imperiums samt ihrem dazu genau passenden Verhalten gegen Jesus und dann gegen die Urgemeinde zu Jerusalem wird durchwegs negativ gesehen. Dann wird wahrgenommen, dass eben diese sadduzäische Richtung alsbald aus der Geschichte ruhmlos verschwand. Verbunden ist damit eine allmählich freundlichere oder differenziertere Betrachtung der Pharisäer. Tatsächlich bestanden allein diese schon aus zwei Hauptrichtungen. Diese wiederum besaßen ihr je eigenes inhaltlich-theologisches Profil. Überhaupt hat es schon damals eine entwickelte innerjüdische Diskussions-, ja Streitkultur gegeben. Es ist eigens interessant zu betrachten, inwieweit so etwas jüdisches Selbstverständnis beeinflusste und beeinflusst.

Die innerjüdischen Meinungsverschiedenheiten werden immer wieder auch in Jerusalem deutlich. Weiterhin stehen grenzüberschreitend strengorthodoxe Juden dem Staat Israel ablehnend gegenüber. Dies kann Ausdruck finden in bitteren Worten und heftigen Handlungen. Es gibt dazu nicht wenige jüdische Menschen, welche Verständnis für die Wünsche der Palästinenser bekunden bis hin, dass sie aktiv für deren Belange eintreten. So ein Verhalten findet sich sowohl bei sehr orthodoxen, gewissermaßen streng konservativen, Juden, wie im progressiven Bereich jüdischer Gesamtüberlieferung. Ist dann etwa eine christliche Einrichtung oder konfessionelle Gemeinschaft mit einer jüdischen Gruppierung oder Vereinigung in einem guten Verhältnis, so kann dies das Verhältnis zu anderen Juden eigens belasten. Die Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung ist unter sich als Juden verstehenden Menschen keineswegs unumstritten. Ist diese Regierung mit ihren Getreuen bekanntlich sehr gegen die diplomatische Anerkennung des Staates Palästina, so gibt es wahrnehmbar auch jüdische Kreise, die palästinensischer Staatlichkeit und einer betreffenden diplomatischen Anerkennung ausgesprochen positiv gegenüberstehen.
Innerjüdische Meinungsverschiedenheiten führten auch in jüngster Zeit zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt sind die Zuständigkeitsregeln für die Klagemauer am Tempelberg umstritten. Weiterhin lehnen streng orthodoxe Juden den Dienst in der Israelischen Armee ab.

So stellt das Wirken der katholischen Kirche allein schon in der Stadt Jerusalem eine spannende Herausforderung dar. Der Heilige Stuhl als Völkerrechtssubjekt eigener Art unterhält weiterhin volle diplomatische Beziehungen sowohl zum Staat Israel wie zum Staat Palästina. Dies gilt beispielsweise auch in Hinblick auf die Republik Libanon und das Königreich Jordanien. Dabei sollten die Einflussmöglichkeiten des Vatikans nicht überschätzt werden. So hat es doch in einer Reihe von Fällen recht lange gedauert, bis überhaupt die Staaten ihrerseits Palästina anerkannten, die das bisher getan haben (siehe Gedanken zur Woche 298 – 2. ADVENTSONNTAG (2025) und Gedanken zur Woche 298-b – 2. ADVENTWOCHE einschließlich HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESGEBÄRERIN MARIA (2025)). Verschiedene Staaten mit Regierungschefs bzw. Staatsoberhäupter, die Wert darauflegen, so katholisch oder zumindest irgendwie christlich zu sein, verweigern dies weiterhin. Dabei wich der Heilige/Apostolische Stuhl weiterhin nicht von seiner Forderung nach der Verwirklichung eines lebensfähigen und international anerkannten palästinensischen Staates ab. Innerhalb der christlichen Ökumene stand und steht er damit nicht allein. Man denke dazu nur an den „Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen“ mit der in den letzten Jahren erfolgten besonderen Würdigung Taiwans, Palästinas und der Cook Inseln/Cookinseln (siehe Gedanken zur Woche 263 – 5. FASTENSONNTAG (Passionssonntag) (2025)).

Weiterhin schwierig bis sehr schwierig ist eigens auch die internationale Lage etwa für die Cook Inseln/Cookinseln und die Republik Taiwan, die ihrerseits beide vom Heiligen Stuhl diplomatisch anerkannt sind. Jeweils unterhält man dementsprechend volle diplomatische Beziehungen miteinander. Auch zahlreiche Staaten mit katholischer Bevölkerungsmehrheit erkennen mitunter keinen dieser beiden diplomatischen Partner des Vatikans an. Dabei bestehen ja vor Ort in beiden Staaten für die katholische Kirche freundliche Bedingungen. Der Gewinn von diplomatischen Anerkennungen für die Cook Inseln/Cookinseln verläuft eher schleppend. Besonders schwierig ist die Situation für die Republik Taiwan.
Vielleicht rafft man sich ja beim nächsten bundesdeutschen Katholikentag dazu auf, mit einer deutlichen Resolution von der Bundesregierung die diplomatische Anerkennung Palästinas und Taiwans zu fordern. Es geht hier immerhin auch um das Schicksal ganzer Ortskirchen.
Lediglich die Cook Inseln/Cookinseln aus dieser Dreiergruppe von Staaten wurden bisher bundesdeutscherseits diplomatisch anerkannt. Schon vor der Abhaltung des betreffenden Katholikentages könnten im betreffenden Sinne des Eintretens für die Anerkennung des Staates Palästina und der Republik Taiwan die bundesdeutsche Bischofskonferenz und das sog. Zentralkomitee der deutschen Katholiken/ZdK vernehmbar tätig werden. Oder hat man wirklich so viel Angst um die Fortdauer von Staatszuschüssen, von staatlicher Eintreibung der Kirchensteuer und der betont schonenden Behandlung kirchlicher Missbrauchstäter und ihrer kircheninternen Förderer?
Der kommende Katholikentag in Würzburg könnte als Gelegenheit genutzt werden, auch so etwas offenherzig zu diskutieren! Die Glaubwürdigkeitskrise des offiziellen Kirchenwesens gerade in der Bundesrepublik Deutschland stellt unleugbar eine tiefgreifende wie umfassende Herausforderung dar.

 

 

 

Gedanken zur Woche 313, Dr. Matthias Martin

5. FASTENSONNTAG (Passionssonntag) (2026)
Die Reichhaltigkeit kirchlicher Überlieferung wird nicht zuletzt beim FÜNFTEN/5. FASTENSONNTAG rasch deutlich. So kann dieser Sonntag vor dem Palmsonntag im Deutschen auch PASSIONSSONNTAG genannt werden. Und dann ist da noch der von der traditionellen, gerne als tridentinisch bezeichneten, Liturgie herkommende lateinische Namen für diesen Sonntag in der Fastenzeit. Vom Introitus dieser mit so klingenden Namen wie Gregor der Große, Pius V., Johannes XXIII., aber eben auch Agatha Christie (Gedanken zur Woche 114-b – 7. OSTERWOCHE (2022) und John R. R. Tolkien (siehe Gedanken zur Woche 253-b – 3. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)) verbundenen Liturgieform kommt der lateinischen Namen JUDICA (siehe Gedanken zur Woche 312 – 4. FASTENSONNTAG (LAETARE) (2026)). Natürlich mögen gerade Freundinnen und Freunden des internationalen Filmschaffens auch die Namen dort unsterblich gewordener Namen fiktionaler Heldengestalten wie Don Camillo und Ralph (Raoul) de Bricassart in den Sinn kommen, wenn es um diese Form katholischer Messfeiern geht. Befürworterinnen und Befürworter eines positiven Zusammenwirkens von Kirche und Naturwissenschaften können dazu spontan etwa an Gregor XIII., Niels Stensen, Gregor Mendel und George Lemaître denken. Noch vor dem für die Ordnung der Liturgie so wichtig werdenden Konzil von Trient wirkte der katholische Geistliche und Astronom Nikolaus Kopernikus wie auch die heilige Hildegard von Bingen.
Die lateinischen Bezeichnungen für die Fastensonntage und für andere Tage im christlichen Jahreskreis sind auch in ökumenischer Hinsicht nützlich zu kennen.

Religiös-konfessionelle Gemeinschaften können wie in ganz verschiedenen anderen Bereichen mit der Pflege des sprachlich-linguistischen Erbes der jeweiligen Gesellschaft und überhaupt der Menschheit einen Dienst erweisen. Möglichst tiefgehende und breit aufgestellte Sprachkenntnisse können differenziertes Denken und Argumentieren fördern. Wenn es grundsätzlich gilt, dass die Sprache die Welt ist, in der ein Mensch lebt, so wird mit reichhaltigerer Sprache, mit einer Pflege von Sprachkompetenz diese persönliche Lebenswelt reicher und weiter. Die Kenntnis von aus der Mode oder schon ganz aus dem Gebrauch gekommenen Worten kann helfen, unabhängiger zu sein gegenüber einmal aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Modetrends. Klassiker der Weltliteratur können bei aufmerksamer Lektüre zur Beschäftigung mit der Geschichte, unterschiedlichen Erscheinungsweisen menschlicher Kultur und etwa staatlich-gesellschaftlichen Modellen anregen. Die „Vereinfachung“ von Sprache ist um so mehr mit Vorsicht, ja Misstrauen zu betrachten. Sprache prägt doch Denken. Dementsprechend sollen Menschen guten Willens an der Förderung sprachlich-linguistischer Differenzierungskompetenz interessiert sein. Je mehr Worte und sogar ganze Sprachen verloren gehen, desto mehr verlieren Menschen zum einen Möglichkeiten, sich gerade bezüglich komplizierter Sachverhalte auszudrücken. Zum anderen werden Menschen in ihren Möglichkeiten beschränkt, ihre Mitmenschen zu verstehen. Bei der Propagierung von „Einfacher Sprache“ sollte man gleich sich zumindest selber im guten Sinne kritisch fragen, wer denn da vorgibt oder vorgeben will, was in einer solchermaßen „vereinfachten“ Sprache noch enthalten sein darf, was nicht und was vielleicht neu in sie eingebracht werden soll. Es war gerade George Orwell, der in seinem warnenden Zukunftsroman „1984“ die Manipulation von Sprache und da gerade die gezielte Eliminierung von Worten durch die regierende Partei im totalitären Staat Ozeanien vor Augen stellt. Ziel des herrschenden Apparates ist es dort, den verfügbaren Wortschatz so zurecht zu stutzen, dass Menschen gar nicht mehr in der Lage wären, eigene Gedanken jenseits der offiziellen Parteilinie zu entwickeln. Konsequenterweise werden in diesem fiktiven Superstaat Ozeanien mit dem Großen Bruder als seiner nicht zu hinterfragenden Führungsgestalt bereits sog. „Gedankenverbrechen“ bestraft. Wer auch nur etwas Falsches in diesem Ozeanien denkt, ist in diesem System bereits ein „Gedankenverbrecher“. Solche „Gedankenverbrecher“ aufzuspüren ist vor allem die gefürchtete „Gedankenpolizei“ ohne Unterlass bestrebt. Solche entlarvten mehr oder minder Feinde des Regimes werden dann im „Ministerium für Liebe“ oder „Ministerium der Liebe“ menschlich zerbrochen. Für das Regime Unangenehmes oder gar direkt Oppositionelles soll gar nicht mehr gedacht werden.
Käme es aber dennoch zu etwas wie für die herrschende Partei „falschem“ Denken, so soll dieses nach Möglichkeit nicht mehr artikuliert werden können. Sollte ein oppositioneller Gedankengang überhaupt noch einigermaßen klar ausgesprochen werden, so soll der Gesprächspartner auf der Grundlage seines durch die Partei bestimmten und gezielt begrenzten, also „einfachen“ Wortschatzes diesen Ausführungen am Besten nicht mehr folgen können. Dabei betont George Orwell in diesem seinen berühmtesten Einzelwerk, dass auch die beiden anderen Superstaaten in „1984“, Eurasien und Ostasien auf dieselbe Weise funktionieren. Hier wie dort werde seitens der Herrschenden mit denselben Methoden gearbeitet.

Der aufmerksame Blick in die Vergangenheit einschließlich der Beschäftigung mit veraltenden und veralteten Worten der eigenen Sprache sowie mit alten Sprachen kann schon etwas den Gefahren der „Vereinfachung“ von Sprache entgegensteuern. Dabei verbinden sich etwa in Literaturklassikern wie „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller verschiedene Ebenen auf ganz wertvolle Weise. So fördert die Lektüre dieses Dramas natürlich den eigenen Wortschatz. Es wird aber auch schon in diesem so lange vor dem Wirken Goerge Orwells verfassten Werk der Missbrauch politischer Macht und die damit verbundene Zerstörung von Menschen thematisiert. Passend zur Zuspitzung bei Orwell mit der ständigen Umschreibung der Geschichte im Dienste des herrschenden Apparates mit London als Mittelpunkt des Geschehens wird bereits bei Schillers „Maria Stuart“ die manipulative Wirkung von Staatskirche eben auch in England vor Augen gestellt bzw. zu Gehör gebracht. Werden bei Orwell hierbei frühere Zeitungsausgaben immer wieder nachbearbeitet und neuverfasste Artikel zurückprojiziert, so ist es in dem Werk Schillers eigens die Einführung eines jeweils neuen Glaubensbekenntnisses und im Laufe der Jahre aufeinander folgender Glaubensbekenntnisse eben in und durch die Staatskirche. Dabei handelt es sich bei diesem Drama Schillers um die dramaturgische Aufbereitung betreffender tatsächlicher historischer Ereignisse. „Maria Stuart“ ist nicht eine Zukunftsfiktion oder ähnliches. Wie „1984“ hat aber auch dieses Drama eine sehr wichtige Warnfunktion.

Dabei haben erst jüngste bildungspolitische Diskussionen in Österreich für viele Menschen überraschend verdeutlicht, auf welches Interesse heutzutage noch oder vielleicht schon wieder das Lateinische stößt. Dabei waren offizielle Kirchenvertreter sicher gut beraten, sich bei dieser Gelegenheit nicht in mehr oder minder parteipolitische Auseinandersetzungen hineinziehen zu lassen. Dies ist ganz im Sinne des allgemeinen Kirchenrechts. So wird sowohl im CIC, dem CODEX IURIS CANONICI, für die Lateinische Kirche wie im CCEO, dem CODEX CANONUM ECCLESIARUM ORIENTALIUM, nahgelegt, nicht Menschen wegen parteipolitischer Angelegenheiten auszugrenzen. Ja, es wird in beiden so wichtigen Codices sehr in Richtung einer parteipolitischen Offenheit der kirchlichen Hierarchie gewiesen.

So können wir in Paragraph 2 von Canon/Kanon 287 des CICs tatsächlich bezüglich der Kleriker nachlesen:

„In politischen Parteien und an der Leitung von Gewerkschaften dürfen sie nicht aktiv teilnehmen, außer dies ist nach dem Urteil der zuständigen kirchlichen Autorität erforderlich, um die Rechte der Kirche zu schützen oder das allgemeine Wohl zu fördern.“

Es wird hier grundsätzlich nicht zwischen verschiedenen Parteien und etwa miteinander im Wettbewerb stehenden Richtungsgewerkschaften unterschieden.
In diese Richtung geht ganz stark auch der CCEO, in welchem Canon/Kanon 384 Paragraph 2 in Hinblick auf die Geistlichen lautet:

„In politischen Parteien und in der Leitung von Gewerkschaften dürfen sie nicht aktiv beteiligt sein, wenn dies nicht nach dem Urteil des Eparchialbischofs bzw., wenn es das Partikularrecht so verlangt, des Patriarchen oder einer anderen Autorität der Schutz der Rechte der Kirche oder die Förderung des Gemeinwohls erforderlich macht.“

 

1. Lesung: Ez 37,12b-14
2. Lesung: Röm 8,8-11
Evangelium: Joh 11,1-45

 

 

 

Gedanken zur Woche 313-b, Dr. Matthias Martin

5. FASTENWOCHE einschließlich HOCHFEST VERKÜNDIGUNG DES HERRN (2026)

Es ist zu hoffen, dass Christinnen und Christen die Woche vor dem PALMSONNTAG und damit dem Beginn der auch HEILIGE WOCHE genannten KARWOCHE im guten Sinne intensiv nutzen. Hat es bis dahin vielleicht nicht so gut mit der Umsetzung der Vorsätze für diese Fastenzeit geklappt, so mag man sich noch einmal eigens aufraffen. Das Meiden legaler, halblegaler und illegaler Drogen fördert eh zu jeder Jahreszeit die eigene Gesundheit. Beim Rauchen ist es besonders stark offenkundig, dass mit einem dahingehenden Verzicht auch die Gesundheit der Menschen der eigenen Umgebung gefördert wird. Gerade in Zeiten wieder steigender Inflationsraten ist der finanzielle Einsparungseffekt beim Verzicht auf bestimmte Konsumgüter und Vergnügungen erst recht interessant. Dazu ist eine weitere Verschärfung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage tatsächlich zu erwarten. Dies wird durch die rapide ansteigende Staatsverschuldung noch verstärkt. Davon sind sehr direkt sowohl etwa die USA wie die Bundesrepublik Deutschland betroffen. Die dort sogar unter Änderung des Grundgesetztes massiv hochgefahrene staatliche Neuverschuldung wird ganz offensichtlich bei weitem eh nicht in dem versprochenen Maße für nützliche Investitionen verwendet. Inzwischen wurde gerade im Rahmen des Europaparlaments der EU auch aus dem Bereich der traditionellen Regierungsparteien zugegeben, dass der Merkel-Macron-Plan zu umfangreichen Betrügereien genutzt wurde. Schon vorher hatte die italienische Justiz heftig in diese Richtung ermittelt und sich nicht gescheut, Wahrheiten ans Licht zu bringen, die für die bundesdeutsche „Mutti“ wie den „schönen Mann aus Frankreich“ mit ihren Unterstützern alles andere als schmeichelhaft sind. Politik nicht zuletzt danach auszurichten, den Applaus in einem bayerischen Bierzelt zu erzielen, ist eben doch etwas kurz gegriffen. Da spielt es keine politische Rolle, wie viele Bierzeltbesucher nachher oder schon während der Veranstaltung infolge starken Alkoholkonsums tatsächlich medizinischer Hilfe bedurften. Auch das persönliche Entzücken über das für mache so anregende Aussehen des französischen Staatsoberhauptes gerade eben in Zusammenhang mit der Präsentation dieses Merkel-Macron-Plans ändert nichts daran, dass Korruption eben Korruption ist, rapide wachsende Staatsverschuldung und eine steigende Inflationsrate sehr ernste Probleme darstellen.
Offensichtlich haben gerade mutige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der italienischen Justiz zu so etwas eh ihre eigene Meinung gehabt und danach gehandelt. Dieses Mal wurde offensichtlich gar nicht mehr versucht, mit Mordanschlägen und dergleichen auf italienischem Staatsgebiet den Gang betreffender Ermittlungen einzubremsen. Die bewusste Abgrenzung gegenüber dem durch Macron angeführten französischen Regierungsapparat durch Papst Franziskus, die zu ganz verschiedenen Gelegenheiten deutlich wurde, wurde gar nicht mehr in der Öffentlichkeit angegriffen. Macron, seine eigene Regierung zu Paris und seine insbesondere bundesdeutschen Fans ließen dies zumindest in der Öffentlichkeit auf sich sitzen. Papst Leo XIV. hat inzwischen diesen bemerkenswerten Abgrenzungskurs fortgesetzt. Ganz deutlich war nicht zuletzt die kritische Haltung führender Kreise der islamischen Welt etwa gegenüber der gegenüber dem Christentum regelrecht beleidigenden Eröffnungsveranstaltung zu den Olympischen Sommerspielen in Paris am 26. Juli 2024. Ja, richtig, führende Persönlichkeiten sowohl der sunnitischen wie der schiitischen Hauptrichtung des Islams äußerten ihre Empörung über die Beleidigung ihrer christlichen Gesprächspartner, Freunde oder Mitbürger durch die Ausführungsorgane des französischen Präsidenten. Seinerseits verurteilte der Vatikan ungewöhnlich deutlich dieses Schauspiel. Selbst die sonst so begeisterten bundesdeutschen Verehrer Macrons zogen es vor, öffentlich so zu tun, als ob nichts passiert wäre und zogen sich derart nach Möglichkeit aus der mehr als peinlichen Affäre.

Dabei sind die enormen Haushaltprobleme seit diesen Vorfällen noch deutlicher geworden. Das für die eigene Klientel so großzügige französische Sozialsystem steht massiv unter Druck. Als zumindest sehr belastet ist die finanzielle Situation der Europäischen Union/EU einzustufen. Wohin das noch führt, ist nicht abzusehen. Auf welche finanziell relevanten Zusicherungen und bisherige Sicherungseinrichtungen und welche Sozialversicherungen kann man sich vor allem auf Dauer noch verlassen?

Persönliche Sparsamkeit ist da umso mehr naheliegend. Der Verzicht auf Konsum spart eben Geld, egal ob man etwa mit dem Rauchen aufhört oder das Alkoholtrinken zumindest einschränkt. Mit der Thematisierung der negativen Folgen des Alkoholkonsums erschienen in neuer Zeit wiederholt Beiträge in internationalen Medien. Ganz bemerkenswert etwa ist da ein Artikel in der „New York Times“ über die üblen Auswirkungen von Alkohol auf die Psyche und das Gehirn eines betroffenen Menschen ( https://www.nytimes.com/2026/03/03/well/mind/alcohol-emotions-hangovers.html?campaign_id=190&emc=edit_ufn_20260313&instance_id=172477&nl=from-the-times®i_id=101471150&segment_id=216639&user_id=6b93b1ee26b68e49bf54b29fd2f8fe5f). Um die Fastenzeit zur Befreiung von einem falschen, gesundheitsschädlichen und finanziell kostspieligen Verhalten zu nutzen, muss man also nicht Anhängerin oder Anhänger einer bestimmten konfessionellen Überlieferung sein.

Die Bedeutung rationaler Überlegung und wissenschaftlicher Anstrengung hat dabei genau während dieser Fastenzeit Papst Leo XIV. auf kreative Weise herausgestellt. Er sandte tatsächlich eine eigene Botschaft an die Vorsitzenden des Internationalen Tages der Mathematik. Damit praktizierte er eigens auch Wertschätzung für das wissenschaftliche Wirken von Frauen. In der Eröffnung der päpstlichen Botschaft wurde Frau Professor Betül Tanbay direkt und mit ihrem vollen Namen angesprochen. In seinem Schreiben betonte Leo XIV. die ethische bzw. moralische Dimension der neuen Technologien. Ausdrücklich ermutigte der Papst zu wissenschaftlichem Engagement (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/en/messages/pont-messages/2026/documents/20260313-messaggio-giornata-matematica.html). Damit wies er deutlich erneut den Irrweg des Fideismus zurück. Dieser Verirrung zufolge hätte etwa für Christinnen und Christen nur der Glaube, lateinisch fides, und nicht die Vernunft zu zählen.
Passend dazu wurde in den internationalen Medien darauf hingewiesen, dass Papst Leo XIV. selber ein ausgebildeter Mathematiker ist. Ja er wurde sogar als Mathematiker-Papst bezeichnet. Auch konnte man die würdigende Bezeichnung als Mathematiklehrer-Papst finden. Verschiedentlich wurde betont, dass der jetzige Papst einst selber Mathematik und Physik unterrichtete. Er hat also schon in jungen Jahren konsequent Stellung gegen die irreführende Ideologie des Fideismus bezogen.

Dabei kann Mathematik gerade in unseren Tagen helfen, die Krise im kirchlichen Leben zumindest einigermaßen klar zu sehen. Die jetzt veröffentlichten Zahlen über die neueste Entwicklung des kirchlichen Lebens sowohl der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland als auch der Evangelischen Kirche Deutschlands, abgekürzt EKD, sprechen dann eine erst recht sehr deutliche Sprache. Die Kirchenaustrittszahlen verbleiben auf einem ganz hohen Niveau. Vor einigen Jahren galten solche Zahlen noch als unvorstellbar. Jetzt ereignen sich solche massenweisen Kirchenaustritte in den beiden irgendwie traditionellen Großkirchen in der Bundesrepublik Jahr um Jahr. Dass dort längst mehr Konfessionslose/Konfessionsfreie leben als offizielle Mitglieder dieser beiden Konfessionen zusammen (siehe Gedanken zur Woche 310-b – 2. FASTENWOCHE (2026)) verstärkt sich mit beachtlicher Geschwindigkeit. Man mag diese Geschwindigkeit als atemberaubend ansehen. Dies wird auch dadurch gefördert, dass weiterhin mehr Beerdigungen als Taufen hier wie dort stattfinden. Bisherige Schrumpfungsprognosen müssen vor diesem zahlenmäßig-empirischen Hintergrund, bildhaft gesprochen, nach oben korrigiert werden. Damit nimmt auch das Einschüchterungspotential von Kirchenleitungen immer mehr ab. Deren Kritiker finden allmählich in der Rechtsprechung mehr Gehör.
Vielleicht leitet da ein ganz neues Urteil des Europäischen Gerichtshofes, abgekürzt EuGH, einen dazu noch sehr raschen Dammbruch ein.

 

 

 

Gedanken zur Woche 312, Dr. Matthias Martin
4. FASTENSONNTAG (LAETARE) (2026)

Der VIERTE FASTENSONNTAG zeichnet sich ja zusammen mit dem DRITTEN ADVENTSONNTAG/ADVENTSSONNTAG allein schon dadurch aus, dass sein eigener lateinischer Name noch etwas präsent ist in Teilen der Bevölkerung, gerade bei mehr oder minder praktizierenden Mitgliedern mehr als einer christlichen Konfession.
Ist das beim VIERTEN FASTENSONNTAG eben LAETARE als so etwas wie der Eigenname, so wird der DRITTE ADVENTSSONNTAG lateinisch GAUDETE genannt. Dabei gibt es auch für die anderen Fastensonntage lateinische Namen. Diese Namen oder Bezeichnungen kommen von den Eröffnungsworten des traditionellen Introitus her. Dieser Teil der traditionellen oder tridentinischen Liturgie hat meistens etwas aus dem alttestamentlichen Buch der Psalmen als zentrales Element. Es kann auch etwas aus einem anderen biblischen Buch hierzu Verwendung finden. Seltener ist, dass an dieser Stelle der traditionellen Messliturgie etwas aus außerbiblischer Literatur begegnet. Dafür kommt dann insbesondere der Überlieferungsschatz der ersten christlichen Jahrhunderte in Frage.
Interessiert man sich für die lateinischen Namen der Fastensonntage wie auch des Dritten Adventssonntags und den jeweiligen Kontext, so ist es sehr nützlich, etwa einen Volksschott aus der Zeit von Papst Johannes XXIII. (Pontifikat von 1958 bis 1963) zur Hand zu haben. Gerade dieser Papst hatte sich noch für die Pflege des Lateinischen eingesetzt. Er ordnete sogar an, dass Theologievorlesungen (wieder) auf Latein gehalten werden sollten. Auch war er der Papst, der die letzte Gesamtausgabe der liturgischen Bücher für die Feier von Gottesdiensten im Tridentinischen Ritus herausgab. Die anhand des von ihm approbierten Messbuches gefeierte Heilige Messe wird mitunter die Messe Johannes XXIII. genannt. Die verschiedenen Ausgaben des vorkonziliaren Messbuches werden gerne als Tridentinische Messbücher bezeichnet. Für die Heilige Messe im Tridentinischen Ritus gibt es auch Bezeichnungen wie die Messe Gregors des Großen oder Gregors I. und die Messe Pius V. Natürlich kann hierbei auch das Adjektiv heiliger und das Wort Sankt in Verbindung mit dem jeweiligen Papstnamen zum Einsatz kommen. Seltener wohl ist die Bezeichnung Messe Damasus I. bzw. Messe des heiligen Damasus I. Von beliebten fiktiven Persönlichkeiten aus Filmen stammen Bezeichnungen wie Messe Don Camillos und Messe Ralph Raoul de Bricassarts oder kürzer Messe Ralph de Bricassarts (siehe Gedanken zur Woche 114-b – 7. OSTERWOCHE (2022); Gedanken zur Woche 138-b – 33. WOCHE IM JAHRESKREIS (2022) und Gedanken zur Woche 279-b – 17. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)). Man kann es erleben, dass sich mitunter Menschen und dabei nicht nur studierte Theologinnen und Theologen darüber austauschen, welche der Bezeichnungen denn nun für die traditionelle Form der Heiligen Messe, oder wie immer man sagen will, zu bevorzugen sei.

Dabei wurde ja Latein weder als Kirchensprache im Allgemeinen noch als Liturgiesprache im Besonderen je abgeschafft. Für den deutschen Sprachraum und dergleichen ist die offizielle Ausgabe des für die Lateinische Kirche approbierten CIC die lateinisch-deutsche. Dies gilt auch bezüglich des CCEOs für die Katholischen Ostkirchen (siehe Gedanken zur Woche 181-b – 23. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 270-b – 6. OSTERWOCHE einschließlich HOCHFEST von der HIMMELFAHRT CHRISTI/CHRISTI HIMMELFAHRT (2025)). Man beruft sich beim Verbreiten irgendwelcher Behauptungen gegen das Latein gerne auf das Zweite Vatikanische Konzil. Dabei ist die Originalsprache für alle beschlossenen Dokumente gerade dieses Konzils eben das Lateinische. Dies gilt für alle seine Erklärungen, Dekrete und Konstitutionen einschließlich dessen dogmatischen Konstitutionen (siehe Gedanken zur Woche 195 – 3. ADVENTSONNTAG (GAUDETE) (2023)). Wie die dann in zahlreiche weitere Sprachen übersetzte Originalausgaben des CICs und des CCEOs, so ist die Originalausgabe des nachkonziliaren Messbuches, des Messbuches Pauls VI. in Latein verfasst. Auf dieser lateinischen Basis werden dann Übersetzungen auch des Messbuches in verschiedene Sprachen vorgenommen. Das kodikarische Kirchenrecht mit seiner eigenen lateinischen Grundlegung befasst sich mit solcher Übersetzungstätigkeit (siehe Gedanken zur Woche 299 – 3. ADVENTSONNTAG (GAUDETE) (2025)).

Da kann man sich dann umso mehr die lateinischen Namen für die Sonntage der Fastenzeit zu Gemüte führen. Diese lauten:

  • INVOCABIT für den ERSTEN/1. FASTENSONNTAG
  • REMINISCERE für den ZWEITEN/2. FASTENSONNTAG
  • OCULI für den DRITTEN/3. FASTENSONNTAG
  • LAETARE für den VIERTEN/4. FASTENSONNTAG
  • JUDICA für den FÜNFTEN/5. FASTENSONNTAG, der auch PASSIONSSONNTAG genannt wird
  • DOMINICA IN PALMIS DE PASSIONE DOMINI für den PALMSONNTAG, eher selten auch der SECHSTE/6. FASTENSONNTAG genannt. Es können hierzu auch kürzere lateinische Namensformen begegnen

Interessiert man sich für die Feier der Heiligen Messe in der Tridentinischen Liturgie, egal welche Einzelbezeichnungen jemandem geläufiger sind, so ist als Einführung sicher ein Werk wie „Die Messe aller Zeiten. Ritus und Theologie des hl. Messopfers“ von Matthias Gaudron nützlich. Pater Gaudron zelebriert auch selber die Heilige Messe nach dem Messbuch von Papst Johannes XXIII. Zugleich tritt er immer wieder mit eigenen Veröffentlichungen an die Öffentlichkeit. Er ist also besonders gut mit den eher wissenschaftlich-theoretischen wie mit den mehr praktisch-pastoralen Aspekten vertraut, wenn es um dieses liturgische Erbe geht.

Die Diskussionen um liturgische Ausrichtungen gehen gerade in der katholischen Kirche weiter. Eher Splittergruppen oder -grüppchen sind es, welche da Messbücher für die Feier der Heiligen Messe aus der Zeit vor Johannes XXIII. und seiner Herausgebertätigkeit bevorzugen oder gar offensiv einfordern. Solche kleineren Gruppierungen können in verschiedenem Zusammenhang begegnen, sei es, dass man mit so etwas wie irgendwie als altkatholisch bezeichneten Gruppen und Einzelpersonen zu tun hat oder mit solchen, die sich als gewissermaßen katholisch-traditionalistisch verstehen. Hier wie dort ist jedenfalls eine sehr ausgeprägte Spaltungsfreudigkeit festzustellen. Dementsprechend stellt es da eine besondere Herausforderung dar, Verwechslungen zu vermeiden. Die Abgrenzung oder Einordnung kann immer wieder schwierig sein. Ist etwa eine Gemeinschaft noch katholisch-traditionalistisch, wenn sie ausdrücklich die traditionelle Zölibatsvorschrift in der Lateinischen Kirche für Geistliche aufgegeben hat? Ist eine sich selber als altkatholisch bezeichnende Denomination oder wie auch immer nicht eher dem katholisch-traditionellen zuzuordnen, wenn sie die Heilige Messe in einer Ausgabe der Tridentinischen Liturgie aus der Zeit vor Johannes XXIII. und vielleicht sogar vor Pius XII. feiert und dazu das Dogma aus dem Jahre 1854 zur Unbefleckten Empfängnis Mariens anerkennt?

Ebenso ist es eigens eine Herausforderung, bei den zahlreichen aus dem Anglikanismus/Anglikanertum hervorgegangen Gemeinschaften den Überblick zu bewahren bzw. im Falle des Falles Verwechslungen zu vermeiden. Hier wie dort ergeben sich immer wieder neue Gruppenbildungen. Wie gerade bei Mennoniten, Baptisten, pfingstlerischen Denominationen und reformierten Protestanten kann auch hier eine Gruppierung in absehbarer Zeit wieder verschwinden. Die jüngste weltweite Spaltung im Anglikanismus/Anglikanertum fällt da insbesondere durch so etwas wie ihren zahlenmäßigen Umfang auf. Die auch in politischer Hinsicht relevante Entwicklung ist hier noch gar nicht abzusehen. Läuft etwa bereits eine Art Spaltung in der Spaltung bei den sich mit diesem neuen Vorgang von Canterbury und London distanzierenden Anglikanern ab? Gerade ein Blick auf den afrikanischen Kontinent legt eine solche Erwartung nahe. Es waren doch neben anderen Ländern eben afrikanische Länder, in welchen sich schon vor der jüngsten ganz großen Spaltung eher regionale Spaltungen unter Anglikanern ereignet haben.

 

1. Lesung: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b
2. Lesung: Eph 5,8-14
Evangelium: Joh 9,1-41

 

 

 

Gedanken zur Woche 312-b, Dr. Matthias Martin
4. FASTENWOCHE einschließlich HOCHFEST vom HEILIGEN JOSEF, BRÄUTIGAM DER GOTTESGEBÄRERIN MARIA (2026)

Die Fastenzeit schreitet voran. Es ist doch bemerkenswert, wenn in einer Woche auf den VIERTEN/4. FASTENSONNTAG, also dem Fastensonntag LAETARE, das HOCHFEST vom HEILIGEN JOSEF, dem BRÄUTIGAM DER GOTTESGEBÄRERIN MARIA folgt.
Das besondere dieser Woche im kirchlichen Verlauf des Jahres wird sichtbar bei den liturgischen Farben. Am Sonntag LAETARE kann ja das Rosa als Liturgiefarbe zum Einsatz kommen wie sonst nur am DRITTEN/3. ADVENTSSONNTAG mit seinem eigenen Namen GAUDETE. Für das Hochfest oder Fest I. Klasse vom heiligen Josef am 19. März ist das liturgische Weiß vorgesehen. Dies ist dementsprechend darin begründet, dass der heilige Josef als Heiliger verehrt wird, der nicht das Martyrium erlitt. Die Beachtung solcher Normen oder überkommenen Regelungen fördert das Vertrauen in die Gemeinschaft der Kirche. Nicht zuletzt hilft eine verlässliche und einheitliche Handhabung der liturgischen Farbenordnung sprachliche Grenzen zu überwinden. Liturgiefarben stellen doch eine bemerkenswerte Form nonverbaler Kommunikation dar.
Das liturgische Weiß steht auch für die Gedenk- bzw. Festtage der heiligen Gertrud von Nivelles, des heiligen Patrick und des heiligen Cyrill/Kyrill von Jerusalem.

Ein Blick auf all diese Heiligen ist gerade in unserer so konfliktreichen Zeit interessant. Nicht zuletzt in, wie man heutzutage gerne sagt, ökumenischer Hinsicht können diese Heiligen jeweils Bedeutung haben.
So sind sie alle christliche Persönlichkeiten aus Zeiten vor der großen Glaubensspaltung, welche beschönigend oftmals „die Reformation“ genannt wird. Dazu wirkten diese Persönlichkeiten und wurden bereits als Heilige anerkannt, lange bevor es mit dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. (1978 bis 2005) zur immer wieder kritisierten massiven Zunahme der Zahl an Selig- und Heiligsprechungen kam. In Zusammenhang mit diesen Vorgängen und der Kritik daran kann ja immer wieder der Ausdruck „Inflation“ begegnen.

Gerade in der Sakramentenlehre ist das Zeugnis des heiligen Cyrill/Kryrill von Jerusalem anerkannt. Auch sonst mag das Erbe dieses Kirchenlehrers zu Dialog und eigenem Studium anregen (siehe Gedanken zur Woche 208-b - 5. FASTENWOCHE einschließlich HOCHFEST vom HEILIGEN JOSEF, BRÄUTIGAM DER GOTTESBEGÄRERIN MARIA (2024)).

Gemeinsames zu suchen und das Miteinander innerhalb christlicher Konfessionen oder Denominationen wie auch zwischen diesen zu pflegen, ist gerade heutzutage eine Herausforderung.
Die vielfältigen Konflikte innerhalb des Vielvölkerstaates Äthiopien haben auch die nonchalcedonensisch-altorientalische Nationalkirche, oder wie man sagen will, von Äthiopien in Mitleidenschaft gezogen. Längst wurde parallel zur Sicherung der politischen Unabhängigkeit für Eritrea auch die Eigenständigkeit der dortigen nonchalcedonensischen-altorientalischen Nationalkirche anerkannt. Dies findet bereits seit mehreren Jahren seinen sichtbaren Niederschlag in den mehr innertheologischen ökumenischen Beziehungen wie auf der mehr staatlich-politischen Ebene bis hin zu den internationalen Organisationen. Vielleicht gelingt ein derartiger Erfolg in absehbarer Zeit jenen Geistlichen und Gläubigen, welche eine ekklesiale Eigenständigkeit für Angehörige des Volkes der Omoro gegenüber der bisher offiziell dominierenden Nationalkirche des äthiopischen Bundesstaates erstreben. Dies gilt auch bezüglich der Forderung nach kirchlicher Emanzipation der Angehörigen des Volkes der Tigray gegenüber der erwähnten offiziellen Nationalkirche. Gerade in letzterem Falle legt es sich wohl nahe, etwa von De facto-Schisma zu sprechen. Die kirchenrechtlich-pastoralen Auseinandersetzungen sind nicht zu trennen von dem blutigen Konflikt zwischen Tigray und der äthiopischen Zentralregierung. Längst wurde dieser und ihren auch internationalen Verbündeten insbesondere in Hinblick auf den Tigray-Konflikt Völkermord/Genozid vorgeworfen. Der kirchliche Konflikt bei den Omoro forderte seinerseits Todesopfer.
Verfolgt man etwas die Meldungen in internationalen Medien, so mag man sich an die Krise und den anschließenden blutigen Zerfall Jugoslawiens erinnert fühlen. Selbstverständlich wäre nach dem Vorbild Eritreas eine einvernehmliche Ausgliederung weiterer kirchlicher Strukturen im Sinne der Anerkennung als kirchliche Eigenständigkeiten zumindest theoretisch denkbar. Kommt es also vielleicht auf diese Weise zu einer Lösung in dem vielschichtigen Konfliktbereich des äthiopischen Vielvölkerstaates? Offensichtlich kam es bereits zu fortdauernder Verselbständigung von Kirchengemeinden im Ausland. Dort unterliegt man ja nicht so direkt der harten Herrschaft der äthiopischen Regierung und der mit ihr stärker verbundenen Kräfte. Mancher mag in diesem Zusammenhang von örtlichen Schismen oder lokalen schismatischen Entwicklungen sprechen.

Im Bereich der chalcedonensisch-orthodoxen Kirchen kam es ja immerhin zu einer Einigung zugunsten der Autokephalie, also kirchlichen Eigenständigkeit, der Makedonisch-Orthodoxen Kirche. Der Konflikt um den Status und die Zukunft der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche wird militärisch auf dem Schlachtfeld wie auf kirchenpolitischer, pastoraler Ebene unter Einbeziehung ökumenischer Kontakte durchgefochten. Zu klären bleibt dazu nicht zuletzt das Schicksal der Montenegrinisch-Orthodoxen Kirche. Der heftige Konflikt zwischen dem ranghöchsten aller orthodoxen Patriarchate, Konstantinopel, und dem durch kein allgemeines Konzil oder keine der alten Synoden und anderen altehrwürdigen kirchlichen Vorgänge anerkannten Patriarchat Moskau gehen weiter. Dabei ist auch Montenegro ein Schauplatz dieser umfassenden Auseinandersetzungen. Seinerseits hält das Patriarchat Moskau die sehr umfassende Exkommunikation gegen alle orthodoxen Autokephalien und kirchlichen Autonomien aufrecht, welche im Sinne Konstantinopels die Eigenständigkeit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche anerkennen. Das päpstliche Rom seinerseits erkennt ausdrücklich den Ehrenvorsitz des allgemeinen Patriarchen von Konstantinopel für die orthodoxe Kirchenwelt bzw. in dieser an. Ebenso hält es an den vollen diplomatischen Beziehungen zur Ukraine unter Anerkennung der territorialen Integrität der Ukraine fest. Bei der Ukrainisch-Katholischen/ukrainisch-katholischen Kirche handelt es sich ihrerseits um die über lange Zeit hin größte der katholischen Ostkirchen und nach der Lateinischen Kirche um die zweitgrößte Kirche eigenen Rechts in der weiten katholischen Weltkirche.

Ebenso unterhält der Heilige Stuhl weiterhin volle diplomatische Beziehungen mit Armenien. Aus den dortigen internen Auseinandersetzungen versucht man sich offensichtlich möglichst herauszuhalten. Dabei wird die eventuelle Spaltung der Armenisch-Apostolischen Kirche auf internationaler Ebene als realistische Möglichkeit längst diskutiert oder in Betracht gezogen.
Es stellt sich auch hier für die katholische Kirche im Allgemeinen und den Heiligen/Apostolischen Stuhl im Besonderen die Frage, wie man sich zu den jeweiligen Konfliktparteien stellen soll. Diese Frage stellt sich nicht zuletzt in Hinblick auf eine auch in diesem Konfliktfall mögliche Verselbständigung (bisher) armenisch-apostolischer Gemeinden außerhalb des Staatsgebietes der Republik Armenien. Derartige Verselbständigungsprozesse sah man bei der Russischen Auslandskirche, die dann auch oftmals die Russische Exilkirche genannt wurde. Weitere Verselbständigungen folgten, wenn in einem Land mit mehr oder minder traditionell orthodoxer Bevölkerungsmehrheit das Patriarchat bereit war, die dort erfolgte kommunistische Machtübernahme anzuerkennen. Innerhalb der alten Sowjetunion kam es zur Bildung einer gegen die sowjetische Regierung und das offizielle Moskauer Patriarchat gerichtete russisch-orthodoxe Untergrundkirche. Deren Schicksal und Aufzweigungen sind ein eigenes Thema. Ebenso stellt das Überleben von ukrainisch-orthodoxen Kirchenstrukturen im Untergrund unter sowjetischer Herrschaft ein faszinierendes Phänomen dar. Bekannter wurde im Westen die ukrainisch-katholische Kirche im Untergrund, auch wenn deren Existenz von den diesbezüglich interessierten Kräften beharrlich abgeleugnet wurde.

Umso spannender bleibt die Entwicklung der Armenisch-Apostolischen Kirche wie der offiziellen äthiopischen Nationalkirche.

 

 

 

Gedanken zur Woche 311, Dr. Matthias Martin
3. FASTENSONNTAG (2026)

Die Fastenzeit soll uns doch in guter Weise auf das höchste Fest der Christenheit hin vorbereiten, auf Ostern.
Dass sich die kirchliche Überlieferung dafür einige Zeit nimmt, hat seine guten Gründe. Das Überwinden schlechter Haltungen und das Ablegen falscher Orientierungen ist keine einfache Angelegenheit, die sich stets so einfach von jetzt auf gleich erledigen ließe. Sind wir natürlich während des ganzen Jahres eingeladen, an der Verbesserung unseres Verhaltens zu arbeiten, so gilt dies in verdichteter Weise gerade für eine kirchlich so geprägte Zeit wie eben die Fastenzeit. Es stellt einen praktischen Vorteil dar, dass das Bewusstsein für die Fastenzeit in der weiteren Gesellschaft nicht völlig geschwunden ist. Der ASCHERMWITTOCH als Beginn der Fastenzeit ist ein fester Punkt im Kalender. Immerhin wird dem mitunter so enthemmten Treiben der Spitzentage der Faschingszeit ein zumindest teilweiser Einhalt geboten. In den zurückliegenden Wochen bekam der Verfasser dieses Beitrages wiederholt zu hören, wie unangenehm der Erwartungsdruck empfunden werde, unbedingt in oft bedenklicher Weise lustig sein zu müssen und gerade dem Alkohol eifrig zuzusprechen.
Auch das Rauchen zumindest bei bestimmten Faschings- oder Karnevalsanlässen stellt ein Problem dar. Es war ausdrückliche Zustimmung zu vernehmen, dass in dieser Artikelserie bereits im Jahre 2022 zumindest ein Teil des Textes der Wiener Liedermacher Christoph Drexler und Lorenz Pichler – Christoph und Lolo „Aschermittwoch“ zitiert wurde mit der wiederholten Feststellung „Wir sind dann froh(,) wenn Aschermittwoch ist“ (siehe Gedanken zur Woche 101-b – 8. WOCHE IM JAHRESKREIS – ASCHERMITTWOCH – TAGE NACH ASCHERMITTWOCH (2022)).

Dabei ist es bei gesellschaftlichen Zwängen, wie bei mehr individuellen Angelegenheiten. Bedenkliche Dinge sind immer bedenklich, gesundheitsschädliche Stoffe und Verhaltensweisen sind eben immer gesundheitsschädlich. Übergriffiges Verhalten ist immer ein Übel. Das Rauchen schadet zu jeder Tageszeit an jedem Tag im Jahr. Dies gilt, egal ob man alleine oder in Gesellschaft raucht. Alkohol ist immer ein Zellgift. Ein eigenes Phänomen ist natürlich ein Erwartungsdruck, dem sich Menschen immer wieder ausgesetzt sehen. So etwas ereignet sich gerade im deutschen Sprachen- und Kulturraum. Schon vor Jahrhunderten haben sich Geistliche dagegen gewandt und dagegen gepredigt. Dabei ist leider nicht abzustreiten, dass Alkoholismus auch bei nicht wenigen Geistlichen, Mitgliedern von Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften sowie sog. Laienvertretern ein ernstes Problem darstellt. Schon gar nicht sollte das Engagement gegen (übertrieben) Alkoholkonsum zum Schüren von Feindseligkeiten gegen Menschen anderer Abstammung oder aus anderen kulturellen bzw. religiösen Gemeinschaften missbraucht werden. Juden etwa können wirklich nichts dafür, wenn irgendwo jemand den eigenen Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hat oder es in Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu Gewalttätigkeit - egal ob gegenüber Familienangehörigen oder in einem anderen Zusammenhang - kommt.

Gerade kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich immer wieder zuerst einmal selber an der Nase fassen. Das gilt, egal ob es um das Rauchen, Alkoholkonsum oder den Missbrauch menschlicher Sprache geht. Die einem prominenten Kardinal und Fachmann des Kirchenrechts zugewiesene Aussage, dass nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil es in der sichtbaren katholischen Kirche Usus wurde, das Kirchenrecht gegen die einzusetzen, die man nicht mag, und es zugunsten eigener Freunde zu verwenden, hat wohl einiges für sich. Geistliche und andere hauptamtliche Mitarbeiter sowie Teilzeitkräfte können sich ruhig die Mahnungen des gegenwärtigen Papstes, Leo XIV., zu Herzen nehmen. Da in den meisten Ortskirchen es kaum bis keine laikalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie festangestellte Ordinariatsmitarbeiter gibt, spricht Papst Leo XIV. bei seinen Mahnungen fokussiert den (eigentlichen) Klerus an. Solche Mahnungen gelten aber grundsätzlich für alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal ob diese im Verkündigungsdienst, in der kirchlichen Verwaltung oder in anderen Bereichen tätig sind.
Der Mitgliederverlust der traditionellen oder einstigen Volkskirchen geht gerade in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der eidgenössischen Konföderation, der Schweiz, ungehindert weiter. Das Verzögern bei der Herausgabe unangenehmer statistischer Aktualisierungen ist gewiss keine Lösung. Man selber kann immer wieder überrascht sein, wenn man versucht, anhand von Medienberichten und eigenen Recherchen etwa im Internet der tatsächlichen Entwicklung zeitnah zu folgen, wie weit die Mitgliederverluste solcher traditionellen Landeskirchen und dergleichen jetzt schon wieder gegangen sind. Auf der anderen Seite sehen wir auch in westlichen Ländern bei anderen religiösen Gemeinschaften immer wieder ein ganz anderes Bild. Die Weltreligion des Islams erlebt nicht zuletzt in westlichen Ländern ein deutliches Wachstum. Nicht nur in Lateinamerika schließen sich viele Menschen Pfingstkirchen und evangelikalen Gemeinschaften an. Die Wachstumskurven der Hutterer und Amischen sind immer wieder steiler zu machen, anstatt abgeflacht zu werden. Deren stürmisches Wachstum geht ungebrochen weiter (siehe Gedanken zur Woche 259-b – 1. FASTENWOCHE (2025)). Dabei vermieden sowohl Hutterer als auch Amische in bemerkenswerter Weise kulturelle und theologische Anpassungen. Beide so rapide wachsende Richtungen christlichen Lebens hatten nicht ihr Zweites Vatikanisches Konzil wie man sagen kann, wenn man es unternimmt, konfessionelle Gemeinschaften miteinander zu vergleichen. Ein eigenes Phänomen wiederum stellt das wachsende Interesse an der Tridentinischen Liturgie dar. Verbunden ist damit ein sichtbarer Zuspruch für etwa Orden- und ordensähnliche Gemeinschaften, die in dieser Weise die Heilige Messe feiern.
Eigene Probleme in landeskirchlichen oder bisher volkskirchlichen Strukturen auf die angeblich so unwiderstehliche Säkularisierung zu schieben ist dementsprechend eine billige Ausrede.

Das Ankämpfen gegen falsches Verhalten ist eben nicht zuletzt im innerkirchlichen Bereich eine dauernde Herausforderung. Wenn überhaupt gewisse Erfolge erreicht werden sollen, so muss für diesen guten Kampf Zeit genommen werden.
Da mag dann der Blick auf das Alte/Erste Testament immer wieder eine realistische Zugangsweise fördern. Biblischer Überlieferung zufolge dauerte es 40 Jahre, bis das auserwählte Volk das gelobte Land erreichte. Man hatte das alte Regime des pharaonischen Ägyptens mit all seinen Mitteln der Einschüchterung wie der Verlockung dauernd hinter sich zu lassen. Bezeichnenderweise wird hierbei gerne vom „Weg durch die Wüste“ gesprochen oder geschrieben. Hunger und Wassermangel stellten ernste Bedrohungen dar. Das alttestamentliche Buch Exodus bietet uns da drastische Erzählteile. Es wird uns auch in diesem Teil der Bibel keine „nette“ Erzählung geboten. Vielmehr wird auch das sog. auserwählte Volk ziemlich kritisch dargestellt. Der Weg in das mehr oder minder gelobte Land wird als alles andere als ein harmonischer Triumphzug dargestellt. Dies geht dann eben so weit, dass wir in der neuen deutschen Einheitsübersetzung zu lesen bekommen „(Ex 17,4) Mose schrie zum HERRN: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.“
Nicht uninteressant ist die Interpretation, dass dieser lange Zug in Richtung des gelobten Landes notwendig gewesen sei, damit die alte Generation hingestorben sei. Diese sei noch durch den langen Aufenthalt im pharaonischen Ägypten korrumpiert gewesen. Diese noch besonders negativ beeinflusste Generation hatte dieser Auslegung zufolge durch eine neue Generation ersetzt werden müssen, bevor man in das verheißene Land einziehen konnte. Natürlich gilt auch hier, dass es zu den verschiedenen Stellen der Bibel ganz unterschiedliche Auslegungen gibt. Die Entstehung der verschiedenen biblischen Schriften, solcher des Alten/Ersten und solchen des Neuen/Testaments, wird immer wieder ganz unterschiedlich dargestellt. Dies gilt sowohl innerhalb des Judentums wie des Christentums auch für den Pentateuch, diese Fünf Bücher Mose, zu denen das Buch Exodus gehört.
Diese erwähnte Auslegung verdeutlicht aber zumindest, dass das Ankämpfen und die möglichste Beseitigung schlechter Verhaltensmuster keine einfache Sache sind, die leicht und schnell zu erledigen wären.

 

1. Lesung: Ex 17,3-7
2. Lesung: Röm 5,1-2.5-8
Evangelium: Joh 4,5-42

 

 

 

Gedanken zur Woche 311-b, Dr. Matthias Martin
3. FASTENWOCHE (2026)

Das Bemühen um Gutes in Gedanken, Worten und Werken ist die bleibende Aufgabe für alle Menschen. Schlagworte wie Naturrecht, Mitmenschlichkeit und gesunder Menschenverstand mögen hier etwas den Weg weisen. Die Goldene Regel finden wir in mehr als einer religiösen Überlieferung oder Konfession. Nehmen wir nur einmal die Bibel in der Ausgabe der neuen deutschen Einheitsübersetzung zur Hand, so finden wir sowohl die negative Formulierung als auch die positive Formulierung eben der Goldenen Regel. Dies mag dazu das Interesse eben an der Gesamtheit christlicher Bibel mit ihren verschiedenen Schriften aus Altem/Erstem und Neuem/Zweiten Testament fördern bei aller Zurückweisung von Fanatismus und Engstirnigkeit.

Die negative Formulierung, also als Weisung, was man zu unterlassen hat, wird in jenem alttestamentlichen Buch geboten, das meist Tobit und seltener Tobias genannt wird (siehe Gedanken zur Woche 282-b – 20. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025) und Gedanken zur Woche 302 – SONNTAG NACH WEIHNACHTEN (2026)):

„(Tob 4,15a) Was du hasst, das tu niemand anderen an!“

Die positive Form der Goldenen Regel wird uns sowohl im Matthäusevangelium als auch im Lukasevangelium geboten und damit in beiden synoptischen Großevangelien oder Seitenreferenten. Aus praktischen Gründen sei auch hier ein Blick in die neue deutsche Einheitsübersetzung naheliegend. So finden wir dann im Matthäusevangelium die Formulierung (siehe Gedanken zur Woche 282-b – 20. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)):

„(Mt 7,12) Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“

Im Lukasevangelium ist zu lesen:

„(Lk 6,31) Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!“

Wir haben also, wenn auch nicht bis in letzte Feinheiten des Wortlautes hinein, eine Traditio Duplex/Duplex Traditio vor uns.

Ganz offenkundig geht es in beiden synoptischen Evangelien um das richtige Tun. Es geht nicht um das Hegen freundlicher Gedanken oder das Ablegen etwa einer Glaubenserklärung, während man einen notleidenden Mitmenschen seinem Schicksal überlässt. Dies fügt sich ein in zahlreiche andere Stellen in der Bibel, um etwas den Blick auf die jüdisch-christliche Überlieferung zu fokussieren. Gerade die negative Formulierung der Goldenen Regel nach dem Buche Tobit oder Tobias steht in einer Linie mit den Zehn Geboten und allein schon damit mit den Fünf Büchern Mose und insbesondere den dort zu findenden Büchern Exodus und Deuteronomium. Es möchte ja wohl kaum jemand selber ermordet, bestohlen, angelogen oder beraubt werden. Es fällt auf, dass mit dem vierten bis zehnten Gebot, mindestens sieben der Zehn Gebote das Verhältnis von Mensch zu Mensch behandeln. Das erste und das zweite Gebot behandeln eindeutig das Verhalten von Menschen Gott gegenüber. Das dritte Gebot mit der Aufforderung, den Tag des Herrn zu heiligen, ist formal gesehen positiv formuliert: Es geht darum, was man irgendwie aktiv tun soll, und nicht darum, was man unterlassen soll. Gerne wird es mit dem ersten und dem zweiten Gebot zusammengesehen. Nach einer solchen Einteilung hätte man dann drei Gebote, in denen es um das Verhalten Gott gegenüber geht, und sieben Gebote, in denen es um das Verhalten Mitmenschen gegenüber geht.
Bei diesem dritten Gebot wird aber mitunter auch argumentiert, dass es um eine Regelung zugunsten von Menschen, insbesondere von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geht. Diese sollen demnach nicht gezwungen werden fortdauernd zu arbeiten. Sie sollen dieser Auslegung zufolge vielmehr regelmäßig einen arbeitsfreien Tag haben. In diesem Sinne wäre das dritte Gebot der Zehn Gebote eine frühe Arbeitnehmerschutzbestimmung. Es dient auch dem Schutz und der Förderung des Familienlebens. Sieht man das dritte Gebot in dieser Richtung, so behandeln dann zwei Gebote das Verhalten von Menschen direkt Gott gegenüber und ganze acht Gebote das Verhalten gegenüber Mitmenschen. Diese Auslegung wird gestützt durch ein Stück markinischen Sondergutes, also von Traditio Simplex/Simplex Traditio, wo es im Rahmen einer Aussage Jesu von Nazarets heißt:

„(Mk 2,27) Und Jesus sagte zu ihnen: Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.“

In diesem Sinne weist das dritte Gebot in Richtung der ersten Sozialenzyklika „Rerum Novarum“. Dort wurden neben anderen Punkten gesicherte arbeitsfreie Zeiten und geschützte freie Tage für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefordert. Eigens wurde offensiv die Sonntagsruhe angesprochen (siehe Gedanken zur Woche 275 – HOCHFEST PETRUS UND PAULUS (2025)).

Mit der Goldenen Regel werden wir auch in Richtung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37 oder 10,30-35/36) geführt. Zum einen will wohl niemand, dass ihm oder ihr widerfährt, was dem Opfer geschieht, überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt werden (negative Form der Goldenen Regel). Zum anderen möchte man aber in einer betreffenden Notlage doch gerne selber geholfen bekommen (positive Form der Goldenen Regel). Stellt dieses Gleichnis lukanisches Sondergut dar, so mag hierzu mit dem Gleichnis vom Jüngsten Gericht (Mt 25,31-46) auch ein Stück matthäischen Sondergutes spontan in den Sinn kommen. Da geht es ja generell um verschiedene Weisen, wie Menschen in Not geholfen werden kann. Egal ob man Hunger oder Durst hat oder der Kleidung mangelt, so bekommt man doch selber gerne Hilfe.
Jesus von Nazaret hat die helfende Hinwendung zu notleidenden Menschen praktiziert. So finden wir in allen drei synoptischen Evangelien die Erzählung von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus (Mt 8,14-15; Mk 1,29-31, Lk 4,38-39). Es geht im Sinne von Traditio Triplex/Triplex Traditio bei den drei Synoptikern weiter mit den Versen über die Krankenheilungen am Abend (Mt 8,16-17; Mk 32-34; Lk 4,40-41). Auf seine Weise weist das so eigenständige Johannesevangelium auf praktisches Tun zugunsten von Mitmenschen hin. Die dazu so etwas wie johanneisches Sondergut darstellende Erzählung von der Fußwaschung der Jünger durch Jesus beim letzten Abendmahl (Joh 13,1-17/20) wirkte stark in religiös-theologischer Überlieferung.
Zum Geben von Almosen, also grundsätzlich zur materiellen Hilfe für Notleidende wird sowohl in den Schriften des Alten wie in den Schriften des Neuen Testamentes aufgefordert. Auch hier spielen das Erste und das Zweite Testament der Bibel also wieder zusammen und liefern Anregungen, wie die sehr allgemein formulierte Goldene Regel praktisch in die Tat umgesetzt werden kann. Ganz grundsätzlich gelten auch die Worte des neutestamentlichen Jakobusbriefes, wonach der Glaube tot ist ohne die Werke (Jak 2,17.26). Es geht eben um das richtige Tun! Das verdeutlicht auch der ebenfalls neutestamentliche Erste Johannesbrief mit seiner Aufforderung, nicht mit Wort und Zunge, sondern in Tat und Wahrheit zu lieben (1 Joh 3,18).

Die Zeiten ändern sich. Der Grundauftrag aber bleibt. So besitzt die Goldene Regel in ihrer negativen wie in ihrer positiven Formulierung ihre fortdauernde Geltung. Dies gilt auch für andere Aussagen, wie sie im Alten/Ersten und Neuem/Zweiten Testament zu finden sind. Ebenso ist das Naturrecht nicht zuletzt als Basis für eine Begegnung und Zusammenarbeit von Menschen aus unterschiedlichen konfessionellen oder religiösen Gemeinschaften immer wieder aufmerksam in den Blick zu nehmen. Dazu bleiben Stücke mehr spezifisch kirchlicher Überlieferung wie die Liste der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit und der sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit aktuell.

 

 

 

Gedanken zur Woche 310, Dr. Matthias Martin

2. FASTENSONNTAG (2026)
Wie einst die monatlichen Gebetsanliegen seines unmittelbaren Amtsvorgängers Franziskus, so verdienen auch die des jetzigen Papstes Leos XIV. Beachtung. Natürlich sind wir eingeladen, sie nicht nur mehr oder weniger erkenntnismäßig-intellektuell wahrzunehmen. Vielmehr sind sie nach Möglichkeit in einem guten Sinne bei eigenen Handlungen zu berücksichtigen. Die Bibel und die kirchliche Überlieferung machen ja deutlich, dass schöne Worte und nette Gefühle alleine nicht ausreichen. Es geht über diese hinaus vielmehr darum, nach Möglichkeit gute Taten zu vollbringen, gute Werke zu tun. Dazu ist jede und jeder aufgerufen, eben je nach den eigenen Möglichkeiten. Niemand soll sich dabei ausgegrenzt fühlen. Alle Menschen sind ja auch eingeladen, lebendige Glieder der Kirche zu sein bzw. es noch zu werden. Hautfarbe, sozialer Stand, Muttersprache, zivilrechtliche Einzelheiten und auch tagespolitische Vorlieben sollen da kein Hinderungsgrund sein. Dies gilt es vor dem Hintergrund diverser Auseinandersetzungen, welche auch die katholische Kirche erschüttern, immer wieder in einem einladenden und nicht herablassenden Sinne zu betonen. Bildhaft gesprochen soll die Taufe als Tor zum Eintritt in das kirchliche Leben allen Menschen offenstehen.

So sind auch alle Menschen eingeladen, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen. Dies gilt im Kleinen, im mehr oder minder persönlichen Bereich. Es gilt auch im größeren Zusammenhang bis in die Weltpolitik hinein. Frieden beginnt und endet eben immer im Kleinen. Jedes böse Wort gegen einen Mitmenschen stellt einen Akt des Unfriedens dar. Worte können den Betroffenen schwere Wunden zufügen. Worte können Menschen aufhetzen, bis es dann zu physischer Gewalt kommt. Dies kann dann bis zum Völkermord gehen. Für die jüngere Vergangenheit denke man da an den von profranzösischen Kräften durchgeführten Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi und ihnen nahestehenden Menschen im afrikanischen Ruanda. Nach jahrelanger Hetzte und bereits durchgeführten „kleineren“ Massakern schritten die örtlichen Freunde der traditionellen Kolonialmächte Belgien und Frankreich zum ganz großen Massenmord. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben es da an deutlichen Worten nicht fehlen lassen und so etwas wie europäischer Heuchelei nach Möglichkeit die Maske vom Gesicht gerissen. Auch einzelne Medien hatten den Mut, die Dinge gerade in Hinblick auf Frankreich mehr oder minder deutlich beim Namen zu nennen. Der Verfasser dieses Beitrages erinnert sich, wie während seiner Ausbildung zum Lehrer für Geschichte-Sozialkunde an der Universität Innsbruck das Gespräch auf einen umfangreicheren Beitrag im Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. kam, in dem sehr deutlich der Anteil Belgiens und Frankreichs an den wiederholten Massenmorden bis hin zum großen Völkermord von 1994 in Ruanda thematisiert wurde. Es sollte doch zu denken geben, wenn eine bewusst progressiv eingestellte und sich keineswegs selber traditioneller christlicher Überlieferung zurechnende Universitätsdozentin einem betreffenden Beitrag aus der katholisch-traditionellen Richtung ausdrücklich zustimmte.
Der Weg in den großen Überfall Russlands auf die Ukraine wurde vorbereitet durch die jahrzehntelange Herabwürdigung der Ukraine, ukrainischer Kultur und überhaupt ukrainischer Menschen gerade durch westliche Politiker und Medien. Böse Worte bereiteten den Boden für schlimme Taten. Im Kontrast dazu gilt eben generell, was es in den Seligpreisungen der Bergpredigt im Matthäusevangelium nach der neuen deutschen Einheitsübersetzung heißt:

„(Mt 5,9) Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“

Für Frieden zwischen den Menschen sollte man sich eben fortwährend einsetzen und in diesem Sinne nach besten Kräften die eigene Lebensführung gestalten.
Etwas später können wir dann Hinblick auf den Gebrauch menschlicher Sprache wie negative Gefühlsausbrüche in derselben matthäischen Bergpredigt die regelrecht heftigen Worte lesen:

„(Mt 5,21) Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. (22) Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. (23) Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, (24) so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“

Dementsprechend möge man umso mehr etwa päpstliche Aufrufe in Richtung von Frieden und Verständigung ernst nehmen und im Rahmen eigener Möglichkeiten in deren Sinne handeln.

Da sind dann eben die Gebetsanliegen von Papst Leo XIV. für März 2026 eigens aussagekräftig.
Die lauten immerhin:

„Für Abrüstung und Frieden“

und

„Wir beten, dass die Nationen in einer wirksamen Abrüstung vorankommen, besonders in der nuklearen Abrüstung, und dass die Verantwortlichen in der Welt den Weg des Dialogs und der Diplomatie wählen statt der Gewalt.“

Man lese insbesondere den zweiten Teil dieser päpstlichen Gebetsanliegen aufmerksam durch und verinnerliche ihn gewissermaßen. Wie es der Überlieferung entspricht, so wird hier ganz klar eine Gleichrangigkeit der betroffenen Staaten vertreten. Namentlich wird keine Besserstellung der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates mit ihrem eh so umstrittenen Vetorecht unterstützt. Der Papst spricht sich auch nicht für eine Besserstellung traditioneller Kolonialmächte aus, egal ob diese wiederum zu dieser umstrittenen Gruppe der Vetomächte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gehören oder nicht.

Durch seine frühe Beteiligung an Verträgen und Konventionen wie dem Atomteststoppvertrag und dem Atomwaffensperrvertrag unterstrich der Heilige Stuhl seine Forderung nach einer Gleichbehandlung der Staaten dieser Welt. Er wies damit auch eine Besserstellung von Staaten mit einer offiziellen Staatskirche zurück. So waren es ja nicht zuletzt solche Staaten wie das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland sowie Dänemark und Norwegen gewesen, welche sich seinerzeit an dem Überfall auf den Irak und dessen anschließender Aufteilung beteiligten. Erst in jüngster Zeit hatte man sich dänischerseits sogar wieder dessen gebrüstet, anstatt mit ehrlicher Vergangenheitsbewältigung zu beginnen.
Man erinnere sich auch, dass der Heilige Stuhl gerne Staaten anerkannte, die in der Auseinandersetzung mit traditionellen Kolonial- bzw. Besatzungsmächten ihre Unabhängigkeit (wieder-)erlangten. Gerade mit solchermaßen (wieder) unabhängig Staaten schloss und schließt der Heilige Stuhl gerne Abkommen und Verträge und führt etwa diplomatische Notenwechsel durch. Ein eigener Bereich sind die Beziehungen zu Exilregierungen. Man sollte hier nicht entgegengesetzten Desinformationsaktivitäten aufsitzen. Solche Mahnungen gelten erst recht, da es leider immer wieder auch kirchliche Medien und Mitarbeiter bis hin zu ranghohen Geistlichen gab und gibt, die sich an so etwas als Handlanger beteiligt haben.
So gibt es bis heute tatsächlich  keinerlei päpstliche Stellungnahme gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung. Vielmehr gibt es auch zu dieser seitens direkt betroffener Bischöfe wie des Heiligen/Apostolischen Stuhls ein betont freundliches Verhältnis. Päpste verwandten sich ihrerseits deutlich für die Erhaltung von Sprachen wie dem Katalanischen. Dazu passen die besonders engen Beziehungen zwischen Andorra mit Katalanisch als seiner offiziellen Sprache und der katholischen Kirche. So etwas konnte und kann dann auch gut und gerne Regierungen wie z. B. denen in Madrid, Paris, Rom, London und Brüssel missfallen.

 

1. Lesung: Gen 12,1-4a
2. Lesung: 2 Tim 1,8b-10
Evangelium: Mt 17,1-9

 

 

 

Gedanken zur Woche 310-b, Dr. Matthias Martin
2. FASTENWOCHE (2026)

Die Fastenzeit schreitet voran. Wenn wir die ZWEITE FASTENWOCHE erreicht haben, liegt immerhin schon etwas von dieser so wichtigen Vorbereitungszeit auf das höchste Fest der Christenzeit hinter uns. Der größere Teil der Fastenzeit einschließlich dem VIERTEN FASTENSONNTAG mit seinem besonderen lateinischen Namen LAETARE, mit dem PALMSONNTAG und der KARWOCHE, auch HEILIGE WOCHE und seltener STILLE WOCHE genannt, liegt noch vor uns.
Stets sind wir auf dem Weg nach Ostern hin eingeladen, in uns zu gehen und zu bedenken, wie wir unser Leben denn führen. Insbesondere mögen wir im Sinne der Fastenzeit überdenken, ob wir seit Beginn dieser Fastenzeit besser geworden sind im Tun des Guten und im Meiden des Bösen. Die Fastenzeit soll in diesem Sinne ja intensiver genutzt werden. Dies schließt in keinster Weise aus, dass wir auch zu anderen Zeiten des Kirchenjahres unseren eigenen Lebensweg bedenken und versuchen, neu durchzustarten. In der Christenheit ist da die abendliche Gewissenserforschung vor dem Schlafengehen verbreitet. Ebenso ist es nichts Exotisches, am Morgen mit einem guten Vorsatz oder guten Vorsätzen in den Tag aufzubrechen. Am darauffolgenden Abend lässt sich dann wiederum bei der Gewissenerforschung ein Tagesrückblick durchführen. Es mag da in den Sinn kommen, wo man vielleicht in Zukunft besser als bisher Versuchungen zur Sünde und überhaupt zu irgendwelchem Fehlverhalten meiden kann. Im Positiven mag in den Sinn kommen, wo und wie man in Zukunft Gutes besser oder effizienter verwirklichen kann.

Dies gilt fortwährend. Aber gerade die Fastenzeit kann in einem dichteren Sinne genutzt werden. Diese Zeit mag genutzt werden, die Sakramente und Sakramentalien zu empfangen. Generell mögen wir gute Werke tun. Dabei soll natürlich niemand überfordert werden. Die Menschen haben ja ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Die wirtschaftlich-finanziellen Ressourcen sind ganz unterschiedliche verteilt. Besondere Bedeutung kann immer wieder der individuellen beruflichen Position zukommen. Der jeweilige Monatliche Gebetstag um geistliche Berufe unterstreicht dies. Gerade in der modernen Industriegesellschaft ist die Arbeitsteilung sehr vorangeschritten. Dies zeigt sich auch im kirchlichen Bereich. Schon vor Jahrhunderten schritt die Ausdifferenzierung bei den Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaften voran (siehe Gedanken zur Woche 20-b – 17. WOCHE IM JAHRESKREIS (2020); Gedanken zur Woche 149-b – 4. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 163 – 5. SONNTAG DER OSTERZEIT (2023)).
Regional eher beschränkt sind kirchliche Berufe wie die der Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, der Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten und dergleichen. Natürlich stellt sich die Frage, wie es um die Zukunft betreffender Planstellen namentlich in der Bundesrepublik Deutschland, im Bundesgebiet des jetzigen Österreichs und der Schweiz, der Confoederatio Helvetica, bestellt ist. Der katholische Bevölkerungsanteil dort geht wie der der protestantischen Landeskirchen deutlich bis dramatisch zurück. In der Bundesrepublik leben bereits erkennbar mehr Konfessionslose, auch genannt Konfessionsfreie, als Mitglieder der offiziellen EKD/Evangelischen Kirche Deutschlands und üblicherweise gezählte Katholiken zusammen. Über unmittelbare finanzielle Auswirkungen, insbesondere in Zusammenhang mit der Kirchensteuer, hinaus wirft sich zunehmend grundsätzlich die Frage nach einer etwaigen Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Kirche auf. Diese Beziehungen zwischen dem jeweiligen Staatswesen und konfessionellen Gemeinschaften sind durch jeweilige Formen des Föderalismus eigens verkompliziert. Der Trend geht rapide weiter in Richtung Anwachsen der Bevölkerungsgruppe der Konfessionsfreien/Konfessionslosen und Schrumpfen des Bevölkerungsanteils der traditionellen Volkskirchen oder wie immer man sagen will. Innerhalb des offiziellen Mitgliederbestandes von diesen stellen diejenigen, die zumindest noch einmal in der Woche den Gottesdienst der jeweiligen Konfession besuchen, nur noch eine recht kleine Minderheit dar.

In Österreich mit seinen nach der derzeitigen Einteilung neun Bundesländern sank der gezählte Katholikenanteil inzwischen erstmals auf unter 50 Prozent. Der Rückgang des evangelisch-reformierten Bevölkerungsanteils in der Schweiz als dem Gebiet der Genfer und Züricher Reformation geht weiter (siehe Gedanken zur Woche 297 – 1. ADVENTSONNTAG (2025)). Inzwischen liegen auch hier die Konfessionslosen/Konfessionsfreien zahlenmäßig vor den Katholiken und nimmt ihre Gruppe damit auch hier zumindest die erste Stelle in der Statistik ein.

Für das Verhältnis von Staat und Kirche ging man bisher in solchen Gebieten davon aus, dass eine oder zwei konfessionelle Gemeinschaften, Kirchen genannt, den Löwenanteil der Bevölkerung repräsentieren. Diese Verhältnisse bestehen schon längst nicht mehr. Die angesprochene Entwicklung läuft in raschem Tempo weiter. Die Herabwürdigung missliebiger Menschen durch offizielle Kirchenvertreter ändert daran nichts. Die Forderung von Theologen etwa in der Bundesrepublik, den seinerseits so umstrittenen Inlandsgeheimdienst noch stärker gegen unbequeme Zeitgenossinnen und Zeitgenossen einzusetzen, ändert nichts an den zugrundeliegenden Problemen. Eine konsequentere Aufarbeitung sexuellen und wirtschaftlich-finanziellen Missbrauchs im Bereich kirchlicher Strukturen bis hin zur Forderung nach einem weitgehenden personellen Neustart, einer zumindest teilweisen Tabula rasa-Kampagne, fordern nicht zuletzt derzeit noch praktizierende Kirchenmitglieder. Für Politikerinnen und Politiker stellt sich die Frage, ob sie sich grundsätzlich gegen die weiter expandierende Bevölkerungsgruppe der Konfessionslosen/Konfessionsfreien wie gegen die gegenüber den offiziellen kirchlichen Würdenträgern kritisch eingestellten Menschen stellen wollen, die zumindest derzeit noch den betreffenden Kirchensteuer- bzw. Kirchenbeitragsverbänden angehören.

Es gibt zu denken, dass der Anteil der Konfessionslosen/Konfessionsfreien gerade in Großstädten besonders hoch ist. Eine betreffende absolute Mehrheit scheint da in Mitteleuropa nichts Besonderes mehr zu sein. Wie der einstige Aufstieg des Christentums im Römischen Reich verdeutlicht, beginnt die Umgestaltung einer Gesellschaft in der Regel in den Großstädten. Es folgen dann üblicherweise die weiteren Städte und schließlich der ländliche Bereich. Blickt man auf die Gegebenheiten in der Bundesrepublik, so passt dazu genau der Umstand, dass im Umland betreffender Großstädte die Entkirchlichung als nächstes vorangeschritten ist. Längst sind auch solche Gegenden dran. Der Prozess geht eben weiter. Die Volkszählungsergebnisse und andere ernstzunehmende statistische Daten sind in England und Wales sind für die offizielle Staatskirche von England und ihre gewissermaßen koloniale Tochtergründung eben in Wales auf ihre Weise katastrophal. Dieselbe Grundtendenz lässt sich in dem kulturell, konfessionell und zusehends auch politisch-verwaltungsmäßig so eigenständigen Schottland gerade auf Kosten der dortigen presbyterianischen Nationalkirche feststellen. In Nordirland brach die mehr oder minder offizielle anglikanische Kirche schon vor Jahren auf den vierten Platz bei der Konfessionsstatistik ein. Damit liegt man (auch) dort auch hinter den Konfessionslosen/Konfessionsfreien (siehe Gedanken zur Woche 288 – 26. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)). In EU-Mitgliedern wie den Niederlanden und der Tschechischen Republik stellen die Konfessionslosen/Konfessionsfreien längst die absolute Mehrheit der Bevölkerung dar.

Der Säkularisierungsprozess Spaniens ist gerade in den mehr oder minder spanischsprachigen Gebieten dramatisch vorangeschritten. Am ehesten noch lebt Volkskirche in den baskischen und katalanischen Gegenden sowie etwas in der Autonomieregion Galicien. Dass das Kerngebiet Frankreichs besonders stark entkirchlicht ist, ist alles andere als ein Geheimnis. Christliche Refugien finden sich noch am ehesten in der Bretagne, dem nördlichen Baskenland, in Elsass-Lothringen und überhaupt in Gebieten, in denen man sich noch am ehesten dem Französisierungsdruck widersetzt. Ein eigenes Phänomen stellen die Hinweise auf ein wiedererwachsendes Interesse am Katharertum/Katharismus vor allem in seinen einstigen Hochburgen in Okzitanien dar.

 

 

 

Gedanken zur Woche 309, Dr. Matthias Martin
1. FASTENSONNTAG (2026)

Die Fastenzeit oder vorösterliche Zeit der Buße und Besinnung ist eine besonders markante Zeit im Kirchenjahr. Gekennzeichnet ist diese Zeit durch die violette Liturgiefarbe. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass das Violett mitunter auch das Lila genannt wird. Dies ist
offensichtlich gerade bei jüngeren Menschen der Fall. Der Vierte Fastensonntag zeichnet sich gleich in zweifacher Hinsicht aus. Zum Einen trägt er mit der Bezeichnung LAETARE einen eigenen lateinischen Namen und zum Anderen kann an diesem Sonntag wie sonst nur am Dritten Adventsonntag/Adventssonntag das Rosa als Liturgiefarbe zum Einsatz kommen. Dieser Sonntag der Adventszeit wird seinerseits auch mit dem lateinischen Wort GAUDETE bezeichnet (siehe Gedanken zur Woche 262 – 4. FASTENSONNTAG (LAETARE) (2025) und eigens zu den liturgischen Farben Gedanken zur Woche 219-b – 9. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST HEILIGSTES HERZ JESU (2024)).
Auch im breiteren gesellschaftlichen Leben ist die Fastenzeit präsent. Der Verzicht auf bestimmte Speisen oder Getränke, das Rauchen wie auf die ein oder andere Verhaltensweise oder zumindest eine Reduktion des betreffenden Konsumverhaltens sind nicht selten. Fernsehfasten, Handyfasten, Internetfasten und dergleichen können als Schlagworte dem einzelnen Menschen in diesem und jenem sozialen Kontext leicht begegnen.

Die besondere Bedeutung der Fastenzeit wird in diesem Jahr eigens dadurch verdeutlicht, dass der ERSTE FASTNESONNTAG am 22. Februar 2026 sogar das Fest KATHEDRA PERTI, auch genannt PETRI STUHLFEIER und THRONFEST DES HL. PETRUS, liturgisch verdrängt. Dies gilt sowohl für den liturgischen Kalender für die Feier der Heiligen Messe nach dem nachkonziliaren/Nachkonziliaren Messbuch Pauls VI. wie für den Kalender für die Feier der Heiligen Messe im tridentinischen/Tridentinischen Ritus nach dem Messbuch Johannes XXIII.
Im Volksschott aus der Zeit Johannes XXIII. für eben diese liturgische Tradition heißt es unter der Überschrift „22. Febr(uar) Thronfest des Apostels Petrus“:

„Vielleicht schon um das Jahr 300, sicher um 450, feierte man in Rom am 22. Februar ein eigenes Fest zur Erinnerung daran, daß der hl. Petrus in Rom Bischof wurde, d. h. den bischöflichen von Rom bestieg. In Gallien beging man im 6. Jahrhundert am 18. Januar ein Fest zur Erinnerung an die Übergabe der Schlüsselgewalt an Petrus. Noch im 6. Jahrhundert begann man eine doppelte Stuhlfeier zu unterscheiden, eine zu Rom und eine zu Antiochien, wo Petrus zuerst tätig war.“

Schon mit diesen wenigen Worten werden wir deutlich auf die frühe Kirchengeschichte einschließlich neutestamentlichen Büchern wie dem der Apostelgeschichte und dem Galaterbrief hingewiesen. Auf seine Weise drückt dieser Text traditionelles katholisch-theologisches Selbstverständnis aus. Die besondere Bedeutung Antiochiens wurde von den römischen Bischöfen zusammen mit der von Alexandrien gerne insbesondere in Frontstellung gegen das erst später in Zusammenhang mit der politisch-militärischen Entwicklung aufsteigenden Konstantinopel gerne betont.

Bemerkenswert ist auch, was sich unter der Überschrift „22. Februar Kathedra Petri“ in der kleinen Ausgabe des nachkonzialiaren/Nachkonziliaren Messbuchs in deutscher Sprache findet:

„Seit dem 4. Jh. kennt man in Rom den „Geburtstag Petri von der Kathedra“ und sieht in diesem Fest die Erinnerung an die Übernahme des römischen Bischofsstuhles durch den Apostel. Der Tag hängt wohl mit dem allgemeinen Totengedenken an den letzten Tagen des römischen Jahres (13.-22. Februar) zusammen, bei dem man wegen der Unkenntnis des genauen Todestages Petri auch des Apostels gedachte. Die Bezeichnung kommt von dem beim Totenmahl für den Verstorbenen bereitgestellten Stuhl.“

In diesen Worten werden wir in Richtung der allgemeinen Kulturgeschichte gewiesen. Kirche verwirklicht sich eben nicht im luftleeren Raum. Die Gläubigen leben immer in einer bestimmten Umwelt. Theologische Disziplinen sind dementsprechend nicht von dem Gesamtbereich der Wissenschaften und der Künste zu trennen. Im Bereich der Geschichtswissenschaft-Kirchengeschichte wie etwa der Kunstgeschichte sind die Übergänge fließend. Die Sprachwissenschaften bieten ein Instrumentarium, um mit theologischen Texten umgehen zu können. Wenn man einen alten religiösen Text in eine moderne Sprache übersetzen will, so sind historische Kenntnisse, ein Wissensbestand über die Umwelt, in welcher dieser Text entstand, letztlich unverzichtbar. Eine Sprache steht ja immer für eine gewisse Geisteswelt. Die Philosophie mit ihren verschiedenen eigenen Disziplinen begegnet in der Theologenausbildung. Dies geschieht gerade dann, wenn die betreffende Gemeinschaft ein positives Verhältnis von Glauben und Vernunft vertritt. Dies entspricht ja der unverfälschten katholischen Überlieferung.
Dafür stehen Kirchenlehrer wie der heilige Augustinus, der heilige Anselm von Canterbury, der heilige Albert der Große/der Deutsche und der heilige Thomas von Aquin. Ganz in diesem Sinne bezogen das Fünfte Laterankonzil, das Konzil von Trient und das Erste Vatikanische Konzil Stellung. Dies wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigt. Es mögen hier spontan auch so große katholische Geistliche und Wissenschaftler wie Nikolaus Kopernikus, Niels Stensen, Gregor Mendel und Georges Lemaître in den Sinn kommen. Ein eigener Platz kommt natürlich der heiligen Hildegard von Bingen und anderen katholischen Frauen zu. Die Werke einer Kirchenlehrerin wie der heiligen Theresia/Teresia von Avila haben ihren Platz in der Weltliteratur und werden auch außerhalb des eigentlichen kirchlichen Bereichs gerne zu deren Klassikern gezählt. Überhaupt sind Schriften von Kirchenlehrern, Kirchenvätern und anderen Persönlichkeiten wichtige Bestandteile des literarischen Erbes der Menschheit.
In den Zeiten der Erarbeitung und Umsetzung der sog. Liturgiereform Pauls VI. setzten sich Künstler und Intellektuelle aus verschiedenen Konfessionen und Religionen für die Erhaltung der Tridentinischen Liturgie wegen ihrer kulturellen Bedeutung ein. Das Agatha-Christie-Indult wurde eine Frucht dieser Bemühungen (siehe Gedanken zur Woche 114-b – 7. OSTERWOCHE (2022)). Es ist überliefert, dass sich selbst erklärte Atheisten für die Bewahrung der Heiligen Messe in der tridentinischen Form als eines Teils des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit verwandten.
Die enge Beziehung von gottesdienstlichem Handeln und der Musik wie den bildenden Künsten wird gerade in der traditionellen katholischen Liturgie einschließlich dem byzantinischen Ritus und anderen ostkirchlichen Riten deutlich. Da solche Riten sowohl in Kirchen bzw. kirchlichen Gemeinschaften gefeiert werden, die in voller Einheit mit dem römischen Papst stehen, als auch solchen ohne diese volle Einheit, ist die Pflege dieser Überlieferungen auch gelebte Ökumene. Wie sehr solche christlichen Riten in Hinblick auf alte Sprachen und durch in ihnen ausgesprochenen Inhalte tiefgründige Kulturelemente und Erfahrungen vermitteln, ist überdeutlich. Angriffe auf solche liturgischen Überlieferungen sind umso bedauerlicher.

Ganz in diesem Sinne mögen die Menschen die (beginnende) Fastenzeit zum Besuchen von Gottesdiensten nutzen. Allen Kirchenmitgliedern und überhaupt den Menschen steht das Recht zu, sich für die Erhaltung altehrwürdiger und kulturell wertvoller Liturgieformen zu verwenden. Ganz allgemein sind ja die zur Kirche gehörenden Menschen laut Kirchenrecht befugt, ihre Wünsche, Anregungen und Beschwerden bei der kirchlichen Obrigkeit einzubringen. Einst haben dies auch Angehörige religiöser Überlieferungen außerhalb der katholischen Kirche getan, als es um die Erhaltung des Tridentinischen Ritus, der Heiligen Messe in dieser liturgischen Form ging.

 

1. Lesung: Gen 2,7-9; 3,1-7
2. Lesung: Röm 5,12-19
Evangelium: Mt 4,1-11

 

 

 

Gedanken zur Woche 309-b, Dr. Matthias Martin
1. FASTENWOCHE (2026)

Wenn nach dem Aschermittwoch, den Tagen unmittelbar nach dem Aschermittwoch und dem Ersten Fastensonntag die erste ganze Woche der Fastenzeit beginnt, so wird diese Zeit hoffentlich von möglichst vielen genutzt, ihre Fastenvorsätze beharrlich in die Tat umzusetzen.
Diese Fastenvorsätze können ja ganz verschiedener Art sein. Zum einen kann man sich einen Verzicht vorgenommen haben. Dies kann etwa den Verzicht auf das Rauchen, Alkoholkonsum, das Fernsehen einschließlich Unterhaltungsangebote in Zusammenhang mit dem Internet, Glückspiel, bestimmte Speisen, Benutzung des Autos und anderes bedeuten. Ein Fastenvorsatz kann auch bedeuten auf dieses und jenes während der Fastenzeit nicht völlig zu verzichten, aber den betreffenden Konsum bzw. Gebrauch doch zumindest einzuschränkend. Neben einem in diese Richtung gehenden Verzicht kann man sich auch als Fastenvorsatz etwas Positives vorgenommen haben zu tun oder intensiver zu tun.
Ganz grundsätzlich gilt ja von der Bibel her, dass der Glaube tot ist ohne die Werke. Ein Leben in Gerechtigkeit zu führen und Gutes zu tun, wird den Menschen von den Fünf Büchern Mose, dem Pentateuch, der Thora/Tora/Torah an in der Bibel immer wieder deutlich nahegelegt. Menschen, die sich zwar zum Glauben bekennen und am öffentlichen religiösen Leben teilnehmen, aber gegen die mit dem Glauben verbundenen moralischen Werte ihr Leben führen, werden nicht nur in dem so scharf formulierten Prophetenbuch Amos oder dem eine besondere Verbindung zwischen dem Alten/Ersten und Neuen/Zweiten Testament darstellenden Jakobusbrief kritisiert. Auch in den vier neutestamentlichen Evangelien etwa wird uns dazu einiges geboten.

So kann es natürlich auch ein Fastenvorsatz sein, in der Bibel zu lesen. Da mag es als eigener Ansporn dienen, sich zu vergegenwärtigen, dass die Bibel ja ein Kulturgut darstellt. Ein ganz enormer Wortschatz und bemerkenswerte literarische Formen begegnen uns in ihren verschiedenen Schriften. Wir werden auf einstige Staaten, Völker und Kulturen hingewiesen und damit in Richtung von Geschichtskenntnissen geführt. Da mag dann eigenes Interesse gefördert oder erst geweckt werden, sich mit sprachlichen Gegebenheiten, mit der Geschichte wie auch mit Rechtswissenschaft und Philosophie zu beschäftigen.

Kein Buch der Bibel, keine ihrer einzelnen Schriften braucht ausgeschlossen zu werden. So wird in dem früh entstandenen „Decretum Damasi“ der Umfang der Bibel und ihre genauere Zusammensetzung eingehend behandelt. Dementsprechend wird dort festgehalten:

„Nun aber ist von den göttlichen Schriften zu handeln, was die allgemeine katholische Kirche anerkennt und was sie meiden muß.
Zu Beginn der Ordnung des Alten Testamentes. 1 Buch Genesis; 1 Buch Exodus; 1 Buch Levitikus; 1 Buch Numeri; 1 Buch Deuteronomium; 1 Buch Josua; 1 Buch Richter; 1 Buch Rut; 4 Bücher Könige [= 2 Bücher Samuel und 2 Bücher Könige]; 2 Bücher Chronik; 1 Buch 150 Psalmen [Buch der Psalmen
]; 3 Bücher Salomos: 1 Buch Sprüche, 1 Buch Prediger [= Kohelet], 1 Buch Hohelied; ebenso 1 Buch Weisheit, 1 Buch Jesus Sirach.
Ebenso die Ordnung der Propheten. 1 Buch Jesaja; 1 Buch Jeremia, mit den Qinoth, d. h. seinen Klageliedern; 1 Buch Ezechiel; 1 Buch Daniel; 1 Buch Hosea; 1 Buch Amos; 1 Buch Micha; 1 Buch Joel; 1 Buch Obadja; 1 Buch Jona; 1 Buch Nahum; 1 Buch Habakuk; 1 Buch Zefanja; 1 Buch Haggai; 1 Buch Sacharja; 1 Buch Maleachi.
Ebenso die Ordnung der Geschichtsbücher: 1 Buch Ijob; 1 Buch Tobit; 2 Bücher Esra [= 1 Esra und 1 Nehemia]; 1 Buch Ester; 1 Buch Judit; 2 Bücher Makkabäer.

Ebenso die Ordnung der Schriften des Neuen Testamentes, die die heilige und katholische [Römische] Kirche anerkennt [und verehrt]. [4 Bücher] Evangelien: 1 Buch nach Matthäus; 1 Buch nach Markus; 1 Buch nach Lukas; 1 Buch nach Johannes.
[Ebenso: 1 Buch der Apostelgeschichte.]
14 Briefe des [Apostels] Paulus: 1 an die Römer, 2 an die Korinther, 1 an die Epheser, 2 an die Thessalonicher, 1 an die Galater, 1 an die Philipper, 1 an die Kolosser, 2 an Timotheus, 1 an Titus, 1 an Philemon, 1 an die Hebräer.
Ebenso: 1 Buch der Offenbarung des Johannes.
Ebenso: 7 kanonische Briefe: 2 Briefe des Apostels Petrus, 1 Brief des Apostels Jakobus, 1 Brief des Apostels Johannes, 2 Briefe eines anderen Presbyters Johannes, 1 Brief des Apostels Judas des Eiferers.“

Besondere Beachtung verdienen hierzu die Beschlüsse des Konzils von (Basel – Ferrara -) Florenz und von Trient, wie etwa aus früher kirchlicher Zeit die von nordafrikanischen Synoden.

Die verschiedenen biblischen Schriften können nach verschiedenen Kriterien unterteilt bzw. einander zugeordnet, gewissermaßen in besonderen Gruppen zusammengefasst werden.
Besonders bekannt und verwendet bei der Zusammenstellung von Leseordnungen ist die Gruppe der vier (neutestamentlichen) Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Innerhalb dieser Vierergruppe gibt es die Dreiergruppe der Synoptiker oder synoptischen Evangelien. Wie in dieser Artikelreihe wiederholt dargestellt oder erwähnt handelt es sich hierbei um eine Gruppe neutestamentlicher Schriften bestehend aus dem Matthäus-, dem Markus- und dem Lukasevangelium. Wie ebenfalls bereits erwähnt wurde, wird dieses Lukasevangelium gerne gemeinsam mit der Apostelgeschichte als je ein Bestandteil eines lukanischen Doppelwerkes gesehen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass es im Neuen/Zweiten Testament vier Schriften gibt, die gewissermaßen aus jeweils einem Kapitel bestehend nur eine Unterteilung in Verse und nicht in Kapitel aufweisen. Dabei handelt es sich um jene Schriften die heutzutage üblicherweise der Zweite und Dritte Johannesbrief, der Judasbrief und der Brief an Philemon/Philemonbrief genannt werden. Im Alten/Ersten Testament trifft dies nur auf das Prophetenbuch Obadja zu.
Seit ganz früher Zeit werden die fünf ersten Bücher des Alten/Ersten Testaments, Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium, als die Fünf Bücher Mose bezeichnet. In der christlichen Überlieferung werden die darauffolgenden Schriften gerne als die geschichtlichen Bücher des Alten Testaments, Bücher der Geschichte des Volkes Gottes oder ähnlich bezeichnet. Es folgt üblicherweise die Gruppe der Bücher der Lehrweisheit, der Weisheitsbücher einschließlich dem Buch der Psalmen, schlicht den Psalmen. Schließlich kommen innerhalb des Alten/Ersten Testaments die Propheten oder die prophetischen Bücher. Hier wird gerne bewusst zwischen den eher umfangreicheren Einzelschriften und den Bestandteilen des Zwölfprophetenbuches unterschieden. Volkstümlich ist bei aller Verteidigung dieser knapper gefassten Schriften nicht nur durch die katholische Kirche die Bezeichnung von den „kleinen Propheten“ (siehe Gedanken zur Woche 283 – 21. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)).
Möglich ist eine Zusammenfassung nach inhaltlichen Kriterien von Büchern wie Tobit, Judit und den beiden Makkabäerbüchern als „Widerstandsliteratur“. Damit verbunden wären Teile etwa des prophetischen Buches Daniel wie der Susannageschichte (Dan 13,1-64) und des Buches Ester sowie das Buch Exodus (siehe Gedanken zur Woche 307 – 5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)).
Im Neuen/Zweiten Testament werden die mehr oder minder dem Apostel Paulus zugeordneten Briefe gerne ihrerseits in der ein oder anderen Weise unterteilt. Eigens werden Autorenschaft und Zuordnung des Hebräerbriefes diskutieret.
Wie stehen nun die drei Johannesbriefe untereinander und dann mit dem Johannesevangelium in Beziehung? Wie ist das Verhältnis aller dieser vier neutestamentlichen Schriften und im Besonderen des ein oder anderen Johannesbriefes zum letzten Buch des Neuen/Zweiten Testaments in der üblichen Anordnung? Egal, ob man dieses die Geheime Offenbarung, das Buch der Apokalypse, die (Geheime) Offenbarung des Johannes oder wie auch immer nennt, so war seine Zugehörigkeit zum Neuen/Zweiten Testament und damit zur Bibel besonders lange umstritten. Dies gilt insbesondere auch für den Zweiten Petrusbrief und damit einen der sieben sog. „katholischen“ Briefe.

Grundsätzlich gehen sowieso die Meinungen zwischen christlichen Konfessionen deutlich auseinander, was denn überhaupt zur Bibel gehört. Dies wird immer wieder deutlich.

 

 

 

Gedanken zur Woche 308, Dr. Matthias Martin
6. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)

In der Zeit, in welcher der Karneval oder Fasching in unseren Breiten seinen Höhepunkt erlebt, ist es umso wichtiger, gute Selbstdisziplin zu wahren und sich nicht zu unbedachten bis exzessiven Handlungen hinreißen zu lassen.
Ganz generell stellt ja der Alkoholkonsum in weiten Teilen Europas ein sehr ernstes Problem dar. Diese Feststellung ist nicht neu. Schon vor Jahrhunderten etwa wurde im damaligen Heiligen Römischen deutscher Nation, dem Ersten/I. Deutschen Reich, in Predigten gegen (unkontrollierten) Alkoholkonsum Stellung bezogen.
Die Bedeutung der Predigt hat im Allgemeinen gerade in westlichen Ländern abgenommen. Bei den Auseinandersetzungen in Zeiten, die gerne das Mittelalter genannt werden, gab es natürlich noch nicht die modernen Medien. Es gab auch noch keine gedruckten Zeitungen und anderen Mitteilungen. Erst nachdem der bekennende deutsche Katholik Johannes Gutenberg in Europa den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden hatte, konnte etwa die Bibel gedruckt werden. Dies geschah, wie bei unvoreingenommener Betrachtung rasch deutlich wird, in der einen katholischen Bischofssitz und eine Reichsstadt darstellenden Stadt Straßburg am Rhein und dementsprechend Jahrzehnte vor dem Auftreten Martin Luthers (siehe Gedanken zur Woche 79-b – 26. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021); Gedanken zur Woche 81-b – 28. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021) und Gedanken zur Woche 143-b – 4. ADVENTWOCHE (2022)).

Insbesondere vorher war das Auftauchen eines Predigers etwa in einem Dorf ein gesellschaftliches Ereignis. Endlich war einmal etwas los. Es wird berichtet, dass immer wieder rasch die Menschen zusammenliefen und interessiert waren, was es denn zu vernehmen gäbe. Dies spielte ganz praktisch eine enorme Rolle beim Auftreten der Waldenser und der Katharer, welche nicht zuletzt auch Albigenser genannt werden. Das okzitanische Albi war immerhin eine ihrer prominenten Hochburgen.
Die Waldenser gingen als konfessionelle Gemeinschaft vor der sog. Reformation überhaupt aus einer zunächst innerhalb der katholischen Kirche aktiven Predigerbewegung hervor. Von den Auseinandersetzungen um die Erteilung und den Umfang von Predigterlaubnissen für die laikalen Mitglieder dieser zunächst sehr deutlich ihre Treue zur katholischen Kirche und deren Glaubens- und Sittenlehre betonenden Bewegung entwickelte sich Konflikte. Diese eskalierten und führten bei Waldensern zu einer Trennung von der katholischen Kirche. Ihrerseits distanzierten sich Waldenser zusehends von der katholischen Kirche. Versuche gerade von Papst Innozenz III. (Pontifikat von 1198 bis 1216), die Waldenser für die kirchliche Einheit im katholischen Sinne zurückzugewinnen, waren nur teilweise erfolgreich. Über alle möglichen gesellschaftlichen und theologischen Wandlungen wie direkten Verfolgungen hinweg haben es Waldenser verstanden, bis heute ihre Existenz zu bewahren. Mitunter gingen sie nach der durch die sog. Reformation hervorgerufenen so viel größeren Spaltung in protestantischen Landeskirchen und dergleichen auf. Eine starke Richtung von Waldensern behielt zwar eine gewisse Selbstverwaltung bei, schloss sich aber theologisch ausdrücklich der calvinistischen Richtung der Genfer Reformation an. Nicht umsonst wird Genf im Amerikanischen/amerikanischen Englisch das „Protestant Rome“, zu Deutsch das „protestantische Rom“ genannt. Im Abwehrkampf gegen die französische Eroberungspolitik gewannen Waldenser in der Geschichte ihre eigene Bedeutung.
Diejenigen waldensischen Gemeinden, welche gegenüber dem calvinistischen Genf auf ihrer theologischen Eigenständigkeit oder Identität beharrten, fielen Verfolgungsaktionen der spanischen Habsburger im Wesentlichen auf der Apenninenhalbinsel zum Opfer. Der andere Zweig von Waldensertum entging bei allen Wandlungen und Verlusten generell diesem Schicksal und trägt so das Erbe der von der katholischen Kirche abgespaltenen Predigerbewegung fort.

Anders erging es den Katharern oder Albigensern. Hier wird allgemein von einer Vernichtung ausgegangen. In diesem Zusammenhang wird manchmal vom „größten Triumph der Inquisition“ gesprochen bzw. geschrieben. Dabei hatte sich die Bekämpfung der Katharer/Albigenser in ihren okzitanischen Hochburgen unter Einsatz von auch Katharerkreuzzügen und Albigenserkreuzzügen genannten Ketzerkreuzzügen rasch zu einem französischen Kolonialkrieg entwickelt (siehe Gedanken zur Woche 135 – 30. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022) und 237-b – 27. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024)).
Die Verbesserung der katholischen Seelsorge einschließlich des Predigtangebotes unter starkem Einsatz der damals neuen Bettelorden haben das Katharertum, die Katharer als solches nicht besiegt. Sie haben höchsten dazu einen Beitrag geleistet. Dabei wird Entstehung und Schicksal der Katharer/des Albigensertums oder Katharertums vielschichtig und kontroversiell diskutiert. Oft verbindet sich damit ein Interesse bis hin zu ausgesprochener Sympathie für okzitanische Sprache, Kultur und auch politische Eigenständigkeit. Mitunter tauchen Menschen oder Gruppen auf, welche behaupten, authentisch in der Linie eines Untergrundkatharertums oder Untergrundkatharismus zu stehen. Dieser habe heroisch gegen alle Verfolgungen und Versuchungen über die Jahrhunderte seine Existenz bewahrt. Derartige Ansprüche werden meistens mit allergrößter Skepsis bis ausdrücklichem Hohn quittiert. Zumindest bezüglich solcher Diskussionen kann man eher ungestört ganz unterschiedliche Meinungen vertreten.

Spielte damals die Predigt eine ganz zentrale Rolle, so steht sie jetzt nicht mehr so im gesellschaftlichen Blickpunkt. Menschen mit Predigten anzusprechen, ist schwieriger geworden. Der Buchdruck schuf gewissermaßen eine neue Welt. Ab dem 19. Jahrhundert fanden gedruckte Zeitungen Massenverbreitung. Das Telegrafenwesen entwickelte sich. Im 20. Jahrhundert kamen Rundfunk, Kino und dann auch das Fernsehen hinzu. Religiöse Gemeinschaften einschließlich der katholischen Kirche bedienten sich nach Möglichkeit ihrerseits dieser Medien. Radio- und Fernsehprediger konnten und können enorme Bekanntheit erlangen.
Diese tiefgreifende Entwicklung setzte sich mit dem Internet fort.

Dabei betont die katholische Kirche ganz grundsätzlich weiterhin den Wert der Predigt.
So heißt es ganz grundsätzlich in Canon/Kanon 607 des CCEO für die Katholischen Ostkirchen:

„Der Dienst am Wort Gottes, nämlich die Predigt, die Katechese und jede christliche Unterweisung, worunter die liturgische Homilie einen besonderen Platz einnehmen muß, soll aus der Heiligen Schrift gesunde Nahrung ziehen und sich auf die heilige Tradition stützen; die Feier des Wortes Gottes aber soll in rechter Weise gefördert werden.“

Dabei ist zu bedenken, dass der CIC für die Lateinische Kirche und der CCEO für die Katholischen Ostkirchen/die katholischen orientalischen Kirchen die einander gleichberechtigten zentralen Gesetzesbücher in der katholischen Weltkirche sind. Die betreffenden Kirchen eigenen Rechts mit der Lateinischen Kirche als der mit weitem Abstand größten unter ihnen sind verbunden in der gemeinsamen Glaubens- und Sittenlehre, den gemeinsamen Sakramenten und deren Feier sowie der gemeinsamen kirchlichen Leitung. Das gemeinsame Oberhaupt hier auf Erden ist der (römische) Papst. Papst Leo XIV. engagiert sich persönlich in diesem Sinne, auch wenn dies von Medien gerne ignoriert wird.

So besitzt dann Canon/Kanon 608 wie der schon zitierte Canon/Kanon 607 des CCEO auch für die Geistlichen und für alle Gläubigen innerhalb der Lateinischen Kirche seine zu beherzigende Aussagekraft:

„Bischöfe, Priester und Diakone haben gemäß ihrem jeweiligen Grad der heiligen Weihe als erste die Aufgabe, den Dienst am Wort Gottes nach Maßgabe des Rechts wahrzunehmen; die anderen Christgläubigen aber sollen jeweils gemäß ihrer Eignung, ihrem Lebensstand und angenommenen Auftrag gern an diesem Dienst Anteil haben.“

 

1. Lesung: Sir 15,15-20
2. Lesung: 1 Kor 2,6-10
Evangelium: Mt 5,17-37

 

 

 

Gedanken zur Woche 308-b, Dr. Matthias Martin
6. WOCHE IM JAHRESKREIS – ASCHERMITTWOCH – TAGE NACH ASCHERMITTWOCH (2026)

Der ASCHERMITTWOCH kann ganz grundsätzlich als Mahnung dienen, das Angenehme im menschlichen Leben nicht für selbstverständlich zu halten. Zumindest dort, wo so etwas wie eine traditionelle Reihenfolge von dem durch den Rosemontag und dem Faschingsdienstag verkörperten Höhepunkt der Faschingszeit und dem ASCHERMITTWOCH als Beginn der Fastenzeit einigermaßen eingehalten wird, mag eben dieser Fast- und Abstinenztag tatsächlich zum Nachdenken anregen. Der ASCHERMITTWOCH steht doch für einen Umschlag im Leben: eben noch Ausgelassenheit, nun ernste Besinnung und Streben nach Umkehr.

Sollte man nicht auch in sog. guten Zeiten auf Übermut und eine falsche Selbstsicherheit verzichten? Wie kann man gegen Gefährdungen im menschlichen Leben eine effiziente und richtigverstandene Vorsicht walten lassen? Wie kann man etwa Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt durch Vermeiden von Leichtsinnigkeiten nach Möglichkeit vorbeugen? Man mag darüber nachdenken, ob nicht etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr ihre Berechtigung haben und dementsprechend wirklich zu beherzigen sind. Es gibt ja in der christlichen Überlieferung die Mahnung, am jeweiligen Tag so leben, als ob es der letzte im eigenen irdischen Leben wäre. Aufmerksame Vorsicht im Straßenverkehr wie am Arbeitsplatz kann auch zum Schutz der Leben unserer Mitmenschen beitragen. Dies gilt gerade im Rahmen einer Familie ebenso für das Leben zuhause und überhaupt im menschlichen Leben.
Schon alttestamentliche Bücher wie Tobit, seltener genannt Tobias, und Ijob liefern drastische Beispiele für Umschwünge im menschlichen Leben. Auf ihre Weise können auch neben Ijob zur Weisheitsliteratur (des Alten/Ersten Testaments) gehörende Schriften wie das Buch der Weisheit und Jesus Sirach Nachdenken und Folgerungen für das eigene Handeln fördern.

Der ASCHERMITTWOCH kann als Einschnitt genutzt werden, schlechte Verhaltensweisen abzulegen. Gerade während der Zeit des Faschings, des Karnevals ist doch immer wieder ein enthemmter Alkoholkonsum angesagt. Geraucht wird auch bei kleineren und größeren Zusammenkünften der unterschiedlichen Art eben auch nicht zuletzt in der Faschings-, der Karnevalszeit. Dass das Passivrauchen schadet, steht dafür zu jeder Zeit des Jahres außer Frage. Dass in einer Kapelle und einer Kirche nicht zu rauchen ist, wurde in der Regel gut durchgehalten. Gelegentliche Verirrungen in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind da so etwas wie peinlich Ausrutscher. Auf diese, wie so manch anderes möchte man wohl im amtlichen kirchlichen Bereich lieber nicht (mehr) angesprochen werden.

Fastenvorsätze haben da umso mehr ihre Berechtigung. So gut und richtig es ist, an bestimmten Orten wie an Friedhöfen, in Kapellen, Kirchen und anderen religiösen Stätten, wie in Schulen, Kindergärten, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern auf das Rauchen zu verzichten, so ist es doch umso besser, auf das Rauchen überhaupt auf dem eigenen Lebensweg zu verzichten. Am allerbesten ist es, nie mit dem Rauchen anzufangen. Wenn man mit dem gesundheitsschädigenden und geldvernichtenden Glimmstängel schon einmal angefangen hat, so ist es gut, so schnell als möglich aufzuhören.
Vergleichbares gilt für den Alkoholkonsum. Auch hier lässt sich das Sparen von Geld mit der Förderung der Gesundheit verbinden. Aus sehr gutem Grund findet sich die Warnung vor Drogen einschließlich den mehr oder minder legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin in schulischen Lehrplänen. Einschlägige Mahnungen werden durch Ärztinnen und Ärzte wie durch Gesundheits- bzw. Krankenkassen unterstützt. Nicht außer Acht sollen natürlich auch verhaltensabhängige Süchte wie Spielsucht, Computersucht, Internetsucht, Fernsehsucht und Handy-Sucht. Deutliche Warnungen gibt es dazu auch von politischer Seite und dies über Parteigrenzen hinweg.
Gerade kirchliche Vertreterinnen und Vertreter sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Dies gilt egal ob sie ein Ehrenamt, eine Teilzeitfunktion oder eine Vollzeittätigkeit im kirchlichen Bereich wahrnehmen. Dies gilt umso mehr, da alle möglichen und unmöglichen Handlungen von Personen inzwischen leicht aufgezeichnet und diese Aufzeichnungen sogar rund um den Globus verbreitet werden können.

Auch die Position von kirchlichen Amtsträgern und konfessionellen Gemeinschaften ist keineswegs so sicher, wie sich viele das denken. So hat es seit letztem Jahr doch die sich weiter verfestigende große weltweite Spaltung im Anglikanertum, im Anglikanismus gegeben. Der Aufsplitterungsprozess bis allgemeine Zerfallsprozess in der Hauptrichtung des Methodismus schreitet seinerseits voran (siehe Gedanken zur Woche 304-b – 2. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)). Durch den Epstein-Skandal ist mit dem britischen Königshaus jene Familie besonders schwer getroffen worden, die doch das Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche von England und damit der sog. Mutterkirche des Anglikanismus/Anglikanertums stellt. Das Verhalten des britischen Staatsoberhauptes, Oberhauptes eben dieser Staatskirche und Vorsitzenden des Commonwealth, Charles III., erscheint direkt als hilflos. Eigens stellt sich die Frage, wie die Enthüllungen und dadurch geförderte Kritik die Staatskirchen von Norwegen und Schweden bei all den Unterschieden zwischen ihnen in Mitleidenschaft ziehen. Die Enthüllungen über das Königshaus wie Spitzenpolitiker in Norwegen treffen letztlich auch die Staatskirche. Man ist ja seitens dieser offiziell lutherisch ausgerichteten Struktur doch in besonders klarer Weise eben Staatskirche in einer Monarchie. Man ist als solches aufs engste mit dem Königshaus und so etwas wie traditionellen politischen Eliten verquickt. In Schweden ist dies nach vorhergehenden Reformen nicht mehr ganz so ausgeprägt. Enthüllungen über ein prominentes Mitglied des dortigen Königshauses sind aber auf jeden Fall sehr unangenehm für die damit verbundene offizielle Landeskirche bzw. traditionelle Staatskirche.

Der ASCHERMITTWOCH mag da geistesgegenwärtige Menschen im guten Sinne aufrütteln.
Das gilt eben nicht zuletzt für kirchliche oder konfessionelle Vertreter. Überhaupt sollen alle Mitglieder der katholischen Kirche nach derem eigenen Selbstverständnis durch ihr Leben Zeugnis ablegen für die christliche Botschaft. Dazu sind alle auf der Grundlage von Taufe und Firmung aufgerufen. Dabei möge jede und jeder die je eigenen Fähigkeiten und dergleichen möglichst ungehindert einbringen können.
Geweihte kirchliche Amtsträger und hauptamtlich im kirchlichen Bereich tätige Laien sollten dies fördern und nicht behindern. So kann man im Zweiten Korintherbrief anhand der neuen deutschen Einheitsübersetzung lesen:

„(2 Kor 1,24) Wir sind nicht Herren über euren Glauben, sondern wir sind Mitarbeiter eurer Freude; denn im Glauben steht ihr fest.“

Die Mahnung, gute Werke zu tun im ebenfalls neutestamentlichen Jakobusbrief gilt für alle! In diese Richtung weisen uns auch ganz stark etwa der Erste Johannesbrief und die Gleichnisse vom Jüngsten Gericht im Matthäusevangelium und vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium. Der Bundesschluss im Alten/Ersten Testament galt für das ganze auserwählte Volk. Standesunterschiede wurden keine gemacht. Blicken wir insbesondere in das Buch Exodus, so wird eigens deutlich, dass keine Rede ist von Königtum und Adel im Rahmen des Gottesvolkes. Es geht darum, Sklaven zu befreien und nicht Menschen zu versklaven. Dies mag als eigener Anstoß dienen, Menschenrechts- und Vertriebenenorganisationen, die diese Bezeichnungen verdienen, zu unterstützen bzw. sich in ihnen zu engagieren. In der Menschheitsgeschichte gab es schon so manchen Umsturz, der aus geknechteten nun befreite Menschen machte. Reiche fielen und Machthaber stürzten von ihrem Thron.

 

 

 

Gedanken zur Woche 307, Dr. Matthias Martin
5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)

Die besondere Bedeutung des Sonntags als des ursprünglichen und grundlegenden Festtags der Christinnen und Christen wird immer wieder deutlich. Dies ist gerade dann der Fall, wenn der Sonntag als der festliche erste Tag der christlichen Woche selbst bedeutende Heilige gewissermaßen liturgisch verdrängt.
Dementsprechend ist es gut und richtig, wenn Katholikinnen und Katholiken sich in Zusammenarbeit mit anderen Menschen fortwährend für den Schutz des Sonntags einsetzen. Der Sonntag wie auch andere von der christlichen Überlieferung herkommende Fest- oder Feiertage sind ja ganz generell, dort wo sie in betreffender Weise beachtet werden, ein sozialer Besitzstand und können für das kulturelle Leben besondere Bedeutung haben. Dies wurde in den vergangenen Jahren etwa deutlich bei den Diskussionen um den jeweiligen Status des Ostermontags und des Pfingstmontags. Je nach Gebiet ging es eigens etwa auch um die Verteidigung und die Pflege des 15. August als Tag des Hochfestes von der Aufnahme Mariens in den Himmel und des 8. Dezembers als Tag des Hochfestes von der Unbefleckten Empfängnis Mariens.
In Gegenden, Territorien oder Staaten, wo der Sonntag und etwa betreffende Feiertage noch nicht oder nicht mehr durch öffentlich-rechtliche Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltungstätigkeit oder etwa Tarifverträge geschützt sind, ist dies eine Gelegenheit, gemeinsam für geeignete Verbesserungen einzutreten. Je nach sozialen Gegebenheiten und kulturellem Hintergrund kann da auch dem Gewohnheitsrecht einschließlich so etwas wie Betriebsvereinbarungen eine, hoffentlich gute, Bedeutung zukommen.

Da gilt es hier wie dort konfessionelle und ethnische Engherzigkeit zu überwinden oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ganz im Sinne betont traditioneller katholischer Soziallehre kommt da Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmervertretungen und verschiedenen Vereinigungen eine zentrale Bedeutung zu. Dies mag eigens das Interesse kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmervereinigungen wecken. Immer wieder sollte man doch über den ekklesialen Tellerrand hinausblicken. Das gilt, egal ob in einem Gebiet Richtungsgewerkschaften und eher das System von Einheitsgewerkschaften herrschen bzw. vorherrschen (siehe Gedanken zur Woche 265 -b– OSTEROKTAV einschließlich OSTERMONTAG (2025) und Gedanken zur Woche 275 – HOCHFEST PETRUS UND PAULUS (2025)). Dies ist unabhängig von der Frage gegeben, ob in absehbarer Zukunft vielleicht auch in Bundesrepublik Deutschland sich verstärkt Richtungsgewerkschaften durchsetzen (siehe Gedanken zur Woche 282 – 20. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)). Vom Standpunkt europäischer Harmonisierung und damit verbundener Integration spräche eh vieles dafür. Ebenso sind in Hinblick auf das österreichische Gewerkschaftswesen und den dabei direkt betroffenen neun Bundesländern einschneidendere Entwicklungen vorstellbar.

Auf jeden Fall ist eben Christsein nicht einfach nur eine Sache von Gefühlen und mehr oder weniger netten Worten. Wenn wir in die Bibel blicken, so wird deutlich, dass es eine ganz starke soziale, ja politische Dimension im Christentum gibt. Dies soll nicht verdrängt werden. Dies beginnt auf seine Weise schon ganz vorne im Alten/Ersten Testament, den Fünf Büchern Mose, auch genannt Pentateuch oder Thora/Tora/Torah. Es zieht sich durch die Bibel aus Altem/Ersten und Neuem/Zweiten Testament durch wie der sprichwörtliche rote Faden. Es setzt sich fort in Schriften, welche nicht mehr in den üblichen biblischen Kanon Aufnahme fanden. Diese soziale bis politische Dimension wird immer wieder deutlich in der wohlgemerkt unverfälschten katholischen Tradition, wobei vor Verzerrungen und Korrumpierung stets zu warnen ist. Da kommt eben auch und nicht zuletzt Gewerkschaften, mehr innerkirchlich-konfessionell orientierten Arbeitnehmervereinigungen und soweit vorhanden Arbeitskammern/Arbeitnehmerkammern/Arbeiter- und Angestelltenkammern ihre fortwährende Bedeutung zu. Der Aufbruch des katholischen Vereins- und Verbandswesens im 19. Jahrhundert wie eigens die intensiven innerkirchlichen Diskussionen während des Pontifikates des heiligen Papstes Pius X. (1903 bis 1914) unterstreichen dies.

Auf dieser Linie liegt dann eben auch der von Papst Franziskus ausgerufene WELTTAG DES GEBETES, DER REFLEXION UND DER AKTION GEGEN DEN MENSCHENHANDEL.
Dieser so wichtige Tag fällt nicht umsonst zusammen mit dem Gedenktag der heiligen Josefine Bakhita. Diese war ja selber zunächst in die Sklaverei verschleppt. Ihr ausgedehntes Heimatland Darfur wurde Opfer der so brutalen britisch-französischen Kolonialpolitik (siehe Gedanken zur Woche 150-b – 5. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023); Gedanken zur Woche 202-b – 5. WOCHE IM JAHRESKREIS (2024) und allgemein Gedanken zur Woche 254-b – 4. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)). Die als Folge dieser Kolonialpolitik einschließlich der sog. postkolonialen Politik Frankreichs, Großbritanniens und ihrer diversen Handlanger heutzutage im Staatsgebiet der jetzigen Republik Sudan tobenden Auseinandersetzungen werden von den Vereinten Nationen/UN als der derzeit blutigste Konflikt auf internationaler Ebene eingestuft.
Der in unseren Breiten so vorherrschende Eurozentrismus mit einer weit verbreitenden Rechtfertigung der klassischen Kolonialmächte verstellt da sehr oft den Blick und führt regelrecht in die Irre. Auch sonst gibt es in einer Reihe Länder blutige Auseinandersetzungen und die Versklavung von Menschen. Die Kirche ist da eben gefordert, für die Opfer Stellung zu beziehen. Dies hat unabhängig von deren Hautfarbe, Geschlecht und konfessionell-religiöser Zugehörigkeit zu geschehen. Es ist vor allem unabhängig von den Wünschen diverser Regierungen einschließlich von Kreisen in Brüssel zu verwirklichen.

Umso wichtiger sind da jeweilige authentische Menschenrechtsorganisationen einschließlich Vertriebenenverbände und generell Einrichtungen von Exilanten, die eben nicht etwa im Sold einschlägig interessierter Regierungen, Behörden oder Wirtschaftsinteressen stehen.
Der Kampf für die Befreiung versklavter Menschen wird in dem zum Pentateuch gehörenden Buch Exodus besonders eindrücklich ins Bild gerückt. Auf je eigene Weise thematisieren weitere biblische Bücher wie Daniel, Esther, Tobit und Judith den Überlebenskampf unterdrückter Menschen. Solche biblischen Bücher stießen dann Täterregimen einschließlich offiziellen Sklavenhaltern im Laufe der Geschichte immer wieder übel auf. Dies gilt natürlich auch für die ebenfalls alttestamentlichen Makkabäerbücher. Dass solche biblischen Bücher und Teile von solchen im Laufe der Geschichte von interessierter Seite abgewertet bis ganz aus dem jeweiligen eigenen „biblischen“ Kanon gestrichen wurden, war dann auf seine Weise folgerichtig.

Dabei hat sich die Kirche gegen rassistische, unsoziale Verhetzung wie imperialistische und generell wirtschaftlich und politisch motivierte Vereinnahmung zur Wehr zu setzen.
Dass die gesamte kirchliche Verkündigungstätigkeit von so etwas frei sein soll, egal ob dies einer historischen Kolonialmacht oder etwa der jeweiligen EU-Kommission genehm ist, spricht Canon/Kanon 747 des CICs an. Dessen Paragraph 1 lautet immerhin:

„Christus der Herr hat der Kirche das Glaubensgut anvertraut, damit sie unter dem Beistand des Heiligen Geistes die geoffenbarte Wahrheit heilig bewahrt, tiefer erforscht und treu verkündigt und auslegt; daher ist es ihre Pflicht und ihr angeborenes Recht, auch unter Einsatz der ihr eigenen sozialen Kommunikationsmittel unabhängig von jeder menschlichen Gewalt, allen Völkern das Evangelium zu verkünden.“

Das Einstehen gegen Unrecht und für die Rechte von Opfern wie überhaupt für Menschlichkeit und Gerechtigkeit wird mit Paragraph 2 dieses CIC-Canons/Kanons angemahnt und damit so etwas wie eine kirchliche Selbstverpflichtung ausgesprochen:

„Der Kirche kommt es zu, immer und überall die sittlichen Grundsätze auch über die soziale Ordnung zu verkündigen wie auch über menschliche Dinge jedweder Art zu urteilen, insoweit die Grundrechte der menschlichen Person oder das Heil der Seelen dies erfordern.“

 

1. Lesung: Jes 58,7-10
2. Lesung: 1 Kor 2,1-5
Evangelium: Mt 5,13-16

 

 

 

Gedanken zur Woche 307-b, Dr. Matthias Martin
5. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Schreiten wir im Kirchenjahr voran, so werden uns eben immer wieder bemerkenswerte Hinweise auf so etwas wie ein traditionelles kirchlich-katholisches Selbstverständnis geboten. Untrennbar damit verbunden sind Anregungen bis hin zu Aufforderungen bezüglich der eigenen Lebensgestaltung.

Diesbezüglich besitzt etwa der Gedenktag der heiligen Scholastika seine eigene Bedeutung. Die heilige Scholastika wird in der Überlieferung mit Niederschlag auch in der bildenden Kunst als Schwester des Mönchsvaters und Schutzpatron Europas, Benedikt, wie als Äbtissin anerkannt (siehe allgemein Gedanken zur Woche 48-b – 5. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021)). und Gedanken zur Woche 120-b – 15. WOCHE IM JAHRESKREIS (2022)). In diesem Zusammenhang wurde bzw. wird sie gerne im Habit einer Benediktinerin und mit dem Stab eben einer Äbtissin dargestellt. Diese Überlieferung ist offensichtlich interessierten Kreisen so unangenehm, dass sie in den letzten Jahrzehnten nach Möglichkeit beiseitegeschoben und in einem betreffenden kirchlich-politischen Komplex gar nicht mehr angesprochen wird. Dabei wird der heiligen Scholastika sogar eine noch wichtigere Stellung als Verkörperung christlicher Gesinnung und christlichen Lebens zugewiesen. Dazu lohnt sich ein Blick in die immerhin von dem lateinischen Kirchenvater und Papst Gregor dem Großen verfassen Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt. Diese Lebensbeschreibung wird mitunter als einer der Klassiker der Weltliteratur angesehen und es wird überhaupt dem schriftstellerischen Erbe Gregors I. oder Gregors des Großen ein eigener wichtiger Platz im literarischen Erbe der Menschheit zuerkannt.
In dieser auf Papst und Kirchenvater zurückgehenden Lebensbeschreibung von Mönchsvater Benedikt wird überliefert, dass sich beide Geschwister wenige Tage vor dem Tod der heiligen Scholastika in einer Art Außengebäude von Benedikts Kloster getroffen hätten. Scholastika habe ihren Bruder gebeten, noch bis zum Morgen mit ihr zusammen zu bleiben. Dieser habe es abgelehnt und gemeint, er müsse sich doch an die von ihm selber verfasste Ordensregel halten und für die Nacht ins Kloster zurückkehren. Immerhin hat also der heilige Benedikt für sich keine Privilegien in Anspruch genommen und wollte in konsequenter Weise glaubwürdig bleiben. Er berief sich nicht auf seine Stellung oder Herkunft. Auch berief er sich nicht zum Zwecke eigener Vorteile auf gesellschaftliche Vernetzung oder politische Kontakte. Das allein besitzt schon gerade in unserer heutigen Zeit mit fortwährenden Enthüllungen über Skandale in Kirche und Gesellschaft eigenen Zeugnischarakter.
Besonders interessant nun aber ist, auch in Hinblick auf die Stellung der Frau, der weitere Verlauf gemäß der Lebensbeschreibung. Die heilige Scholastika habe demzufolge inständig gebetet. Daraufhin sei ein so heftiges Unwetter ausgebrochen, dass der heilige Benedikt bleiben musste. Wie es die heilige Scholastika gewünscht hatte, konnten die beiden Geschwister ihr Gespräch bis zum nächsten Morgen fortsetzen. Benedikt, so wird überliefert, habe eingeräumt, seine Schwester habe besser als er verstanden, was im christlichen Sinne Liebe heißt. Als wenige Tage nach dieser letzten Begegnung Scholastika starb, habe Benedikt ihre Seele in Gestalt einer Taube in den Himmel aufsteigen sehen. Er ließ sie im Kloster von Montecassino in jenem Grab bestatten, das er für sich selber vorgesehen hatte. Papst Gregor I. würdigte seinerseits ganz außerordentlich stark mittels der Lebensbeschreibung die heilige Scholastika. Dabei war er selber alles andere als ein frühfeministischer Autor oder jemand, der eine solche Richtung ging.

Wie wenn die heilige Scholastika den Weg gewiesen hätte, so spielten Nonnen bzw. Ordensschwestern im Laufe der Geschichte immer wieder eine große Rolle. Frauenorden in einem kirchenrechtlich weiten Sinne des Wortes boten Frauen für ihre Zeit über Jahrhunderte besondere Möglichkeiten zu Bildung und Ausbildung zu gelangen und sich beruflich zu verwirklichen. Klöster und ganze Ordens- und ordensähnliche Gemeinschaften sahen und sehen in Bildungsangeboten für Frauen und Mädchen ihren Aufgabenschwerpunkt.

Gab es hier in der Neuzeit manch bemerkenswerte Neugründung, so erlitten etwa Frauenabteien mitunter schwere Verluste bis hin zur völligen Zerstörung ihrer Existenz. Bezeichnenderweise warfen ja Vertreter der sog. Reformation der katholischen Kirche vor, zu frauenfreundlich zu sein. Die von der katholischen Kirche betriebene Befürwortung von Frauen in Führungspositionen nicht nur als Äbtissinnen, sondern mit den Titeln von Königinnen, Kaiserinnen und Regentinnen auch als militärischen Befehlshaberinnen, Regierungs- und Staatschefs wurde von dorther als gegen die Bibel gerichtet heftig kritisiert. In Zusammenhang mit Reformation und gegen das Erste Deutsche Reich/Heilige Römische Reich deutscher Nation gerichtete französische Expansionspolitik erlitt der Bereich der Reichsäbtissinnen zusehends Verluste bis hin zum Untergang dessen, was noch verblieben war um 1803/04 als direkte Auswirkung napoleonischer Politik (siehe Gedanken zur Woche 12-b – PFINGSTMONTAG und 9. WOCHE IM JAHRESKREIS (2020) und allgemein Gedanken zur Woche 168-b – 10. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST HEILIGSTES HERZ JESU (2023)). Das mag zu eigenen kirchenrechtlichen, juristischen und geschichtlichen Studien anregen (siehe Gedanken zur Woche 295-b – 33. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Ganz generell besitzen Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens ihre fortwährende Bedeutung. Dies schlägt sich auch im Kirchenrecht nieder, dem kodikarischen wie dem außerkodikarischen.

So heißt es in Hinblick auf den Dienst am Wort Gottes in Canon/Kanon 758 des CIC grundsätzlich:

„Die Mitglieder der Institute des geweihten Lebens legen kraft ihrer eigenen Weihe an Gott in besonderer Weise Zeugnis vom Evangelium ab; sie werden in der Verkündigung des Evangeliums vom Bischof in angemessener Weise zur Hilfe beigezogen.“

Die in Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als dem „Konzil der Bischöfe“ und der nachkonziliaren, insbesondere kanonistischen Entwicklung ausgesprochene Betonung des Bischofsamtes und da insbesondere des Ortsbischofs ist natürlich so eine Angelegenheit, die längst sehr kritisch diskutiert wird.

Auf jeden Fall wird in CIC-Canon/Kanon 776 in Zusammenhang mit dem katechetischen Wirken des jeweiligen Pfarrers eigens von „Mitgliedern der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, unter Berücksichtigung der Eigenart eines jeden Instituts“ gesprochen.

Betreffende Gemeinschaften werden auch in Hinblick auf das katechetische Wirken ausdrücklich erwähnt und dabei generell auf ihre Tätigkeit im Bereich von Bildung und Erziehung hingewiesen, wenn man auf Canon/Kanon 778 blickt:

„Die Oberen der Ordensleute und der Gesellschaften des apostolischen Lebens haben dafür zu sorgen, dass in ihren Kirchen, Schulen und andern ihnen in irgendeiner Weise anvertrauten Werken die katechetische Unterweisung mit Eifer erteilt werden.“

Immerhin wird hier damit so etwas wie berechtigte Selbstverwaltung der Ordens- und ordensähnlichen Gemeinschaft bestätigt.

Besondere Bedeutung wird diesen Gemeinschaften nicht zuletzt in Zusammenhang mit der Missionstätigkeit der Kirche zugesprochen. Dabei wird auch hier die Eigenheit der jeweiligen Institute ausdrücklich anerkannt. In diesem Sinne lautet Canon/Kanon 783 desselben CICs für die Lateinische Kirche:

„Da die Mitglieder der Institute des geweihten Lebens sich kraft ihrer Weihe dem Dienst für die Kirche widmen, sind sie verpflichtet, sich, je nach der Eigenart ihres Instituts, in besonderer Weise in der Missionsarbeit einzusetzen.“

Der Sache nach sind hier natürlich die Mitglieder der Gesellschaften des apostolischen Lebens mitangesprochen. Die Säkularinstitute werden im CIC eh unter die Institute des geweihten Lebens gezählt. Die sie im Besonderen behandelnden Canones/Kanones 719 bis 730 finden sich in der betreffenden Sektion des CICs, welche die Institute des geweihten Lebens behandelt. In diese Richtung geht auch der CCEO für die Katholischen Ostkirchen.

 

 

 

Gedanken zur Woche 306, Dr. Matthias Martin
4. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)

Ist der Januar vorbei, kommt man nach dem gregorianischen/Gregorianischen Kalender zum zweiten Monat im Kalenderjahr, dem Februar. Einigen Menschen mögen auch die aus älterem Deutsch kommenden Bezeichnungen Eismond für den Januar und Hornung für den Februar mehr oder minder geläufig sein. Im Fall der Bezeichnung Ostermond für den April und Christmond für den Dezember ist der christliche Bezug im jeweiligen Monatsnamen besonders gut deutlich.

Auf jeden Fall mögen wir beim Eintritt in diesen neuen Monat im Jahreslauf, egal ob wir ihn nun Februar oder Hornung nennen, im Tun guter Werke und im Ankämpfen gegen eigene schlechte Neigungen fortfahren. Während aller Monate und zu jeder Jahreszeit sollen wir danach streben, Gutes zu tun und Böses zu unterlassen. Dazu gehört eben nicht zuletzt die Hilfsbereitschaft für Notleidende, zu der wir im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten und eigenen Begrenztheiten und Bedürfnisse gerne bereit sein sollen. Wir sollen nicht an Menschen in Schwierigkeiten achtlos oder gar schadenfroh vorübergehen. So etwas wie Schadenfreude, zwischenmenschliches Desinteresse und unterlassene Hilfeleistung sollte es bei Christinnen und Christen eben nicht geben. Wer sich zum Christentum bekennt, sollte auch ein diesem Bekenntnis würdiges Leben führen, anders gesagt, sich nach besten Kräften darum bemühen, ein solches im moralisch-ethischen Sinne gutes Leben zu führen.

Ausgehend von der Bibel mit ihren Büchern des Alten/Ersten und Neuen/Zweiten Testaments weist das Lehramt der Kirche einschließlich dem Kirchenrecht immer wieder grundsätzlich in diese Richtung. Auch wenn in den stärker verbreiteten Medien päpstliche Erklärungen und aktive Handlungen gerne missachtet bis mit Häme und Tatsachenverdrehungen behandelt werden, so verdienen auch die Gebetsanliegen des Papstes für den jeweiligen Monat immer wieder Beachtung.
So weisen uns diese päpstlichen Gebetsanliegen für den Februar 2026 ganz stark auf Menschen hin, die nicht zu den sog. Reichen, Mächtigen und Schönen gehören. Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass das Christentum insbesondere begann als Religion der Entrechteten und generell der Schlechtgestellten. Jesus von Nazaret, Maria und Josef und die Apostel stammten selber aus einer vom Römischen Reich unterworfenen Bevölkerungsgruppe. Der Tod Jesu am Kreuz auf Anweisung des Römischen Statthalters war typisch für das qualvolle und bewusst entehrende Ende von jemandem, der nicht das römische Bürgerrecht besaß. Bezeichnenderweise starb alter Überlieferung zufolge dann auch mit Petrus der von Jesus mit dem Vorsitz des Apostelkreises betraute Mensch am Kreuz. Das Petruskreuz als auf dem Kopf stehendes sog. lateinische Kreuz kommt von daher. Das Christentum wurde insbesondere zur Religion von Sklaven, Frauen und eben überhaupt vom im römischen System schlechtergestellten Menschen. Nach römischer Familienkonstruktion kam dem pater familias unbeschränkte Gewalt über die Menschen im betreffenden Bereich wie Ehefrau, Kinder und Sklaven sowie das Vermögen zu. Frauen waren niemals im Senat vertreten und spielten auch sonst im politisch-staatlichen Bereich offiziell keine Rolle. So wurde auch eine Frau niemals Volkstribun oder eben Volkstribunin. Blicken wir auf die für heutige Menschen oft irreführend so genannte „republikanische“ Verfassung Roms, so gab es keine weiblichen Konsuln, Prätoren, Zensoren und Quästoren. Es gab auch weder weibliche kurulische noch plebejische Ädile. Daran ändert sich nichts mit dem unter offizieller Beibehaltung der „republikanischen“ Ämter und des Senats durchgeführten Übergangs zum römischen Prinzipat, zur römischen Kaiserzeit.
Es sorgte bei den Römern offensichtlich für eine Vernichtungswillen fördernde Empörung, als sie im Vorfeld des legendären Aufstandes der Boudicca/Boudica/Boudouika auf eine Frau in gesellschaftlich-politischer Führungsfunktion trafen. Man denke da auf christlicher Seite, um in Britannien oder wie auch immer zu bleiben, nur an Königinnen der verschiedenen Reiche der Angeln und Sachsen, von denen manche dann als Heilige verehrt wurde. Bezüglich des Gebietes des gegenwärtigen Großbritanniens besonders bekannt ist wohl die heilige Margareta von Schottland. Eine enorme Bedeutung schon in den meist Mittelalter genannten Zeiten gewannen Frauen in der Geschichte Irlands. Dies setzt sich fort bis in die ja zumeist von Katholikinnen und Katholiken getragene irisch-republikanische Bewegung unserer Tage mit all ihren Spaltungen und Aufzweigungen.
Der Einsatz für die Notleidenden und Schlechtgestellten wird in der Bibel aus Altem und Neuem, aus Erstem und Zweiten Testament immer wieder und in unterschiedlichen Arten des Ausdrucks und der Schwerpunktsetzung eingefordert bzw. gewürdigt. Ein solches Wirken wurde offensichtlich alsbald zu einem Markenzeichen des Christentums. Das Eintreten für die Möglichkeit der Eheschließung zwischen Sklaven, Freien und auch Angehörigen des senatorischen Adels und von Angehörigen verschiedener Volksgruppen passt dazu. Dabei blieben aber typischerweise Spaltungen, Irrungen und Wirrungen innerhalb des Christentums nicht aus. Auseinandersetzungen und Spaltungen egal aus welchen Gründen im Einzelnen begegnen uns ja schon zum wiederholten Male im Neuen/Zweiten Testament. Innerer Korrumpierung wie Unterwerfung unter den mit der Forderung nach dem Kaiseropfer totalitären römisch-staatlichen Anspruch galt es immer wieder nach besten Kräften zu wehren.
Der Einsatz für notleidende Menschen bleibt ein christlicher Dauerauftrag. In dessen Verwirklichung haben sich Christinnen und Christen zu bewähren.

Tatsächlich lauten die Gebetsanliegen für diesen Monat:

„Für Kinder mit unheilbaren Krankheiten“

und

„Wir beten, dass die von unheilbaren Krankheiten betroffenen Kinder und ihre Familien die medizinische Betreuung und die notwendige Unterstützung erhalten, ohne je die Kraft und die Hoffnung zu verlieren.“

Bei diesen Gebetsanliegen des Papstes wird das so große und allgemeine Anliegen der christlichen Nächstenliebe genauer spezifiziert. Dabei werden keinerlei Unterschiede nach Hautfarbe, Volksgruppenzugehörigkeit, parteipolitischer Orientierung der Eltern und dergleichen gemacht. Das mag ruhig manchen Bischof und anderen kirchlichen Amts- oder Funktionsträger zum Nachdenken anregen. Einst hat Papst Leo XIII. (Pontifikat von 1878 bis 1903) als der Papst der ersten Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ nicht nur allgemeine Prinzipien etwa für soziales Verhalten und menschliche Gerechtigkeit aufgestellt. Er konnte in seinem so vielfältigen Wirken auch ziemlich in Einzelheiten hineingehen. Insbesondere seine Enzyklika „Affari vos“ kann heute noch Anhängern des britischen Empires und überhaupt britischer Herrschaft unangenehm aufstoßen (siehe Gedanken zur Woche 272 – HOCHFEST von PFINGSTEN (2025)).

Dabei hat sich das Bekenntnis des christlichen Glaubens überhaupt in einem glaubwürdigen christlichen Leben zu bewähren. Gerade all die, welche ein offizielles Amt und dergleichen in der Kirche innehaben, sind da herausgefordert. Je mehr jemand hier wahrnehmbar Kirche repräsentiert, um so mehr ist dies eine schwerwiegende Verpflichtung. Dies gilt sowohl in traditionell christlichen Gebieten wie in Missionsgebieten. Bei der Katechese im mehr innerkirchlichen Bereich wie in der missionarischen Verkündigung muss immer ein glaubwürdiges Lebenszeugnis der Verkünderinnen und Verkünder gegeben sein. Nicht nur Glaubensinhalte in einem engeren Sinne, sondern eben auch moralisch-ethische Werthaltungen und Verhaltensweisen sind nachhaltig zu vermitteln. Katechese wie auch Religionsunterricht an Schulen und etwa das Katechumenat für Taufbewerber sollten in diesem Sinne gestaltet sein. Dies gilt unabhängig etwa von ortskirchlichen Einzelheiten und Besonderheiten wie etwa jeweiligem Partikularrecht.

 

1. Lesung: Zef 2,3; 3,12-13
2. Lesung: 1 Kor 1,26-31
Evangelium: Mt 5,1-12a

 

 

 

Gedanken zur Woche 306-b, Dr. Matthias Martin
4. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Aus der Frühzeit des Christentums kommt das starke Zeugnis für den Einsatz für die Notleidenden, für die an den Rand Gedrängten in der jeweiligen Gesellschaft. Verbunden ist dies mit der grundsätzlichen Bereitschaft zu einer Opposition gegen das jeweils herrschende Regime. Ausgehend von der gegen theologische Richtungen wie die des Marcion/Markion verteidigte Bibel aus Altem/Ersten und Neuem/Zweitem Testament wurde dies Grundausrichtung sowohl in mehr theoretisch-verkündigungsmäßiger wie in praktisch, gewissermaßen handfester Weise vertreten.

Zum einen gab es etwa die christlichen Apologeten und überhaupt christliche Predigt und dergleichen. Zum anderen gab es das beharrliche caritative Wirken im Alltag und die Bereitschaft von Christinnen und Christen in das Martyrium zu gehen. Hierbei spielten Frauen eine ganz starke Rolle. Der Gedenktag der heiligen Agatha möge daran erinnern. Sie ist eine jener frühchristlichen Märtyrerinnen, welche mit männlichen Leidensgenossen Aufnahme in den Römischen Messkanon, das Erste Hochgebet erlangte. In diesem grenzüberschreitenden Kernstück christlicher Liturgie und damit auch Herausstellung eigener kirchlicher Identität wurde beizeiten so etwas wie eine Frauenquote verwirklicht (siehe Gedanken zur Woche 12-b – PFINGSTMONTAG und 9. WOCHE IM JAHRESKREIS (2020)). Eingang fand dies auch in die christliche Kunst und erwies gerade dort ein beachtliches Beharrungsvermögen.

Dabei wird auf dunkle Punkte im Leben der eigenen Glaubensgemeinschaft wie bei so etwas wie den eigenen Helden schon in der Bibel hingewiesen. Es beginnt doch sogar im ersten Buch der Bibel, dem Buche Genesis. Selbst der auch dann im Christentum so in besonderen Ehren gehaltene Abraham wird keineswegs als makellose Lichtgestalt präsentiert. Zwischen seinen Knechten und denen seines Neffen Lot, der ja sogar mit ihm aufbrach, gab es nach dem biblischen Originalzeugnis handfeste Auseinandersetzungen. Diese führten zwischen den beiden zu einer gewissen einvernehmlichen Trennung. Es ist eine starke Mahnung, das Trennende aber nicht überzubetonen, wenn im Weiteren des Buches Genesis in schwierigen Momenten aber wiederum Abraham bereit war, sich für Lot und die Menschen von dessen engster Umgebung einzusetzen.
Dabei gab es Erzählung des ersten Buches der Bibel zufolge schon bei Noah den Moment großer Peinlichkeit für den Helden, verbunden mit einer heftigen familieninternen Auseinandersetzung.
Später dann war die Rivalität zwischen den Zwillingsbrüdern Jakob und Esau auch nicht „nett“. So etwas wird aber auch schon vorher in Hinblick auf die beiden Halbbrüder und Söhne Abrahams, Ismael und Isaak, auf eigene Weise dargestellt. Derartiges setzt sich im Alten/Ersten Testament fort.
Es ist der Bruder des Moses und Hohepriester der Hebräer oder Israeliten, Aaron, welcher, um das aus Ägypten ausgezogene Volk zufriedenzustellen, das berüchtigte Goldene Kalb herstellt. Auch sonst wird der Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten und Weg in das Gelobte Land keineswegs als so etwas wie ein Ruhmesmarsch der Einheit und Glaubenstreue dargestellt.
Überhaupt liefern schon diese Fünf Bücher Mose, der Pentateuch und damit die ursprüngliche Thora/Tora/Torah immer wieder Anschauungsmaterial, dass die Bibel keine Ansammlung „netter“ Geschichten ist, die man so einfach etwa für das Vorlesebuch für die lieben Kinder verwenden könne. Dazu findet man dort auch deutliche rechtliche Regelungen bis scharfe Strafbestimmungen, die für heutige Mitmenschen immer wieder gar nicht „nett“ erscheinen.

Dies setzt sich dann im Weiteren des Alten/Ersten Testaments fort. Die sog. geschichtlichen Bücher im Anschluss eben an die Fünf Bücher Mose sind da auf ihre Weise lesenswert. So werden auch dunkle Punkte und schlechte Seiten bei David und Salomon deutlich angesprochen. Der erste zunächst anerkannte König der zwölf Stämme Israels, Saul, wird als überhaupt von Gott verworfen dargestellt. Glaubensabfall und Korruption begegnen gar nicht selten.
Dabei sind es immer wieder gerade Frauen, welche eine gute Rolle spielen. Um bei den geschichtlichen Büchern des Alten/Ersten Testaments kurz zu bleiben, mag man sich vergegenwärtigen, dass ganze Bücher wie Rut, Judit und Ester nach Frauen benannt sind. Im Buch der Richter wird als so etwas wie eine wirkliche Lichtgestalt eben Deborah dargestellt. Sie erhält wichtige Unterstützung von einer anderen Frau, von Jaël. Auch da geht es wiederum nicht so einfach „nett“ zu. Deborah treibt energisch militärischen Widerstand gegen eine von vielen wohl als unbesiegbar erscheinende Unterdrückungsmacht voran. Jaël mag mancher und manchem als Vorbild für spätere Kämpferinnen in den Reihen der Irisch-Republikanischen Armee/IRA erscheinen.

In den alttestamentlichen Büchern der Weisheit wie Jesus Sirach finden wir eigene Warnungen vor menschlichem Fehlverhalten. Schon im ersten Kapitel des Buch Kohelet heißt es warnend „(Koh 1,9) … Es gibt nichts Neues unter der Sonne“.

In den Prophetenbüchern stellt dann die Auseinandersetzung mit menschlichem Fehlverhalten unterschiedlicher Art das große Thema dar. Das betrifft nicht nur die beiden Prophetenbücher Amos und Jonas. Auch in dem in der üblich gewordenen Darstellung ja ganz kurzem Prophetenbuch Obadja geht es ziemlich heftig zu.

Wie in dieser Reihe eigens wiederholt thematisiert, werden dann im Neuen/Zweiten Testament interne Probleme vielfältig und deutlich dargestellt. Fehlverhalten von Aposteln und anderen erklärten Jesusjüngern wird da offen angesprochen. Was sich da nachlesen lässt, ist eben wiederum gar nicht so „nett“, wie manche und mancher das sich wohl landläufig so denkt.

Dies setzt sich in der Kirchengeschichte fort. Vertuschen und theologisches Beschönigen hilft da nichts. Es kann sehr leicht in die Irre führen und Tätern und Täterinnen mit ihren Helfershelfern und -innen nur Unterstützung gewähren.

In einem guten Sinne ernste Worte der Bibel wie der kirchlich-lehramtlichen Überlieferung sind da eben zu Herzen zu nehmen. So hat auch das Kirchenrecht seine Berechtigung, ja Notwendigkeit. Sowohl direkte Maßnahmen gegen innerkirchliche Täter und Täterinnen mit ihren Strukturen anstelle der Herabwürdigung und direkter Bekämpfung von Opfern und von Menschen, die auf deren Seite stehen, wie Präventionsmaßnahmen sind eben wirklich notwendig.
So besitzen auch die eher allgemeinen Hinweise und Mahnungen im Kirchenrecht bezüglich eines im guten Sinne glaubwürdigen Lebenswandels kirchlicher Vertreterinnen und Vertreter ihre fortwährende Bedeutung.
Eigens wird die Herausforderung, selber ein glaubwürdiges Leben zu führen und nicht nur schöne Worte zu sprechen in Hinblick auf das Missionswesen angesprochen. Paragraph 1 von CIC-Canon/Kanon 787 etwa lautet:

„Die Missionare haben durch das Zeugnis ihres Lebens und ihres Wortes mit den nicht an Christus Glaubenden einen ehrlichen Dialog zu führen, sodass diesen in einer ihrer Eigenart und Kultur entsprechenden Weise die Wege zur Erkenntnis des Evangeliums geöffnet werden.“

Bei der Spendung bzw. dem Empfang der Taufe geht es keineswegs um ein einmaliges Ereignis. Ausdrücklich ist vor einem magisch-rituellen Missverständnis zu warnen. Das Sakrament der Taufe ist vielmehr nach besten Kräften mit Leben zu erfüllen und im eigenen Leben umzusetzen. So lauten die ernsten Worte von Canon/Kanon 789 des CICs:

„Die Neugetauften sind in angemessener Unterweisung zu vollerer Kenntnis der Wahrheit des Evangeliums und zur Erfüllung der durch die Taufe übernommenen Pflichten zu führen; sie sind zu aufrichtiger Liebe zu Christus und seiner Kirche anzuleiten.“

 

 

 

Gedanken zur Woche 305, Dr. Matthias Martin
3. SONNTAG IM JAHRESKREIS und SONNTAG DES WORTES GOTTES (2026)

Wenn im ersten Monat des Kalenderjahres eigens der SONNTAG DES WORTES GOTTES begangen wird, so hat dies seine eigene Aussagekraft. Dieser besondere Sonntag besitzt damit seine eigene wichtige Wegweiserfunktion.

Bekräftigt wird dies durch den Umstand, dass dieser Sonntag, der 25. Januar, nach der am meisten verwendeten liturgischen Einteilung auch als der DRITTE SONNTAG IM JAHRESKREIS begangen wird. In diesem Sinne kommt „ganz normal“ das Grün als Liturgiefarbe zum Einsatz.
Demenentsprechend sind zwei Lesungen und ein Tagesevangelium vorzutragen. Wie üblich kommt die erste Lesung aus dem Alten oder Ersten Testament. Folgen wir der gerade im deutschen Sprach- und Kulturraum üblich Ordnung, so werden in diesem Falle Verse aus dem recht umfangreichen Prophetenbuch Jesaja geboten. Schon die Zahl der Kapitel, in welche dieses Buch Jesaja üblicherweise eingeteilt ist, weist auf den für biblische Bücher besonders großen Umfang hin. Es handelt sich nämlich um immerhin 66 Kapitel. Es folgt in der üblichen Anordnung des Alten/Ersten Testaments das Prophetenbuch Jeremia. Dann kommen das Buch der Klagelieder, das Prophetenbuch Baruch, sowie die Prophetenbücher Ezechiel und Daniel.
Folgt man der zumindest in der Regel verwendeten Anordnung der alttestamentlichen Bücher, so kommt man zum Zwölfprophetenbuch (siehe allgemein Gedanken zur Woche 291 – 29. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2025)). Dieses besteht aus eher knappen zwölf prophetischen Einzelschriften. Dabei handelt es sich um das Buch Hosea, das Buch Joël, das Buch Amos und das besonders kurze Prophetenbuch Obadja. Dieses ist so kurz, dass es als einziges Buch im Alten/Ersten Testament nur in Verse unterteilt wird. Man könnte auch sagen, dass dieses Buch Obadja nur aus einem einzigen Kapitel besteht, das seinerseits eine Reihe von Versen umfasst.
Dies trifft sonst auf vier neutestamentliche Bücher zu: den Brief an Philemon/Philemonbrief, den Zweiten und den Dritten Johannesbrief sowie den Judasbrief (siehe Gedanken zur Woche 179-b – 21. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 293-b – 31. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Innerhalb des Zwölfprophetenbuches kommt man nach Obadja der üblichen Einteilung zufolge jedenfalls zum recht bekannten und auch in der bildenden Kunst einen stärkeren Niederschlag aufweisenden Buch Jona. Die nächste Schrift ist Micha, dann Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi. Dieses Prophetenbuch Maleachi steht am Ende der üblichen Anordnung des Alten/Ersten Testaments. Dabei gehen die Datierungen in Hinblick auf die Entstehung der biblischen Bücher immer wieder deutlich bis sehr weit auseinander. Dies trifft auch für die Bücher des Alten/Ersten Testaments zu. Auf dieses Phänomen stoßen wir grundsätzlich ebenso in Hinblick auf die Schriften des Neuen/Zweiten Testamentes.
Eigens ist zu beachten, dass es zwischen christlichen Konfessionen deutliche Unterschiede gibt, welche Bücher oder Schriften man als Teil der Bibel anerkennt und die in diesem Sinne in einer betreffenden Bibelausgabe zu finden sind und welche nicht. Diese Meinungsverschiedenheiten bezüglich des biblischen Charakters betreffen gerade auch Teile der alttestamentlichen Bücher Ester und des in diesem Beitrag bereits erwähnten Prophetenbuchs Daniel.

Überhaupt betreffen solche Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Zugehörigkeit von Schriften und Teilen von Schriften zur Bibel insbesondere das, was meist das Alte Testament und seltener etwa das Erste Testament genannt wird. Es betrifft aber auch Schriften und Teile von Schriften, welche von einer konfessionellen Überlieferung als Teil des Neuen bzw. Zweiten Testaments anerkannt werden, von anderen Teilen der Christenheit aber mehr oder minder nicht.
Immer wieder gilt „Meine Bibel ist nicht deine Bibel“ oder „Deine Bibel ist nicht meine Bibel“. Dies gilt erst recht, wenn es um Übersetzungen geht. Dies kann so grundsätzliche Themen wie die Rechtsfertigungslehre insbesondere nach dem neutestamentlichen Römerbrief wie das Verhältnis von Gott Vater und Jesus Christus insbesondere nach den ihrerseits neutestamentlichen Evangelien betreffen.

Eigens sorgt mitunter der Umstand für Verwirrung, dass die im Zwölfprophetenbuch enthaltenen Werke manchmal die „kleinen Propheten“ genannt werden. Dies kann als Ausdruck für eine geringere Bedeutung missverstanden werden. Ein solcher Fehlschluss sollte aber vermieden werden. Tatsächlich werden diese prophetischen Schriften nur wegen ihres knappen Umfanges mitunter klein/kleine genannt. Eine Minimierung ihrer Bedeutung oder der Wertschätzung für sie ist damit gerade im Sinne der katholischen, orthodoxen und altorientalischen Überlieferung keineswegs gemeint.
Natürlich stößt man auch hier wieder auf die das so aufgesplitterte Phänomen von „Protestantismus“ ausmachende Vielfalt der dort vorhandenen Meinungen.

Die katholische Kirche ihrerseits hat jedenfalls den Umfang ihrer Bibel wiederholt klar umschrieben. In diese Richtung gehen bereits frühe Synoden. Wohl besonders wichtig wurde dann die Synode zu Rom des Jahres 382. Für die spätere Zeit sind insbesondere die Konzilien von (Basel – Ferrara –) Florenz und von Trient zu nennen. Deren Positionierung zum biblischen Kanon wurde durch das Erste Vatikanische Konzil und dann auch durch das Zweite Vatikanische Konzil bestätigt. Eigene Beachtung verdienen päpstliche Bibelenzykliken einschließlich etwa der Enzyklika „Caritatis Studium“ Papst Leos XIII. an die Kirche von Schottland ( https://www.vatican.va/content/leo-xiii/en/encyclicals/documents/hf_l-xiii_enc_25071898_caritatis-studium.html ). Hier werden eigene kirchenhistorische Hinweise zur Verteidigung biblischer Bücher durch die katholische Kirche geboten. Es wird in dieser bemerkenswerten Enzyklika eigens die Hoffnung ausgedrückt, auf der gemeinsamen Basis der Heiligen Schrift zu einer Verständigung mit den getrennten Christinnen und Christen Schottlands zu gelangen.

Die Betonung der Wichtigkeit der Bibel und ihrer Vermittlung findet auch ihren Niederschlag im Kirchenrecht. Hierbei wird die Verbindung zum katholischen Amtsverständnis deutlich.
So lautet Canon/Kanon 762 des jetzigen CICs:

„Das Volk Gottes wird an erster Stelle geeint durch das Wort des lebendigen Gottes, das man mit Recht vom Priester verlangt; daher haben die geistlichen Amtsträger den Predigtdienst hochzuschätzen; es gehört zu ihren hauptsächlichen Pflichten, allen das Evangelium Gottes zu verkündigen.“

Eine Beschränkung auf den kirchlichen Binnenraum sollte dabei vermieden werden. Dies gilt heutzutage umso mehr, da inzwischen etwa in westlichen Ländern meist nur noch eine deutliche Minderheit am kirchlichen Leben teilnimmt.
Ganz in diesem Sinne lautet Canon/Kanon 771 des CICs von 1983:

„§ 1. Die Seelsorger, besonders die Bischöfe und Pfarrer, haben eifrig darum besorgt zu sein, dass das Wort Gottes auch den Gläubigen verkündigt wird, die wegen ihrer Lebensbedingungen die allgemeine und ordentliche Hirtensorge nicht hinreichend erhalten oder sie vollständig entbehren.“

Die Gesamtheit dieses CIC-Canons/Kanons schließt dann ab:

„§ 2. Sie haben auch dafür zu sorgen, dass die Botschaft des Evangeliums zu den Nichtglaubenden in ihrem Gebiet gelangt, die ja, nicht anders als die Gläubigen, in die Seelsorge einbezogen werden müssen.“

Passend dazu ist die zweite Lesung von diesem Sonntag im Jahreskreis wie üblich aus einer jener neutestamentlichen Schriften, die nicht zu den vier Evangelien gehören.
Das Tages- oder Sonntagsevangelium kommt wiederum aus dem Gesamtbereich der vier Evangelien des Neuen/Zweiten Testaments.

 

1. Lesung: Jes 8,23b-9,3
2. Lesung: 1 Kor 1,10-13.17
Evangelium: Mt 4,12-23

 

 

 

Gedanken zur Woche 305-b, Dr. Matthias Martin
3. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Wenn auf den SONNTAG DES WORTES GOTTES unmittelbar der Gedenktag des heiligen Timotheus und des heiligen Titus folgt, so passt dies sehr gut zusammen.
Tatsächlich ist einer der zum Neuen/Zweiten Testament gehörenden Briefe nach dem Schüler und Mitarbeiter des Apostels Paulus, Titus benannt. Sogar zwei Briefe sind nach Timotheus als weiteren Mitarbeiter des Apostels Paulus benannt.
Nach einer heutzutage beliebten Einteilung bilden der Titusbrief und die beiden Timotheusbriefe gemeinsam die Gruppe der Pastoralbriefe. Diese werden gerne nicht den Originalpaulusbriefen im Neuen/Zweiten Testament zugeschrieben (siehe Gedanken zur Woche 151-b – 6. WOCHE IM JAHRESKREIS (2023) und Gedanken zur Woche 159 – HOCHFEST von OSTERN (2023)).
Dabei sind all jene neutestamentlichen Schriften, die in der ein oder anderen Weise als Paulusbriefe oder als paulinisch bezeichnet werden, gute Beispiele dafür, wie bezüglich Teilen der Bibel auch unter Theologen die Meinungen weit auseinandergehen können. Die Verhinderung von Spaltungen ist da in christlichen Gemeinden und Kirchen umso mehr eine Daueraufgabe. Gerade in diesem Sinne ist nach katholischer Überlieferung die Tätigkeit des Papsttums und des kirchlichen Lehramtes, ja überhaupt von kirchlicher Hierarchie zu verstehen. Es geht, locker gesagt, darum, den Laden zusammenzuhalten.

Über theologische Meinungsverschiedenheiten, ethnische Zugehörigkeiten, soziale Zuordnungen und parteipolitische Orientierungen hinweg bildet das Papstamt mit der sichtbaren Struktur des Vatikans einen ungezählte Menschen zusammenführenden Identifikationspunkt. Neue Spaltungen zu verhindern, ist für sich schon ein enormer Erfolg. Die besondere Stellung des Papsttums wird ja auch in der Internationalen Gemeinschaft anerkannt. Die allermeisten anderen Akteure in den internationalen Beziehungen erkennen weiterhin den Heiligen Stuhl, auch genannt der Apostolische Stuhl als Völkerrechtssubjekt eigener Art, als Völkerrechtssubjekt sui generis an. Davon ist weiterhin der Staat der Vatikanstadt mit den typischen Merkmalen von Staatsgewalt, Staatsvolk und Staatsgebiet zu unterscheiden. Von diesem Vatikanstaat ist der Papst tatsächlich das Staatsoberhaupt.
Das österreichische Außenministerium hält u. a. fest ( https://www.bmeia.gv.at/oeb-heiligen-stuhl/ratgeber/heiliger-stuhl-vatikan ):

„Dieses Nebeneinander von zwei so besonderen Völkerrechtssubjekten erklärt sich insbesondere daraus, dass es den Päpsten stets ein Anliegen war, die Unabhängigkeit und den staatenübergreifenden Charakter der Kirche auch dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass der Papst an seinem Amtssitz keiner wie auch immer gearteten fremden Staatsgewalt unterworfen sein soll.“

In die hier angesprochene Grundrichtung weist nicht zuletzt die jeweilige Ansprache des Papstes beim Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps. Über dieses berichtet dann eigens auch die deutsche Ausgabe des „Osservatore Romano“ als der offiziellen Zeitung des Vatikans, gewissermaßen dem Regierungsorgan. Bemerkenswert ist dabei, dass sich gleich zu Beginn seiner Ansprache Papst Leo XIV. beim Dekan des Diplomatischen Korps, George Poulides für dessen „freundliche(n) und wertschätzende(n) Worte“ (L’OSSERVATORE ROMANO Nummer 3 2026 (56. Jahrgang – 16. Januar 2026) Seite 9) bedankte. Botschafter Poulides ist der Vertreter der Republik Zypern beim Heiligen Stuhl. Man muss nicht Experte oder Expertin für internationale Beziehungen sein, um etwas von den Auseinandersetzungen um Zypern mitzubekommen. Der türkische Konfrontationskurs gegen die durch Botschafter Poulides beim Heiligen Stuhl vertretene Republik Zypern ist wohlbekannt. Genau dem Botschafter dieser solchermaßen bedrängten Republik Zypern erkennt man beim Heiligen Stuhl schon über längere Zeit hin die Position des Dekans des dort akkreditierten Diplomatischen Korps zu und würdigt ihn vor den anderen mit starken Worten. Damit noch nicht genug! Eigens ist in der Ausgabe des „Osservatore Romano“ ein Foto zu sehen, auf dem Papst Leo XIV. und Zyperns Botschafter George Poulides gemeinsam abgebildet sind (siehe ebd., Seite 11). Solches sind Ehrungen, welche seitens des Heiligen Stuhls bei dieser Gelegenheit weder dem Botschafter eines der Vetomächte im UN-Sicherheitsrat noch von Regionalmächten wie Brasilien oder Australien zuerkannt wurden. Mit der Volksrepublik China unterhält der Heilige Stuhl eh keine diplomatischen Beziehungen. Stattdessen hält er unbeirrbar fest an seinen diplomatischen Beziehungen zur Republik Taiwan.
Mit Zypern verbinden den Heiligen Stuhl besondere historische Beziehungen. Eine frühere zypriotische Königin wurde sogar im Petersdom bestattet (siehe Gedanken zur Woche 295-b - 33. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)). Das ist dann auch wieder interessant in Hinblick auf die Stellung von Frauen in der Kirche.

Bei der päpstlichen Ansprache verdient die namentliche Begrüßung „der neuen residierenden Leiter der diplomatischen Vertretungen von Kasachstan, Burundi und Belarus“ (ebd. im OSSERVATORE ROMANO, Seite 9) Beachtung. Der Papst bedankte sich sogar ausdrücklich bei den betreffenden Regierungen für die Eröffnung diplomatischer Vertretungen beim Heiligen Stuhl. Er bezieht damit sehr deutlich Stellung gegen die Vorherrschaft oder bevorzugte Behandlung traditioneller Kolonial- und Besatzungsmächte wie Großbritannien, Frankreich und Russland. Damit bewegt sich Papst Leo XIV. ganz auf der Linie seiner Vorgänge. Diese waren ja gerne bereit, von solchen Mächten befreite Länder anzuerkennen und überhaupt ihnen in vielfältiger Weise Hilfe leisten wie auch mit etwaigen Exilregierungen (diplomatische) Beziehungen zu unterhalten.
Dies geschah bei der Befreiung Lateinamerikas vom spanischen und portugiesischen Kolonialjoch wie in der dauernden Auseinandersetzung mit dem französischen und dem britischen Kolonialreich und deren allmählich weitgehendem Zerfall. Auch die Auseinandersetzungen mit dem jugoslawischen, dem sowjetischen und dem tschechoslowakischen Gewaltregime zeigten dieses päpstliche Verhaltensmuster.

Dazu passt eigens in der aktuellen Ansprache Leos XIV. die ausdrückliche Würdigung des libanesischen Volkes und der Republik Libanon.

Sehr deutlich war die Kritik des Papstes an der Einschränkung der Meinungsfreiheit gerade in westlichen Ländern (ebd., Seite 10):

"Bei genauerer Betrachtung gilt jedoch das Gegenteil: Die Rede- und Meinungsfreiheit wird gerade durch die Gewissheit der Sprache und die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt. Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.
Aus dieser Fehlentwicklung ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte der Menschen beschnitten werden, angefangen mit der Gewissensfreiheit.“

Der Papst betont gegen solche nicht nur von ihm kritisierten Entwicklungen die Wichtigkeit der Möglichkeit, jede Mitwirkung an Abtreibung und Euthanasie abzulehnen.
Laut Leo XIV. zeigen die neuesten Daten, „dass Verstöße gegen die Religionsfreiheit zunehmen und dass 64 % der Weltbevölkerung schwerwiegende Verletzungen dieses Rechtes erleiden“ (ebd.).
Ausdrücklich spricht er die Diskriminierung von Christen an, „die sich auch in Ländern ausbreitet, in denen sie zahlenmäßig in der Mehrheit sind, wie in Europa oder Nord- und Südamerika“ (ebd.). Das sind klare, ja harte Worte in einer insgesamt so bemerkenswerten Ansprache des Papstes. Ganz stark sprach er darin die Abtreibung an und verurteilte eine Ideologie, die ein „Recht auf sichere Abtreibung“ propagiere. Damit kritisierte er ganz eindeutig insbesondere die französische Politik.
Seine demonstrative Solidarität mit den Menschen im Gazagebiet und im Westjordanland rundet solche Kritik ab. Schließlich war es Frankreich, das mit Großbritannien das furchtbare Sykes-Picot-Abkommen mit all seinen furchtbaren Folgen für die Menschen im Nahen Osten schloss.

 

 

 

Gedanken zur Woche 304, Dr. Matthias Martin
2. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2026)

Wenn man in Pfarreien, Klöstern und Filialkirchen nach dem derzeit meist verwendeten liturgischen Kalender den ZWEITEN SONNTAG IM JAHRESKREIS begeht und man sich nach dem Gregorianischen Kalender noch nicht allzu weit im Januar befindet, so ist dies eine Gelegenheit, eigens den Blick auf das Jahr zu richten, das noch irgendwie im Beginnen begriffen ist.
Man kann bei dieser Gelegenheit versuchen, manches neu zu organisieren. Die Aufmachung des Internetauftrittes einer Pfarrei und in ihr tätiger Gruppen mag der einen oder anderen größeren oder kleineren Veränderung unterzogen werden. Dies kann sich allein schon von den so raschen Veränderungen im Gesamtbereich von IT-EDV her nahelegen. Erst recht, wenn eh auf überpfarrlicher Ebene etwa infolge der Entscheidungen von diözesaner Seite Umstrukturierungen anstehen, mag überlegt werden, wie praktische Angelegenheiten innerhalb der eigenen Pfarrgemeinde verändert werden können oder sollen.

Verbunden damit lässt sich bedenken, wie die ersten Tage des neuen Kalenderjahres seit dem 1. Januar verlaufen sind. Was ist aus für den Jahreswechsel gemachten Vorsätzen bzw. Änderungsabsichten geworden? Sollte man sich bei mehr persönlich orientierten guten Vorsätzen noch einmal eigens aufraffen, auf dass diese im neuen Jahr auch wirklich umgesetzt werden? Wenn es etwa um die Abstellung oder zumindest Reduzierung von Alkohol- und Nikotinkonsum geht, mag man sich überlegen, wie man vielleicht Versuchungen in Zukunft besser aus dem Weg geht, als dies in der (jüngsten) Vergangenheit der Fall war. Sollte man nicht vielleicht eigene Lebensabläufe tiefgreifender umstellen, als man bisher dachte? Kann man vielleicht damit in Zukunft besser der bedrängenden Einladung zur schnellen Zigarette oder dem „einen Bier halt“ entkommen? Mitunter kann sich auch die Frage stellen, welchen Straßenzug oder welches Stadtviertel man etwa besser meiden sollte. Kann man vielleicht künftig den eigenen Tagessablauf so organisieren, dass man jemanden bei bestimmten Gelegenheiten zur Seite hat, der einem selber dabei unterstützt, die ein oder andere Versuchung abzuwehren? Wie wäre es mit einer Entziehungskur und ähnlichem?

Welche Gewohnheiten und bisherige Abläufe sollten auf der anderen Seite beibehalten werden? Was hat sich bewährt?
Derartiges gibt es ja im Leben des Einzelnen, einer einzelnen Familie, einer örtlichen Gruppe einschließlich Pfarrgemeinde bis hin zu internationalen Gemeinschaften oder Organisationen.
Der liturgische Jahreskreis etwa bietet so eine einigermaßen feste Ordnung. Hinzu kommen gerade in offiziellen Pfarreien, Dekanaten, Bistümern/Diözesen und Gebieten von Bischofskonferenzen auch ökumenische Ereignisse. Hierbei ist nicht zuletzt die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ zu nennen. Mit den Texten in den letzten Jahren aus den Staatswesen der Cook Inseln/Cookinseln, Palästinas und Taiwans ist natürlich auch der „Ökumenische Weltgebetstag der Frauen“ zu nennen, kürzer genannt der „Ökumenische Weltgebetstag“ (siehe Gedanken zur Woche 263 – 5. FASTENSONNTAG (Passionssonntag) (2025)).

Man mag nun zu den Veränderungen im Kirchenrecht, in der Liturgie, der Pastoral und der gewissermaßen Kirchenpolitik, wie sie sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ereignet haben, stehen, wie man will. Auf jeden Fall ist ein Blick in das offizielle Kirchenrecht immer wieder nützlich. Von daher können dann etwa auch eigene Änderungsvorschläge besser formuliert und eingebracht werden.

In Hinblick auf ökumenische Aktivitäten wird in Paragraph 1 von Canon/Kanon 755 des gegenwärtigen CICs für die Lateinische Kirche grundsätzlich festgehalten:

„Aufgabe des ganzen Bischofskollegiums und besonders des Apostolischen Stuhles ist es, die ökumenische Bewegung bei den Katholiken zu pflegen und zu leiten; Ziel der ökumenischen Bewegung ist die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen; sie zu fördern, ist die Kirche kraft des Willens Christi gehalten.“

Dass dies sehr ehrgeizig oder in gewissem Sinne idealistisch formuliert ist, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es so etwas wie innerchristliche Auseinandersetzungen bis Spaltungen schon in neutestamentlicher Zeit gab. Umso mehr, da man sich bei ökumenischen Veranstaltungen und Erklärungen gerne auf die „Bibel“ beruft, sei ein Blick gerade in Schriften des Neuen/Zweiten Testaments auch an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen. Blickt man etwa in diese so kurzen und nur eine Verseinteilung aufweisenden Schriften des Zweiten und Dritten Johannesbriefs sowie des Judasbriefes, so wird bereits dort deutlich, dass es in gewissermaßen neutestamentlicher Zeit gar nicht so harmonisch zuging, wie das sich später nicht wenige bezüglich eines verklärten „Urchristentums“ vorstellten. Hat man mehr Zeit, so möge man insbesondere auch den Ersten Johannesbrief, den Galaterbrief und die beiden Korintherbriefe studieren. So etwas wie innerchristliche soziale Spannungen werden gerade in dem wiederum so kurzen und nur Verse aufweisenden Philemonbrief und dem mit eigener Kapiteleinteilung ausgestatteten Jakobusbrief thematisiert. Aber auch sonst werden Spannungen und Konflikte deutlich. Dies gilt auch für den so umfangreichen wie in ganz verschiedener Hinsicht so kontroversiell diskutierten Römerbrief, der fortwährend auch für einander entgegengesetzte Positionen, etwa in der Rechtfertigungslehre und Sexualmoral herzuhalten hatte und hat. Nicht zuletzt bezüglich des Römerbriefes wurde schon in ganz früher christlicher Zeit überhaupt die Meinung vertreten, dieser habe in einer christlichen Bibel eh nichts verloren.
Im Zweiten Brief an die Thessalonicher/Zweiten Thessalonicherbrief finden sich so harsche Worte, wenn wir der neuen deutschen Einheitsübersetzung folgen:

„(2 Thess 3,6) Im Namen Jesu Christi, des Herrn, gebieten wir euch, Brüder und Schwestern: Haltet euch von jenen fern, die ein unordentliches Leben führen und sich nicht an die Überlieferung halten, die sie von uns empfangen haben! (7) Ihr selber wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt (8) und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. … (10) Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
(11) Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. (12) Diesen gebieten wir und ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen.“

Scharf werden hier also so etwas wie Mitbekennerinnen und Mitbekenner des Christentums angegangen, denen eine falsche Orientierung mit üblen praktischen Folgen vorgeworfen wird. Also haben wir auch hier wieder ein Beispiel anhand eines allgemein anerkannten neutestamentlichen Textes, dass es schon in den ganz frühen Zeiten des Christentums gar nicht so harmonisch zuging.
Auf dieser Linie liegt, dass im Zweiten Brief an Timotheus/Zweiten Timotheusbrief argumentiert wird, die verschiedenen heiligen Schriften (2 Tim 3,16) seien auch zur „Widerlegung“ nützlich. Also wird von der grundsätzlichen Situation direkter Auseinandersetzung auch in dieser neutestamentlichen Schrift ausgegangen. Überhaupt geht es gerade im dritten Kapitel dieses Zweiten Timotheusbriefes recht konfrontativ zu.

Einheit unter Christinnen und Christen zu erhalten oder zu erreichen ist also keineswegs so einfach. Bereits im Neuen/Zweiten Testament wird dies umfassend verdeutlicht. Dabei findet auch in diesem Zusammenhang schon der Rückgriff auf das Alte/Erste Testament statt.

 

1. Lesung: Jes 49,3.5-6
2. Lesung: 1 Kor 1,1-3
Evangelium: Joh 1,29-34

 

 

 

Gedanken zur Woche 304-b, Dr. Matthias Martin
2. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Beginnend mit dem Sonntag, 18. Januar findet in diesem Kalenderjahr 2026 bis einschließlich dem 25. Januar die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ statt.
Unmittelbar vorher wird am 17. Januar der diesjährige „Tag des Judentums“ begangen. Ganz im Sinne jüdischer Gelehrter wie etwa im Christentum sozialisierter Rechtswissenschaftler ist dabei zu betonen, dass über ihre Geschichte hin sowohl das Judentum wie das Christentum jeweils keine homogene Größe, sondern eine ziemlich pluralistische Angelegenheit waren und sind. Für die Jahrhunderte, als sich von dem hier auf Erden wahrgenommenen Auftreten des Jesus von Nazaret aus allmählich so etwas wie Christentum entwickelte, wird aus guten Gründen davon gesprochen, dass es eine Reihe von Judentümern und von Christentümern gegeben habe (siehe Gedanken zur Woche 95 – 2. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022) und Gedanken zur Woche 209-b – HEILIGE WOCHE/KARWOCHE (2024)). Erst allmählich konnte sich überhaupt so etwas wie eine mehr oder minder starke Hauptrichtung herausbilden. Das für sich schon so interessante wie selber vielfältige Judenchristentum stand für lange Zeit zwischen Bewegungen, die besonders deutlich auf eine klare Trennung zwischen Judentum und Christentum hinwirkten. Möglicherweise hat sich gerade auf der Arabischen Halbinsel ein von der Großkirche und ihr einigermaßen nahestehenden christlichen Gemeinschaften oder Strömungen als „häretisch“ kritisiertes Judenchristentum besonders lange als eigenständige Größe gehalten und auch noch auf Entstehung und grundlegende Entwicklung des Islams eingewirkt.

Im Christentum traten dann immer wieder judaisierende Tendenzen und Gemeinschaften auf. Einander scharf entgegensetzte und zahlreich aufgesplitterte Gruppierungen kann man in unseren Tagen in dem ja so ausdifferenzierten und spaltungsfreudigen Gesamtbereich des „Protestantismus“ vorfinden. Da geht es dann von einem ganz starken Interesse an bevorzugten Stellen des Alten/Ersten Testaments bis hin zur völligen Ablehnung desselben und selbst weiter Teile des Neuen/Zweiten Testaments, die von betreffender Seite als zu sehr mit dem Alten/Ersten Testament verbunden eingestuft werden. Welche mehr oder minder alttestamentlichen Bücher als Teil der „Bibel“ anzuerkennen sind, wird bei mehr oder minder häufig als „protestantisch“ bezeichneten Gemeinschaften beginnend mit dem 16. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung unterschiedlich beantwortet.
Umgekehrt ist unter den verschiedenen jüdischen Organisationen und Strömungen die Stellung zur Person Jesu von Nazarets durchaus differenziert. Wenn man sich ein objektives Bild machen will, ist auch hier wiederum die jeweilige jüdische Organisation, Gemeindestruktur oder prominente Persönlichkeit für sich möglichst vorurteilsfrei zu betrachten bzw. anzufragen. Dies gilt auch in Hinblick auf aktuelle moralisch-ethische Diskussionen wie eher tagespolitische Angelegenheiten. So gibt es eine nicht unbedeutende Richtung im Judentum, welches den Militärdienst insbesondere in der israelischen Armee ausdrücklich ablehnt. Umgekehrt gibt es Christinnen und Christen sowie ganze Denominationen, welche solchem Militärdienst demonstrativ positiv gegenüberstehen.
Ebenso lässt sich feststellen, dass nicht alle Zionisten Juden sind und beileibe nicht alle Juden Zionisten. So reagierten auch Juden gerade in den USA regelrecht entgegengesetzt zueinander, als Papst Franziskus die volle diplomatische Anerkennung Palästinas durch den Heiligen Stuhl ausdrücklich bestätigte. Ähnlich hatte man seitens der verschiedenen jüdischen Richtungen sehr unterschiedlich bis entgegengesetzt reagiert, als es unter Papst Benedikt XVI. zu einer eh zurückhaltend formulierten Annäherung an die Priesterbruderschaft St. Pius X. kam. Erst recht ist die Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung im Allgenmeinen und gegenüber dem Gazagebiet mit den dort lebenden Menschen im Besonderen auch innerhalb des Judentums sehr umstritten.

Sich solcher Vielschichtigkeiten und zwischen Judentum und Christentum vorhandener gewissermaßen fließender Übergänge bewusst zu machen, kann dazu helfen, bestehende Misshelligkeiten zu entschärfen und Vorurteile abzubauen. Von daher spricht einiges dafür, dem „Tag des Judentums“ direkt die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ folgen zu lassen.

Aus Sicht der katholischen Kirche als einer ja tatsächlichen Weltkirche gilt es auch bezüglich innerchristlicher ökumenischer Beziehungen auf örtliche Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen. Die konfessionelle Verteilung und rechtliche Gegebenheiten sind ja nach Ländern, Landesteilen und manchmal sogar nach einzelnen Orten und Stadtteilen verschieden bis sehr verschieden.

Dies schlägt sich auch im Kirchenrecht mit starken Hinweisen auf Bischofskonferenzen und Ortsbischöfe nieder.
So lautet Paragraph 2 von CIC-Canon/Kanon 755 bezüglich des grundsätzlichen Betreibens ökumenischer Bemühungen für die Einheit der Christen:

„Ebenso ist es Aufgabe der Bischöfe und, nach Maßgabe des Rechts, der Bischofskonferenz, diese Einheit zu fördern und je nach Notwendigkeit oder Lage der Dinge, unter Beachtung der Vorschriften der höchsten Autorität der Kirche, praktische Normen zu erlassen.“

Auf die Zuständigkeiten von örtlichen Bischöfen und Bischofskonferenzen weisen auch die Paragraphen 3 und 4 von Canon/Kanon des CIC 844 hin. Hier geht es um den diskutierten möglichen Empfang bei katholischen Spendern der Sakramente der Eucharistie, Buße/Beichte und der Krankensalbung durch nichtkatholische Christen, welche auch nicht Angehörige orthodoxer, altorientalischer und diesen gegenüber nach Urteil des Apostolischen Stuhles in gleicher Lage befindlicher Kirchen sind.

Dabei nehmen die Spaltungen bzw. die Zahl der voneinander unabhängigen Denominationen weiter zu.
Auch neue Spaltungen können unterschiedliche Ausmaße und verschiedene Gründe haben.
Besonders umfangreich und auch in regelrecht geopolitischer Weise schwerwiegend ist die Abspaltung eines großen Teiles des bisherigen offiziellen Anglikanismus von der Lambeth-Konferenz und dem Sitz von Canterbury und damit auch vom britischen Regierungsapparat (siehe Gedanken zur Woche 301-b – WEIHNACHTSOKTAV einschließlich HOCHFEST DER GOTTESGEBÄRERIN sowie anschließende TAGE DER WEIHNACHTSZEIT (2025-2026)). In den letzten Jahren hatte es eine ganze Reihe von eher örtlichen bis nationalen Abspaltungen vom offiziellen Anglikanismus/Anglikantertum gegeben. Auch eindeutig politisch relevante Abspaltungen ereigneten sich im Rahmen dieses vielschichtigen internationalen Prozesses in so verschiedenen Ländern wie etwa in Australien, Kanada, Uganda, den USA und in Zimbabwe. Mitunter wurde eh bereits vor einigen Jahren gemeint, die kirchliche Einheit innerhalb der offiziellen Lambeth-Konferenz sei durch ein Schisma eh schon verloren gegangen („current schism“). Inneranglikanische Spaltungen wirkten sich, wohl für aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter eher überraschend, bis in die höhere Ebene bundesdeutscher Parteipolitik hinein aus. Überhaupt hatten wir schon längst vor dem neuen inneranglikanischen Spaltungsvorgang bereits ein ganzes Sammelsurium an miteinander konkurrierenden mehr oder minder anglikanischen Denominationen bis Splittergruppen vor uns (siehe Gedanken zur Woche 45-b – 2. WOCHE IM JAHRESKREIS (2021)). Die britische Königin und dann ihr Nachfolger als Kirchen- wie Staatsoberhaupt samt dem betroffenen britischen Regierungsapparat hielten sich betont zurück. Offensichtlich waren Aussitzen und zumindest in den Massenmedien zu erzielende Deeskalation dort die Strategie. Eine solche verfängt jetzt aber umso weniger. Dementsprechend wurde beim Empfang für König Charles III. im Vatikan kritisch die Frage aufgeworfen, ob man die durch ihn vertretene Richtung von Anglikanertum/Anglikanismus nicht einseitig zu freundlich behandelt habe.

Dem Auseinanderbrechen der Evangelisch-Methodistischen Kirche/United Methodist Church als größter der sogenannten Mainline Churches von Protestanten in den USA mit ihren Strukturen auch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten (siehe Gedanken zur Woche 148 – 3. SONNTAG IM JAHRESKREIS und SONNTAG DER WORTES GOTTES (2023) und Gedanken zur Woche 163 – 5. SONNTAG DER OSTERZEIT (2023)) wurde beizeiten auch eine gesellschaftspolitische Relevanz zugemessen. Sogar der angesehene Nachrichtensender CNN fand dazu deutliche Worte.

Das Eintreten für Einheit unter Christinnen und Christen ist also alles andere als eine einfache und leichte Sache. Bei einer „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ kann dies wieder stärker bewusst werden.

 

 

 

Gedanken zur Woche 303, Dr. Matthias Martin
TAUFE DES HERRN (2026)

Ein Fest wie das der TAUFE DES HERRN hat seine Bedeutung für die ganze katholische Weltkirche. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft wieder mehr Menschen durch dieses wie durch andere Feste angesprochen fühlen.
Zur Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus in Stein an der Donau aber hat dieses Fest dabei seinen eigenen besonderen Bezug. Nahe dem neugotischen Hauptaltar finden wir vom Kirchenvolk her gesehen auf der linken Seite an der Nordwand ein Gemälde mit der Taufe Jesu Christi durch Johannes den Täufer. Interessanterweise handelt es sich hierbei um ein Gemälde von Martin Johann Schmidt, eigentlich etwas irreführend auch genannt Kremser Schmidt (siehe Gedanken zur Woche 222 – 12. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2024) und Gedanken zur Woche 251-b – 1. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025)).

Allein diese Verbindung aus neugotischem Hauptaltar und barockem Gemälde hat als solche ihre Aussagekraft. Dies gilt umso mehr, da diese Verbindung der Gestaltung auch sonst im Altarraum wie in der gesamten Pfarrkirche entspricht. Diese Gestaltung verdeutlicht, dass es eine völlig legitime Bandbreite in der künstlerischen Darstellung von theologischen Themen und der Gestaltung religiöser Räume oder Einrichtungen gibt. Egal ob es sich um Frühromanik, Hochgotik, neobyzantinischen Stil, eine Variante des Barocks oder eben Neugotik handelt, so hat dies jeweils seinen guten und legitimen Platz im kirchlichen Leben und überhaupt in der menschlichen Gesellschaft. Damit hatte die katholische Kirche über die Jahrhunderte grundsätzlich kein Problem. Die Steiner Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus steht dafür und bietet auf engstem Raume Anschauungsmöglichkeiten. Blicken wir über den Erdenrund, so finden sich zahllose Beispiele. Dass es etwa in Nordamerika länger als üblicherweise in Europa eine Blütephase für neugotische Kirchenbauten gab, mag zur Beschäftigung mit allgemeineren kirchlichen Entwicklungen anregen. Unterschiedliche Vorlieben in verschiedenen Teilen der Weltkirche in Hinblick auf den Kunststil in Sakralbauten war weder für Papst Gregor XVI., den seligen Papst Pius IX. oder Pius XII. ein Problem. Auf dieser Linie liegt, dass die bewusst an den Lehren früherer Päpste und Kirchenversammlungen festhaltende Priesterbruderschaft St. Pius X. keinen der betreffenden Kunststile und Bauweisen ausschließt oder herabwürdigt.
Dabei bekam der Verfasser dieses Beitrages zusammen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen schon zu Beginn des Theologiestudiums in Würzburg bestätigt, dass eben genau die Priesterbruderschaft St. Pius X. die offizielle kirchliche Position bis zum Tod von Papst Pius XII. wiedergibt. Interessiere man sich dafür, was denn die katholische Kirche bis dahin vertreten habe, so könne man sich an eine Niederlassung der Priesterbruderschaft St. Pius X. wenden. Dabei ist natürlich auch klar, dass eine Gemeinschaft wie diese ebenso Veröffentlichungen von Papst Johannes XXIII. befürwortet. So wird dort die Heilige Messe grundsätzlich nach dem Messbuch von Johannes XXIII. gefeiert. Auch sonst betrachtet die Priesterbruderschaft St. Pius X. die von Johannes XXIII. herausgegebenen liturgischen Bücher als grundlegend für die Feier der verschiedenen Sakramente. Nicht zuletzt in der scharfen Verurteilung des Kommunismus und der Betonung der Wichtigkeit der lateinischen Sprache wie der überlieferten Lehre zu Ehe und Familie befindet sich die Bruderschaft ganz auf der Linie dessen, was Johannes XXIII. festhielt bzw. festhalten ließ.

In Hinblick auf die Legitimität der verschiedenen Kunststile ist auch zu beachten, dass das „Bilderkonzil“ von Nicäa des Jahres 787 keine Festlegung auf einen bestimmten Stil traf (siehe Gedanken zur Woche 9-b – 5. OSTERWOCHE (2020) und Gedanken zur Woche 91 – 4. ADVENTSONNTAG (2021)).
So ein früheres Konzil kann recht verstanden auch und gerade heutzutage zu Dialog und Deeskalation beitragen. Tatsächlich brachen alsbald auch in diesem Bereich heftige Verwirrungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil aus. Was bis dahin mit Unterstützung der Päpste als künstlerischer Pluralismus in der Weltkirche akzeptiert war, wurde nun nicht nur in Zweifel gezogen, sondern aktiv bekämpft. Auch im offiziellen Bereich der Kirche tätige Theologinnen und Theologen hatten und haben nun mit großen Teilen des künstlerisch-kulturellen Erbes einschließlich ganzen bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil akzeptierten Kunststilen ihre Probleme. Dass zahllose Kunstwerke zerstört oder sonstwie der Allgemeinheit verloren gingen, wird überhaupt nicht bestritten. Eigens stellt sich mitunter ausdrücklich die Frage nach rechtswidrigem Verhalten von Geistlichen und anderen kirchlichen Mitarbeitern.

Die Pflege des kulturellen Erbes stellt eben eine bleibende Verpflichtung dar. In Verbindung mit theologischen Grundlagentexten wie dem Beschluss über die Erlaubtheit von Bildern im religiösen Leben des Zweiten Konzils von Nicäa kann dies hoffentlich auch Engstirnigkeit und Fanatismus entgegenwirken.

In diesem Sinne verdient gerade auch das FEST TAUFE DES HERRN Beachtung. Der Jesus von Nazaret taufende Johannes der Täufer wird ja auch in anderen Religionen und innerhalb des Christentums von recht unterschiedlichen Konfessionen in Ehren gehalten (siehe allgemein Gedanken zur Woche 65-b – 12. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST von der GEBURT JOHANNES DES TÄUFERS (2021)). Offensichtlich hat in den letzten Jahren dieser Umstand eigens die Annäherung von Mandäern und katholischer Kirche gefördert. Innerhalb des Christentums mögen die im Laufe der Zeit mehr oder minder aufgetauchten Häupter des Johannes des Täufers den kritischen Sinn und die Bereitschaft zu ehrlicher Überprüfung im Bereich des Reliquienhandels und des ganzen Reliquienwesens fördern. Johannes der Täufer wird ja doch nur einen Kopf gehabt haben. Er war nicht etwa doppelköpfig oder gar eine Hydra.

Zum Fest der TAUFE DES HERRN mögen sich Katholikinnen und Katholiken auch (wieder) bewusst machen, dass die Taufe mit Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes auch von der katholischen Kirche als gültig anerkannt wird, wenn sie in einer Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft gespendet wurde, die nicht mit ihr in voller Einheit steht. Ganz aktuell wurde in den Medien bereits wegen der neuen und besonders globalen Spaltung innerhalb des Anglikanertums, im Anglikanismus über eine erneute Übertrittswelle in Richtung der katholischen Kirche spekuliert. Auch in diesem Fall erkennt die katholische Kirche die Gültigkeit der mit der richtigen Absicht gespendeten Taufe bei Konvertitinnen und Konvertiten an. Die regelrechte Existenzkrise des Vereinigten Königreiches mit den in Schottland und Wales so starken Unabhängigkeitsbestrebungen und dem weiteren Erstarken der Bewegung für die Wiedervereinigung Irlands kann die Absetzbewegung von Anglikanismus/Anglikanertum eigens ermutigen. Die Verwirrungen, wie sie auch in der Frage der Spendung und Gültigkeit der Taufe in den letzten Jahrzehnten innerhalb der katholischen Kirche um sich gegriffen haben, sollen hier niemanden kopfscheu machen.

Grundsätzlich lehrt doch die katholische Kirche, dass die Taufe als Eingangstor zum kirchlichen Leben einen character indelebilis, ein unauslöschliches Merkmal verleiht oder einprägt (siehe Gedanken zur Woche 213-b – 4. OSTERWOCHE (2024)). In Zweifelsfällen ist eben ganz im Sinne des katholischen Kirchenrechts eine gewissenhafte Überprüfung durchzuführen. Herablassendes Verhalten gegenüber Menschen, die sich für einen Übertritt zur katholischen Kirche interessieren, muss auf jeden Fall unterbleiben. Damit verbunden sollte eine wie auch immer geartete Überbewertung etwa staatskirchlicher Strukturen, aus denen Konvertitinnen und Konvertiten kommen, unterbleiben.

 

1. Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7
2. Lesung: Apg 10,34-38
Evangelium: Mt 3,13-17

 

 

 

Gedanken zur Woche 303-b, Dr. Matthias Martin
1. WOCHE IM JAHRESKREIS (2026)

Die Diskussionen über die Formen der Liturgie in der Lateinischen Kirche finden in diesen Tagen ihre Fortsetzung. Betroffen ist davon natürlich auch der Bereich des eigentlichen Kirchenrechts wie er uns im CIC für die Lateinische Kirche, im CCEO für die Katholischen Ostkirchen sowie in dem so weiten und insbesondere in den Tagen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ziemlich unübersichtlichen Feld des außerkodikarischen Kirchenrechts begegnet.

Hierbei geht es gerade um das Verkündigungsrecht und das kirchliche Verfassungsrecht. Sollte nicht etwa die Priesterbruderschaft St. Pius X. als bedeutendste Gemeinschaft für den Tridentinischen Ritus als Personalprälatur anerkannt werden? Dies wurde schon Jahrzehnte angedacht und scheinbar auch in einer Art Grundsatzübereinkommen mehr oder minder festgehalten. Wie könnte dann die Zugehörigkeit, Affilliierung oder ganz allgemein Mitarbeit und Betreuung von Laien geordnet werden? Sowohl im Priesterdekret „Presbyterorum ordinis“ des Zweiten Vatikanischen Konzils wie im CIC ist eine Mitgliedschaft von Laien in einer Personalprälatur eben nicht vorgesehen. Hinzu kommt, dass eine Personalprälatur der Zustimmung des offiziellen Ortsordinarius bedarf, wenn sie in seiner Ortskirche tätig sein will (siehe Gedanken zur Woche 154-b – 2. FASTENWOCHE 2023)). Die scharfe Beschränkung des Mitgliederbestandes auf Kleriker bei einer Personalprälatur wurde im Sinne der erwähnten Originaltexte im Pontifikat von Papst Franziskus stärker angemahnt. Das Problem der destruktiven Haltung von Ortsordinarien gegen die Tätigkeit der dann einmal als Personalprälatur anerkannten Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihrem Bereich scheint demgegenüber schon unter Papst Franziskus im Grundsatz gelöst worden zu sein, indem grundsätzlich eine Garantie für deren bestehende Niederlassungen und grundsätzliche Wirkungsfreiheit vereinbart worden sei.
Eine andere, ebenfalls schon diskutierte Möglichkeit wäre die der Errichtung einer Kirche eigenen Rechts für den Tridentinischen Ritus. Deren Kernorganisation wäre dann eben die Priesterbruderschaft St. Pius X. Etwas in diese Richtung ginge eine Ordnung für Kleriker, Geistliche und generell Gläubige, welche sich besonders dem Tridentinischen Ritus verbunden fühlen in bewusster Anlehnung an die Militärseelsorge. Tatsächlich bezog sich bereits der Hauptgründer und erste Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre, seinerseits auf die Apostolische Konstitution „Spirituali militum curae“ für die Ordnung der katholischen Militärseelsorge und der katholischen Militärordinariate bzw. Militärdiözesen“ ( https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/apost_constitutions/documents/hf_jp-ii_apc_19860421_spirituali-militum-curae.html ). Auch die unter Papst Benedikt XVI. erstmals geschaffenen Personalordinariate für ehemalige Anglikaner können hier in den Blick kommen. Diese erinnern ja ihrerseits an die angesprochene Ordnung der Militärseelsorge.
 

Nicht zuletzt geht es unabhängig von solchen kirchenrechtlich-pastoralen Überlegungen darum, welcher liturgische Kalender zu welcher Gelegenheit verwendet wird.
Da ist es natürlich eigens interessant, wenn man sich in der ersten liturgischen Woche im Jahreskreis befindet. Spontan mag man sich bei dieser Gelegenheit die Frage nach anstehenden Entwicklungen in der kommenden Zeit stellen.
Fragen werden sich da nicht nur in Hinblick auf mehr innerkirchliche Entwicklungen auf.

Wie geht es überhaupt in der Internationalen Gemeinschaft weiter? Der Heilige Stuhl ist da allein schon wegen seiner umfangreichen diplomatischen Beziehungen und seiner Mitgliedschaft bzw. Mitarbeit in internationalen Organisationen direkt involviert. Ähnliches gilt für den Souveränen Malteser-Ritter-Orden/Malteseroden. Und da ist als eigene Größe, wenn auch besonders eng mit dem Heiligen oder Apostolischen Stuhl verbunden, der Staat der Vatikanstadt, kurz Vatikanstaat. Nicht vergessen werden sollte darüber hinaus der Campo Santo Teutonico (siehe Gedanken zur Woche 204-b – 1. FASTENWOCHE (2024)).

Wie wird sich die Lage in Venezuela weiterentwickeln? Kommt es vielleicht wie über Jahrzehnte in dem fortwährend bürgerkriegserschütterten Kolumbien zur Herausbildung eigenständiger Herrschaftsterritorien auf informellen bis halboffiziellen Niveau innerhalb der Internationalen Gemeinschaften und dementsprechenden Beziehungen? Oder kommt es zu einer auch offiziell irgendwann anerkannten Desintegration des bisherigen Staatswesens von Venezuela? Dieses ging selber als Abspaltung aus dem Zerfall der kurzlebigen Republik hervor, die gerne Großkolumbien genannt wird. Im Rahmen dieser Vorgänge gewann auch Ecuador seine dauernde Unabhängigkeit. Panama spaltete sich dann Anfang des 20. Jahrhunderts von Kolumbien ab. Sein nördlicher Nachbar, die Republik Costa Rica war ihrerseits einer jener Staaten, welche aus der Auflösung der Zentralamerikanischen Konföderation hervorging. Dieses seinerseits aus der Abspaltung des selber noch so jungen mexikanischen Staatswesens hervorgegangene Gebilde wird auch „Bundesrepublik von Zentralamerika“ oder „Vereinigte Provinzen von Zentralamerika“ genannt. Seltener ist wohl als Bezeichnung der Ausdruck „Vereinigte Staaten von Zentralamerika“.
Bolivien mit seiner Trennung Peru ist ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Sezession in Lateinamerika.
Ein Staatszerfall oder durch Abspaltung verwirkliche Gebietsreduktion Venezuelas ist also umso weniger ganz auszuschließen. Hinzukommt das feindselige Verhalten von venezolanischer Seite insbesondere gegenüber dem kleineren Nachbarstaat der Kooperativen Republik Guyana. Gerade dort könnte jede Schwächung Venezuelas als Beitrag zur eigenen Existenzsicherung gesehen werden. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der eigenen konfliktreichen Geschichte mit Venezuela kann man nicht zuletzt auch in der Republik Kolumbien einer nachhaltigen Reduktion bis Staatsauflösung Venezuelas betont positiv gegenüberstehen. Es gilt ja als Grundsatz in der lateinamerikanischen Politik „Man ist Feind des Nachbarn und Freund des Nachbarn des Nachbarn“.

Die Auseinandersetzungen um Grönland passen natürlich ins größere Bild der gegen das Königreich Dänemark gerichteten mehrfachen Herausforderungen. Was wird etwa aus Nordschleswig und Bornholm (siehe Gedanken zur Woche 278-b – 16. WOCHE IM JAHRESKREIS (2025))? Auch diese Insel verfügt über ihre eigene Unabhängigkeitsbewegung. Längst ein eigener Akteur in den internationalen Beziehungen sind die Färöer-Inseln. Dies wurde auch gerne schon von russischer Seite aufgegriffen. Seitens der katholischen Kirche bleibt festzuhalten, dass die färöische Nationalbewegung seit ihren frühen Tagen traditionell den Katholikinnen und Katholiken freundlich gesinnt ist. Da hat sich beizeiten so etwas wie eine Zuneigung auf Gegenseitigkeit entwickelt. Die Aufarbeitung der von Dänemark kontrollierten Lager mit deutschen Flüchtlingen ab Ende des Zweiten Weltkriegs als regelrechte Todeslager insbesondere für neugeborene Kinder kann in einer für Dänemark sehr unangenehmen Weise vorangebracht werden. Jede politische Bewegung, jede ethnische und religiöse Gemeinschaft in einem Spannungsverhältnis mit dem dänischen Staat kann theoretisch so etwas aufgreifen. Dies gilt erst recht für jede funktionierende Regierung eines anderen Staates. Dies gilt auch in Hinblick auf die so furchtbare geschichtliche Rolle Dänemarks im internationalen Sklavenhandel. Insbesondere in Teilen der islamischen Welt dürfte die Mitwirkung Dänemarks am Überfall auf den Irak und dessen Aufteilung nicht vergessen worden sein.

Brisant ist auf jeden Fall insbesondere die Entwicklung mit Somaliland. Jüngst hat mit Israel erstmals ein Mitglied der Vereinten Nationen die volle diplomatische Anerkennung Somalilands ausgesprochen und darüber hinaus eine umfassende Zusammenarbeit in verschiedenen Themenbereichen vereinbart. Vorher schon hatte sich schon die Republik Taiwan in dieser Richtung engagiert. Einst war der israelische Beistand höchst wertvoll für südsudanesische Unabhängigkeitsbewegung. Längst ist die Republik Südsudan ein international anerkannter eigener Staat mit Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen und der ihm einst so feindseligen Afrikanischen Union. Löst nun die Anerkennung Israels und das offensichtlich vorhandene Interesse der USA und anderer Staaten an einer tiefgehenden Zusammenarbeit vielleicht einen Dominoeffekt zugunsten Somalilands und von dort aus zugunsten weiterer Staaten mit begrenzter Anerkennung und für betreffende Unabhängigkeitsbewegungen aus? Dazu ist nicht zu übersehen, dass die Unterstützung durch Taiwan sich in der neueren Geschichte ihrerseits wiederholt als sehr wertvoll erwiesen hat.

Die beiden Republiken Südsudan und Taiwan besitzen, wie in „Gedanken zur Woche“ angesprochen, eigens ihre ganz starke Bedeutung für die christliche Ökumene.

 

 

 

Gedanken zur Woche 302, Dr. Matthias Martin
SONNTAG NACH WEIHNACHTEN (2026)

Der erste Sonntag in einem betreffenden Kalenderjahr kann intensiv genutzt werden. Zum einen sind natürlich alle Katholikinnen und Katholiken ausdrücklich eingeladen, die Heilige Messe zu besuchen. Die Einladung gilt aber auch für alle anderen Menschen. Diese sind doch eingeladen, die Wahrheit zu suchen. Die katholische Kirche geht nun davon aus, dass die zu suchende Wahrheit in ihr vorhanden ist. Genauso meinen das in der Regel auch andere religiöse Gemeinschaften, sind Weltanschauungsgemeinschaften, philosophische Schulen von sich überzeugt. Auf jede Gewalttätigkeit und Hasspropaganda wie die gezielte Erzeugung von wirtschaftlichem, sozialem und politischem Druck ist dabei zu verzichten. Man denke hier etwa auch an die negative Formulierung der Goldenen Regel. Dies wird uns im alttestamentlichen Tobit, seltener Buch Tobias genannt, überliefert. Folgen wir der neuen deutschen Einheitsübersetzung, so können wir da vernehmen (siehe Gedanken zur Woche 215 – 6. SONNTAG DER OSTERZEIT (2024)):

„(Tob 4,15) Was du hasst, das tu niemand anderem an!"

Es geht in diesem Vers noch weiter mit der Aufforderung „Auf deinem ganzen Weg soll Böses nicht mit dir ziehen!“

Die Menschen sollen möglichst frei von betreffenden Bedrängnissen die Wahrheit nach besten Kräften suchen und sich für diese nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden können. Die Bereitschaft etwa, unter Berufung auf das Zweite Vatikanische Konzil autoritäre bis totalitäre Regime auch noch zur Verfolgung missliebiger Menschen aufzustacheln, war eine schlimme Verirrung. Wie vorhergesagt, hat dies der katholischen Kirche selber schweren Schaden zugefügt. Es lässt sich nun wirklich nicht bestreiten, dass gerade in westlichen Ländern die religiöse Praxis bei Katholikinnen und Katholiken seit den sechziger Jahren schwer eingebrochen ist. Die Übertrittswelle weg von der katholischen Kirche hin zu pfingstlerischen und evangelikalen Gemeinschaften erreichte in Lateinamerika längst gewaltige Ausmaße. Hinzu kommt der enorme Aufschwung mehr synkretistischer bis neopaganer Richtungen, und zwar ebenfalls auf Kosten der katholischen Kirche. Dieser Gesamttrend hat längst den afrikanischen Kontinent erreicht. Ein Ende lässt sich in seiner Gesamtheit auch jetzt ehrlich betrachtet nicht absehen. Der demonstrative Schulterschluss von Vertretern der offiziellen Kirchenhierarchie mit kommunistischen Regimen zur Bekämpfung von Menschen, die von ihrem Gewissen her dem Zweiten Vatikanischen Konzil mehr oder minder kritisch gegenüberstanden und gegenüberstehen, hat die katholische Kirche deutlich kompromittiert. Die in anderen Teilen der Welt gleichzeitig betriebene Zusammenarbeit mit sogenannten rechten Militärregimen zur Bekämpfung katholischer Traditionalisten beschädigte die eigene Glaubwürdigkeit weiter. Dabei war schon der spätestens um das Jahr 1976 in der wissenschaftlichen Welt gemachten Aussage, dass es nun erstmals in der Kirchengeschichte so weit gekommen sei, dass die offizielle Hierarchie der katholischen Kirche gleichzeitig mit kommunistischen Diktaturen und rechten Militärregimen zusammenarbeite, um damit jeweils theologisch andersdenkende Menschen zu bekämpfen, gar nicht mehr widersprochen worden. Auch in einem Land wie den USA haben in der Zwischenzeit mehrere Millionen Menschen die katholische Kirche verlassen. Da helfen kein Verdrängen und Abstreiten. Bezüglich Großbritannien wurde der Massen-Exodus aus der katholischen Kirche längst vorgerechnet. Dieser Vorgang betraf dort vor allem das Territorium der Bischofskonferenz von England und Wales. Wie die anglikanische Staatskirche von England mit deren Tochterkirche von Wales und dem Königshaus ist man auch im Bereich der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales längst mit schweren Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Anstatt mit dem offenkundig in einer existentiellen Krise befindlichen politisch-gesellschaftlichen System samt Königshaus und Staatskirche von England unbedingt zu paktieren, hätte man wohl besser Missstände im eigenen Bereich angegangen und ehrlich aufgearbeitet. Das Motto „Eine Hand wäscht die andere“ funktioniert wohl auch hier nicht auf Dauer. Die Mahnung des Tobit in dem betreffenden Buch des Alten/Ersten Testaments an seinen Sohn Tobias ist auch heute noch bedenkenswert. Gerade Kirchenvertreter mögen sich betreffende Mahnungen zu Herzen nehmen, wenn es da u. a. heißt:

„(Tob 4,5) Alle deine Tage, Kind, gedenke des Herrn! Hüte dich, zu sündigen und seine Gebote zu übertreten! Vollbringe alle Tage deines Lebens gerechte Taten und wandle nicht auf den Wegen des Unrechts! (6) Denn wer die Wahrheit tut, wird mit seinen Werken zu gutem Erfolg geführt. Tu für alle, die die Gerechtigkeit tun, (7) Almosen aus dem, was du hast! Wende dein Angesicht von keinem Armen ab, dann wird sich Gottes Angesichte nicht von dir abwenden! (8) Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“

Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei Tobit um jemanden handelte, der sich unter Lebensgefahr dem für viele Zeitgenossen wohl als unüberwindlich erscheinenden assyrischen Großkönigtum widersetzte. Tobit ergriff Partei für Menschen, die für das herrschende Regime mehr oder minder auf der Abschlussliste standen. Er beließ es dabei nicht mit schönen Worten. Er vollbrachte vielmehr zugunsten solcher Menschen gute Taten. Er half, so gut er konnte! Dies weist uns ganz stark in die Richtung späterer neutestamentlicher Stellen wie authentischer außerbiblischer jüdisch-christlicher Überlieferung.
Schon Mose stand ein für die damals versklavten Hebräer gegen das Herrschaftssystem des Pharaos. Nachher war es dann lange Zeit die Besonderheit der zwölf Stämme Israels, keinen König zu haben. Liest man in den Schriften des Alten/Ersten Testaments, so springt es ins Auge, dass selbst in Hinblick auf noch eher positiv dargestellte Könige wie David und Salomo auch deren dunkle Seiten angesprochen werden. Erst recht geschieht dies bei anderen Königen hebräisch-israelitischer Geschichte. Ein ganz eigener Punkt ist die bereits nach dem Tod Salomos stattfindende Spaltung dieses Reiches in das voneinander unabhängige Nordreich Israel und das südliche Königreich Juda.
Auf den Untergang von Königreichen und dergleichen wird im Alten/Ersten Testament ziemlich schonungslos hingewiesen. Immer wieder wird die Mahnung verdeutlicht, sich nicht einfach auf weltliche Macht zu verlassen. Schon im Alten/Ersten Testament wird eigens die Korrumpierung von Religion durch die Verquickung mit politischer Macht und irdischem Reichtum thematisiert. Mit je eigenen Akzenten geschieht dies etwa recht drastisch in dem Prophetenbuch Amos und den beiden Makkabäerbüchern. Aber mit Warnungen beginnt es eben schon ganz vorne. Bereits in den Fünf Büchern Mose, dem Pentateuch oder der Thora/Tora/Torah werden auch die nicht so glorreichen Seiten von Personen dargestellt, die doch eigentlich so etwas wie die eigenen Sympathieträger sind. Dies mag für uns alle ein ganz eigener Ansporn sein, sich ehrlich mit eigenen Fehlern und Schwächen auseinanderzusetzen. Anstelle bei derzeit Mächtigen uns anzubiedern, mögen wir uns selber immer wieder bei der Nase fassen. Persönliches moralisches Fehlverhalten macht ja auch erpressbar. Dies sah man in den letzten Jahrzehnten überdeutlich. Besonders regimefreundliche Bischöfe und andere Kirchenleute hatten immer wieder, irdisch betrachtet, einigen Grund, die Enthüllung, der Wahrheit zu fürchten. Umso eifriger arbeiteten sie zu deren Unterdrückung mit Mächtigen zusammen.
Inzwischen einmal begonnene Aufarbeitungen müssen fortgesetzt werden. Eine weitergehende Verschärfung des Kirchenrechts ist dringlich ins Auge zu fassen. Rückmeldungen auf Beiträge dieser Reihe „Gedanken zur Woche“ aus ganz verschiedenen politischen Richtungen und gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern bestätigen dies bzw. dringen darauf.

 

1. Lesung: Sir 24,1-2.8-12 (1-4.12-16)
2. Lesung: Eph 1,3-6.15-18
Evangelium: Joh 1,1-18

 

 

 

Gedanken zur Woche 302-b, Dr. Matthias Martin
TAGE DER WEIHNACHTSZEIT einschließlich HOCHFEST ERSCHEINUNG DES HERRN (2026)

In der Theologie ist es eine bleibende Herausforderung, Missverständnisse zu vermeiden und die eigene Botschaft möglichst klar und in einem guten Sinne deutlich zu vermitteln. Wenn die erste vollständige Woche in einem Kalenderjahr beginnt, mögen sich gerade Menschen, die ein offizielles Amt, eine Aufgabe, einen Dienst im kirchlichen Bereich innehaben, dieser Herausforderung bewusst sein. Zu Beginn eines Jahres mag man sich doch besonders gedrängt sehen, die vorliegenden Aufgaben und Herausforderungen möglichst realistisch in den Blich zu nehmen. Man wird Überlegungen entwickeln und mitunter auch korrigieren. Eigens kann es reizvoll und zugleich nützlich sein, genauer zu bedenken, wie man in dem beginnenden Jahr falsche Verhaltensweisen vergangener Zeiten ablegt und sich hier oder dort besser ausdrücken und besseres Verhaltens verwirklichen kann.

Da ist schon der offizielle Name des Hochfestes/Festes I. Klasse vom 6. Januar eine ganz interessante Anregung. Wenn wir in ein Direktorium wie das des Bistums, der Diözese St. Pölten blicken, finden wir da eben die Bezeichnung ERSCHEINUNG DES HERRN. Ganz so heißt es zu diesem kirchlichen Fest auch in Canon/Kanon 1246 des CIC für die Lateinische Kirche (siehe Gedanken zur Woche 141-b – 2. ADVENTWOCHE einschließlich HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESGEBÄRERIN MARIA (2022) und Gedanken zur Woche 218-b – 8. WOCHE IM JAHRESKREIS einschließlich HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI/FRONLEICHNAM (2024)).
Nun besteht die katholische Kirche nicht nur aus der Lateinischen Kirche mit dort allein schon verschiedenen liturgischen Traditionen, spirituellen Überlieferungen und örtlichen rechtlichen Ausdifferenzierungen sowie jeweiligem Partikularrecht. So gibt es ja in etwa zwei Dutzend weitere Kirchen eigenen Rechts, welche mit der Lateinischen Kirche eben gemeinsam die eine katholische Weltkirche bilden. Vereint in der gemeinsamen Glaubens- und Sittenlehre und den Sakramenten wirken die jeweiligen Diakone, Priester und Bischöfe in Einheit mit dem Papst als dem Nachfolger des Apostels Petrus.
Dementsprechend gibt es doch Seite an Seite mit dem CIC den CCEO für diese katholischen Kirchen eigenen Rechts, welche im Rahmen der katholischen Weltkirche eben in voller Gemeinschaft mit der Lateinischen Kirche stehen. Nicht zuletzt diese Einheit muss gegen alle einfältige bis aggressive Unkenntnis und fortdauernde gezielte Desinformationen immer wieder herausgestellt werden. Kirchliche Einheit, wo sie besteht, zu verteidigen, ist für sich eine starke Herausforderung, die es sehr ernsthaft wahrzunehmen gilt.

Da finden wir eben für das erwähnte Hochfest, dieses Fest I. Klasse in Canon/Kanon 880 Paragraph 3 die Bezeichnung EPIPHANIE. Diese Bezeichnung besagt genau dasselbe wie ERSCHEINUNG DES HERRN und kann zu Recht etwa auch im deutschen Sprach- und Kulturraum bzw. im lateinischen Kirchenbereich begegnen.
Der Ausdruck „Drei Könige“ ist irreführend. Nehmen wir das Neue/Zweite Testament in die Hand, so finden wir nirgends eine Aussage, wonach die Besucher aus dem Osten Könige gewesen wären. Auch die Zahl Drei ist diesbezüglich nicht in der Bibel zu finden, insbesondere nicht im betreffenden Abschnitt des Matthäusevangeliums. Bei der Stelle vom Besuch der Sterndeuter/Weisen/Gelehrten in Bethlehem handelt es sich schließlich um matthäisches Sondergut (Mt 2,1-12) (siehe Gedanken zur Woche 145-b – TAGE DER WEIHNACHTSZEIT einschließlich ERSCHEINUNG DES HERRN (2023)). Der einzige König, der tatsächlich in Zusammenhang mit den Ereignissen in Bethlehem einschließlich dem dortigen Kindermord erwähnt wird, ist der besonders berüchtigte Herodes (siehe Gedanken zur Woche 43-b – TAGE DER WEIHNACHTSZEIT einschließlich ERSCHEINUNG DES HERRN (2021)). Offensichtlich ergibt sich gegen eine solche Feststellung zumindest in der breiteren Öffentlichkeit und im ökumenischen Dialog nicht einmal ein Widerspruch von staatskirchlichen Einrichtungen, die von einem Monarchen bzw. in dessen Namen geleitet werden. Das schließt natürlich nicht aus, dass auf örtlicher Ebene oder bei vertraulichen Aktivitäten etwas anderes behauptet wird. Die Behauptung, der Sieg der Engländer in der Schlacht an der Boyne im Jahre 1690 gegen ihre prokatholischen und meist irischen Kontrahenten sei als ein Gottesurteil in der Bibel nachzulesen, macht deutlich, dass man bei den Anhängern gewisser angeblich „christlicher“ Monarchien überhaupt sehr vorsichtig sein muss (siehe Gedanken zur Woche 143-b – 4. ADVENTWOCHE (2022)). Aus solcher Richtung kam schließlich auch die Propagierung eines britischen Kolonialkrieges nach dem anderen und mitunter mehr als einer gewalttätigen imperialistischen Kampagne auf einmal. Neuerdings war dann noch zu hören, die Kritik an dem von Großbritannien vorangetriebenen und erheblich veranstalteten Irakkrieg mit der Königin als Staatsoberhaupt, offizieller Oberbefehlshaberin und Oberhaupt der Staatskirche müsse auf jeden Fall unterbleiben. Derartige Kritik verletze doch die religiösen Gefühle so vieler Anglikaner (siehe Gedanken zur Woche 130-b – 25. WOCHE IM JAHRESKREIS (2022)).
Aber immerhin muss man sich nicht allzu plumpe Tatsachenverdrehung auch noch ständig in Zusammenhang mit der Tatsache, dass der einzige König an der betreffenden matthäischen Stelle im Neuen/Zweiten Testament Herodes war, in ökumenischen Beziehungen zumuten lassen. Dass wegen der massiven Verquickung von militärischer Gewalt, täglicher Politik und Religion die ökumenischen Beziehungen mit Staatskirchen wie denen von England, Dänemark und Norwegen zumindest fragwürdige Angelegenheiten sind, kann man über parteipolitische, ethnische und soziale Grenzen hinweg bestätigt bekommen.

Die Menschen sollen doch möglichst ohne gewaltsame Bedrohung nach der Wahrheit suchen können. Rücksichtnahme aus politischen Gründen und dergleichen auf Kosten der Wahrheit schadet sehr leicht dem Ansehen des Christentums auch auf internationaler Ebene.
So wird ja auch im offiziellen Kirchenrecht nicht zu Vertuschung und Hilfe für Einzeltäter und ganze Täterregime aufgefordert. Beispielsweise lautet Canon/Kanon 748 Paragraph 1 des jetzigen CICs:

„Alle Menschen sind gehalten, in den Fragen, die Gott und seine Kirche betreffen, die Wahrheit zu suchen; sie haben kraft göttlichen Gesetzes die Pflicht und das Recht, die erkannte Wahrheit anzunehmen und zu bewahren.“

Gerade vor dem Hintergrund, dass etwa bei der Unterwerfung Okzitaniens katholische Kirchenvertreter Handlangerdienste für die französische Kolonialpolitik leisteten (siehe Gedanken zur Woche 135 – 30. SONNTAG IM JAHRESKREIS (2022)) und auch später wiederholt mit dem französischen Imperialismus heftig verflochten waren (siehe allgemein Gedanken zur Woche 110 – 3. SONNTAG DER OSTERZEIT (2022)) liest sich Paragraph 2 dieses CIC-Canon/Kanons 748 umso interessanter:

„Niemand hat jemals das Recht, Menschen zur Annahme des katholischen Glaubens gegen ihr Gewissen durch Zwang zu bewegen.“

Auf die Judenmassaker durch Anhänger des umstrittenen Urbans II. in Zusammenhang mit dem Ersten Kreuzzug möchten wohl diejenigen nicht gerne angesprochen werden, die ihn für die fragliche Zeit überhaupt für den rechtmäßigen Papst halten. Die Thematisierung der Geschichte der Sklaverei in der Neuzeit ist für Anhänger der spanischen Monarchie mit all deren religiös ummantelnden Selbstrechtfertigungsversuchen sehr unangenehm. Dies gilt genauso für die Anhänger der britischen Monarchie einschließlich der Befürworter eines Verbleibs insbesondere von Nordirland, Schottland und Wales beim Vereinigten Königreich. Aber eben beispielsweise auch Dänemark mit seiner Monarchie und Staatskirche ist in einem solchen größeren Zusammenhang nicht zu vergessen.


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